Gedanken zu den Schriftlesungen 2025
Für die Feiertage der Weihnachtszeit habe ich jeweils eine Metapher, d.h. ein sprachliches Bild, das verschiedene Ebenen miteinander verbindet, als Ausgangspunkt der Überlegungen zu den Lesungstexten gewählt. Dahinter steht der Gedanke, dass Metaphern für religiöse Ausdrucksweise zentral sind. Ich weiß nicht, wie eine Religion ohne Metaphern aussehen sollte. Was waren die sprachlichen Bilder für die einzelnen Feiertage? „Friedensfürst“ für den Heiligen Abend, „Ankunft des Sohnes“ für den Christtag, „offener Himmel“ für den Stephanitag.
Der Festtag des heiligen Stephan fällt in die Weihnachtszeit, hat mit dieser aber nur insofern zu tun, als Stephan sich zu jenem Christus bekennt, dessen Menschwerdung wir am Tag zuvor gefeiert haben. Märtyrerfeste sind in der Kirche schon aus früher Zeit bezeugt, das Weihnachtsfest musste sich erst langsam zu einem sich über mehrere Wochen erstreckenden Festkreis entwickeln. So stehen die beiden Feste heute in unmittelbarer zeitlicher Nähe, der Stephanitag fällt in die Weihnachtszeit, hat aber nicht direkt mit ihr zu tun. Freilich hat man dieser zeitlichen Nähe später einen bestimmten Sinn gegeben und sie so gedeutet, dass dem Bild vom Kind in der Krippe gleich der Blick auf das Leiden folge.
Weihnachten ist ein Fest, bei dem Metaphern eine zentrale Rolle spielen. Unter „Metapher“ verstehen wir eine bildhafte Rede, die zwei Ebenen miteinander verbindet, die zunächst nicht direkt miteinander zu tun haben. Sie lässt uns den Graben überwinden (auch das eine Metapher), der verschieden Felder der Bedeutung trennt. Zu Weihnachten feiern wir, wie einmal in unglaublicher Dichte der Gott und Mensch trennende Graben überwunden wurde – in der Ankunft des Sohnes. Um davon zu reden, verwenden wir eine Fülle an Metaphern.
Wer den Advent und die Weihnachtstage liturgisch mitfeiert, wird in einen Bildreichtum eingeführt, der unglaublich ist. Beschränken wir uns an den kommenden Tagen jeweils auf ein Bild oder eine Metapher. Vorweg sei nur gesagt, dass die Metapher vielleicht die Sprachform von Weihnachten ist. Was ist eine Metapher? Antwort: Sie ist ein sprachliches Bild, das verschiedene (sprachliche, bildhafte) Ebenen miteinander verknüpft, die nicht unbedingt zusammengehören. Man muss, um die Metapher zu verstehen, über eine Grenze hinweg-gehen (Metapher!), einen Fluss überqueren (Metapher!).
Die erste Lesung des heutigen Sonntags ist dem Buch des Propheten Jesaja (7,10–14) entnommen, das uns in der Advent- und Weihnachtszeit begleitet. Wir hören heute eine sonderbare Geschichte, in welcher Zeichen eine große Rolle spielen:
10 JHWH sprach weiter zu Ahas und sagte: 11 Erbitte dir ein Zeichen von JHWH, deinem Gott, tief zur Unterwelt oder hoch nach oben hin! 12 Ahas antwortete: Ich werde um nichts bitten und JHWH nicht versuchen. 13 Da sagte er: Hört doch, Haus Davids! Genügt es euch nicht, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott ermüdet? 14 Darum wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Siehe, die junge Frau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.
Der dritte Adventsonntag wird auch „Sonntag Gaudete“ genannt – und zwar nach dem Eingangsvers, der den Sonntagsgottesdienst mit den Worten „Freuet euch“ („Gaudete“) eröffnet. Auch die Schrifttexte des heutigen Sonntags zeigen das Motiv der freudigen Erwartung. Ich möchte im Folgenden aber den Schwerpunkt darauf legen, dass wir in den Texten zwei unterschiedlichen Reihen von Metaphern begegnen: solchen, die auf Natur, und solchen, die auf das Handeln der Menschen bzw. die Geschichte bezogen sind.
Zum Fest Mariä Empfängnis werden jedes Jahr dieselben Schrifttexte gelesen. Was sagen uns diese Texte über das schwer verstehbare Fest? Die Reihe der Lesungen beginnt mit einer Passage vom Beginn des Buches Genesis (3,9–15.20). Immer wenn wir aus den ersten Kapiteln des ersten Buches der Bibel hören, dürfen wir wissen: Es geht um ein Geschehen, das für alle Menschen, ja, das für den Kosmos insgesamt Bedeutung hat. Es geht nicht darum, was chronologisch am Anfang war, sondern darum, was für alle relevant ist.
Schriftlesungen zu Mariä Empfängnis
Eine der beiden Lesungen des heutigen Sonntags ist dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom entnommen (Röm 15,4–9). Der Schlussteil des Briefes, in welchem man die Passage finden kann, kreist um das Thema der Schwachen in der Gemeinde. Die Starken müssen die Schwachen in ihrer Schwäche zu tragen versuchen (Röm 15,1). In diesem Zusammenhang steht auch der heutige Text – das wird etwa dort deutlich, wo es heißt: „Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes!“ (15,7) Die Passage, die wir heute hören, beginnt mit einem wunderbaren Wort, welches ein Thema des letzten Sonntags wieder aufgreift, nämlich das Bleiben des Gotteswortes, in welches wir Vertrauen setzen können: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Mt 25,35)
Mit dem ersten Adventsonntag beginnt das neue Kirchenjahr. Der Text, den uns die heutige Evangeliumsperikope, verfasst von Matthäus (Mt 24,29–44), dafür vorstellt, hat verstörenden Charakter. Es handelt sich um eine apokalyptische Vision, die vom Ende erzählt. Betrachten wir sie auf dem Boden der Lesungstexte, die ihr vorangehen.
Die für den heutigen Sonntag ausgewählten Texte lassen sich daraufhin interpretieren, dass Christus König ist. Allerdings funktioniert das nur sehr indirekt und vermittelt und liegt nicht auf der Hand. Dies möchte ich im Folgenden anhand des Evangeliums und der beiden Lesungen zeigen.
An den letzten Sonntagen des Kirchenjahres hören wir im Gottesdienst apokalyptisch gestimmte Texte. Im Folgenden möchte ich den Ausgangspunkt bei der heutigen Lesung aus dem Buch Maleachi (3,19f) nehmen und von dort auf die anderen Texte blicken.
Der heutige Sonntag fällt auf den Tag, an welchem die Weihe der Lateranbasilika in Rom (San Giovanni in Laterano) gefeiert wird. Der Sonntag verdrängt dieses Fest nicht, sondern wird in der katholischen Kirche als Weihetag dieser speziellen Kirche begangen.
Für den heutigen Feiertag kann eine Fülle an unterschiedlichen Schriftstellen ausgewählt und kombiniert werden. Die jeweilige Konstellation an Texten weist einen je eigenen Weg mit spezifischen Akzentsetzungen durch den Tag. Eine mögliche Zusammenstellung möchte ich im Folgenden vorstellen.
Schriftlesungen zu Allerseelen
Der 24. Psalm, der zum heutigen Fest gebetet wird, beginnt mit einer Überzeugung, welche die gesamte Heilige Schrift durchzieht: Gott ist der Schöpfer und als solcher gehört ihm der Erdkreis und die, die ihn bewohnen. Nicht menschliche Herrscher stehen an der ersten Stelle, Gott ist Herr des Lebens:
JHWH gehört die Erde und was sie erfüllt,
der Erdkreis und seine Bewohner.
Denn er hat ihn auf Meere gegründet,
ihn über Strömen befestigt. (Ps 24,1f)
Beginnen wir die Überlegungen zu den Schriftlesungen des heutigen Sonntags ausgehend vom 34. Psalm, der für diesen Tag ausgewählt wurde. Dort heißt es:
18Die aufschrien, hat JHWH erhört, / er hat sie all ihren Nöten entrissen. 19Nahe ist JHWH den zerbrochenen Herzen / und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.
Am heutigen Sonntag möchte ich die beiden Lesungen, die erste aus dem Buch Exodus (17,8–13) und die zweite aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus (verfasst von jemandem aus seiner Schule) an Timotheus (3,14–4,2), in den Mittelpunkt stellen. Ihre Gemeinsamkeit liegt in der Aufmerksamkeit, die sie der Schrift – die in einem langen Prozess zur Heiligen Schrift wurde – zuerkennen.
Der Lesungstext aus dem zweiten Buch der Könige (5,14–17), der 98. Psalm und die für den heutigen Sonntag vorgesehene Perikope aus dem Lukasevangelium (Lk 17,11–19) lassen sich in eine enge Verbindung bringen. Beginnen wir bei der Lesung: Sie erzählt von einem Feldherrn des Königs von Aram (im heutigen Syrien), der den Namen Naaman trägt und an Aussatz erkrankt war. Ein aus Israel verschlepptes Mädchen, das im Dienst seiner Gattin stand, weist ihn darauf hin, dass ihm die Propheten Israels in seiner Krankheit helfen könnten.
Die erste Lesung des heutigen Sonntags setzt sich aus zwei Passagen aus dem Buch des Propheten Habakuk (1,2f; 2,2–4) zusammen. Seine Schrift ist dem so genannten Zwölfprophetenbuch entnommen. Am Ende der zweiten Passage, die ich hier wiedergebe, fällt ein Satz, der in der Geschichte eine große Wirkung entfaltet hat:
JHWH gab mir Antwort und sagte: / Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, / damit man es mühelos lesen kann! // Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; / aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; / denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus. // Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, / der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben. (2,2–4)
Seit dem letzten Sonntag haben sich die biblischen Bücher, denen die Lesungstexte entnommen sind, nicht geändert: Wieder hören wir eine Lesung aus dem Buch des Propheten Amos (6,1.4–7), einige Verse aus einem Psalm, diesmal ist es der 146. Psalms, eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus (bzw. von jemandem aus seiner Schule) an Timotheus (6,11–16) und eine Perikope aus dem Lukasevangelium (16,19–31). Welche Entwicklung zeigt sich in den Texten vom letzten Sonntag zum heutigen?
An den Sonntagen im Jahreskreis sind die Lesung, welche dem Alten (oder Ersten) Testament entnommen ist, und das Evangelium sehr genau aufeinander abgestimmt, während der Zusammenhang mit der zweiten, der neutestamentlichen Lesung, meist wesentlich loser ist. Am heutigen Sonntag interagieren zwar die erste Lesung – sie ist aus dem Buch des sozialkritischen Propheten Amos (Amos 8,4–7) – und die Perikope aus dem Lukasevangelium (16,1–13) sehr gut miteinander, können das Verständnis aber auch in eine bestimmte Richtung lenken und andere Interpretationen in den Hintergrund treten lassen. Ich werde versuchen, über die zweite Lesung, eine Passage aus dem ersten Brief an Timotheus (2,1–8), eine alternative Lektüre des Evangeliums vorzuschlagen.
Im heurigen Jahr fällt das Fest der Kreuzerhöhung, welches die Materialität und damit die Realität des Kreuzes in den Mittelpunkt stellt, auf einen Sonntag. Das Fest beruht auf der Erzählung, dass Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin, sich sehr für die (archäologische) Suche des so genannten wahren Kreuzes Christi eingesetzt habe. Als dieses gefunden war, hat man es an einem bestimmten Tag, dem Fest der Kreuzerhöhung, den anwesenden Gläubigen gezeigt, indem man es erhöht, d.h. in die Höhe gehoben hat.
Jeder Sonntag bietet uns in den Lesungen einen Reichtum an biblischen Texten. Es geht dabei nicht um eine Erklärung, wie die Welt ist, und nicht um genaue Handlungsanweisungen, wie wir die Welt verändern sollen, sondern zunächst um eine vielfältige Bildwelt, in die wir hineingenommen werden. Sie bietet Metaphern, Gleichnisse, Erzählungen, Weisheitssprüche etc. Bei all dem sprechen die biblischen Texte nicht mit einer eindeutigen Stimme, sondern sind ein vielstimmiges Geflecht. In diesem Geflecht und zwischen all diesen Stimmen müssen wir uns bewegen. Im Folgenden fragen wir nicht, was all die Texte, die wir heute hören, gemeinsam haben, sondern in welche Bildwelt sie uns einführen. Dabei werden wir auf eine erstaunliche Vielfalt stoßen.
In den Texten der Bibel – so auch in den heutigen Lesungen – erhalten wir keine Beschreibung der Welt, wie sie ist, sondern den Entwurf einer möglichen Welt. Welche Gestalt könnte unsere Welt haben? Die Bibel ist dabei jedoch kein Entwurf einer Utopie, d.h. einer anderen Welt, sondern der Entwurf vieler offener Möglichkeiten, wie wir die Welt wahrnehmen und gestalten könnten: die Bibel als Entwurf alternativer Welten. Ausgehend von diesem Gedanken richten wir unseren Blick auf die Lesungstexte des heutigen Sonntags.
Nimmt man die Lesungstexte des heutigen Sonntags zusammen, ergeben sie ein interessantes Geflecht von einander ergänzenden Texten. Den Ausgangspunkt, auf den alle anderen Texte zu beziehen sind, bildet eine Lesung vom Ende des Buches des Propheten Jesaja (66,18–21). Es handelt sich dabei um eine weite Öffnung:
Ich kenne ihre Taten und ihre Gedanken und komme, um alle Nationen und Sprachen zu versammeln,
und sie werden kommen und meine Herrlichkeit sehen. (66,18)
Schriftlesungen zum 21. Sonntag im Jahreskreis
Die erste Lesung des heutigen Sonntags, die dem Buch Jeremia (38,4–10) entnommen ist, führt uns nicht die großen klagenden Reden des Propheten vor, sondern zeigt in Gestalt einer Erzählung einen Tiefpunkt seiner Lebensgeschichte. Der Prophet war einflussreichen Menschen aus dem Umkreis des Königs unangenehm geworden, weil er ihre Vorstellung von politischer und gesellschaftlicher Zukunft kritisierte. Nachdem das Nordreich Israel schon länger seine politische Selbstständigkeit verloren hatte, stand nun Jerusalem (und damit das Südreich Juda) unmittelbar vor der Eroberung durch das neubabylonische Reich, vertraute aber immer noch auf schiefe Bündnispolitik und wähnte sich in Sicherheit. Der ohnehin schon schwache König übergibt Jeremia, der einen klaren Blick für die Verhältnisse hat, seinen Feinden, die ihn in eine Zisterne werfen, wo er verenden soll.
Schriftlesungen zum 20. Sonntag im Jahreskreis
Maria, die Mutter Jesu, spielt in einigen Büchern des Neuen Testaments eine wichtige Rolle, in anderen kommt sie gar nicht vor. Einige Erzählungen über sie finden sich im Lukasevangelium, dem auch die heutige Evangeliumsperikope entnommen ist: der Besuch der schwangeren Maria bei ihrer ebenfalls schwangeren Verwandten Elisabeth (Lk 1,39–56). In diesem Zusammenhang steht auch Marias berühmtes Lied, das so genannte Magnifikat, welches erstmals im Haus der Elisabeth und bis heute täglich beim Abendgebet der Kirche gesungen wird. Vom Tod Marias oder ihrer Aufnahme in den Himmel (ihrer Himmelfahrt) erfahren wir biblisch nichts.
Um einen Zugang zur heutigen Konstellation von Lesungstexten zu finden, können wir auf einen Ausschnitt aus dem 33. Psalm blicken, den wir heute beten. Dort heißt es am Ende:
Unsre Seele hofft auf JHWH;
er ist unsere Hilfe und unser Schild. […]
Lass deine Huld über uns walten, JHWH,
wie wir auf dich hofften!
Die Lesungen des heutigen Sonntags setzen mit einer Passage aus dem Buch des biblischen Skeptikers Kohelet (1,2; 2,21–23) ein. Ihm wird allerdings nur kurz das Wort gegeben. Er benennt auf poetische Weise ein Problem, wie er damit näher umgeht, erfahren wir jedoch nicht; dazu müssten wir mehr von seinem Buch lesen.
Schriftlesungen zum 18. Sonntag im Jahreskreis
Betrachtet man die heutigen Lesungen, zeigen sich zwei unterschiedliche Motive: einerseits Bitte und Danke, andererseits das Kreuz. Bitte und Dank sind in Erzählungen bzw. Anweisungen eingebettet und finden sich im Buch Genesis (18,20–32), dem 138. Psalm und dem Lukasevangelium (11,1–13), das Kreuz nimmt den Stellenwert einer Metapher an und wird im Brief an die Gemeinde von Kolossä (1,12–14) zum Thema.
Drei der vier für den heutigen Sonntag vorgesehenen Lesungstexte haben unmittelbar mit dem Thema der Gastfreundschaft zu tun, das sie in sehr unterschiedlichen Kontexten darstellen (Genesis 18,1–10; Psalm 15, Lukasevangelium 10,38–42); die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus (oder von einem seiner Schüler) an die Gemeinde von Kolossä (1,14–28) ist motivlich davon unterschieden. Dabei haben die drei Passagen, die von der Gastfreundschaft handeln, alle ihr eigenes Gepräge und müssen in ihrer Eigenart ernst genommen werden. Wir begegnen einer pluralen Annäherung an das eine Motiv der Gastfreundschaft.
Blickt man auf die erste Lesung des heutigen Tages, können wir einen wichtigen Aspekt, der christlichem Verständnis nicht unmittelbar einleuchtend ist, lernen: Das Gesetz ist für Israel, das von Gott erwählte Volk, Grund zur Freude und höchste Auszeichnung. Es ist nicht Last oder Einengung, sondern Ehre. Wunderschön kommt das in der Lesung aus dem Buch Deuteronomium (30,9–14) zum Ausdruck.
In den Religionen spielen Sprachformen wie die Metapher, das Bildwort, die Verkörperung oder der Vergleich eine zentrale Rolle. Die Metapher überträgt, sehr allgemein gesagt, ein Wort mit bestimmter Bedeutung aus einem Bereich in einen anderen; sie schafft damit eine Verbindung zweier Bereiche, die zunächst nicht zusammenhängen. Verwandt damit und gelegentlich nicht leicht davon zu unterscheiden ist das Bildwort, das ein bestimmtes Bild zur Illustration eines Gedankens verwendet. Unter Verkörperung verstehe in unserem Kontext, dass etwas Konkretes und real Erlebbares die Idee der göttlichen Präsenz verkörpert (z.B. die Stadt Jerusalem, der Berg Zion, der Tempel, Jesus).
Für das heutige Fest sind eine Lesung aus der Apostelgeschichte (12,1–11), Teile des 34. Psalms, eine Passage aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus (4,6–8.17f) sowie eine Perikope aus dem Matthäusevangelium (16,13–19) als Schriftlesungen vorgesehen.
Mit dem heutigen Sonntag sind wir nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag und Fronleichnam wieder ganz im Jahreskreis angekommen, wir feiern Eucharistie, ohne dass dieser Sonntag jedoch eine spezifische Bedeutung hätte.
Die ersten Worte der Lesung aus dem Buch des Propheten Sacharja (12,10f.13,1) können, wie ich denke, unmittelbar berühren. Von Gott sagt der Prophet: „Doch über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems werde ich einen Geist des Mitleids und des flehentlichen Bittens ausgießen.“ (Sach 12,10) Was ist ein Geist des Mitleids? Er ist auf jeden Fall kein Ungeist der Rache, des Krieges, des Neids, der Eifersucht, des Egoismus, der Schadenfreude.
Die Texte des heutigen Fronleichnamsfestes umkreisen die Gaben Brot und Wein und zeigen eine mögliche Hinführung zum Geheimnis der Eucharistie, wie wir es an jedem Sonntag feiern – als Feier der Präsenz Jesu.
Zunächst hören wir in einer Lesung aus dem Buch Genesis (14,18–20) jene Stelle, an welcher in der Bibel zum ersten Mal die Gaben von Brot und Wein vorkommen, und zwar in einem Akt des Darreichens und des Segnens.
Das Pfingstfest klingt über den Pfingstmontag hinaus noch eine Woche – die Pfingstoktav – nach und mündet schließlich in den Dreifaltigkeitssonntag, den wir heute feiern. Gewiss ist die Trinität schwer zu verstehen, kaum vorstellbar und kommt im biblischen Text nicht ausdrücklich vor. Die biblischen Texte sprechen nicht direkt von der Dreifaltigkeit, immer wieder aber kommen in den Schriften des Neuen Testaments Gott Vater, Sohn und Geist in ganz enger Nähe zueinander vor, sodass die sich entwickelnde Kirche sich irgendwann Gedanken über deren Verhältnis zueinander machen musste.
Der heutige Feiertag hat keinen eigenen Inhalt, er ist gewissermaßen der Resonanzraum des Pfingsttages – wir überhaupt die gesamte kommende Woche (die sogenannte Pfingstoktav) dem Pfingstfest noch Raum gibt, um nachklingen zu können. Dieses Echo mündet nächsten Sonntag in den Dreifaltigkeitssonntag ein. Auch die Auswahl der Lesungstexte verweist auf das Geheimnis des Pfingsttages zurück. Die schöpferische Kraft des Geistes, die jeder zerstörerischen Macht entgegensteht, entfaltet sich auch in den Texten des heutigen Feiertages.
Schriftlesungen zum Pfingstmontag
Aus christlicher Sicht ist die Vorstellung Gottes dreifach aufgefächert. Wir sprechen von Gott als dem Vater: Er ist souveräner Schöpfer von allem (Genesis 1) und braucht, um zu erschaffen, anders als in vielen Mythologien, keinen Kampf mit anderen Göttern. Er kann aus dem Tod erretten (Ostern) und Sünden vergeben. Er ist der Adressat all unserer Gebete, zu ihm betet auch Jesus. Wir sprechen weiters vom menschgewordenen göttlichen lógos, vom Sohn, der das Geschick der Verletzlichkeit und des Todes mit uns teilt und zeigt, dass der Gott, an den wir glauben, in ganz enger Verbindung mit der Geschichte steht und von dieser nicht gelöst werden kann. Und wir glauben schließlich an den göttlichen Geist, den wir zu Pfingsten feiern.
Der siebente Sonntag der Osterzeit fällt zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Die für diesen Tag ausgewählten Schrifttexte weisen genau in dieses Umfeld: Jesus geht zum Vater, lässt seine Schülerinnen und Schüler aber nicht alleine zurück, sondern verheißt ihnen den Geist Gottes, der ihnen helfen wird, ein eigenständiges Leben in Freiheit zu gestalten. Dies kulminiert im Pfingstfest, das am kommenden Sonntag gefeiert wird, ist aber bereits seit längerem vorbereitet – durch Texte, die uns begleiten.
Das Fest Himmelfahrt Christi trägt einen sonderbaren Namen, der auf eine eigenartige Vorstellung verweist: die Auffahrt des Auferstandenen in den Himmel. Allerdings handelt es sich bei diesem Fest wie bei kaum einem anderen um ein Fest der Freiheit und des Weges in die Selbstständigkeit: Die Schülerinnen und Schüler Jesu müssen sich von der unmittelbaren Präsenz Jesu lösen und Selbstständigkeit erlangen.
Schriftlesungen zu Christi Himmelfahrt
Letzten Sonntag haben wir versucht, die Texte der Liturgie auf die Frage hin zu lesen, inwiefern sie erste Schritte eines Weges in die Freiheit widerspiegeln – Schritte in die Freiheit, welche die frühen christlichen Gemeinden gehen mussten, als Jesus nicht mehr unter ihnen war. Versuchen wir, diesen Lektüreschlüssel auch auf die Texte des heutigen sechsten Sonntags der Osterzeit anzuwenden.
Die Auswahl des Evangeliums für den heutigen fünften Sonntag der Osterzeit (Johannesevangelium 13,31–35) wirkt zunächst sonderbar. Wir hören den Beginn der ausführlichen Abschiedsreden Jesu, die sich nur im Johannesevangelium finden und dort nach einem längeren Gebet Jesu in die Passionserzählung münden. Warum hören wir in der Osterzeit davon – und zwar heute und am kommenden Sonntag?
Der vierte Sonntag der Osterzeit zeigt uns eines sehr deutlich: So sehr die Botschaft Jesu eine Botschaft ist, die jede und jeden einzelnen von uns in je individueller und persönlicher Weise ansprechen möchte, sie ist immer auch eine Botschaft, die sich an viele, an eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft richtet. Betrachten wir die Texte des heutigen Sonntags unter diesem Gesichtspunkt, d.h. ausgehend von der Frage, inwiefern sie sich an viele richten, inwiefern sie einen allgemeinen Horizont haben.
Das Evangelium des heutigen dritten Sonntags der Osterzeit (Johannes 21,1–19) fällt zuallererst durch seinen sonderbaren Ort auf. Eigentlich fällt es aus dem Buch, dem Johannesevangelium, heraus. Der Text war nach der Offenbarung des Auferstandenen an den gläubigen Thomas, der in seinem Glauben das höchste Bekenntnis zu Jesus spricht („Mein Herr und mein Gott“) schon zu Ende.
Schriftlesungen zum 3. Sonntag der Osterzeit
Die Lesung aus der Apostelgeschichte (5,12–16) erzählt uns am heutigen Sonntag von einem raschen Wachstum der Zahl derer, die an den Herrn glaubten. Folgen wir der Logik des Textes, befinden wir uns in der ganz frühen Phase der Verkündigung, bald nach dem Pfingstfest: „Mehr an den Herrn Glaubende aber wurden hinzugefügt, Mengen von Männern und Frauen.“ (Apg 5,14)
Der Ostermontag steht ganz im Zeichen der Emmauserzählung (Lk 24,13–35). Darüber hinaus aber hören wir in der ersten Lesung des heutigen Feiertages eine Passage aus einer Rede des Apostels Petrus, wie sie in der Apostelgeschichte (2,14.22–32) nachzulesen ist. Gestern hörten wir die Rede, die Petrus im Haus des Hauptmanns Kornelius, heute jene Rede, die er zu Pfingsten hält.
Für den Ostersonntag ist eine Auswahl an mehreren möglichen Schriftstellen vorgesehen: eine Passage aus der Apostelgeschichte (10,34.37–43), einige Verse aus dem 118. Psalm, eine Lesung aus dem Brief an die Gemeinde von Kolossä (3,1– 4) oder eine aus dem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth (5,6–8), ein Auferstehungsevangelium, wie es Johannes verkündet (20,1–9), oder noch einmal das Evangelium der Osternacht von Lukas (24,1–12) oder aber die unmittelbar darauffolgende Erzählung (24,13–35).
Die Osternacht sieht in der Liturgie mehr Lesungen als alle anderen Tage des Jahres vor: sieben Lesungen aus dem Alten Testament und eine aus dem Neuen Testament und dazu jeweils einen liedartigen Text, meist aus den Psalmen, sowie das österliche Evangelium, wie es Lukas verkündet (Lk 24,1–12).
Schriftlesungen zur Osternacht
Prior Pater Jakob Deibl im Osterinterview mit religion.ORF.at.
Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod“ (1 Kor 15,26). Damit ist im Korintherbrief des Apostels Paulus zusammengefasst, worum es bei Ostern geht: den Sieg des Lebens über den Tod und die Hoffnung der Menschen auf ein Leben danach.
Am Karfreitag wird alljährlich die Leidensgeschichte in der Version gelesen, die der Evangelist Johannes erzählt (Joh 18,1–19,42), wohingegen am Palmsonntag die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas einander entsprechend dem jeweiligen Lesejahr abwechseln. Heuer wurde die Passion, wie sie Lukas überliefert, gelesen. Am Karfreitag bildet die Leidensgeschichte sicherlich das oder zumindest ein wesentliches Zentrum der Liturgie. Die anderen vorgesehenen Lesungen treten demgegenüber ein wenig in den Hintergrund: eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 52,13–53,12), Teile des 31. Psalms sowie eine Lesung aus dem Brief an die Hebräer (Hebr 4,14–16.5,7–9). Hört man allerdings genauer auf den Text aus dem Buch des Propheten Jesaja, kann man eine Ahnung erhalten, wie die Schülerinnen und Schüler Jesu versuchten, das unglaubliche Geschehen rund um Tod und Auferstehung Jesu zu verstehen. Dieser Text kann fast wie ein Hintergrundtext zu den Erzählungen vom Leiden und Auferstehen Jesu gelesen werden. Wenden wir uns genauer der Passage aus dem Buch Jesaja zu.
Die Feier des Gründonnerstages bietet mit den für die Liturgie vorgesehenen Texten und Gesten eine Fülle sehr starker Motive: In der ersten Lesung wird von der Einsetzung des Pessachmahls vor dem Auszug aus Ägypten berichtet (Ex 12,1–14) – ein zentraler Wendepunkt in der Geschichte des Gottesvolkes Israel. Im 116. Psalm, der nach der Lesung aus dem Buch Exodus gesungen wird, hören wir das vertrauensvolle Bekenntnis:
Ach JHWH, ich bin doch dein Knecht, /
dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd!
Gelöst hast du meine Fesseln.
Schriftlesungen zum Gründonnerstag
Der Palmsonntag, der den Beginn der Karwoche darstellt, markiert, wie das immer wieder gesagt wird, tatsächlich einen Umschwung in der Stimmung. Worin aber besteht dieser Übergang genau? Wir können im Folgenden die vielen für den heutigen Sonntag vorgesehenen Schriftstellen nicht alle auslegen: eine Perikope aus dem Lukasevangelium, gelesen vor der Prozession mit den Palmzweigen in die Kirche (Lk 19,28–40), sodann eine Lesung aus dem Buche Jesaja (50,4–7), Teile des 22. Psalms, eine Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi (2,6–11) sowie die Passionserzählung aus dem Lukasevangelium (22,14–23,56). Es wird vielmehr darum gehen, genauer zu bestimmen, worin der Umschwung liegt, den die biblischen Stellen des Palmsonntags anzeigen.
Immer stärker habe ich den Eindruck, der Zusammenhang der Schrifttexte, die beim Gottesdienst gelesen werden, kann vom ausgewählten Psalm her verstanden werden. Der erste Teil des 126. Psalms, den wir heute beten, lautet:
1Als der Herr das Geschick Zions wendete, *
da waren wir wie Träumende.
2Da füllte sich unser Mund mit Lachen *
und unsere Zunge mit Jubel.
Da sagte man unter den Völkern: *
Groß hat der Herr an ihnen gehandelt!
3Ja, groß hat der Herr an uns gehandelt. *
Da waren wir voll Freude.
Schriftlesungen zum 5. Fastensonntag
Der vierte Fastensonntag wird traditionell als Sonntag Laetare bezeichnet, als Sonntag der Freude. Diese Bezeichnung hat einen wichtigen Angelpunkt in einem Vers aus dem Buch Jesaja, der den Gottesdienst eröffnet: „Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt.“ (Jes 66,10) Was Jerusalem betrifft, hat mit allen Menschen zu tun.
Am heutigen dritten Fastensonntag erweist sich meines Erachtens die erste Lesung, die dem Buch Exodus entnommen ist (3,1–8.13–15), als ein Gravitationszentrum, um das sich die anderen Lesungstexte bewegen. Es handelt sich um eine zentrale Erzählung der Thora (der fünf Bücher Mose), von der man durchaus sagen könnte, alle anderen Texte der jüdischen und christlichen Heiligen Schrift sind Interpretationen dieser Stelle.
Die Lesungstexte des heutigen Sonntags sind entnommen dem Buch Genesis (15,5–12.17f), dem 27. Psalm, dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi (3,17–4,1) und dem Lukasevangelium (9,28–36). Damit werden in der Liturgie vier sehr starke Texte mit großem Eigengewicht zusammengeführt, von denen jeder unsere volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte. Beginnen wir damit, jeweils einen zentralen Satz der Texte zu zitieren.
Der für heute vorgesehene Psalm ist die Grundlage, das zu bestehen, worum es im Evangelium geht (Psalm 91) – aber er ist auch, wie wir sehen werden, die Grundlage einer problematischen Argumentation:
1Wer im Schutz des Höchsten wohnt,
der ruht im Schatten des Allmächtigen.
2Ich sage zu JHWH: Du meine Zuflucht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich vertraue.
Vier Texte sind für den heutigen Sonntagsgottesdienst als Lesungen vorgesehen: eine Lesung aus dem Buch Jesus Sirach (27,4–7), Teile des 92. Psalms, ein Abschnitt aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,54–58) und eine Perikope aus dem Lukasevangelium (6,39–45). Die heutigen Lesungstexte legen uns eine Fülle kurzer Sinnsprüche, Formeln oder kleiner Bilder vor, wobei manche in einem klaren Zusammenhang stehen, andere aber eher lose aneinandergereiht erscheinen. Ich beginne mit einem Hinweis auf den engen Zusammenhang zweiter Worte.
Die Lesungstexte des heutigen Sonntags durchziehen zwei Linien – eine sozusagen horizontal und eine vertikal. Die horizontale Linie verbindet die erste Lesung, die dem ersten Buch Samuel entnommen ist (1 Sam 26,2–24), den 103. Psalm und das Evangelium, eine Perikope, wie Lukas sie überliefert (Lk 6,27–38). Sie steht unter dem Stichwort der Barmherzigkeit: David übt, wie wir im Buch Samuel hören, nicht Rache an dem ihm feindlich gesonnenen König Saul, obwohl sich ihm dazu unverhofft eine günstige Gelegenheit ergeben hätte.
Die erste Lesung des heutigen Sonntags, eine kurze Stelle aus dem Buch des Propheten Jeremia (17,5–8), und der erste Psalm, der als eine Antwort auf die Lesung vorgesehen ist, zeigen, wie nahe prophetische Verkündigung und poetische Rede einander kommen können – und wie sie doch gewisse Unterschiede haben können. In beiden Texten werden einander zwei Grundhaltungen gegenübergestellt, die wohl jeden Menschen innerlich durchziehen: ein produktiver Weg und ein destruktiver Weg.
Im Stift Melk wird das Fest der Kreuzerhöhung, das im liturgischen Kalender der katholischen Kirche am 14. September gefeiert wird, als Fest der Auffindung des Melker Kreuzes an einem Sonntag Anfang Februar begangen. Gedacht wird dabei der Wiederauffindung des Kreuzes nach einem Diebstahl. Das Melker Kreuz, das der Legende nach einen Splitter vom Kreuz Christi birgt, wird an jenem Tag während der Messe als Prozessions- und Altarkreuz verwendet. Es wird der anwesenden Gemeinde gezeigt – was ein wenig daran erinnert, wie beim Fest der Kreuzerhöhung in Jerusalem das Kreuz Christi, das auf wunderbare Weise von Helena, der Mutter von Kaiser Konstantin, wiedergefunden worden war, den anwesenden Gläubigen gezeigt wurde.
Schriftlesungen zum Fest der Kreuzerhöhung
Auf den heutigen vierten Sonntag im Jahreskreis fällt heuer das Fest Darstellung des Herrn, welches früher im katholischen Festkreis die Weihnachtszeit beendete und besser unter dem Namen Mariä Lichtmess bekannt ist. Das Geschehen dieses Festes wird uns in einer Perikope aus dem Lukasevangelium nahegebracht (Lk 2,22–40). Jesus wird vierzig Tage nach seiner Geburt in den Tempel gebracht, wo entsprechend jüdischer Praxis bestimmte Rituale vollzogen werden, welche einerseits Maria als Mutter des Kindes, andererseits Jesus als Erstgeborenen betreffen. Im Zuge dessen kommt es zu zwei Begegnungen: Simeon und die Prophetin Hanna sind zwei fromme ältere Menschen, die sich im Umkreis des Tempels aufhalten und auf Jesus aufmerksam werden.
Die erste Lesung des heutigen Sonntags ist dem Buch Nehemia (8,1–10) entnommen, welches gemeinsam mit dem Buch Esra (in der jüdischen Tradition gelten sie als ein Buch) vom Wiederaufbau des religiösen Lebens in Jerusalem nach dem babylonischen Exil erzählt. Ein wichtiges Element in diesem Bemühen um Erneuerung ist die Lektüre des Gesetzes, der Thora. Die Verlesung erfolgt am ersten Tag der Woche, dem Tag der Schöpfung schlechthin, der auch der Tag der Erneuerung der Schöpfung ist – Neuschöpfung aus der Lektüre der Thora.
Schriftlesungen zum 3. Sonntag im Jahreskreis
Mit dem heutigen Sonntag sind wir wieder ganz in der Zeit des Jahreskreises angekommen, allerdings zählt dieser Sonntag bereits als der zweite Sonntag des Jahreskreises. Als erster Sonntag gilt das Fest der Taufe des Herrn, das die Weihnachtszeit beschließt. Der Übergang wird also in gewisser Weise fließend gestaltet. Das unterstreicht auch die erste Lesung, welche dem Buch des Propheten Jesaja entnommen ist (62,1–5). Sie könnte genauso gut der Weihnachtszeit zugeordnet werden.
Die Weihnachtszeit endet in der katholischen Kirche mit dem Fest der Taufe des Herrn, das am Sonntag nach Epiphanie, d.h. nach Erscheinung des Herrn, gefeiert wird. Dafür können die Lesung aus dem ersten Lesejahr der drei Jahre umfassenden Leseordnung genommen werden oder die Texte des aktuellen dritten Lesejahres, in welchem das Evangelium des Lukas einen besonderen Platz einnimmt. Mit welchen Texten entlässt uns der heutige Gottesdienst wieder ins Kirchenjahr?
Der Festtag der Erscheinung des Herrn ist nach dem Christtag der zweite wichtige Feiertag in der Weihnachtszeit. Der Tag ist mit dem Auftreten der Weisen aus dem Osten, den Sterndeutern oder drei Königen, sehr eng verbunden. Das ist auch keineswegs falsch, doch fragen wir, wie sich uns dieses Fest ausgehend von den Lesungen zeigt.
Am zweiten Sonntag nach Weihnachten hören wir in den Lesungen keine narrative, d.h. erzählerische Darstellung des Weihnachtsgeschehens mehr, sondern treten in die (philosophische, theologische) Reflexion darüber ein. Dies ist der zweite Schritt, der nach der Erzählung und der von ihr ausgehenden Faszination folgen muss. Ich möchte im Folgenden den Schwerpunkt auf zwei Motive legen, das Zelt und den Uranfang.
Im Jahr 1974 erließ Papst Paul VI. im Zuge der Neuordnung des liturgischen Kalenders nach dem Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–65) ein Schreiben über die Marienverehrung in der katholischen Kirche (Marialis Cultus). Darin heißt es:
Bei der Neuordnung des Weihnachtsfestkreises will es Uns scheinen, daß die gemeinsame Aufmerksamkeit auf das wiedereingeführte Fest der heiligen Gottesgebärerin Maria hingelenkt werden muß. Nachdem dieses entsprechend einer antiken Anregung der Liturgie der Stadt Rom auf dem 1. Januar festgesetzt wurde, ist es dazu angetan, den Anteil feierlich herauszustellen, den Maria bei diesem Heilsgeheimnis innehatte sowie die einzigartige Würde zu betonen, die sich hieraus für die „heilige Gottesgebärerin ergab... durch die wir den Urheber des Lebens empfangen durften” […].
Am Festtag der Heiligen Familie, der am Sonntag nach dem Christtag gefeiert wird, wird sicherlich nicht der kleinbürgerlichen Familie gedacht, wie sie sich in bestimmten Weltgegenden in der Moderne etabliert hat. Sie hat ihren Ort weder in der jüdischen Welt zur Zeit Jesu noch in der römischen Antike.
Am Tag nach dem Weihnachtsfest wird des Heiligen Stephanus gedacht, der als der erste christliche Märtyrer gilt. Wie lässt sich die Botschaft von Weihnachten damit verbinden? Zunächst kann gesagt werden, dass diese beiden Feste nicht miteinander verbunden werden müssen. Die Gedenktage der Heiligen haben sich unabhängig von den beiden großen Festkreisen, dem Weihnachts- und dem Osterfestkreis, entwickelt.
Die erste Lesung des Weihnachtstages ist dem Buch Jesaja (52,7–10) entnommen. Diese Hoffnungsbotschaft kann man nicht oft genug hören:
Wie willkommen sind auf den Bergen
die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt […]
Die erste Lesung, die wir am Heiligen Abend hören, spricht an ihrem Anfang aus, welche Hoffnung dieses Fest erfüllt. Sie geht auf den Propheten Jesaja (9,1–6) zurück, der verkündet:
Das Volk, das in der Finsternis ging,
sah ein helles Licht;
über denen, die im Land des Todesschattens wohnten,
strahlte ein Licht auf.
Gedanken zu den Schriftlesungen 2024
Am Festtag der Heiligen Familie, der am Sonntag nach dem Christtag gefeiert wird, wird sicherlich nicht der kleinbürgerlichen Familie gedacht, wie sie sich in bestimmten Weltgegenden in der Moderne etabliert hat. Sie hat ihren Ort weder in der jüdischen Welt zur Zeit Jesu noch in der römischen Antike.
Am Tag nach dem Weihnachtsfest wird des Heiligen Stephanus gedacht, der als der erste christliche Märtyrer gilt. Wie lässt sich die Botschaft von Weihnachten damit verbinden? Zunächst kann gesagt werden, dass diese beiden Feste nicht miteinander verbunden werden müssen. Die Gedenktage der Heiligen haben sich unabhängig von den beiden großen Festkreisen, dem Weihnachts- und dem Osterfestkreis, entwickelt.
Die erste Lesung des Weihnachtstages ist dem Buch Jesaja (52,7–10) entnommen. Diese Hoffnungsbotschaft kann man nicht oft genug hören:
Wie willkommen sind auf den Bergen
die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt […]
Die erste Lesung, die wir am Heiligen Abend hören, spricht an ihrem Anfang aus, welche Hoffnung dieses Fest erfüllt. Sie geht auf den Propheten Jesaja (9,1–6) zurück, der verkündet:
Das Volk, das in der Finsternis ging,
sah ein helles Licht;
über denen, die im Land des Todesschattens wohnten,
strahlte ein Licht auf.
Die beiden ersten Lesungstexte des heutigen Sonntags zeigen deutlich, woraus sich die weihnachtliche Erwartung speist, worauf sie zurückgeht, wie sie überhaupt entstehen konnte. Der Prophet Micha (5,1–4) kündigt zu einer Zeit, als das Nordreich Israel bereits untergegangen und das Südreich bedroht war, einen kommenden Friedensfürsten an, der – wie das Geschlecht des Königs David – aus Betlehem stammen werde, auch wenn dieser Ort nur klein und unbedeutend ist: „Aber du, Betlehem-Efrata, / bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, / der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, / in längst vergangenen Tagen.“
Der dritte Adventsonntag wird in katholischer Diktion als Gaudete-Sonntag bezeichnet, benannt nach dem Eröffnungsvers, der dem vierten Kapitel des Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi entnommen ist: Gaudete in Domino semper – „Freut euch im Herrn allezeit“ (Phil 4,4). Nach derselben Logik müsste der vierte Sonntag Roratesonntag heißen, denn der (dem Buch Jesaja entnommene) Eröffnungsvers der Messe lautet an diesem Tag: Rorate, caeli desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet salvatorem – „Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor“ (Jes 45,8).
Am heutigen Tag fallen der zweite Adventsonntag und das Fest Mariä Empfängnis zusammen, was hinsichtlich der Lesungen vor die Frage stellt, wie diese beiden Feste abgewogen und gegebenenfalls kombiniert werden können. In den Klöstern der Benediktinerinnen und Benediktiner Österreichs gibt es eine Kompromissvariante. Der Zusammenschluss dieser Klöster in der Österreichischen Benediktinerkongregation steht unter der Patronanz – oder müsste es, wie Anna Pritz einmal gesagt hat, besser lauten: Matronanz – von Mariä Empfängnis.
Wie führt uns der erste Adventsonntag in das mit ihm beginnende Kirchenjahr hinein? Welche Botschaften geben uns seine Texte mit? Wir hören zu Beginn die Hoffnungsbotschaft des Propheten Jeremia (33,14–16), der angesichts der Zerstörung Jerusalems und der Katastrophe des babylonischen Exils den Entmutigten zuruft:
14 Siehe, Tage kommen – Spruch JHWHs –, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. 15 In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen. Er wird Recht und Gerechtigkeit wirken im Land. 16 In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: JHWH ist unsere Gerechtigkeit.
Schriftlesungen zum 1. Adventsonntag
Im Rahmen des heutigen Christkönigsfestes – es bildet den letzten Sonntag des Kirchenjahres – beten wir zwischen der ersten Lesung, die dem Buch Daniel entnommen ist (Dan 7,2.13–14), und der zweiten Lesung, welche aus der Apokalypse des Johannes stammt (Offb 1,5–8), den 95. Psalm, der uns helfen kann, durch die Texte des heutigen Sonntags zu kommen:
1 JHWH ist König, bekleidet mit Hoheit; JHWH hat sich bekleidet und mit Macht umgürtet. Ja, der Erdkreis ist fest gegründet, nie wird er wanken. 2 Dein Thron steht fest von Anbeginn, du bist seit Ewigkeit. 3 Fluten erhoben, JHWH, / Fluten erhoben ihr Tosen, Fluten erheben ihr Brausen. 4 Mehr als das Tosen vieler Wasser, / gewaltiger als die Brandung des Meeres ist gewaltig JHWH in der Höhe. 5 Deine Gesetze sind fest und verlässlich; / deinem Haus gebührt Heiligkeit, JHWH, für alle Zeiten. (Psalm 95)
Gegen Ende des Kirchenjahres begegnen wir apokalyptischen Lesungstexten, die dann in die prophetischen Texte übergehen, die wir vor Weihnachten hören. So heißt es heute etwa in typisch apokalyptischer Sprache in der Lesung aus dem Buch Daniel (12,1–3):
In jener Zeit tritt Michael auf, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch zu jener Zeit wird dein Volk gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist.
Die erste Lesung des heutigen Sonntags ist dem ersten Buch der Könige (17,10–16) entnommen. Sie erzählt, wie der Prophet Elija in einer Trockenzeit als Fremder eine Witwe und ihren Sohn aufsucht und sie bittet, ihm etwas zu essen zu geben. Als die Witwe darauf hinweist, dass all ihre Vorräte zu Ende gehen und sie und ihr Sohn bereits an der Schwelle des Todes stehen, fordert Elija sie auf, ihn, den Fremden, dennoch zu versorgen, was die Witwe dann auch tut. Die Vorräte gehen, so das Wunder, von dem die Geschichte erzählt, nicht aus, bis wieder Regen fällt.
Der heutige Sonntag zeigt in wunderbarer Weise, wie die erste alttestamentliche Lesung und der Psalm aufeinander abgestimmt sind und das Evangelium darauf reagiert. Die zweite neutestamentliche Lesung kann in dieses Geflecht einbezogen werden, ist aber nicht ganz so eng damit verknüpft.
Schriftlesungen zum 31. Sonntag im Jahreskreis
In welcher Weise leiten uns die Schriftlesungen durch den heutigen Feiertag? Am Beginn steht eine Lesung aus der Johannesapokalypse (7,2–4.9–15). Johannes, der Seher von Patmos und Autor der Apokalypse, berichtet von einer Vision. Was sieht er? Es handelt sich nicht um einen neugierigen Blick in die Zukunft (er ist kein Wahrsager); was er sieht und verkündet, ist ein Bild der Hoffnung:
9 Danach sah ich und siehe, eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen vor dem Thron und vor dem Lamm, gekleidet in weiße Gewänder, und trugen Palmzweige in den Händen. 10 Sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm.
Die erste Lesung des heutigen Sonntags ist dem Buch Jeremia (31,7–9) entnommen und stellt ein Trostwort an die exilierten Brüder und Schwestern dar. Sie alle sollen sich wieder rund um den Zionsberg (in Jerusalem) sammeln: 7 Ja, so spricht JHWH: Jubelt Jakob [ein anderer Name für Israel] voll Freude zu / und jauchzt über das Haupt der Völker! Verkündet, lobsingt und sagt: / Rette, JHWH, dein Volk, den Rest Israels!
Die Texte des heutigen Sonntags zeigen einen Bogen, der die Gestalt des Gottesknechtes, von welcher der Prophet Jesaja spricht, und die des Menschensohnes, von der Jesus spricht, verbindet und dann zur Figur des sich erbarmenden Hohenpriesters weiterleitet. Liest man die Texte in dem heute vorgestellten Zusammenhang, wird sehr deutlich, aus welchen Quellen Jesus und die frühen christlichen Autoren lebten.
Die erste Lesung des heutigen Tages, die dem Buch der Weisheit (7,7–11) entnommen ist, führt uns vor, wie sehr sich in den letzten beiden Jahrhunderten vor Jesu Geburt das jüdisch-religiöse Denken auch dem hellenistisch-griechischen Weisheitsdenken annähern konnte. Das Buch der Weisheit wurde wohl auf Griechisch geschrieben und konnte so in die hellenistisch geprägte Welt hineinwirken, war doch Griechisch die in jener Zeit übliche Verkehrssprache (wie heute Englisch).
Den Einstieg in die Lesungen des heutigen Tages macht eine Passage aus dem Buch Genesis (2,18–25). Sie erzählt von der Erschaffung des Menschen als eines Gemeinschaftswesens: Der Mensch (nicht der Mann) benennt die Tiere und findet den anderen Menschen, mit dem er fortan Formen der Gemeinschaft bildet. Es geht darum, dass der Mensch eine Hilfe erhält, „die ihm ebenbürtig ist“, d.h. in helfenden Beziehungen zusammenlebet, nicht aber vorrangig um die Ehe von Mann und Frau („Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch“).
Die erste Lesung des heutigen Tages, die dem Buch Numeri, dem vierten Buch Mose, entnommen ist (11,25–29), und die Perikope des Evangeliums, die vom Evangelisten Markus überliefert ist (Mk 9,38–48), haben ein ähnliches Thema. In einer religiösen Gruppe, die sich einer wichtigen Gestalt (Mose, Jesus) zugehörig fühlt und verpflichtet weiß, ereignet sich eine Form von Spaltung oder zumindest ein Konflikt. Interessant ist dabei, dass es sich um einen inneren Konflikt, nicht um einen mit Gegnern handelt.
Die beiden ersten Schriftstellen des heutigen Sonntags, eine Passage aus dem Buch der Weisheit (2,1.12.17–20) und ein Abschnitt aus dem 54. Psalm, zeigen eine Weise, wie der Schülerkreis Jesu auf seinen Tod reagiert haben könnte. Die Schülerinnen und Schüler Jesu finden in diesen Texte Modelle zu verstehen, was mit ihrem Lehrer geschehen ist. So heißt es im Buch der Weisheit, einem der am spätesten entstandenen Texte des Alten Testaments, der im Übrigen auf Griechisch geschrieben ist und deshalb nicht Teil der jüdischen Heiligen Schriften (des TeNaChs) und nicht Teil des biblischen Kanons der protestantischen Kirchen ist: ...
Die erste Lesung des heutigen Sonntags, die dem Buch des Propheten Jesaja (50,5–9) entnommen ist, kann als eine Deutung dessen verstanden werden, was der unaussprechliche Name Gottes, das Tetragramm (die vier Buchstaben) JHWH bedeutet: Gott ist mit den Menschen. Die Stelle beginnt mit dem Rückblick darauf, dass Gott dem sprechenden Ich des Textes das Ohr geöffnet und es für das Hören disponiert hat: „JHWH, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. / Ich aber wehrte mich nicht / und wich nicht zurück.“
Der erste Satz der ersten Lesung des heutigen Sonntags steht wie ein Motto über allen Texten des heutigen Tages. Er ist dem 35. Kapitel des Buches Jesaja (35,4–7) entnommen: „Sagt den Verzagten: / Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott!“ Diese Botschaft des Mutes – in anderen Worten: Fürchtet euch nicht! – steht am Grund der biblischen Botschaft überhaupt. Sie muss in verschiedenen Weisen eine Konkretion erhalten.
Die Lesungstexte des heutigen Sonntags geben uns einen wichtigen Einblick in das biblische Verständnis des Gesetzes, das sich in manchem sehr von dem unterscheidet, was wir heute unter Gesetz verstehen. Die erste Lesung, die dem Buch Deuteronomium, dem vierten Buch Mose, entnommen ist (Dtn 4,1–2.6–8), sagt uns in ihren ersten Sätzen, was wir nie vergessen dürfen, wenn wir biblisch von Gesetz sprechen:
Und nun, Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide, die ich euch zu halten lehre! Hört und ihr werdet leben, ihr werdet in das Land, das JHWH, der Gott eurer Väter, euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen.
Mit dem heutigen Sonntag geht eine mehrwöchige Serie, die vom Brot des Lebens handelt und den Zyklus der Lesungen aus dem Markus-Evangelium unterbricht, zu Ende. Wir hören diese Serie alle drei Jahre. Es geht um Jesu Rede oder besser das Gespräch, das er in der Synagoge von Kafarnaum geführt hat, und das an die Speisung der vielen Menschen anschließt. Heute hören wir die harte Reaktion, die dieser Diskurs auslöst (Johannes 6,60–69): „Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?“ Jesus beschwichtigt nicht. Johannes hätte ihn sagen lassen können: „Was ich gesagt habe, lässt sich doch mit den Heiligen Schriften, an die wir alle glauben, in Verbindung bringen. Es ist nicht neu.
Nach der Unterbrechung durch Mariä Himmelfahrt folgt am heutigen Sonntag wieder eine Passage aus Jesu Dialog über das Brot des Lebens (Johannes 6,51–58). Es fällt auf, dass der erste Vers der Perikope mit dem letzten Vers vom vergangenen Sonntag identisch ist (6,41–51). Jenen Vers, den wir heute als ersten hören, hatten wir letzten Sonntag am Ende des Evangeliums gehört:
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.
Die Aufnahme Marias in den Himmel ist biblisch nicht direkt bezeugt, hat als Moment des gefeierten Glaubens jedoch eine lange Tradition. Was sagen uns die Schriftstellen zum heutigen Tag im Hinblick auf dieses Fest? Gehen wir sie in aller Kürze durch und versuchen wir vier Annäherungen.
Heute ist der dritte Sonntag in Folge, an dem wir im Evangelium (Johannes 6,41–51) vom Brot des Lebens hören. Vor zwei Wochen erzählte das Evangelium davon, wie die vielen Menschen, die sich bei Jesus aufhielten, satt wurden, als sie das Wenige, das ein kleiner Junge brachte, verteilten. Letzte Woche hörten wir den Beginn der daran anschließenden theologischen Meditation Jesu über das Brot des Lebens. Die Menschen waren Jesus gefolgt und wollten ihm nun zuhören, was er ihnen zu sagen habe. Jesus sprach zu ihnen von der erfolgten Sättigung und führte die Menschen in eine metaphorische Zwischenwelt, in der es weder nur um das reale Brot noch allein um ein spirituelles Brot vom Himmel geht: Das Brot, das sie gegessen haben, ist Verweis auf den Vater, der das Brot vom Himmel gibt. Heute wird dieser Diskurs weitergeführt.
Schriftlesungen zum 19. Sonntag im Jahreskreis
Am vergangenen Sonntag hörten wir als Evangelium die Erzählung, wie die vielen Menschen, die Jesus gefolgt waren, satt werden, als sie das Wenige, das ein kleiner Junge gebracht hat, austeilen. Das heutige Evangelium (Johannes 6,24–35) schließt dort und berichtet vom folgenden Tag, als die Leute Jesus erneut aufsuchen und er mit ihnen in einen Dialog über das Brot des Lebens tritt. Das knüpft inhaltlich an die am letzten Sonntag gehörte Begebenheit an, allerdings ist der Übergang nicht bruchlos.
Die erste Lesung, welche dem zweiten Buch der Könige (4,42–44) entnommen ist, gibt ein Thema vor, das in den weiteren Texten des heutigen Sonntags zweimal wieder aufgegriffen wird. Die Erzählung ist einem Kreis von Wundergeschichten entnommen, die vom Propheten Elischa, einem Schüler Elijas, erzählt werden.
Einmal kam ein Mann von Baal-Schalischa und brachte dem Gottesmann Brot von Erstlingsfrüchten, zwanzig Gerstenbrote und frische Körner in einem Beutel. Elischa sagte: Gib es den Leuten zu essen! Doch sein Diener sagte: Wie soll ich das hundert Männern vorsetzen? Elischa aber sagte: Gib es den Leuten zu essen! Denn so spricht JHWH: Man wird essen und noch übrig lassen. Nun setzte er es ihnen vor; und sie aßen und ließen noch übrig, wie JHWH gesagt hatte.
Der vierte Sonntag der Osterzeit wird als der Gute-Hirten-Sonntag bezeichnet; man könnte diese Bezeichnung aber auch problemlos auf den heutigen Sonntag übertragen, der in den Lesungstexten ebenfalls dieses Motiv in den Mittelpunkt stellt. Das beginnt mit der ersten Lesung, welche dem Buch des Propheten Jeremia (23,1–6) entnommen ist. Freilich hören wir in dieser Passage zunächst von schlechten Hirten: Weh den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen – Spruch des JHWHs. Darum – so spricht JHWH, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Schafe zerstreut und sie versprengt und habt euch nicht um sie gekümmert.
In die Texte des heutigen Sonntags steigen wir mit einer Passage aus dem Buch des Propheten Amos (7,12–15) ein, die uns in seine Lebenswelt blicken lässt. Israel ist in ein Nord- und ein Südreich geteilt. Amos hält sich im Norden auf und tritt offensichtlich im Reichsheiligtum Bet-El auf, wo seine Anwesenheit jedoch nicht erwünscht ist. Empfohlen wird ihm, ins Südreich Juda zu gehen...
Für den heutigen Sonntag möchte ich ausgehend vom 123. Psalm – einem der für den Gottesdienst vorgesehenen Texte – einige wenige Bemerkungen zu den Schriftstellen anbringen. Es handelt sich um einen sehr kurzen Psalm, der zu den Wallfahrtsliedern zählt, also zu jenen Gebeten, die man am Weg der Pilgerfahrt nach Jerusalem betet:
Ich erhebe meine Augen zu dir, der du thronst im Himmel. Siehe, wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so sind unsere Augen erhoben zu JHWH, unserem Gott, bis er uns gnädig ist. Sei uns gnädig, JHWH, sei uns gnädig! Denn übersatt sind wir von Verachtung, vom Spott der Selbstsicheren ist übersatt unsere Seele, von der Verachtung durch die Stolzen.
Die Reihe der heutigen Lesungen beginnt mit einem eindrucksvollen Text aus dem Buch der Weisheit – freilich steht er in der Weise, wie wir ihn heute hören, nicht in der Bibel, sondern ist aus zwei Texten zusammengesetzt (1,13–15 und 2,23–24). Ich zitiere den ersten Teil: Denn Gott hat den Tod nicht gemacht / und hat keine Freude am Untergang der Lebenden. Zum Dasein hat er alles geschaffen / und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. Kein Gift des Verderbens ist in ihnen, / das Reich der Unterwelt hat keine Macht auf der Erde; / denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.
Schriftlesungen zum 13. Sonntag im Jahreskreis
Die erste Lesung des heutigen Sonntags, die dem Buch Ijob (38,1.8–11) entnommen ist, der Ausschnitt aus dem 107. Psalm, der im Gottesdienst gebetet wird, und das Evangelium (Mk 4,35–41) sind eng miteinander verbunden. Beginnen wir, die Perikope aus dem Evangelium zu lesen, wird uns das Setting klar, in das wir hineingeworfen werden:
Das Buch Ezechiel und der 92. Psalm bereiten eine metaphorische Welt des Gleichnisses vor, ohne die das heutige Evangelium (Markus 4,26–34) nicht verständlich oder zumindest ärmer an Bedeutung wäre. Mehrfach greift der Prophet, wenn er von der Rolle und dem Geschick Israels im Umkreis der mächtigen Völker seiner Umgebung spricht, das Bild der wachsenden Zeder auf. Heute hören wir davon in folgender Weise (Ezechiel 17,22–24): ...
Die Lesungstexte des heutigen Sonntags geben nicht leicht preis, worin Linien zu finden sein können, die sie verbinden, oder was sie zusammenhält, um nicht bloß als Einzeltexte zu gelten. Ich folge einer schwachen Spur, deren ich am Ende der zweiten Lesung gewahr geworden bin und die mich hat fragen lassen, ob sie uns ein wenig durch die Texte geleiten kann.
Mit der ersten Lesung des heutigen Sonntags (Deuteronomium 5,12–15), den Passagen aus dem 81. Psalm, die heute gebetet oder gesungen werden, und dem Evangelium (Markus 2,23–3,6) wird die Bedeutung jenes Tages, der nach biblischem Verständnis den Lauf der Woche unterbricht, in den Mittelpunkt gestellt, des siebenten Tages, des Sabbats.
Beim Fronleichnamsfest steht ähnlich dem Gründonnerstag das Sakrament der Eucharistie – die Feier des Brotes als Leib und die des Weines als Blut Christi – im Mittelpunkt. Als Evangelium erwarten wir, die Erzählung von Jesu letztem Mahl mit seinem Schülerkreis knapp vor seinem Tod zu hören. Diese Erwartung wird nicht enttäuscht. Wir hören diese Erzählung heute in der Fassung, welche ihr der Evangelist Markus (14,12–16.22–26) gegeben hat. Ich zitiere jenen Abschnitt daraus, der im Besonderen auf das heutige Fest verweist:
Der Sonntag nach Pfingsten wird als Dreifaltigkeitssonntag bezeichnet: Nach der Feier der Gabe des Geistes gedenken wir heute der Trinität. Dabei handelt es sich um ein Wort, das bekanntlich in der Bibel nicht vorkommt. Allerdings zeigen sich in ihr Spuren, Motive und Konstellationen, die ein Nachdenken über Dreifaltigkeit nahelegen. Das wird besonders im Evangelium des heutigen Tages deutlich, dem Schluss des Matthäusevangeliums (28,16–20).
Schriftlesungen zum Dreifaltigkeitssonntag zum Download
Der Pfingsttag hat uns in den Lesungstexten eine Fülle von Aspekten des Geistes vorgestellt. All das kann ein Tag allein jedoch gar nicht fassen, es braucht einen zweiten Tag, der ihm nachfolgt und seinen Resonanzraum bildet.
Die Lesungstexte des heutigen Tages beginnen wie die am Pfingsttag mit einer Passage aus der Apostelgeschichte (8,1.4.14–17). Was die Schülerinnen und Schüler Jesu am Pfingsttag in Jerusalem erfahren haben – nämlich, dass der Geist auf sie herabkam –, soll nun auch für die Menschen in anderen Regionen erfahrbar werden.
Auch für den heutigen Tag, den Pfingstsonntag, bleibt die Überschrift der letzten Wochen unverändert: „Ausblick auf die Gabe des Geistes“. Gewiss könnten wir sagen, der Pfingstsonntag ist der Tag der Gabe des Geistes, an diesem Tag ist es fehl am Platz, noch von einem Ausblick zu sprechen. Gleichwohl aber bitten wir immer noch – bis heute – um die Gabe des Geistes, d.h. um ein Kommendes. Wir bitten um die Gabe des Geistes, der in all die Formen des Ungeistes, die wir erleben, hineinwirken soll.
Auch am Sonntag, der zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten liegt, spielt die Gabe des Geistes eine Rolle. Wir können die Lesungstextes des heutigen Tages wieder daraufhin befragen, was sie uns über den Geist mitteilen. Dabei tritt vor allem die erste Lesung hervor. Sie ist – wie in der gesamten Osterzeit – der Apostelgeschichte entnommen (Apg 1,15–17.20–26).
Das Fest Christi Himmelfahrt verweist auf jenen Zeitpunkt, mit dem die Erscheinungen des Auferstandenen im Kreis seiner Schülerinnen und Schüler aufhören. Wenn Jesus nicht mehr präsent ist – auch nicht mehr als Auferstandener – müssen die Menschen, die ihm nachfolgen wollen, Formen der Selbstständigkeit entwickeln. Freilich bleibt Jesus weiterhin entscheidender Bezugspunkt, aber nicht alle Fragen lassen sich (mehr) damit lösen, bloß auf ihn zu verweisen. Wer sich künftig zu ihm bekennt, muss eine Form der Eigenständigkeit entwickeln. Deren treibende Kraft wird fortan der Geist sein.
Beginnend mit dem vergangenen Sonntag finden wir bis Pfingsten in den Lesungstexten immer wieder Hinweise auf den Geist – manche explizit und andere, die eher aus dem Umfeld erschlossen werden können.
Als Lesung hören wir heute zunächst einen Ausschnitt aus jener Predigt, die Petrus im Haus des Hauptmanns Kornelius gehalten hat. Es handelt sich dabei um eine Passage aus dem zehnten Kapitel der Apostelgeschichte (10,25f.34f.44–48). Kornelius gehörte nicht dem Volk Israel an, orientierte sich aber am jüdischen Glauben: „er lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesfürchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete beständig zu Gott.“ (Apg 10,2).
Letzten Sonntag haben wir als Evangelium die Perikope von Jesus als dem guten Hirten gehört. An den Sonntagen nach Ostern war dies der erste Text aus den Evangelien, der nicht unmittelbar auf die Auferstehung bezogen ist. Ab dem heutigen Sonntag hören wir bis Pfingsten (mit Ausnahme von Christi Himmelfahrt) Texte aus den so genannten Abschiedsreden Jesu. Diese finden sich im Johannesevangelium zwischen der Erzählung der Fußwaschung und dem Beginn der Passionserzählung. Es handelt sich um meditative Reden, die Jesus vor seinem Schülerkreis hält und in welchen er sie auf seinen Abschied vorbereitet. Sie münden in ein langes Gebet Jesu zum Vater.
Der heutige Sonntag ist der erste Sonntag nach Ostern, an dem als Evangelium keine der Auferstehungserzählungen mehr gelesen wird. Jesus wird uns heute in einer Perikope aus dem Johannesevangelium als guter Hirte vorgestellt. Dies muss noch ganz auf dem Boden der Auferstehungserzählungen gehört werden. Wir fragen: Wer ist denn dieser Jesus, von dem uns nun mehrere Male verkündet wurde, er sei von Gott aus dem Tod auferweckt worden? Wie begegnet er uns denn? Wie können wir ihn verstehen?
Wer die Liturgie von der Osternacht an mitgefeiert hat, ist auf mehrere Auferstehungserzählungen, die als Evangelium gelesen wurden, getroffen. Was dabei auffällt, sind nicht zuletzt deren große Unterschiede: Zwar berichten alle vier Evangelien von Begegnungen mit dem Auferstandenen, an keiner anderen Stelle unterscheiden sie sich jedoch so stark voneinander wie hier.
Am zweiten Sonntag der Osterzeit hören wir erneut eine Auferstehungserzählung – eine Geschichte, die sich nur beim Evangelisten Johannes findet (Joh 20,19–31). Nach Maria von Magdala, Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, den bisherigen Protagonistinnen und Protagonisten der bei Johannes überlieferten Erzählungen der Auferstehung, rückt Thomas in den Mittelpunkt, der ein eindrucksvolles Zeugnis seines Glaubens gibt. Die Geschichte gliedert sich in drei Szenen.
Auch am Ostermontag hören wir als Evangelium eine Auferstehungserzählung – und zwar die Geschichte vom Gang zweier Schüler Jesu in das nahe bei Jerusalem gelegene Dorf Emmaus. Unterwegs gesellt sich der Auferstandene den beiden hinzu, wird von ihnen aber erst erkannt, als sie, im Dorf angekommen, in einem Gasthaus das Brot brechen. Diese Geschichte wird nur von Lukas überliefert (24,13–35). Hatten wir schon am Ostersonntag die Unterschiede in der Art und Weise bemerkt, wie Markus und Johannes die erste Erfahrung der Auferstehung von Seiten Marias von Magdala bzw. dreier Frauen beschreiben, und waren wir bei Johannes auf die Erzählung der innigen Begegnung von Maria von Magdala mit dem Auferstandenen gestoßen, die nur er überliefert, so stehen wir heute vor einer Geschichte, die sich nur bei Lukas findet.
Hat man an der Osternachtfeier teilgenommen und feiert nun auch den Gottesdienst am Ostersonntag mit, fällt einem auf, wie unterschiedlich die beiden Auferstehungserzählungen sind, die man als Evangelium hört: in der Osternacht die Erzählung von Markus (Mk 16,1–7), am Ostersonntag die erste der Erzählungen, die Johannes gibt (Joh 20,1–9 oder 20,1–18).
Die Osternachtfeier sieht eine Fülle alttestamentlicher Lesungen und ihnen zugeordneter Psalmen oder anderer liedartiger Texte vor, eine Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom und als Evangelium eine Auferstehungsperikope, und zwar vom Evangelisten Markus überliefert (Mk 16,1–7). Im Folgenden werde ich mich vor allem auf diesen Text beziehen und dabei ein Detail herausgreifen, das mir für das Verständnis der Erzählung als entscheidend erscheint.
Der Karfreitag steht ganz im Zeichen der Passionserzählung, wie sie der Evangelist Johannes überliefert (18,1–19,42), und scheint thematisch auf den Tod Jesu fixiert. Andere für diesen Tag vorgesehene Texte treten dem gegenüber in den Hintergrund (oder werden gar nicht gelesen), andere Motive, die an diesem Tag auch vorkommen, bleiben meist verborgen. Machen wir uns darum auf die Suche nach weiteren Momenten, die in der Liturgie des Karfreitags auch hörbar werden (können), wenn man aufmerksam bleibt. Gilt auch für diesen Tag, was wir am Palmsonntag festgestellt haben – dass in jeder christlichen Liturgie Tod und Auferstehung präsent ist? Dass also die Karwoche nicht bloß von Leiden und Tod erzählt, Ostern aber lediglich von der Auferstehung, sondern dass in jeweils unterschiedlicher Weise immer der Übergang von Tod zum Leben figuriert wird?
Alle vier Lesungstexte des heutigen Feiertages sind mit einer Mahlsituation verbunden. Die Lesung aus dem Buch Exodus (12,1–8.11–14) und die Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (1 Kor 11,23–26) erzählen von der Einsetzung eines Erinnerungsmahles. In der Lesung aus dem Buch Exodus hören wir von jenem Mahl, welches die Israeliten an der Schwelle zum Auszug aus Ägypten halten und künftig jährlich in Erinnerung daran feiern sollten. In der Feier dieses Mahles soll sich jedes Mal neu die Befreiung realisieren, welche die Väter und Mütter einst erlebt haben. Wer am Mahl teilnimmt, vollzieht selbst den Exodus mit: „Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest für JHWH! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!“
Schriftlesungen zum Gründonnerstag zum Download
Wer die Gottesdienste der Karwoche mitfeiert, dem begegnet eine Fülle an biblischen Texten, die gelesen oder gesungen werden. Welcher Text steht dabei eigentlich am Anfang? Es ist die die Erzählung vom Einzug in Jerusalem, wie sie der Evangelist Markus berichtet (11,1–10). Eine Erzählung von der Bewegung hinein in eine Stadt leitet uns in die Karwoche. Dies können wir auch als ein Signal lesen mitzugehen, uns den Texten anzuvertrauen, uns von ihnen leiten und tragen zu lassen.
Die Texte des heutigen Sonntags scheinen vor allem darin verbunden, dass sie alle auf die nahende Passion und die Auferweckung Jesu bezogen werden können. Sie alle geben einen bestimmten Blick auf das Leiden und Auferstehen Christi wieder. Freilich ist das nicht bei allen Texten, die wir heute hören, der erste Sinn, den sie haben. Gelesen aber am fünften Fastensonntag, knapp vor Ostern, kann sich dieser Bezug einstellen: Wir hören die Texte auch mit Bezug auf das Ostergeschehen.
Wie schon an den bisherigen Fastensonntagen steigen wir auch heute mit einem zentralen Text des Alten Testaments (der Hebräischen Bibel, dem TeNaCh) in den Reigen der Lesungstexte ein. In der ersten Lesung hören wir das Ende des zweiten Buches der Chronik (2 Chr 36,14–16.19–23). In der jüdischen Anordnung der Bücher der Heiligen Schrift, dem TeNaCh, bilden die Bücher der Chronik den Abschluss des Kanons.
Wie schon an den beiden vergangenen Fastensonntagen betreten wir die biblische Textlandschaft erneut an einer sehr zentralen Stelle, d.h. mit einem Schlüsseltext: Wir hören am Beginn der Schriftlesungen die erste der beiden biblischen Schilderungen der Gabe des Dekalogs, der Zehn Worte oder Zehn Gebote (Exodus 20,1–17; die zweite Schilderung findet sich im fünften Kapitel des Buches Deuteronomium). Interessant ist die Einleitung des Dekalogs, sozusagen der Prolog: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“
Die heutigen Lesungstexte sind in einer zunächst nicht leicht erkennbaren Weise über das Motiv des Sohnes aufeinander bezogen. Man muss diesen Zusammenhang nicht explizieren, die Texte sind allesamt sehr starke Texte, die ohnehin – auch ohne mögliche Referenztexte – genug an Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermögen. Zum Teil haben sie eine sehr lange und ausführliche Geschichte der Auslegung angestoßen.
"Fastenzeit“ als Zeit, des Bundes Gottes zu gedenken
Am heutigen ersten Fastensonntag erweisen sich die erste und die zweite Lesung motivlich aufeinander bezogen. Die erste Lesung ist dem Buch Genesis (9,8–15) entnommen und stellt den Zielpunkt der Erzählung von Noach dar: den Bundesschluss Gottes mit allen Lebewesen. Die zweite Lesung – aus dem 1. Brief des Apostels Petrus (3,18–22) – bezieht die Taufe zurück auf die Rettung der Menschen durch die Sintflut hindurch: „in den Tagen Noachs …“
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Ähnlich wie am letzten Sonntag scheint mir die Aufgabe nicht leicht, ausgehend von den Lesungstexten des heutigen Sonntags einen inhaltlichen oder motivlichen Bogen zu bilden. Zu heterogen wirken die einzelnen Texte. Versuchen wir einen kurzen Durchgang durch sie und fragen abschließend noch einmal, ob wir einen Zusammenhang finden können.
Die Texte des heutigen Sonntags stellen uns vor die nicht leichte Aufgabe, wie wir aus ihnen einen Zusammenhang bilden können, wollen wir sie nicht bloß unverbunden nebeneinander stehen lassen. Gewiss wäre auch das legitim, allerdings hören wir die fünf Texte nun einmal im Rahmen einer Feier. Ich werde im Folgenden versuchen, mich ihnen explizit aus dem Blickwinkel der Vielstimmigkeit anzunähern.
Die vier Texte des heutigen Sonntags möchte ich im Folgenden unter dem Gedanken der Wirkungsgeschichte untersuchen.
Die Lesungen setzen mit einem Text ein, der eine große Wirkungsgeschichte entfaltet hat. Wir hören zu Beginn eine Passage aus dem Buch Deuteronomium (18,15–20), dem fünften Buch Mose, das die Abschiedsreden Moses, sozusagen sein Testament enthält. Zweimal ist in dieser Stelle davon die Rede, dass Gott wieder einen großen Propheten wie Mose, den größten aller Propheten, aus dem Volk werde erstehen lassen.
Die Texte des heutigen Sonntags muten uns einiges zu. Das beginnt mit der ersten Lesung, in der wir Abschnitte aus dem dritten Kapitel des Buches Jona hören (Jona 3,1–5.10). Der von Gott berufene Prophet Jona geht entgegen seiner ersten Zurückweisung des göttlichen Auftrages (Kapitel 1) nun doch in die große Stadt Ninive, um dort im Namen Gottes als Prophet eine kurze Botschaft zu verkünden. Er nimmt sich dafür einen Tag Zeit und findet unglaublich viel Gehör, mehr als alle anderen biblischen Propheten:
Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage und Nínive ist zerstört! Und die Leute von Nínive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus und alle, Groß und Klein, zogen Bußgewänder an.
Nach den Festen der Weihnachtszeit sind wir nun in der Zeit des Jahreskreises angekommen und hören eine Lesung vom Anfang des ersten Buches Samuel (1 Sam 3,3–10.19). Der junge Samuel wird im Tempel nachts der Stimme Gottes gewahr, kann damit aber noch nichts anfangen. So heißt es von ihm: „Samuel kannte JHWH noch nicht und das Wort JHWHs war ihm noch nicht offenbart worden.“ Wenn wir diesen Text am Beginn der Zeit im Jahreskreis hören, beschreibt das auch ein wenig unsere Situation: Wir haben in den Texten der Weihnachtszeit zwar von Geburt, Beschneidung und Taufe Jesu gehört, kennen ihn aber noch nicht. Wir müssen erst das gesamte Kirchenjahr hindurchgehen, den Texten lauschen und auf diese Weise den Herrn kennen lernen. Zwei Hilfen werden uns dazu von der ersten Lesung mitgegeben.
Das Evangelium für den heutigen Festtag, den Sonntag nach Epiphanie, der das Ende der Weihnachtszeit markiert und als Taufe des Herrn bezeichnet wird, ist vorgegeben (Markus 1,7–11), die Lesungen dagegen bieten Alternativmöglichkeiten. Entweder können die Lesungen vom Lesejahr A, das uns im vergangenen Jahr begleitet hat (und im Zeichen des Matthäusevangeliums steht), genommen werden oder die spezifisch für dieses Lesejahr, das Lesejahr B (das im Zeichen des Markusevangeliums steht), vorgesehenen Lesungen. Anders als beim Fest der Heiligen Familie kann ich, vergleicht man die beiden Optionen, keine ideologischen Unterschiede feststellen, höchstens leichte Akzentverschiebungen.
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Das heutige Fest weist eine starke Prägung durch zwei Motive auf: Ein Stern, meist als Komet dargestellt, steht über dem Gebäude, in dem die Geburt Christi stattfand, und Sterndeuter, meist als drei Personen dargestellt, kommen ebendort an, um dem neugeborenen Kind ihre Referenz zu erweisen. Die Bilder gehen auf jenen Text zurück, den wir heute als Evangelium hören (Matthäus 2,1–12), und wurden weiter ausgebaut: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm [dem neugeborenen Christuskind] zu huldigen.“
Die Lesungstexte des heutigen Tages stellen uns in gewisser Weise ein zweigeteiltes Fest vor. Zunächst steht das Moment des Segens im Mittelpunkt. Wir könnten sagen, dies ist der Neujahrsanteil des heutigen Feiertages. Am Neujahrstag begegnet man sich mit guten Wünschen: Das kommende Jahr möge ein gesegnetes sein.
Gedanken zu den Schriftlesungen 2023
Das so genannte Fest der Heiligen Familie wird am ersten Sonntag nach dem Christtag gefeiert. Im aktuellen Lesejahr, dem Lesejahr B, in dem an Sonn- und Feiertagen bevorzugt das Markusevangelium gelesen wird, stehen für das Fest der Heiligen Familie auch die Lesungen des Lesejahres A, das unter dem Zeichen des Matthäusevangeliums steht, zur Verfügung.
In der frühen Kirche entwickelte sich eine Gestaltung des Jahres, die anhand dreier Feierkreise strukturiert war: dem Weihnachtsfestkreis, dem Osterfestkreis und dem Gedenken der Heiligen. Dies ist bis heute so geblieben. Die drei Festkreise sind nicht direkt miteinander abgestimmt: Der Weihnachtsfestkreis beginnt am vierten (im ambrosianischen Ritus in Mailand am sechsten) Sonntag vor dem 25. Dezember und endet am Sonntag nach dem 6. Jänner (früher am 2. Februar zu Mariä Lichtmeß/Darstellung des Herrn); er ist um den 25. Dezember herum konzipiert.
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Mit dem ersten Satz der Morgenmesse am Christtag macht Jesaja (62,11f) klar, dass es heute um eine Botschaft für alle Menschen geht: „Siehe, JHWH hat es bekannt gemacht bis ans Ende der Erde.“ Wer die Weihnachtsgottesdienste mitfeiert und die Texte der Schriftlesungen hört, ist eingeladen, sich zu einem Anwalt dieser universalen Botschaft zu machen, die sogar unsere eigenen Egoismen überwinden will (vom Weltfrieden reden wir gerne, aber auch die unüberbrückbare Grenze zum Menschen neben uns soll überwunden werden?). Wie so oft, setzt der Psalm, den wir beten, heute der 97. Psalm, voraus, dass wir danach suchen, wie sich die gute Botschaft ausweiten lässt – auf die vielen Inseln, ja auf alle Völker:
Wie lesen wir die Texte des heutigen Weihnachtsabends? Was können sie uns noch sagen – gehört haben wir viele davon schon oftmals, ihr Klang ist heute vielleicht überlagert vom Glanz der Lichter und all dem Schönen und auch dem uns Ängstigenden, das wir vielleicht mit diesem Fest verbinden. Hören wir einen Moment auf die Texte.
Schriftlesung zum Heiligen Abend zum Download
Mit dem vierten Adventsonntag treten wir heuer schon fast in den Weihnachtsfestkreis ein, begehen wir doch heute schon den Vorabend des Christtages, dessen Beginn: den Heiligen Abend. Was wollen uns die Texte der Liturgie so knapp vor dem Weihnachtsfest noch mitgeben – knapp und in aller Eile, bevor das Weihnachtsfest beginnt?
Schriftlesung zum 4. Adventsonntag zum Download
Die Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Thessaloniki (1 Thess 5,16–24) beginnt mit einer hoffnungsvollen Einladung zur Freude: „Freut euch zu jeder Zeit.“ Sie enthält vier weitere kleine Aufforderungen, die mir jedes Mal, wenn ich sie lese, sehr zu denken geben.
Löscht den Geist nicht aus!
Verachtet prophetisches Reden nicht!
Prüft alles und behaltet das Gute!
Meidet das Böse in jeder Gestalt!
Wie Texte des heutigen Sonntags können gewiss aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden; ein zentrales Motiv ist sicher das Kommen Gottes. Zunächst wirkt das in der Zeit des Advents wenig überraschend, ist diese doch die Zeit der Ankunft: Ankommen kann nur, was zuvor im Kommen war. Vom Kommen Gottes zu reden, wie es die Texte des heutigen Sonntags tun, hat jedoch eine noch weitreichendere Bedeutung. Gott ist nicht das starre, absolute höchste unberührbare Sein, sondern ein Gott der Bewegung.
Am heutigen Marienfest wird etwas besonders deutlich, was für die im Gottesdienst gelesenen Schriftstellen generell gilt: Sie sind nicht Informationen, die uns die Welt erklären wollen, sondern stellen sie in irgendeiner Weise unter eine heilvolle Perspektive. Damit wenden sie sich gegen all die zu allen Zeiten viel zu mächtigen Interpretationen der Welt als einen Ort des Unheils. Dies kann mit dem Ende der ersten Lesung (Genesis 3,9–15.20) und dem Übergang zum Psalm (98,1–4) sehr gut veranschaulicht werden.
Fragen wir uns am Beginn des Kirchenjahres, wie die Texte, die im Gottesdienst gelesen werden, von Gott sprechen. Dabei stoßen wir auf eine Fülle von Bildern, Metaphern und unterschiedliche Arte der Rede.
Beginnen wir mit der Lesung aus dem Buch Jesaja (63,16b–17. 19b; 64,3–7):
Du, HERR, bist unser Vater, Unser Erlöser von jeher ist dein Name. Warum lässt du uns, HERR,
von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, sodass wir dich nicht fürchten?
Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Erbbesitz sind!
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Der letzte Sonntag des Kirchenjahres trägt den Namen Christkönigssonntag. Das Fest ist umstritten. Ist es noch zeitgemäß, Christus als König zu apostrophieren? Ob man Christus als König bezeichnen will oder nicht: Wer mit den Lesungen des heutigen Tages einsteigt, erhält sofort ein Bild davon, was sich die Bibel unter einem (guten) König vorstellt. Im Buch des Propheten Ezechiel (34,11f. 15–17) hören wir, wie Gott zum Wohl seiner Schafe selbst das von den Menschen nur ungenügend ausgeübte Hirtenamt übernimmt. Dieses Hirtenamt ist Vorbild für das Königsamt. Was wird vom Hirten und damit auch vom König erwartet?
Ganz unterschiedlich sind die Perspektiven, die uns die Texte des heutigen Sonntags präsentieren: Wir können uns dem Konvolut aus vier Texten (zwei Lesungen, Psalm und Evangelium) zunächst über die Spannung aus Kontinuität und Diskontinuität, Bruch annähern. Die erste Lesung aus dem Buch der Sprichwörter (31,10–13.19f.30f), das zum Teil sehr alte Spruchweisheit enthält, und der 128. Psalm legen den Schwerpunkt auf Kontinuität.
Die biblische Tradition lässt sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen, sie hat verschiedene Schwerpunkte und Richtungen, die einander ergänzen und korrigieren. Beginnen wir mit der Lektüre der für den heutigen Gottesdienst vorgesehenen Schrifttexte, stoßen wir zuerst auf einen Text aus der weisheitlichen Tradition. Diese hat viele Motive aus der Umgebung Israels aufgenommen, die nicht spezifisch für das biblische Denken und nicht ausschließlich dort anzutreffen sind. Wir hören heute einen wunderbaren Hymnus auf die Weisheit, der dem gleichnamigen Buch entnommen ist (Weisheit 6,12–16):
Strahlend und unvergänglich ist die Weisheit;
wer sie liebt, erblickt sie schnell,
und wer sie sucht, findet sie...
Die Auswahl der Texte des heutigen Sonntags stellt uns vor eine ziemliche Herausforderung, wenn wir einen einigermaßen konsistenten Weg durch sie nehmen wollen. Ich beginne der Reihe nach, also bei der ersten Lesung, die wir hören, wenn im Gottesdienst alle Texte gelesen werden. Sie ist entsprechend der christlichen Anordnung der Bücher dem letzten Buch des Alten Testaments entnommen (der jüdisch TeNaCh ist etwas anders geordnet), dem Buch Maleachi (1,14–2,2.8–10):
Haben wir nicht alle denselben Vater?
Hat nicht der eine Gott uns erschaffen?
Warum handeln wir dann treulos,
einer gegen den andern,
und entweihen den Bund unserer Väter?
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Das Evangelium des heutigen Feiertags (Mt 5,1–12) stellt uns vor eine ähnliche Thematik wie das des letzten Sonntags. Da hatte Jesus auf die Frage nach dem wichtigsten Gesetz nicht mit dem Verweis auf ein bestimmtes Gebot geantwortet, sondern die beiden Gebote genannt, die den Rahmen für den Umgang mit all den anderen Gesetzen angeben: die Liebe zu Gott und dem Nächsten. Darin steht er ganz auf dem Boden der heiligen Schriften Israels.
Heute hören wir die sogenannten Seligpreisungen aus der Bergpredigt. Dabei handelt es sich um Worte von höchster poetischer Imaginationskraft, die daran festhalten wollen, dass es eine andere Welt gibt als die, die sich in Hass und Vergeltung verzehrt. Die Analogie zum Evangelium des letzten Sonntags liegt darin, dass man auch diese Worte nicht unmittelbar wie Gebote oder Handlungsanweisungen verstehen darf.
Am heutigen Sonntag nimmt die Frage nach dem Umgang mit dem (biblischen) Gesetz großen Raum ein. Wie kann dessen Aktualisierung gelingen?
Eröffnet werden die Texte mit einem wichtigen Wort, das dem Buch Exodus entnommen ist (22,20–26): „Einen Fremden sollst du nicht ausnützen oder ausbeuten, denn ihr selbst seid im Land Ägypten Fremde gewesen.“ Von großem Interesse ist die Begründung, welche auf die eigene Erfahrung verweist.
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Im Evangelium vom heutigen Sonntag (Matthäus 22,15–21) wollen Menschen, die Jesus kritisch gegenüberstehen, ihm eine Falle stellen und verwickeln ihn in ein Gespräch über die Pflichten gegenüber dem Kaiser. Ist es erlaubt oder sogar geboten, ihm Steuern zu entrichten? Jesus antwortet darauf in einer kreativen Weise. Zunächst bittet er darum, ihm eine Münze zu zeigen.
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Von den für jeden Sonntag vorgesehenen vier Lesungen lassen sich zumeist die Lesung aus dem Alten Testament/der Hebräischen Bibel, der Psalm und das Evangelium sehr leicht in eine inhaltliche Verbindung bringen, wohingegen die neutestamentliche Lesung nicht immer einen direkten Zusammenhang mit den anderen Texten aufweisen muss. Es kann jedoch reizvoll und herausfordernd sein, der Frage nachzugehen, ob und wo man vielleicht Brücken findet, welche auch diese Lesung mit den anderen verbinden, oder wie sich das Bild verändert, bezieht man diese Lesung mit ein.
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Zumindest drei der Texte des heutigen Sonntags können wir wie eine Fortsetzungsgeschichte lesen. Beim Propheten Jesaja (5,1–7) finden wir ein Bildwort, welches das Volk Gottes mit einem Weingarten vergleicht. Der Weingarten bringt leider nicht die erwarteten Früchte, obwohl er gute Voraussetzungen hat und gut gepflegt wird:
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe.
Er grub ihn um und entfernte die Steine
und bepflanzte ihn mit edlen Reben.
Er baute in seiner Mitte einen Turm
und hieb zudem eine Kelter in ihm aus.
Dann hoffte er, dass der Weinberg Trauben brächte,
doch er brachte nur faule Beeren.
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Die Lesungstexte des heutigen Sonntags können alle ausgehend von den Passagen des 25. Psalms, die wir im Gottesdienst beten, interpretiert werden.
Zeige mir, Herr, deine Wege, *
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich; /
denn du bist der Gott meines Heiles. *
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.
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Das Evangelium des heutigen Sonntags kann wie eine erzählerische Ausfaltung dessen gelesen werden, was wir im 145. Psalm heute beten:
Der Herr ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Huld.
Der Herr ist gut zu allen,
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken
Diese Sätze sind eine Zusammenfassung der Botschaft der Heiligen Schriften Israels, des TeNaChs bzw. des Alten Testaments.
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Das Evangelium vom heutigen Sonntag (Mt 18,21–35) ist ein Lehrstück dafür, dass sich eine Religion nicht so leicht auf bestimmte Normen festlegen lässt. Petrus stellt Jesus die wichtige Frage, wie oft er jemandem vergeben müsse, der gegen ihn gesündigt hat und schlägt eine durchaus großzügig bemessene Antwort vor: Bis zu siebenmal. Jesus ironisiert diese Antwort in gewisser Weise: „Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.“
Die Texte des heutigen Sonntags können zum Großteil ausgehend von der Frage nach dem Umgang mit dem Gesetz gelesen werden. Sie können aber auch um die Frage nach der Gemeinschaft gruppiert und als fünf Gemeinschaftsbilder angesehen werden.
In der Perikope des Evangeliums, die wir heute hören (Matthäus 16,21–27), wurde mit der Neuauflage der deutschsprachigen Einheitsübersetzung die Korrektur eines nicht unwichtigen Übersetzungsfehlers vorgenommen. Worum geht es?
Eigentlich sollte man das heutige Evangelium mit dem vom letzten Sonntag (Matthäus 16,13–20) gemeinsam lesen. Da haben wir gehört, dass Petrus auf die Frage, für wen die Schülerinnen und Schüler Jesu ihren Lehrer halten, antwortet: „Du bist der Christos, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Das Evangelium des heutigen Sonntags (Matthäus 16,13–20) stellt eine zentrale Frage in den Mittelpunkt – eine Frage, von der ausgehend wir alle Erzählungen der Evangelien lesen könnten. Genauer handelt es sich um eine Doppelfrage, eine Frage in zwei Stufen, deren Fortgang eine wichtige Entwicklung anzeigt. Jesus frägt seine Schülerinnen und Schüler zunächst: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ Darauf folgen sofort einige Antworten, die sehr plausibel klingen: für Johannes den Täufer, den wiedergekommenen Propheten Elija, den Propheten Jeremia oder einen anderen Propheten. Es fällt auf, dass Jesus durchgängig mit Propheten identifiziert wird. Sein Auftreten war offensichtlich deren Gestalt am ähnlichsten. Danach folgt die zweite Frage: „Ihr aber, wer sagt ihr, dass ich bin?“ Das ist nicht mehr die Frage, die einen Bericht von anderen erwartet, sondern auf das abzielt, was die Hörerinnen und Hörer selbst denken.
Der heutige Sonntag hat insofern einen eigentümlichen Charakter, als im Evangelium nicht Jesus als Lehrer auftritt, sondern vielmehr ihm eine Lektion erteilt wird (Matthäus 15,21–28). Dieser erstaunliche Umstand, dass Jesus etwas lernen muss, wird durch die Auswahl der anderen Lesungstexte nicht abgeschwächt, sondern – im Gegenteil – noch bestätigt. Die beiden alttestamentlichen Texte, d.h. die Texte aus den Heiligen Schriften Israels (dem TeNaCh), unterstreichen: Was Jesus zu lernen hat, ist schon in den Heiligen Schriften grundgelegt.
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Hören wir auf die Lesungstexte und achten auf das Brauchtum des heutigen Feiertages, sind verschiedene Annäherungen an dieses Marienfest möglich: Gefeiert wird, so können wir zunächst einmal sagen, Maria, die Mutter Jesu, deren mutiges uns selbstbewusstes Auftreten einen wesentlichen Platz in der Geschichte der Erlösung, wie sie das Christentum verkündet, einnimmt. Dies wird besonders im Evangelium deutlich (Lk 1,39–56). Mit dem heutigen Fest verbindet sich der Glaube, dass die wichtige Rolle, die Maria bei der Geburt Jesu spielte, nicht bloß eine Episode in ihrer Lebensgeschichte darstellt. Sie dauert sogar über ihren Tod hinaus an. Was Maria ist, ist aufgenommen zu Gott, ihre Geschichte hat einen unveräußerlichen Platz in der Geschichte Gottes mit den Menschen. Dies aber gibt uns die Hoffnung, dass auch unsere Lebensgeschichten – mit ihrem Gelingen, ihrem Scheitern, ihrem Bemühen und ihrem fragmenthaften Charakter – nicht ins Nichts verlöschen, sondern bei Gott bewahrt sind und ein Bleiben haben.
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Die Lesungstexte des heutigen Sonntags haben alle die Kraft, als ein Ausgangspunkt für die Betrachtung der jeweils anderen Texte zu dienen. Fragen wir aber zunächst, ob vom Fest der Verklärung des Herrn, das wir letzten Sonntag gefeiert haben, heute noch etwas nachklingt. Haben diese Texte heute noch ein Echo, hallt etwas von ihnen nach? Alles Metaphern des Hörens, nicht des Sehens …
In der Szene der Verklärung befand sich Jesus auf einem Berg, der durch eine Stimme aus einer Wolke zum Gottesberg wurde – der Berg wird zum Resonanzraum für das himmlische Wort. Dabei begegnete Jesus zwei bedeutenden Gestalten: Mose, der den Bund mit Gott entgegengenommen hatte, und Elija, der ihn erneuern wollte. Hören wir von hier aus den heutigen Lesungen zu.
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Heuer fällt das Fest der Verklärung des Herrn auf einen Sonntag und bestimmt die Lesungstexte am heutigen Tag. Diese stellen ein dichtes Geflecht an gegenseitigen Bezügen dar, das wir hier kaum werden aufklären können – allerdings hat uns dieses Eingeständnis schon ein wenig weitergebracht: Das gerade gebrauchte Wort aufklären erinnert an den deutschsprachigen Titel, den dieses Fest in der lateinischen Kirche trägt: Verklärung des Herrn. Was klärt sich in der Verklärung? Wird hier denn etwas klarer? Klärt sich darin gar, wer Jesus ist? Ich habe den Eindruck, dass sich in jener Begebenheit aus dem Leben Jesu, die hinter diesem Fest steht (vgl. Mk 9,2–10), manches klärt, anderes aber vielleicht noch unklarer wird.
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Die Texte des vergangenen Sonntags haben wir auf die – soll man es Tugend nennen oder Haltung? – des Schonens hin interpretiert. Die Lesungen von heute will ich gerne unter die Tugend, die Haltung des Nachdenkens stellen. Die Idee dazu gibt der Text der ersten Lesung, welcher dem ersten Buch der Könige (1 Kön 3,5–12) entnommen ist. Gott frägt den jungen König Salomo in einem Traum, welche Bitte er ihm erfüllen solle, woraufhin Salomo antwortet – ob im Traum oder im erwachten Zustand, wissen wir nicht:
Im heutigen Evangelium (Mt 13,24–43) hören wir einen der wichtigsten christlichen Texte gegen religiösen Fundamentalismus und übertriebenes religiöses Eifern. Worum geht es? Jesus erzählt ein Gleichnis – das hat selbst schon etwas Antifundamentalistisches: Ein Gleichnis sagt nicht, wie die Welt ist, und gibt keine direkte Anweisung, wie wir in der Welt handeln sollen, sondern rechnet damit, dass die Wirklichkeit selbst für gleichnishafte Rede offen ist. Gleichnisse haben keine Eindeutigkeit, sondern immer ein gewisses Maß an Offenheit und Vieldeutigkeit. Würden wir die Welt für eindeutig halten, brauchten wir nur zu sagen, wie sie ist und müssten uns nicht um ein Gleichnis bemühen, das erst ausgelegt werden muss.
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In der Passage aus dem an die Gemeinde von Rom adressierten Brief des Apostels Paulus, die wir heute im Gottesdienst hören (Röm 8,18–23), findet sich eine bemerkenswerte Formulierung. Paulus schreibt:
Denn auch die Schöpfung selbst wird von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit der doxa [des Glanzes, der Herrlichkeit] der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung mitjammert und mitklagt bis zum Jetzt.
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Das Evangelium des heutigen Sonntags (Matthäus 11,25–30) wird mit einem Wort Jesu eröffnet: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.“ Was ist denn diese Botschaft, die der Logik der Welt nicht entspricht – dem, was als klug und weise bezeichnet wird – und der sich am ehesten die Unmündigen öffnen können? Was sagen uns die Texte des heutigen Sonntags darüber? Bringen Sie uns einige Splitter dieser Botschaft zu Gehör?
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In den biblischen Texten geht es von den ersten Zeilen an um Neuschöpfung. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, die Erzählungen von der Schöpfung am Anfang der Bibel handeln nicht von einem ersten Beginn oder ersten Impuls, sondern werden eigentlich erst Geschichten der Schöpfung, wenn in ihnen und durch sie – in späterer Zeit und zu unserer Zeit – die Hoffnung auf Neuschöpfung transportiert wird. Nicht die Frage nach einem ersten Sein steht am Anfang der Bibel, sondern die Frage, wie dem Sein – dem alten – die Treue gehalten werden kann und es offen werden kann für die unerwartete Erneuerung.
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Die frühen Gemeinden, die wir im Rückblick schon „christlich“ nennen, von denen wir aber eher sagen müssten, es waren Menschen, die Jesus auch nach seinem Tod die Treue halten wollten (sie sprachen gar von seiner Auferstehung und seiner Präsenz im Geist); diese frühen Gemeinden und die Schriftsteller, die ihnen Texte gaben (die Evangelien, die Briefe) standen vor dem großen Problem, wie man den Tod Jesu, des Messias, dem sie nachgefolgt waren, deuten sollte. Das war ein ernstes Problem: Der erhoffte Befreier und Messias war gekreuzigt worden und wie ein Verbrecher zu Tode gekommen. In den heutigen Schrifttexten können wir Versuche des Umgangs damit finden. Tatsächlich waren es vor allem die Heiligen Schriften Israels, aus denen die frühen Gemeinden ihre fragmentarischen Antworten auf diese schwierige Frage schöpften.
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Die erste Lesung, die den Reigen der biblischen Texte eröffnet, die heute in der Liturgie gelesen wird, ist dem Buch Exodus (19,2–6) entnommen. Situiert mitten in der Wüstenwanderung, bringt sie in wunderschöner Weise die Rolle zum Ausdruck, für die Gott Israel aus allen Völkern ausgewählt hat:
Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde, ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.
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Drei der heutigen Lesungstexte zeigen ein gemeinsames Motiv: Dem Opfer als einem Grundvollzug des religiösen Lebens wird die Barmherzigkeit gegenübergestellt. So heißt es in der Lesung aus dem Buch des Propheten Hosea (6,3–6): „Denn an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.“ Dieselbe Kritik am Opfer findet sich auch im 50. Psalm, der heute gesungen wird:
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Das Fest Fronleichnam, das die Präsenz Christi in Brot und Wein, den eucharistischen Gaben, in den Mittelpunkt stellt, beginnt in der ersten Lesung, die dem Buch Deuteronomium (Dtn 8,2–3.14–16) entnommen ist, mit einer unerwarteten Ansage. Zunächst ist davon die Rede, dass Gott das Volk Israel auf seinem Weg durch die Wüste mit dem Manna, dem Brot vom Himmel, gespeist hat. Dann aber heißt es, wie in einer Gegenbewegung:
Er [Gott] wollte dich [Mose] erkennen lassen,
dass der Mensch nicht nur von Brot lebt,
sondern dass der Mensch von allem lebt,
was der Mund des HERRN spricht.
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Der Sonntag nach Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes, wird als Dreifaltigkeitssonntag bezeichnet. Das lässt uns rückblickend ein bestimmtes Licht auf die drei großen christlichen Feste Weihnachten, Ostern und Pfingsten werfen: Es wirkt so, als sei Weihnachten vor allem das Fest, bei dem Christus im Mittelpunkt stünde, Ostern das Fest, das Gott den Vater in den Blick rücke, denn nur Gott kann von den Toten erwecken, und Pfingsten schließlich den Geist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das eine gute Zugangsweise ist, erweckt sie doch den Eindruck, als ließe sich die Trinität auf drei Feste aufteilen, die jeweils anders konturiert sind: Sohn, Vater, Geist. Müssen wir nicht viel eher, wenn wir von Trinität reden wollen, im Auge behalten, dass es immer der eine Gott ist, der sich uns in seiner Treue zusagt, dass wir diesen einen Gott aber dreifach umschreiben, wie Hölderlin es sagt?
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Was sagen uns die Texte des heutigen zweiten Pfingsttages, wenn wir erneut vom Psalm ausgehen, der für den heutigen Tag vorgesehen ist? Heute beten wir den kürzesten Psalm des Psalters, jenes biblischen Buches, das die 150 Psalmen enthält. Er umfasst nur zwei Verse:
Lobet den Herrn, alle Völker, *
rühmt ihn, alle Nationen!
Denn mächtig waltet über uns seine Huld, *
die Treue des Herrn währt in Ewigkeit.
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Vielleicht könnte man den Grundsatz aufstellen, dass alles, was in der Bibel vorkommt, auch irgendwie in den Psalmen zu finden sein muss. Was aber würde das für das Pfingstfest bedeuten, welches wir heute als Fest der Gabe des Geistes feiern? Beginnen wir mit einem Abschnitt aus dem 104. Psalm, der für den Gottesdienst heute vorgesehen ist:
Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /
nimmst du ihnen den Geist, so schwinden sie hin *
und kehren zurück zum Staub.
Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen *
und du erneuerst das Angesicht der Erde.
Das Evangelium des heutigen Sonntags (Johannes 17,1-11) endet mit einem Hinweis auf den aktuellen Zeitpunkt im Kirchenjahr, die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten: „Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.“ Es ist die Zeit nach dem Abschied Jesu, die auch die Zeit des Wartens auf den Geist ist. Wo nehmen wir in dieser schutzlosen Zeit Zuflucht? Zunächst sind die Psalmen eine Zuflucht. Im 27. Psalm beten wir heute:
Höre, HERR, meine Stimme, wenn ich rufe; *
sei mir gnädig und gib mir Antwort!
Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! *
Dein Angesicht, HERR, will ich suchen.
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Das Fest Christi Himmelfahrt ist vielleicht das eigenartigste christliche Fest, das in den allgemeinen Kalender der christlichen Kirchen Eingang gefunden hat. Was wird denn bei diesem Fest eigentlich gefeiert? Eine Abwesenheit oder eher ein Abschied – vielleicht auch ein langsamer Übergang?
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Aus dem ersten Brief des Petrus (1 Petr 3,15–18) hören wir heute, am 6. Sonntag der Osterzeit, eine wichtige Passage, die an ihrem Beginn zwei Grundhaltungen des christlichen Glaubens zusammenfasst: „Den Herrn Christus aber heiligt in euren Herzen, seid immer bereit, zur Gegenrede (apo-logia) jedem gegenüber, der von euch ein Wort (lógos) über die Hoffnung in euch erbittet“ (1 Petr 3,15).
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Als Evangelium hören wir heute eine Perikope, die sich nur bei Johannes findet (14,1–12) und eine Fülle von Spitzensätzen enthält. Es handelt sich um einen der dichtesten Texte der Bibel. Viele Sätze daraus sind zu Zitaten geworden, die man auch aus ihrem Kontext herauslösen und zitieren kann. Dies zeigt sich schon am ersten Vers:
Euer Herz erschrecke nicht: Glaubt an Gott und glaubt an mich! (14,1)
Allerdings sollten wir den zweiten Teil des Satzes näher am Original übersetzen, hat er doch eine kunstvolle Anordnung:
Glaubt an den Gott
und an mich glaubt.
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Am heutigen vierten Sonntag der Osterzeit hören wir kein Osterevangelium mehr, sondern einen Teil einer Rede Jesu, den uns nur das Johannesevangelium überliefert (Joh 10,1–10). Die Bildwelt, in die uns Jesus mitnimmt, ist die der Hirten und der Schafe. Schnell tritt da der Gedanke auf, dass Christus der Hirt sei, die Glaubenden aber die Schafe. In eine ähnliche Richtung geht auch der für heute ausgewählte 23. Psalm. Gott, der Herr, ist der Hirte, die Glaubenden sind die Schafe. Doch ganz so bruchlos sind diese Bilder nicht. In beiden Texte hat eine Verschiebung statt, die zu beachten nicht unwichtig ist; eine Verschiebung freilich, welche die Bildwelt nicht ganz verlässt.
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In der ersten Lesung des heutigen Tages, die der Apostelgeschichte entnommen ist – genauerhin stellt sie einen Teil der Pfingstpredigt des Petrus dar (Apg 2,14.22–33) – findet sich der zentrale, das Ostergeschehen zusammenfassende Satz: „Gott aber hat ihn [Jesus] von den Wehen des Todes befreit und auferweckt; denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.“ Wir können die Sonntage der Osterzeit so lesen, dass sie allesamt Hilfen anbieten, diesem Satz, den Petrus von Christus aussagt, eine Bedeutung zu geben. Greifen wir dazu aus den heutigen Lesungstexten ein paar Splitter heraus.
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Die Osterzeit dauert, beginnend mit der Osternacht, doch ziemlich lang: Zunächst setzen mit dem Ostersonntag die acht Tage der Osteroktav ein, die ihren Tag eins, den Ostersonntag, eine Woche lang wiederkehren und nachklingen lassen. Dann folgen mehrere Wochen bis Christi Himmelfahrt, jenem Fest, das vierzig Tage nach Ostern gefeiert wird. Dies lässt die Zahl der Tage anklingen, die Jesus in der Wüste gefastet hat und die wiederum ein Echo auf die vierzig Tage der Sintflut und die vierzig Jahre der Wüstenwanderung Israels sind. Mit diesem Fest hören die Erscheinungen des Auferstandenen auf und werden dann in der Folge in eine neue Form seiner Gegenwart übergeführt.
„Dreifach umschreibe du es“ (Hölderlin): drei Annäherungen an Ostern
Für die Feier der Osternacht sind in der Liturgie so viele Lesungstexte wie an keinem anderen Festtag vorgesehen. Ich denke, es gibt drei Wege, auf denen uns diese Texte an das Geschehen der Auferweckung Jesu, das wir heute feiern, heranführen wollen.
Erstens gibt es den Weg über die Lesungen dem Alten Testament, der Hebräischen Bibel, den Heiligen Schriften Israels. Sie zeigen in immer neuen Anläufen, dass Gott der Schöpfer ist, der aus dem Tod Leben werden lässt, der aus dem Chaos Ordnung schafft, der aus der Gefangenschaft hinausführt und neue Lebensmöglichkeiten schenkt. Ich möchte das in aller Kürze an einem Beispiel deutlich machen. Eine der Lesungen ist dem Buch Baruch (3,9–15 und 3,32–4,4) entnommen. Sie preist zunächst in einer Wiederaufnahme des Schöpfungsgedichtes aus Genesis 1, das wir im Übrigen auch heute hören, Gott als den Schöpfer. Dann folgt ein Loblied auf die von Gott geschenkte Erkenntnis:
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Für die Feier der Liturgie am Ostersonntag sind mehrere Möglichkeiten der Textauswahl für die Lesungen gegeben. Die Texte in ihrer Unterschiedlichkeit führen uns in eine reiche Metaphernwelt rund um das Thema der Auferweckung ein, die viel an Gedanken anregen kann, sich aber nicht einfach unter ein gemeinsames Prinzip bringen lässt. Beginnen wir im Folgenden damit, einige dieser Metaphern aufzuzeigen und gehen danach auf zwei weitere sehr unterschiedliche Zugänge zur Auferweckung ein: den des Petrus, dem es um die Wirklichkeit der Auferstehung geht, und den des Johannes, dem es um die neue Wirklichkeit geht, welche aus der Begegnung mit dem Auferstandenen erwächst.
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Für die Feier der Osternacht sind in der Liturgie so viele Lesungstexte wie an keinem anderen Festtag vorgesehen. Ich denke, es gibt drei Wege, auf denen uns diese Texte an das Geschehen der Auferweckung Jesu, das wir heute feiern, heranführen wollen.
Erstens gibt es den Weg über die Lesungen dem Alten Testament, der Hebräischen Bibel, den Heiligen Schriften Israels. Sie zeigen in immer neuen Anläufen, dass Gott der Schöpfer ist, der aus dem Tod Leben werden lässt, der aus dem Chaos Ordnung schafft, der aus der Gefangenschaft hinausführt und neue Lebensmöglichkeiten schenkt. Ich möchte das in aller Kürze an einem Beispiel deutlich machen. Eine der Lesungen ist dem Buch Baruch (3,9–15 und 3,32–4,4) entnommen. Sie preist zunächst in einer Wiederaufnahme des Schöpfungsgedichtes aus Genesis 1, das wir im Übrigen auch heute hören, Gott als den Schöpfer. Dann folgt ein Loblied auf die von Gott geschenkte Erkenntnis:
Der Karfreitag ist ein Feiertag, der eine große Bürde mit sich trägt. An ihm fand ein christlicher Antijudaismus über Jahrhunderte seinen Haft- und Kulminationspunkt. Dieser hatte nicht zuletzt in den so genannten großen Fürbitten einen Ausdruck. Papst Johannes XXIII. begann 1960 mit der Entfernung antisemitischer Wendungen aus der Karfreitags-liturgie, so war fortan nicht mehr von „judiciam perfidiam“ die Rede, die Juden wurden nicht mehr als „perfidis“ bezeichnet. 1970 wurde dann die Bitte um Bekehrung der Juden zu Christus durch die Bitte ersetzt, dass die Juden „in der Treue zu Seinem [d.h. Gottes] Bund und in der Liebe zu Seinem Namen“ bewahrt werden. Damit wurde endlich auch in der Karfreitagsliturgie deutlich gemacht, dass von christlicher Seite der jüdische Weg zum Heil voll anerkannt ist. Das war ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung eines christlichen Antijudaismus. Seither sind viele weitere Schritte gegangen worden, gab es aber von traditionalistischen Kreisen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche auch wieder Rückschritte. In der traditionellen lateinischen Liturgie wollten manche Kreise die Fürbitte in ihrer ursprünglichen Form wieder aufnehmen … Damit wird zweifellos eine rote Linie überschritten. Wie traditionalistisch das eigene Liturgieempfinden auch sein mag, einen Weg zurück zur Bitte um Judenmission oder zu judenfeindlichen Äußerungen darf es in keiner Form christlicher Liturgie mehr geben.
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Wer schon einmal an der Liturgie des Gründonnerstags teilgenommen hat, wird wohl übereinstimmen, dass in der Anlage der Feier zwei Gesten im Mittelpunkt stehen – die eine einmalig für das Geschehen des Gottesdienstes, die andere sich in jeder Messe wiederholend: Dies ist zum einen die Fußwaschung, von der uns das Evangelium erzählt (Joh 13,1–15) und die an genau diesem einen Tag bedacht wird, und das ist zum anderen die Eucharistie, von der die zweite Lesung berichtet (1 Kor 11,23–26) und die in jeder Messe gefeiert wird, heute aber besonders ins Zentrum rückt. Die erste Lesung aus dem Buch Exodus (12,1–8.11–14) erinnert daran, dass die für den christlichen Kultus so zentrale Feier der Eucharistie nur von jenem Mahl des Volkes Israel her verständlich wird, das den Auszug aus Ägypten eröffnet hat.
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Palmsonntag und die Frage Wer ist dieser?
Für den Palmsonntag, mit dem die Karwoche beginnt, ist eine Fülle von zum Teil längeren Lesungen vorgesehen, die uns in das Geschehen der kommenden Woche hineinnehmen. Es ist nicht möglich, in diesem Rahmen all diese Texte zu interpretieren; eher müssen wir uns hineinnehmen lassen in ein Geschehen, das in Erzählungen, Riten, Gesten und Gesängen vor uns ausgebreitet wird. Im Folgenden kann ich lediglich ein paar kleine Hinweise geben, wie sich die Texte vielleicht miteinander verknüpfen lassen.
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Heute ist der dritte Sonntag in Folge, an dem wir eine lange Erzählung aus dem Johannesevangelium hören, die sich so nur in diesem Evangelium findet: Da war vor zwei Wochen zunächst die Erzählung von der Begegnung Jesu mit einer samaritanischen Frau an einem Brunner außerhalb des Ortes, die um die Frage kreiste, was lebensspendendes Wasser sei. Da war letzte Woche die Heilung eines Menschen, der blind geboren worden war.
Schriftlesungen zum 5. Sonntag in der Fastenzeit - ganzer Text zum Download
Wie es im Advent mit dem Sonntag „Gaudete“ einen Freudensonntag gibt, so mit dem Sonntag „Laetare“ auch in der Fastenzeit. Der Aufruf zur Freude kommt im Eröffnungsvers vor, der früher am Beginn der Liturgie des vierten Sonntags der Fastenzeit gebetet oder gesungen wurde. Daher hat der Sonntag seinen Namen erhalten:
Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum! (Jes 66,10f)
Schriftlesungen Sonntag Laetare - ganzer Text zum Download
In der ersten Lesung des heutigen Sonntags (Ex 17,3–7) hören wir von einem elementaren Ereignis, auf das sich der biblische Text immer wieder beziehen wird. Mose und die Israeliten sind, geführt von Gott, durch die Wüste unterwegs, aufgebrochen aus Ägypten. Der Auszug verlangt dem Volk einiges ab und gerät in Gefahr zu scheitern. Großer Durst plagt die Gruppe auf ihrem Weg. Sie klagt Mose gegenüber: „Wozu hast du uns überhaupt aus Ägypten heraufgeführt, um mich und meine Söhne und mein Vieh vor Durst sterben zu lassen?“
Gedanken zu den Schriftlesungen zum 3. Sonntag in der Fastenzeit - ganzer Text zum Download
Als erste Lesung hören wir heute einen biblischen Grundtext. Man könnte ihn auch als den Beginn der biblischen Geschichte bezeichnen, der nach den Erzählungen über Schöpfung, Sintflut und den Turmbau zu Babel (Gen 1–11) folgt – Erzählungen, die eher den Charakter einer Vor-Geschichte haben, einer Vorgeschichte, die niemals Gegenwart war, niemals aus der Gegenwart in die Vergangenheit gerückt ist, sondern immer schon vergangen war. Sie war zu jeder Zeit schon vergangen, weil sie allgemeine Grundcharakteristika des Lebens der Menschen in der Welt zum Ausdruck bringen.
Gedanken zu den Schriftlesungen zum 2. Sonntag in der Fastenzeit - ganzer Text zum Download
Das Evangelium des ersten Sonntags in der Fastenzeit (Mt 4,1–11) gibt einen möglichen Hinweis, warum die Vorbereitungszeit auf Ostern vierzig Tag dauert: Jesus fastete vor seinem öffentlichen Auftreten vierzig Tage in der Wüste. Das ist freilich selbst ein Zitat: Er geht vierzig Tage dorthin, wo das Volk Israel vierzig Jahre unterwegs war, um seinen Gott, der sich Mose im Dornstrauch offenbart hatte (Ex 3), kennen zu lernen. Es geht also um ein Kennenlernen Gottes an dem Ort, an dem sämtliche Ordnungen ausgesetzt sind. Die Wüste galt als ein Ort des Chaos (vgl. Gen 1,2: „Die Erde war wüst und wirr …“).
Schriftlesungen zum 1. Sonntag in der Fastenzeit - ganzer Text zum Download
Seit dem 2. Sonntag des Jahreskreises, d.h. seit Mitte Jänner, hören wir jeden Sonntag eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (1 Kor 3,16–23), wobei die Thematik zwar variiert wird, sich im Kern aber wenig verändert. Mit den Worten der heutigen Lesung könnten wir sie so benennen: „Die Weisheit dieser Welt [dieses Kosmos] ist Torheit bei dem Gott.“(3,19)
Schriftlesungen zum 7. Sonntag im Jahreskreis - ganzer Text zum Download
Ältere Texte
Die Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag erscheinen seit 2020. Sollten Sie ältere Texte als die oben ersichtlichen benötigen, bitte wenden Sie sich an P. Jakob per Mail. Vielen Dank.
