Stift Melk - UNESCO-Welterbe

Weg in die Zukunft

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Einseitigkeiten bringen Verwirrung und Zerstörung, verursachen letzlich das schmerliche und so schwer verstehende Geschehen. Es bedarf oft bitterer Erfahrungen und langer Zeit, bis aus dem Wellental wieder ein Wellenberg wird. Wenn der Blick auf das Ganze, auch auf den Menschen verloren geht, wird menschliches Leben immer gefährdet sein.

Abt em. Dr. Burkhard Ellegast OSB, Textauszug aus "Das Stift Melk"

Die beiden Weltkriege haben Europa zutiefst in seinen Fundamenten erschüttert. Der Glaube wurde vielfach zurückgedrängt. Eine Säkularisierung des Denkens, das jede höhere Macht letztlich ablehnt und eine Verantwortung vor Gott nicht mehr kennt, führten zu fürchterlichem Töten und Morden, zu Ausgrenzung und Machtausübung.

Die Klöster standen da und beteten trotz allem und jedem, versuchten Halt und Hilfe zu sein und einen klaren Weg des Miteinanders und des Glaubens zu gehen.

Während und nach dem ersten Weltkrieg wurden trotz größter Schwierigkeiten eine Kanalisation, eine neue Wasserleitung und elektrisches Licht in die Klosteranlage eingeleitet. Auch Sanierungsarbeiten waren dringend notwendig und konnten nur durch Verkauf von Kulturgütern (z. B. Gutenbergbibel) finanziert werden.

Ab 1938 drohte dem Stift Melk die ständige Aufhebung. Patres waren von Verhaftungen bedroht. Viele der Mitbrüder mussten in den Krieg. Grundbesitz und das Gymnasium wurden enteignet, Räume beschlagnahmt. Nur ein kleiner Teil durfte als Kloster bestehen. Da die Abtei nicht aufgehoben wurde, konnten die Tage des Kriegsendes und der Besatzung, die für aufgehobene Klöster große Schäden brachten, gut überstanden werden.

Nach den beiden Weltkriegen versuchte man wieder klösterlichen Geist in die Abteien zu bringen. Der Krieg und die Nachwuchssperre hatten wesentliche Lücken hinterlassen. Abt Maurus gelang es durch seine seelsorgerische Stärke die Probleme in den Griff zu bekommen und eine kirchenbewusst-priesterliche Richtung einzschlagen. Schule, Pfarren und Kloster sollten gleichermaßen versorgt werden. Die stark beschädigt Kuppel wurde restauriert und die längst fällige Außenrestaurierung in Angriff genommen.

1960 wurde mit der Barockausstellung der Grundstein für die Öffnung von Stift Melk für Touristen gelegt. 380.000 Besucher konnten damals gezählt werden.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Kloster zu einem Zentrum von wo das eigentliche Wirken ausgehen sollten. Die Schule wurde für Mädchen geöffnet, große wirtschaftliche Umstellungen fanden statt, Bereiche der Klosteranlage wurden für Gäste und Besucher adaptiert und eine Generalsanierung gestartet.