Von 6. bis 10. Oktober stand das Stift Melk ganz im Zeichen der internationalen benediktinischen Bildungsarbeit: Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 25 Ländern und allen Kontinenten kamen zur World Conference of Benedictine Educators (BENET 2026) zusammen. Lehrende, Schulleitungen sowie Verantwortliche aus Administration und Verwaltung nutzten die fünftägige Konferenz, um Erfahrungen auszutauschen, internationale Kontakte zu vertiefen und gemeinsam über die Zukunft benediktinischer Schulen nachzudenken.
BENET fand heuer bereits zum zehnten Mal statt. Organisiert wird die internationale Konferenz von der International Commission on Benedictine Education (ICBE), einem weltweiten Netzwerk, das mehr als 180 Schulen in benediktinischer Tradition miteinander verbindet und deren Austausch und Zusammenarbeit fördert. Das erste Treffen wurde 1999 veranstaltet. Seither war die Konferenz unter anderem in Manila, Rom, Santiago de Chile und Sydney zu Gast. Vor drei Jahren traf die internationale Gemeinschaft in Rio de Janeiro zusammen.
Im Mittelpunkt der mehrtägigen Veranstaltung standen die Vernetzung, der kulturelle Austausch und das Lernen voneinander. Für die Vorbereitung der Konferenz in Melk kooperierten Lehrende der Stiftsgymnasien Melk, Seitenstetten und Kremsmünster miteinander. Das diesjährige Konferenzthema war „Learning to live – stability and hospitality – an invitation“ – „Leben lernen – Stabilität und Gastfreundschaft – eine Einladung“. Damit knüpfte es an das Schulmotto des Stiftsgymnasiums Melk, „Leben lernen“, an.
Stabilität (stabilitas loci) ist ein wesentlicher Wert benediktinischer Spiritualität. Gerade in einer Zeit, die von Unsicherheit und Umbrüchen geprägt ist, kommt benediktinischen Schulen und Klöstern die Aufgabe zu, Orte der Stabilität und der Orientierung zu sein – Orte, an denen junge Menschen Wurzeln schlagen, ihr Fundament ausbauen und in ihrer Berufung wachsen können. Zugleich stehen sie für Gastfreundschaft und gelebte Gemeinschaft: für Orte, an denen Fremdheit nicht ausgegrenzt, die Würde des Einzelnen geachtet wird und voneinander Lernen zu einem guten Leben verhilft. Auch die Geschichte des heiligen Koloman – der wiederum große Bedeutung für das Stift Melk hat – verweist auf die Folgen von Unverständnis und Ausgrenzung und macht die Bedeutung einer solchen Haltung deutlich.
Das vielfältige Programm bot dafür zahlreiche Möglichkeiten: Zum einen durch Vorträge und Keynotes – unter anderem von Prior P. Jakob Deibl und Sr. Manuela Scheiba – sowie ein “teachers panel”. Andererseits durch spirituelle und inhaltliche Vertiefungen in Kleingruppen, in denen aktuelle Fragen rund um die Rolle benediktinischer Schulen diskutiert wurden. Dabei ging es unter anderem darum, welche Aufgaben und welche Verantwortung benediktinische Schulen heute tragen und wie gegenseitiges Lernen und Austausch über Länder- und Kontinentsgrenzen hinweg auch zukünftig gelingen kann.
Die Impulse und Diskussionen wurden gerahmt von stimmungsvollen Gebeten und Gottesdiensten, bei denen auch Schülerinnen und Schüler des Stiftsgymnasiums mitwirkten. Ein Ausflug mit Bus und Schiff durch die Wachau und ins Stift Göttweig rundete das Programm ab.
Ein besonderes Anliegen war es, die Teilnahme auch jenen Schulen zu ermöglichen, für die die Reise nach Melk mit zu hohen finanziellen Belastungen verbunden gewesen wäre. Die International Commission on Benedictine Education (ICBE) und das Stift Melk stellten dafür Stipendien zur Verfügung. Damit konnten die teilweise langen und aufwendigen Anreisen sowie Übernachtung und Verpflegung vor Ort mitfinanziert werden.
Die internationale Vernetzung benediktinischer Bildungseinrichtungen findet nicht nur im Rahmen der Weltkonferenz statt. Auch im deutschsprachigen Raum werden regelmäßig BENET-Treffen veranstaltet. Darüber hinaus gibt es für Schülerinnen und Schüler benediktinischer Schulen die Möglichkeit, an internationalen Jugendkongressen teilzunehmen. Zuletzt trafen sich im September 2025 Schülerinnen und Schüler sowie junge Erwachsene aus benediktinischen Schulen und Klöstern aus aller Welt in Sant’Anselmo in Rom, um sich im Sinne der benediktinischen Tradition miteinander zu vernetzen.
P. Alois Köberl, Koordinator des internationalen Treffens in Melk, zu dieser besonderen Veranstaltung: “Bei der BENET-Konferenz 2026 war - mit 25 teilnehmenden Nationen - die benediktinische Welt zu Gast bei uns in Melk. Das war ein enorm großer Segen für unser Kloster und unsere Schule. Diese unglaubliche Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung und der positiven Energie, die wir in diesen Tagen spüren durften, gibt uns für unser weiteres Wirken an den uns anvertrauten Menschen Inspiration und Motivation.”


