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Gedanken zu den Schriftlesungen zum Tag von Prior P. Jakob Deibl

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Die Gedanken, die wir, die Gemeinschaft der Benediktiner von Melk, an dieser Stelle mit Ihnen teilen wollen, beziehen sich auf die biblischen Texte, die für die Liturgie des jeweiligen Tages vorgesehen sind.

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 18. April 2021
Dritter Sonntag der Osterzeit: Der Auferstandene und die Leserinnen und Leser

Für den heutigen Sonntag sind eine Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 3,12–19), Teile des 4. Psalms, eine Lesung aus dem 1. Johannesbrief (1 Joh 2,1–5) und eine Perikope aus dem Lukasevangelium vorgesehen (Lk 24,35–48). Im Folgenden möchte ich eine kurze Passage des heutigen Evangeliums herausgreifen:

Dann sagte er [Jesus] zu ihnen [seinen Schülerinnen und Schülern]: Diese sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war, dass sich all das im Gesetz des Mose und den Propheten und den Psalmen über mich Geschriebene erfüllen müsse. Dann öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften. (Lk 24,44f)

Das Lukasevangelium legt, wie auch die Stelle des heutigen Tages zeigt, an neuralgischen Stellen einen Akzent auf die Interpretation. Dies zeigt sich schon an seinem Beginn, als sich der Autor explizit an einen Leser mit Namen Theophilus, „Gottesfreund“, wendet (Lk 1,1–4). Wer Gott liebt, kann vielleicht, so hofft es Lukas, in seiner Darstellung von Leben, Tod und Auferstehung Jesu einige Sicherheit für seinen Glauben finden:

Nun habe auch ich mich entschlossen, nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen bin, es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest. (Lk 1,3f)  weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - weißer Sonntag | 11. April 2021
Eine Figur der Öffnung der Heiligen Schriften

Der heutige zweite Sonntag der Osterzeit wird auch als Weißer Sonntag bezeichnet. Dies hängt mit den weißen Gewändern der in der Osternacht Neugetauften zusammen. Die Osternacht galt in der frühen Kirche als der Tauftermin schlechthin. Auf diesen Zusammenhang kann ich im Folgenden jedoch nicht eingehen. Ich möchte den Blick lediglich auf ein Problem lenken, vor das uns die Lesungstexte des heutigen Sonntags stellen. Vielleicht geben sie uns auch einen Antwortversuch an die Hand. Das Problem ist die Selbstbezüglichkeit der Gemeinde als Institution und die Abgeschlossenheit des Glaubens als Gestalt des Denkens.

Wir hören zunächst eine Passage aus der Apostelgeschichte (4,32–35), die von der Gemeinschaft der Glaubenden sagt, sie sei „ein Herz und eine Seele“ (4,32) gewesen. Innerhalb der Gemeinde gab es nur gemeinschaftlich verwaltetes Eigentum, die Welt außerhalb kommt kaum in den Blick. So erzählt die darauffolgende Geschichte (5,1–11), wie die Gemeinschaft offensichtlich an ihrer Selbstbezüglichkeit scheitert. In ihrem Inneren erhebt sich Betrug, der schließlich zum Tod zweier Menschen führt. Dies wird uns durch die Aufteilung der Lesungsabschnitte jedoch vorenthalten. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostermontag, 5. April 2021
Ostermontag: Der Gang aufs Land zum Gasthaus …

In der Liturgie des Ostermontags wird eine Lesung aus der Apostelgeschichte gelesen (2,14.22–33) und werden sodann Teile des 89. Psalms gebetet. Daran schließt eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,1–8.11) an, gefolgt von der sogenannten Emmauserzählung, die im Evangelium des Lukas überliefert ist (24,13–35). Die folgenden Überlegungen sind mit einem wehmütigen Blick darauf geschrieben, dass Gasthäuser, die seit ältesten Zeiten an der Aufgabe mitwirken, öffentlichen Raum zu pflegen und bewusst für Menschen zu öffnen, in diesen Monaten in vielen Ländern geschlossen haben.

***

Zwei Schüler Jesu machen sich enttäuscht auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus: Die in Jesus gesetzten Hoffnungen haben sich nicht erfüllt; nun werden sie durch Aussagen verwirrt, er sei nicht mehr im Grabe, sondern lebe. Während sie auf dem Weg all das besprechen, gesellt sich eine dritte Gestalt hinzu, die sie nicht erkennen, welche ihnen aber im gemeinsamen Gehen des Weges die Heiligen Schriften auslegt und sie auf das Geschehen rund um Jesus bezieht. Als sie sich dem Ziel nähern, bitten die beiden den Dritten, nicht weiterzugehen, sondern mit ihnen in einem Gasthaus einzukehren. Als der Dritte das Brot bricht, Dank sagt und es ihnen reicht, erkennen sie in dieser Geste den Auferstandenen für einen Moment. Er entschwindet ihren Augen, sie machen sich auf den Weg zurück nach Jerusalem, um davon den anderen Schülerinnen und Schülern Jesu zu erzählen.

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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostersonntag, 4. April 2020
Ostersonntag: … sucht das Oben!

Am Ostertag sind folgende Lesungen für den Gottesdienst vorgesehen: eine Passage aus der Apostelgeschichte (10,34.37–43), Teile des 118. Psalms, eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (5,6–8) oder statt dessen eine Lesung aus einem Brief an die Gemeinde von Kolossä (3,1–4), vermutlich von einem Paulusschüler geschrieben, sowie eine der Auferstehungserzählungen aus dem Johannesevangelium (20,1–18).

Auch jüngst wieder hörte man von Spekulationen, Jesus sei gar nicht am Kreuz gestorben und also auch nicht auferstanden. Die Auferstehung sei eine Erfindung des Paulus, die dann in die Evangelien eingetragen worden war. Man müsse zu einem historischen Jesus zurückkehren und ihn von den Erfindungen des Paulus reinigen. Zunächst einmal ist zu sagen, dass solche Überlegungen zwar meist einen authentischeren Jesus propagieren, aber von einer Fülle von Voraussetzungen und Uminterpretationen ausgehen müssen, die selbst ungeklärt sind. Sodann ist aber zu sagen, dass solche Spekulationen meist einen höchst interessanten Kern haben. Sie legen den Finger auf fragwürdige Punkte und zwingen dazu, das, was wir den Glauben an Tod und Auferstehung Jesu nennen, genauer und wieder neu zu durchdenken. Tatsächlich dürfen wir es uns nicht zu einfach machen, immer gleich mit Tod und Auferstehung Jesu als der Mitte des christlichen Glaubens zu beginnen, als sei so klar, was denn damit gemeint ist. Die Rede von der Auferstehung wird unglaubwürdig und schal, wenn sie von christlicher Seite vorschnell als Trumpf und Antwort auf alle Fragen produziert wird. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Osternacht, 3. April 2020
Osternacht: In der Neuheit des Lebens wandeln …

Die Feier der Osternacht fällt aus der Reihe der anderen Gottesdienste des Jahres heraus. Wie die Christmette wird sie während der Nacht begangen und steht wie diese mit den nächtlichen Gebetszeiten (Matutin/Mette, Vigil) des Stundengebets in engem Zusammenhang. Damit rücken die beiden großen Feierformen christlicher Liturgie in eine ganz enge Nähe: die Eucharistie, deren Feier nicht an eine bestimmte Tageszeit gebunden ist, jedoch eine starke Hinordnung auf den Sonntag hat, und das Stundengebet der Psalmen, das täglich mehrmals zu bestimmten Zeiten gehalten wird. Es handelt sich bei der Osternacht um eine Eucharistiefeier, die wie das Stundengebet an eine bestimmte Zeit des Tages gebunden ist und wie die nächtlichen Gebetszeiten viele Lesungen und Psalmen enthält.

Die Osternacht sieht sieben alttestamentliche Lesungen mit jeweils zugehörigem Psalm (oder liedartigem Text aus einem anderen biblischen Buch), eine neutestamentliche Lesung aus dem Brief an die Gemeinde von Rom mit zugehörigem Psalm und eines der Auferstehungsevangelien vor. Die Lesungen bleiben in jedem Jahr gleich, während das Evangelium entsprechend dem dreijähren Zyklus der Auswahl der Lesungstexte für die Sonntage wechselt. In diesem Jahr hören die ganz kurze Andeutung der Auferstehung, die Markus gibt (Mk 16,1–7). Die Vielzahl der Lesungen vermag uns zunächst eines zu sagen: Der Glaube an die Auferstehung ist vielgestaltig, vielstimmig, nicht auf ein Motiv zu reduzieren. Im Folgenden möchte ich mich auf die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom beschränken (Röm 6,3–11).

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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 2. April 2021 | Karfreitag

Karfreitag: Ein Blick auf die Verleugnung des Petrus In der Liturgie für den Karfreitag sind eine Lesung aus dem Buch Jesaja (52,13–53,12), einige Verse des 31. Psalms, ein Abschnitt aus dem Hebräerbrief (4,14–16; 5,7–9) und die Passionsgeschichte, wie Johannes sie in seinem Evangelium erzählt (18,1–19,42), vorgesehen.

Je öfter ich Paulus und Johannes lese, desto deutlicher wird mir der Umstand, dass wir hier jüdische Stimmen hören, deren Argumentation, Anspielungen und Polemik eine jüdische Diskussions- und Streitkultur voraussetzen. Wenn sie davon sprechen, dass sie Jesus für den Messias halten, bringen sie ihre – durchaus unterschiedlichen – Stimmen in die Vielfalt der Auslegungen der Heiligen Schriften (der Hebräischen Bibel, des TeNaChs, des Alten Testaments) ein. Freilich beginnen sich mit den Evangelien und den Briefen schon eigene literarische Gattungen abzuzeichnen, die spezifisch für die werdende Kirche sind, dennoch sind viele Elemente der Diskurse noch ganz vor dem jüdischen Hintergrund zu verstehen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 1. April 2021 | Gründonnerstag

Für den heutigen Feiertag ist eine Lesung aus dem Buch Exodus (12,1–8.11–14) vorgesehen, eine Passage aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (11,23–26), Teile des 116. Psalms (12–18) und eine Perikope aus dem Johannesevangelium (13,1–15).

Beginnen wir mit Paulus. Er fasst für die Gemeinde von Korinth zusammen, was das Geheimnis des gemeinsamen Mahles ist, das zur Erinnerung an Jesus in den Gemeinden gefeiert wird:

23Denn ich übernahm vom Herrn, was ich euch auch übergebe, dass der Herr Jesus in der Nacht, in der er übergeben wurde, Brot nahm 24und dankend brach und sprach: Dies, von mir ist es der Leib, der für euch; dies tut zu meiner Erinnerung!
25Ebenso auch den Becher nach dem Essen, sagend: Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, wann immer ihr trinkt, zu meiner Erinnerung!
26Denn, wann immer ihr dieses Brot esst und den Becher trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Der Apostel Paulus, der wohl zu den kreativsten Gestalten der christlichen Tradition gehört, betont an dieser neuralgischen Stelle seines ersten Briefes an die Gemeinde von Korinth, dass, was er mitteilt, nicht sein Werk sei. Es gehe lediglich um einen Akt der Übergabe dessen, was er selbst von Jesus, dem Herrn, übernommen habe. Nüchtern sagt er: „Denn ich übernahm vom Herrn, was ich euch auch übergebe“ (V 23). Gewiss, die Botschaft stammt nicht von Paulus; tatsächlich ist aber die Gestalt, die er ihr gibt, höchst kunstvoll. Auch wenn die zitierte Stelle keinem antiken Versmaß folgt und nicht Gedicht im engeren Sinn ist, hat sie poetischen Charakter. Ich denke, man sollte Paulus viel stärker als einen Dichter lesen …

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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 28. März 2021
Palmsonntag: Erzählung und Gedicht

Heute feiern wir den so genannten Palmsonntag, der den Beginn der Karwoche darstellt. An diesem Tag steht der Einzug Jesu in Jerusalem im Mittelpunkt. Dass dieser Tag den Namen Palmsonntag trägt, hat mit jener Version der Erzählung zu tun, die Johannes überliefert: „Da nahmen sie [die versammelte Menge] Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“ (Joh 12,13) Ein eher nebensächliches Motiv wird namensgebend für den Festtag.

Für den Palmsonntag ist ein ganzes Netz an Schriftlesungen vorgesehen: eine Passage aus dem Buch des Propheten Jesaja 50,4–7, Teile des 22. Psalm, ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi (2,6–11), die Erzählung vom Einzug in Jerusalem in der Version von Markus (11,1–10) oder Johannes (12,12–16) sowie die Passionsgeschichte, wie sie im Markusevangelium überliefert ist (14,1–15,47). Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, sich in diesem Netz zu bewegen und Bezüge herzustellen. Ich werde mich im Folgenden auf die Lesung aus dem Paulusbrief konzentrieren. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 5. Sonntag der Fastenzeit:
Vermittelte Zugänge und die Fürbitte füreinander

Die Perikope aus dem Johannes-Evangelium (12,20–33), die wir heute hören, ist in der Zeit zwischen dem Einzug Jesu in Jerusalem und der Fußwaschung angesiedelt, somit zwischen zwei wichtigen Ereignissen, die sehr einprägsame Bilder darstellen: Jesus reitet auf einem Esel in die Stadt und wäscht allen, die mit ihm gemeinsam essen, die Füße. Die Erzählung des heutigen Sonntags setzt zwischen die beiden markanten Ereignisse – wie so oft im Johannes-Evangelium – eine Reflexion, wer denn dieser Jesus sei. Diese Frage ist durchaus berechtigt, bedenkt man, dass er zuvor in paradoxer Königsgestalt und danach in hingebungsvoller Gastgebergestalt erscheint. Wie kommt es in der Perikope des heutigen Sonntags zur Frage nach Jesus?
Einige griechische Pilger treten in Jerusalem an Philippus heran und sagen zu ihm: „Herr, wir wollen den Jesus sehen.“ (12,21). Damit ist jene Frage vorbereitet, die Philippus später an Jesus richten wird: „Herr, zeig uns den Vater, und es genügt uns.“ (14,8) Pilger bitten Philippus, ihnen Jesus zu zeigen, er selbst bittet Jesus, ihnen den Vater zu zeigen. Nie gibt es hier ein direktes Sehen, immer tritt eine Form von Vermittlung auf: Philippus, der den Pilgern den Weg zu Jesus vermittelt, Jesus, der Philippus den Weg zum Vater vermittelt. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl 
4. Sonntag der Fastenzeit | Laetare: Ausgehen von der Freude – ein spezifischer Blick

Der vierte Sonntag der Fastenzeit wurde klassisch mit einem Freudenruf aus dem Buch Jesaja eröffnet: „Freut euch mit Jerusalem und jauchzt in ihr alle, die ihr sie liebt! Jubelt mit ihr, alle, die ihr um sie trauert“ (Jes 66,10). Das erste Wort der lateinischen Version – Laetare – hat dem Sonntag seinen spezifischen Namen gegeben. Er korrespondiert in der Betonung der Freude mit dem dritten Sonntag des Advents, der den Namen Gaudete trägt, was ebenso mit „Freut euch!“ übersetzt werden kann. Mitten in die Fastenzeit hinein erschallt ein Ruf zur Freude. Wir fragen: Setzt sich das in den anderen Lesungstexten fort? Oder anders gefragt: Wenn wir die Freude als den hermeneutischen Schlüssel für die Texte des Sonntags ansehen, wie müssen wir sie dann lesen? Welch ein spezifischer Blick ergibt sich ausgehend von der Freude? weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl 
3. Sonntag der Fastenzeit, 7. März 2021 
Jesus und die Frage nach dem Menschen
Vielleicht lassen sich alle Lesungstexte, die für den dritten Sonntag der Fastenzeit ausgewählt sind, ausgehend von einem Satz des Evangeliums deuten. Wir hören heute, erzählt von Johannes, die Geschichte, wie Jesus Leute aus dem Tempel hinauswirft, um ihre geschäftlichen Aktivitäten zu unterbrechen (Joh 2,13–25). Johannes fügt an die Erzählung eine kurze Notiz an, die besagt, dass aufgrund der Zeichen Jesu (des Weinwunders in Kanaa und des Geschehens im Tempel) viele zum Glauben an ihn kamen (2,23). Allerdings entsteht daraus kein besonders enges Vertrauensverhältnis (2,24). Es bleibt eine Distanz. Für Jesus, so heißt es abschließend, gab es keine Notwendigkeit, „dass irgendjemand Zeugnis gebe für den Menschen: Er selbst wusste, was im Menschen war“ (2,25). Das aufsehenerregende Ereignis im Tempel mündet so zunächst in eine Reflexion über den Menschen – ein Wort, das in diesem Satz gleich zweimal auftritt. Damit wird eine Grundfrage des Johannes-Evangeliums ausgesprochen: Was ist im Menschen? Was hat es mit dem Menschen auf sich? Was gibt Zeugnis vom Menschen und seiner Menschlichkeit? weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl
2. Sonntag der Fastenzeit, 28. Februar 2021 | Opferung Isaaks? Von der Genealogie zum Bund

Die erste Lesung des heutigen Sonntags ist dem Buch Genesis entnommen (22,1–18) und wird mit einigen Auslassungen gelesen. Danach folgt ein Abschnitt des 116. Psalms. Die zweite Lesung findet sich im achten Kapitel des Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (8,31–34), als Evangelium ist eine Perikope von Markus vorgesehen (9,2–10). Im Folgenden werde ich mich nur auf die Lesung aus dem Buch Genesis konzentrieren. Sie stellt eine bekannte Erzählung dar, die jedoch sehr missverständlich sein kann.

Ich bitte um Entschuldigung, dass die Ausführungen von heute so lange geworden sind. Es handelt sich bei der Geschichte von Abraham und Sarah um eine der grundlegenden Erzählungen unserer Kultur – egal, ob wir sie aus religiösem oder nicht-religiösem Interesse lesen. Hier werden grundlegende Fragen verhandelt, die uns in unserem Menschsein betreffen – wie etwa die Frage, ob Genealogie oder Bund die fundamentalere Kategorie ist. Dem ist auch die Ausführlichkeit der Überlegungen von heute geschuldet. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl
1. Sonntag der Fastenzeit: Bund Gottes mit den Menschen – als Beginn

Die erste Lesung, die für den heutigen Sonntag ausgewählt ist, legt in theologischer Hinsicht den Grund für alle weiteren Aussagen, welche in den kommenden Wochen der Vorbereitung auf Ostern transportiert werden. Der Text entstammt dem Buch Genesis (9,8–15) und steht thematisch am Ende der Erzählung von der großen Flut (Gen 6–9). Gott schließt mit der gesamten lebendigen Schöpfung, mit den Menschen und den Tieren, einen Bund:
Ich bin es. Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen nach euch und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch, mit allen, die aus der Arche gekommen sind, mit allen Wildtieren der Erde überhaupt. (Gen 9,9f)
Nicht nur soll der Bund alle umfassen, er soll auch zeitlich in der Zukunft Gültigkeit haben; als Zeichen für den Bund dient ein Regenbogen: „Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des ewigen Bundes gedenken zwischen Gott und allen lebenden Wesen, allen Wesen aus Fleisch auf der Erde.“ (Gen 9,16) weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl
Aschermittwoch: Kontinuität der Asche, Geist der Großmut
Der Aschermittwoch stellt den Beginn der Vorbereitungszeit auf Ostern dar. Sinnlich erfahrbar wird der Übergang vom Fasching zu diesem neuen Abschnitt des Jahres durch das Streuen von Asche auf den Kopf oder die Stirn all derer, die die Liturgie mitfeiern. So sehr die Asche ein Zeichen der Vergänglichkeit ist, stiftet sie doch auch eine Form der Kontinuität. Sie stammt von den am Palmsonntag des Vorjahres gesegneten (Palm-)Zweigen, die in den Häusern aufbewahrt und vor dem Aschermittwoch verbrannt werden. Die Karwoche und das alte Osterfest des Vorjahres ragen damit noch leise in den Beginn der neuen Fastenzeit hinein. Ich halte diesen Gedanken für entscheidend. Der Ritus des Streuens der Asche wäre nicht möglich, würde ihm nicht die Feier des Palmsonntags des Vorjahres vorangehen; würde ihm nicht die Erinnerung vorangehen, dass es Ostern und Auferstehung gegeben hat; dass die Karwoche ins Osterfest mündete. Sonderbarerweise transportiert gerade die Asche, die am heutigen Übergang vom Fasching zur Fastenzeit steht und eher ein Symbol für Ende und Abbruch ist, den Trost des liturgischen Jahres. Wir dürfen hoffen, dass sich der Übergang auf Ostern hin erneuern und wiederholen wird, wie wir das schon erlebt und gefeiert haben (die Asche verweist zurück auf das vergangene Jahr) – auch wenn es sich dabei nicht um einen Gegenstand sichern Wissens, sondern der Hoffnung handelt. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 14. Februar 2021 | 6. Sonntag im Jahreskreis:
Krankheit und Heilung, Jesu emotionale Bewegtheit

Im Evangelium vom heutigen Sonntag (Mk 1,40–45) hören wir, dass Jesus einen Aussätzigen heilt. Folgt man dem Duktus des Markusevangeliums, wie es die ersten Sonntage nach der Weihnachtszeit tun, trifft man zum wiederholten Mal darauf, dass sich Jesus jemandem zuwendet, der aufgrund einer Krankheit oder Disposition aus dem gesellschaftlichen Gefüge herausfällt. Vor zwei Wochen wurde erzählt, dass Jesus in Kafarnaum einen Dämon ausgetrieben hat (Mk 1,21–28); in einer kurzen Notiz hörten wir letzten Sonntag sogar davon, dass er in Galiläa umherwandernd nicht nur in den Synagogen verkündete, sondern die Dämonen austrieb (Mk 1,39). In der Perikope des heutigen Sonntags geht es hingegen um einen Aussätzigen, der Jesus aufsuchte und um Hilfe bat.
Die Auswahl der Lesungen für den heutigen Sonntag führt vor Augen, wie dramatisch diese Begegnung ist. Der 32. Psalm stellt einen Beter/eine Beterin vor, welche/r im Gebet über Schuld und Vergebung meditiert: „Selig der, dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist. Selig der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zur Last legt und in dessen Geist keine Falschheit ist.“ (Ps 32,1f.10f) weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl -
5. Sonntag im Jahreskreis: Von den Schwachen dem Schwach-Sein

Das Evangelium vom heutigen Sonntag, eine Perikope aus dem Markusevangelium (1,29–39), beschließt einen exemplarisch geschilderten Tag Jesu, von dem wir aufgeteilt auf drei Sonntage gehört haben: Nach der Berufung der ersten Schüler, der Predigt in der Synagoge und der Befreiung von jemandem, der von einem unreinen Geist geplagt wurde, wird nun von der Heiligung einer kranken Frau und schließlich dem Gebet Jesu erzählt.

Die Schwiegermutter von Petrus, dem Fels, lag schwach – genauer „feuernd“, „feurig fiebernd“ (1,30) – im Bett. Aus der Öffentlichkeit zieht sich Jesus in die Intimität des Hauses zurück und wendet sich einer Person zu, die in einem Zustand der Schwäche ist. Dieser Blickwechsel ist erstaunlich, und er gehört – von Markus in jenen programmatischen Tag Jesu eingefügt – wesentlich zum Leben Jesu.

Diese Perspektive ist freilich nicht neu. In den heiligen Schriften Israels (dem Alten Testament/dem TeNaCh) gibt es ein ganzes Buch, welches über viele Kapitel in Rede und Gegenrede die Schwachheit des Menschen in all ihren Fassetten kunstvoll und radikal in den Blick rückt. Aus diesem Buch, das nach dem Namen seines Protagonisten Ijob/Hiob benannt ist, hören wir heute eine Lesung (7,1–4.6f), in welcher es heißt: Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet. So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. (7,1–3) weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 4. Sonntag im Jahreskreis | 31. Jänner 2021: Milieu der Offenheit
Sucht man nach Gemeinsamkeiten der vier Lesungstexte des heutigen Sonntags, wird man nicht leicht fündig. Zu unterschiedlich sind die Dinge, von denen die Texte handeln: ein Ausschnitt aus dem Buch Deuteronomium (18,15–20), in welchem sich die Abschiedsreden des Mose an seinem letzten Lebenstag finden, Teile des 95. Psalms, der ein Danklied an den Gott der Schöpfung und des Exodus darstellt, eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (7,32–35), in der es um Fragen der Lebensform geht, sowie eine kurze Erzählung aus dem Markusevangelium, die davon berichtet, dass Jesus in der Synagoge jemanden heilt, der von einem Dämon geplagt wird (1,21–28). Ein Zusammenhang der Texte liegt nicht unmittelbar vor. Eher muss man die Frage stellen, in welches Milieu einen die Texte bei der Lektüre hineinnehmen und welches Umfeld sie generieren. Darin wird meines Erachtens doch ein Motiv sehr deutlich, welches die jeweiligen Texte alleine und jeder für sich nicht so hervorheben könnten. Es geht um ein Milieu der Offenheit oder Wachsamkeit, zu welcher die Menschen ermuntert werden sollen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 24. Jänner 2021 | 3. Sonntag im Jahreskreis: Markus – Jona – Paulus
Die beiden Lesungen des heutigen Sonntags zeigen uns zwei der sonderbarsten oder paradoxesten Abschnitte des biblischen Textes: einen Abschnitt aus dem Buch Jona (3,1–5.10), leider mit Auslassungen, und eine kurze Passage aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (7,29–31). Darüber hinaus hören wir Teile des 40. Psalms und eine Perikope, die sich am Beginn des Markus-Evangeliums findet (1,14–20) – sie läuft zum Teil parallel zu jener Stelle, die wir am vergangenen Sonntag als Evangelium gelesen haben (Joh 1,35–42).
Die sonderbare Jona-Erzählung und die paradoxe Stelle aus dem Paulusbrief, die zunächst keinen Zusammenhang miteinander zu haben scheinen, könnten vielleicht über ein Drittes, einen Satz aus dem heutigen Evangelium, in Beziehung zueinander gesetzt werden. Markus schildert in knappen, aber sehr eindrücklichen Worten den Beginn der Predigt Jesu, der nach der Verhaftung des Täufers Johannes nach Galiläa gekommen war: „Er verkündigte das Evangelium des Gottes und sagte, dass der kairós erfüllt und die Königsherrschaft des Gottes nah ist: Denkt um und glaubt dem Evangelium.“ (1,14f) weiterlesen ...

Das barocke Welterbe Stift Melk im Winterkleid c B.Kobler

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 17. Jänner 2021 | 2. Sonntag im Jahreskreis: Zweierlei Erzählung (Markus und Johannes)
Für den 2. Sonntag im Jahreskreis sind als Texte für den Gottesdienst eine Lesung aus dem ersten Buch Samuel (3,3–10.19), Teile des 40. Psalms, eine Lesung aus dem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth (6,13–15.17–20) und eine kurze Perikope aus dem Johannesevangelium (1,35–42) vorgesehen. In den Duktus der Lesungen aus dem Markusevangelium, wie sie das Jahr heuer begleiten, ist eine Passage aus dem Johannesevangelium eingeschrieben, die einige Aspekte bringt, die sich weder bei Markus noch in den anderen Evangelien finden. Es geht nach der Taufe Jesu, die wir am letzten Sonntag gefeiert haben, um die Berufung der ersten Schüler Jesu, nämlich des Andreas und eines zweiten, nicht genannten Arbeitskollegen von ihm. Zwar findet sich die Berufung von Andreas und einer zweiten Person auch bei Markus (1,16–18) – wir werden davon nächsten Sonntag hören –, allerdings mit einigen signifikanten Unterschieden. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 10. Jänner 2021
Taufe des Herrn: Übergang in den Jahreskreis

Mit dem Fest der Taufe Jesu (Mk 1,7–11), das am Sonntag nach Epiphanie (Erscheinung des Herrn, „Hl. drei Könige“) gefeiert wird, endet der Weihnachtsfestkreis und geht in den Jahreskreis über. Dies gestalten die für heute zur Auswahl stehenden Lesungstexte sehr subtil.
Vom ersten Adventsonntag bis zu Epiphanie schöpft die Liturgie aus dem reichen Schatz des Propheten Jesaja und greift immer wieder auf die messianischen, hoffnungsvollen Texte dieses Buches zurück. Am heutigen Tag können gleich drei Jesaja-Texte gelesen werden: 42,1–7 mit Psalm 29 sowie 55,1–11 mit dem Antwortpsalm Jesaja 12,2–6. Der erste Adventsonntag beginnt mit Jesajas sehnsuchtsvoller Anrufung: „Hättest du doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen“ (63,19). Wie aber erfüllt sich dieses apokalyptische Bild des Herabsteigens Gottes?
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Besuch der "Könige" im Stift Melk c Brigitte Kobler Pimiskern

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 6. Jänner 2021 | Fest Epiphanie
Das Fest Epiphanie, das auch den Namen „Fest der Erscheinung des Herrn“ oder einfach „Fest der hl. drei Könige“ trägt, ist in tiefer Weise mit dem Bild des Aufgehens eines Sterns verbunden. Die Hintergrundfolie der Erzählung von den mágoi (den Weisen, den Sterndeutern, den „drei Königen“) aus dem Land des Aufgehens (der Sonne), wie sie im Matthäusevangelium (2,1–12) überliefert ist, bildet eine kurze Passage aus dem Buche Jesaja (60,1–6).
Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der HERR auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jes 60,1f)
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 2. Sonntag nach Weihnachten | 3. Jänner 2021
Auch am 2. Sonntag nach Weihnachten wird der Prolog des Johannes-Evangeliums (Joh 1,1–18) gelesen. Es handelt sich um einen Hymnus, der die Fleischwerdung des Wortes, des göttlichen lógos, preist. Dieser Gedanke hat etwas Neues an sich, tritt aber keineswegs aus dem Nichts auf. Ganz deutliche Parallelen lassen sich zum 147. Psalm ziehen, der am heutigen Sonntag zwischen den Lesungen gebetet wird. In schönen Bildern heißt es dort:
Er sendet seinen Spruch [lógion] zur Erde, in Eile läuft sein Wort [hó lógos] dahin. Er gibt Schnee wie Wolle, Reif streut er aus wie Asche. Eis wirft er herab wie Brocken, vor seinem Frost – wer kann da bestehen? Er sendet sein Wort [tón lógon] und lässt sie schmelzen, er lässt seinen Wind wehen – da rieseln die Wasser. Er verkündet Jakob sein Wort [tón lógon], Israel seine Gesetze und seine Entscheide. An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, sie kennen sein Recht nicht. Halleluja! (Ps 147,15–18) weiterlesen ...

c loxpix.com

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Jänner 2021
Hochfest der Gottesmutter Maria:

Mutter, Beschneidung, Name, Angesicht
Wie schon der 31. Dezember ist auch der 1. Jänner aus kirchlicher Sicht ein seltsamer Feiertag. Eigentlich feiert die katholische Kirche am 1. Jänner ein Marienfest, das Hochfest der Gottesmutter Maria, und nicht den Beginn des bürgerlichen Jahres. An Neujahr muss jedoch unwillkürlich denken, wer die für den heutigen Tag vorgesehene Lesung aus dem Buch Numeri (6,22–27), dem vierten Buch Mose, und den 67. Psalm hört: Bei beiden Texten handelt es sich um Segenssprüche, die man zu Neujahr wohl eher als Begleiter für das kommende Jahr denn als Hinweis auf Maria hört. Der sogenannte Aaronssegen zählt zu den schönsten Segensgebeten der biblischen Tradition: „Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.“ (Num 6,24–27) Dass Gott sein Angesicht über den Menschen leuchten lasse, wird auch im 67. Psalm ausgedrückt: „Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten, damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern.“ (Ps 67,2f) Das Jahr möge begleitet werden von der Hoffnung, dass wir unsere Wege nicht unter einem blinden Schicksal als letzter, alles beherrschender Macht gehen, sondern im Gegenüber zu einem Angesicht – Gesicht aber seht für Personalität und damit auch für Freiheit. Der letzte Horizont des Lebens, ja des Seins überhaupt, ist personal zu denken, ist Ausdruck von Freiheit. Deshalb sprechen wir ja auch von Gott als personalem Gott (und nicht, weil er analog zu einem übermächtigen Menschen zu denken wäre). weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 31. Dezember 2020 | Silvester:
Ein Wort des Trostes für eine Zeit des Übergangs

Der 31. Dezember ist aus christlicher Sicht ein eigenartiges Datum. Gefeiert wird an diesem Tag (in der katholischen Kirche) Papst Silvester, der im vierten Jahrhundert zur Zeit des Kaisers Konstantin lebte. Als er 314 Papst wurde, war das Christentum gerade eben zur erlaubten Religion im römischen Reich erklärt worden; Silvester legte beim Grab des hl. Petrus den Grundstein für die Peterskirche. Zu dieser Zeit war der Übergang vom 31. Dezember auf den 1. Jänner bereits der Beginn des neuen Jahres (ab 153n.Chr.), freilich trug dieser Tag noch nicht Silvesters Namen. Später wurde der 31. Dezember als Gedenktag des hl. Silvester festgelegt. Eine Verbindung zwischen Jahreswechsel und der Erinnerung an den Papst gab es jedoch nicht. Im Lauf der Zeit ging jedoch der Name des Gedenktages auf den letzten Tag des Jahres über, der fortan als Silvestertag bezeichnet wurde. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Sonntag nach Weihnachten | 27. Dezember 2020
Zweierlei Varianten
Der Sonntag nach dem Weihnachtsfest gilt als das Fest der Heiligen Familie. Dafür gibt es eine Fülle von Lesungen zur Auswahl: Genesis 15,1–6; 21,1–3 mit Psalm 105 oder Jesus Sirach (3,2–6.12–14) mit Psalm 128, eine Lesung aus dem Brief an die Kolosser (3,12–21) oder die Hebräer (11,8.11f.17–19) sowie eine Perikope aus dem Lukasevangelium (2,22–40). Interessant ist, welches Bild von „heiliger Familie“ die Auswahl der Schriftstellen konstruiert.
Zum einen gibt es eine Spur, die bei der Weisheitsschrift Jesus Sirach ihren Ausgangspunkt nimmt und das Zusammenleben in der Familie in den Mittelpunkt stellt. Der Lehrer Jesus Sirach, der im 2. Jhdt. v. Chr. in Jerusalem wirkte, gibt einige Grundregeln für einen würdevollen Umgang mit den Eltern an. Damit ist ein guter Beginn gelegt, um über Familie nachzudenken. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Stefanitag | 26. Dezember 2020
Fest des Hl. Stephanus:

Distanz und subtile Nähe zu Weihnachten?
Schon oft wurde darüber gesprochen, wie das Fest des hl. Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt, in den Weihnachtsfestkreis passt. Es braucht viel argumentatives Geschick, um diesen Tag als zweiten Weihnachtstag, wie er manchmal auch genannt wird, zu interpretieren. Es ist jedoch gar nicht notwendig, diesen Zusammenhang herzustellen. Weihnachten und Fest des hl. Stephanus haben ursprünglich nicht unmittelbar miteinander zu tun. Grob gesagt, gibt es in der christlichen Tradition zwei Typen von Festen: Erstens sind dies die Feste, die in direkter Hinsicht eine Erinnerung an Leben, Leiden und Auferstehen Christi darstellen und dieses Geschehen zu bestimmten Zeiten des Jahres bedenken. Diese Feste haben im Wesentlichen zwei Gravitationszentren, um die sie kreisen: Weihnachten und Ostern. Zweitens gibt es die Feste des Gedenkens an besondere Menschen, zunächst die Märtyrerinnen und Märtyrer, dann aber auch andere wichtige Personen, die man als Heilige bezeichnet hat. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Christtag | 25. Dezember 2020
Ein altes Lied, neu gesungen

Der für den heutigen Festtag vorgesehene 98. Psalm beginnt mit den Worten: „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.“ (Ps 98,1–3)
Man könnte diese Worte auch als einen Lektüreschlüssel für den biblischen Text überhaupt verstehen. Das Geschehen des Exodus, der Befreiung aus der Sklaverei („Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel.“) soll immer wieder neu besungen werden. Die Lieder dafür müssen je neu gedichtet werden: „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht.“ Dies geschieht auch zu Weihnachten: Mit Jesus ereignet sich ein neuer Exodus, ein Auszug aus Verhältnissen, die Menschen unfrei machen. Mit ihm wird die Erzählung, dass Gott wunderbare Taten vollbracht hat, dass er „sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt“ hat, dass er seinem Volk treu bleibt („Treue zum Haus Israel“) wieder neu aufgenommen.
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - heiliger Abend | 24. Dezember 2020
Von einem Veraltungsakt und einer Geburt
Rund um Weihnachten gibt es eine Fülle möglicher Zeiten, zu denen eine Messe mit je eigens dafür ausgewählten Schriftstellen gefeiert werden kann: am Abend, in der Nacht, am Morgen und untertags. Für die Christmette sind folgende Texte vorgesehen: eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (9,1–6), Teile des 96. Psalms, eine Passage aus dem Brief an Titus (2,11–14) und eine oft als Weihnachtsevangelium bezeichnete Perikope aus dem Lukasevangelium (2,1–14).
Im Evangelium werden zwei Stränge des Geschehens einander gegenübergestellt, welche beide mit demselben Wort eingeleitet werden: „Es geschah aber …“ (2,1 und 6). Der erste Strang erzählt von einem Verwaltungsakt, welcher von der höchsten Autorität des römischen Reiches, dem Kaiser, erlassen wurde: eine Verordnung, welche für die gesamte Ökumene, d.h. den Erdkreis, gelten soll und mit dem Ausdruck „Dogma“ (Verfügung, Erlass) bezeichnet wird. Es handelt sich übrigens um die einzige Stelle im Neuen Testament, an der das Wort „Dogma“ genannt wird. Der Kaiser erlässt ein Dogma, dass alle Menschen aufgeschrieben werden sollen. Dies hat zur Folge, dass sich Josef und Maria auf den Weg nach Betlehem machen, d.h. an jenen Ort, an dem Josef entsprechend dem Ursprung seiner Familie zugeordnet ist.
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 4. Sonntag im Jahreskreis | 20. Dezember 2020 | Von der langsamen Annäherung …
Die Lesung aus dem 2. Buch Samuel (7,1–5.8–12.14.16) sowie die für den heutigen Sonntag vorgesehenen Teile des 89. Psalms sprechen von Gottes Verheißung an König David, dass sein Geschlecht Bestand haben werde: „Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben.“ (2 Sam 7,16) „Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.“ (Ps 89,29) Kurz vor der Feier des Weihnachtsfestes werden wir damit vorbereitet auf das, was wir im Evangelium der Christmette hören werden. Dieses beginnt mit den Worten: „Buch [Bíblos] der Genesis Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 3. Sonntag im Jahreskreis | 13. Dezember 2020 |3. Adventsonntag: Vom Gott des Friedens …
Der dritte Adventsonntag trägt den Namen „Gaudete“ – „Freut euch“. Das geht zurück auf den sogenannten Introitus-Vers, mit dem früher passend zum jeweiligen Tag der Gottesdienst begonnen wurde. Er war sozusagen die thematische Schwelle, über die man ins Geschehen der Feier gelangte. Am dritten Adventsonntag stellt dieser Vers die Freude in den Mittelpunkt: „Freut euch im Herrn allezeit! Noch einmal werde ich es sagen: Freut euch.“ Der Satz ist dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi entnommen (Phil 4,4). Mit denselben Worten, nur etwas knapper, formulierte Paulus diesen Wunsch schon in seinem ersten Brief an die Gemeinde von Thessaloniki, dem ältesten der Briefe des Apostels, ja, der ältesten Schrift des Neuen Testaments überhaupt. Wir hören die entsprechende Stelle in einer der heutigen Lesungen (1 Thess 5,16–24): „Allezeit freut euch!“ (5,16) ruft Paulus der Gemeinde gegen Ende seines Briefes zu.
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 8. Dezember 2020

Mariä Empfängnis
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
Mariä Erwählung

Mariä Empfängnis: Von der Erwählung …
Der heutige Feiertag hat mehrere Namen, wobei der hierzulande am stärksten in der Tradition verankerte wohl Mariä Empfängnis ist. Offiziell spricht man vom Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, was jedoch allzu kompliziert klingt. Hervorheben möchte ich die Bezeichnung Mariä Erwählung, die, wie ich meine, weniger aufgeladen als die anderen Namen des Festes ist. Sie steuert nicht sofort auf die schwierige Frage zu: Was bedeutet es denn, dass Maria – neun Monate vor ihrer Geburt, die wir am 8. September feiern – ohne Erbsünde empfangen wurde? Wenn wir diese Frage einmal beiseite lassen und uns vom Motiv der Erwählung leiten lassen, können vielleicht auch noch andere Aspekte des Festes zu Tage treten. weiterlesen ...

Zweiter Adventsonntag

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 2. Sonntag im Jahreskreis | 5. Dezember 2020 |2. Adventsonntag: Von den ersten Worten …
Der erste Adventsonntag hatte im Evangelium apokalyptische Motive vorgeführt und mündete schließlich in die Zusage: „Der Himmel und die Erde werden vorübergehen, meine Worte aber werden nicht vorübergehen.“ (Mk 13,31) Dies weckt die Frage, was diese Worte, deren Bleiben tiefer als die Ordnung der Gestirne reicht (Mk 13,24f), sein können. Der heutige zweite Adventsonntag gibt in den für die Liturgie vorgesehenen Texten (Jes 40,1–5.9–1; Ps 85,9–14; 2 Petr 3,8–14; Mk 1,1–8) darauf eine Antwort. Achten wir dabei besonders auf die ersten Worte. weiterlesen ...

 

 

Detail Himmelsglobus (von 1693)| Melker Stiftsbibliothek

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Sonntag im Jahreskreis | 29. November 2020 | 1. Adventsonntag: Himmel und Erde im Übergang, Bleiben der Worte

Mit dem ersten Adventsonntag beginnt in der kirchlichen Zeitrechnung ein neues Jahr. Tatsächlich leben wir in und mit unterschiedlichen Jahreszyklen: Das bürgerliche Jahr beginnt mit dem 1. Jänner, unterschiedliche Religionen beginnen ihren jährlich wiederkehrenden Festkreis zu jeweils anderen Zeiten, der Beginn des Schuljahres wird jeweils auf einen Tag Anfang September festgelegt, das Studienjahr beginnt in Österreich am 1. Oktober, sodann könnte man den Beginn einer neuen Saison in verschiedenen Sportarten anführen und wohl noch anderes mehr.

Verschiedene Kreisläufe der Ordnung des Jahres überlagern sich, wir gehen wie selbstverständlich mit unterschiedlichen Formen der Zeiteinteilung um. Kirchlich beginnt heute ein Jahr, das stark von der Lektüre des Markus-Evangeliums begleitet wird – dem ersten und kürzesten der vier Evangelien, das gleichwohl von größter theologischer Tiefe ist. weiterlesen ...

 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 34. Sonntag im Jahreskreis| 22. November 2020: Christkönigssonntag: Vom Richten, vom Sammeln, vom Kräftigen, vom Ablassen
In der katholischen Tradition gilt das Fest von Christus als dem König als letztes Fest des kirchlichen Jahres: Das Jahr beginnt mit dem ersten Adventsonntag, d.h. mit der Erwartung Christi, und endet mit der Feier von Christus als dem König. Zweifellos ist in der Geschichte zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten etwas sehr Unterschiedliches unter „König“ verstanden worden. Diese Vorstellungen eigenen sich nur bedingt, um zu deuten, was mit Christus als dem König gemeint sein kann bzw. sind sie eher eine Negativfolie: Christus ist ein König, hat darin jedoch einen anderen Charakter, als wir es von Königen gewohnt sind. Wie er als König verstanden werden kann, zeigen die für den Sonntag ausgewählten Schriftstellen: ein Gleichnis aus dem Matthäus-Evangelium (25,31–46), eine Lesung aus dem Buch Ezechiel (34,11f.15–17), der 23. Psalm sowie eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,20–28). weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 33. Sonntag im Jahreskreis| 15. November 2020: Von dem, was ausgelassen wird
Für die Gedanken zu den Schriftstellen des heutigen Sonntags muss ich vorweg um Entschuldigung bitten. Zum größten Teil werde ich nicht über das sprechen, was im Gottesdienst gelesen wird, sondern über das, was ausgelassen wird.
Die erste Lesung aus dem Buch der Sprichwörter (31,10–13.19–20.30–31), der 128. Psalm, und die Perikope aus dem Evangelium nach Matthäus (25,14–30), drei der für heute vorgesehenen Texte, sind thematisch eng aufeinander abgestimmt. Im Buch der Sprichwörter und im Psalm ist von einer tüchtigen Frau die Rede, im Evangelium lesen wir ein Gleichnis von verlässlichen (männlichen) Dienern. Die darin vermittelten Rollenbilder – wie wird eine tüchtige Frau, wie ein tüchtiger Mann beschrieben? – erscheinen heute wohl als problematisch und müssten aus dem Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden. Erst so ließe sich beurteilen, ob sie zur Zeit ihrer Entstehung eher geschlechterspezifische Stereotype fortgeschrieben oder vielleicht sogar gefördert haben oder auch ein emanzipatives Potential hatten. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 32. Sonntag im Jahreskreis| 8. November 2020: Von der Weisung zur Weisheit oder dem Mut zur Übersetzung (ACHTUNG Die Sonntagsmesse beginnt um 10 Uhr und wird live in den ORF Landesradios übertragen)
Die Schriftstellen des heutigen Sonntags stellen in mehrfacher Weise den Aspekt der Suche in den Mittelpunkt. Es handelt sich um eine Lesung aus dem Buch der Weisheit (6,12–16), von der es heißt „und wer sie sucht, findet sie“ (6,12). Der Psalm 63 kann als der Psalm der Gottsuche schlechthin bezeichnet werden: „Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele.“ (63,2) Das Gleichnis aus dem Matthäusevangelium (25,1–13) handelt vom Warten, dessen Schwester die Suche ist. Dazu kommt noch eine Passage aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Thessaloniki (1 Thess 4,13–18), die auch als eine der möglichen Lesungen für den Allerseelentag vorgesehen war. weiterlesen ...
 
 



Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl -  Allerseelen | 2. November 2020:
Eine Frage der Gemeinde von Thessaloniki …
Zum Fest Allerseelen ist die Auswahl der Schriftstellen für die Liturgie frei. Wohl gibt es bestimmte Vorschläge, es können jedoch auch andere Texte genommen werden. Ich möchte im Folgenden nur auf eine der vorgeschlagenen Lesungen eingehen – auf eine Passage aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Thessaloniki (1 Thess 4,13–18).
Der Text richtet sich an seinem Anfang und an seinem Ende an die Gemeinde. Es geht um ihre Fragen (Was ist mit den Entschlafenen?), sie soll aufgebaut und getröstet werden: 13Nicht wollen wir, dass ihr nicht wisst, Brüder und Schwestern, über die Entschlafenen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.  […] 18Daher tröstet einander mit diesen Worten! weiterlesen ...

 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 31. Sonntag im Jahreskreis | Allerheiligen | 1. November 2020: Allerheiligen: Dynamik und doppelte Vermittlung
Für das Fest Allerheiligen sind eine Lesung aus der Offenbarung des Johannes (7,2–4.9–14), eine weitere aus dem 1. Johannesbrief (3,1–3) sowie der Beginn von Psalm 24 und der Beginn der Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium (5,1–12) als Schrifttexte der Liturgie vorgesehen.
Der erste Johannesbrief bietet in einer kurzen Passage interessante Einsichten in das, was uns als Menschen ausmacht. Oder formulieren wir es anders: Er bietet uns ein Modell, macht einen Vorschlag, wie wir vom Menschen denken können: Im Menschsein liegt zum einen eine Dynamik, ausgedrückt im Motiv vom Menschen als Bild Gottes; der Mensch steht zum anderen in einer Bewegung der doppelten Vermittlung zu Gott. Verfolgen wir diesen Gedanken langsam am Text, den Johannes uns in Gestalt eines Briefes übermittelt, mit: Seht, welche Liebe uns der Vater gegeben hat, damit wir Kinder Gottes genannt werden, und wir sind es. (3,1)   weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 30. Sonntag im Jahreskreis | 25. Oktober 2020: Von der Ausweitung eines Superlativs
Im Evangelium vom heutigen Sonntag (Mt 22,34–40) steht eine an Jesus gerichtete Frage im Mittelpunkt: „Lehrer, welches Gebot ist groß im Gesetz?“ (36) Die mir bekannten Übersetzungen überhöhen diese Frage und steigern das Adjektiv groß in den Superlativ, um die Frage nach dem größten Gebot zu stellen: Welches Gebot ist das höchste/größte/wichtigste? Damit wird das Ohr der Hörerinnen und Hörer auf eine unmittelbar eindeutige Antwort eingestimmt: Nur eines kann doch das höchste sein … Allerdings steht dies nicht im Text. So eng ist die Frage nicht gefasst. Sie lässt mehr Spielraum als die Übersetzungen. Der Superlativ muss wieder ausgeweitet werden.
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 29. Sonntag im Jahreskreis| 19. Oktober 2020: Die Geste verändert eine Frage
Die Perikope aus dem Matthäusevangelium, die für den heutigen Sonntag vorgesehen ist (Mt 22,15–22) enthält ein Wort, das auch losgelöst von dieser Stelle ohne Anführungszeichen und ohne Angaben der Quelle zitiert werden kann, das sozusagen allgemein verfügbar ist: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ (22,21f) Bleibt man näher am griechischen Original, könnte man den Text so übersetzen: „Gebt also das des Kaisers dem Kaiser und das des Gottes Gott.“ weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 28. Sonntag im Jahreskreis|11. Oktober 2020: Der Mythos vom gemeinsamen Mahl –Wiederholung einer Erzählung
Die Lesung aus dem Buch Jesaja (25,6–10), der 23. Psalm und die für heute vorgesehene Perikope aus dem Matthäusevangelium (22,1–14) zeigen uns einen bestimmten Weg, um von Gott zu reden, und zwar in Bildern der Gastfreundschaft. Gott erscheint dabei als der Gastgeber. In gewisser Weise lässt sich auch die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi damit verbinden. Paulus berichtet von der Gastfreundschaft dieser Gemeinde, die ihm erst seine Reisetätigkeit ermöglicht (Phil 4,12–14.19f). Doch zurück zu den Bildern von Gott als Gastgeber. Vorweg ist eines zu sagen: Sentimental-idyllisch sind diese Bilder nicht. Ihre Formulierung verweist jeweils auf einen Kontext der Bedrohung. weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 27. Sonntag im Jahreskreis, 4. Oktober 2020: Von religiösen Konflikten und dem Gott des Friedens
Betrachtet man alle für den Gottesdienst des heutigen Sonntags vorgesehenen Texte, zeigen sich zwei Themen, die in einer Spannung stehen. Ganz allgemein formuliert, könnte man sie so fassen: Erstens sind Religionen von inneren Konflikten durchsetzt. Zweitens sind sie Ort einer Friedensutopie.
Beginnen wir mit dem Evangelium, einer Perikope von Matthäus (21,33–44), die Religion als eine Gemengelage innerer Konflikte zeigt: Jesus erzählt ein Gleichnis von einem Gutsbesitzer, der einen Weinberg in Pacht gibt. Die Pächter vertreiben oder ermorden die Knechte, welche den Pachtertrag für den Besitzer einheben sollen. Schließlich schickt er seinen Sohn, weil er meint, vor ihm würden sie Achtung haben. Aber auch er wird ermordet, weil die Pächter erwarten, nach dem Tod des Sohnes selbst zu Erben des Weinbergs zu werden. weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 26. Sonntag im Jahreskreis, 27. September 2020: Kritik – Ermutigung – Aufklärung
Für den Sonntagsgottesdienst sind heute folgende Texte ausgewählt: Eine Passage aus dem Buch des Propheten Ezechiel (18,25–28), Teile des 25. Psalms, eine zentrale Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi (Phil 2,1–11) und ein Gleichnis aus dem Matthäusevangelium (21,28–32).Der Inhalt des Evangeliums ist schnell erzählt: Ein Vater bittet eines seiner Kinder, im Weinberg zu arbeiten, was dieses freudlos ablehnt; später revidiert es seine Meinung und verrichtet die Arbeit. Das andere Kind hingegen sagt zunächst bereitwillig zu, tut aber letztlich nichts. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 25. Sonntag im Jahreskreis, 20. September 2020: … zu eurer Unterstützung und Freude
Die heutigen Lesungstexte werden eröffnet von einer zentralen Passage aus dem Buch des Propheten Jesaja, von der – aus welchen Gründen auch immer – nur der erste Teil gelesen wird (Jes 55,6–9). Danach folgen kurze Auszüge aus dem 145. Psalm und eine Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi (Phil 1,20–24.27). Auch in diesem Fall verstehe ich die Auslassung zweier Verse (25 und 26) nicht. Das Evangelium bietet ein Gleichnis, das nur bei Matthäus überliefert ist (Mt 20,1–16): Das Himmelreich wird mit dem Bild eines großzügigen Gutsverwalters verglichen, der den Letzten, den Schwachen, den bisher Unbeachteten ebenso viel Lohn zahlt wie den Ersten, den Starken, den Arbeitern der ersten Stunde. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 24. Sonntag im Jahreskreis, 13. September 2020
Für die Schwachen im Glauben …
Neben einer Lesung aus dem Buch Jesus Sirach (27,30–28,7), Passagen aus dem 103. Psalm und einer Perikope aus dem Matthäusevangelium (18,21–35), die allesamt um das Thema der Vergebung kreisen, ist für den heutigen Sonntag eine kurze Stelle aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde von Rom (14,7–9) vorgesehen. In einer sehr wörtlichen Übersetzung lautet diese:
Keiner von uns nämlich lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst: Wenn wir nämlich leben, dem Herrn leben wir, wenn wir sterben, dem Herrn sterben wir. Wenn wir also leben oder wenn wir sterben, wir gehören dem Herrn. Dazu [In das] starb Christus und lebte er, damit er Herr über die Verstorbenen und die Lebenden sei.
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 23. Sonntag im Jahreskreis, 6. September 2020
Der Wächter und das Heute
In der ersten Lesung des heutigen Sonntags (Ezechiel 33,7–9) wird der Prophet Ezechiel von Gott als Menschensohn angesprochen – eine Bezeichnung, die in den Evangelien auf Jesus übertragen wird. Der erste Satz der Passage bestimmt genauer, worin die Aufgabe des Propheten und Menschensohnes besteht:
Du aber, Menschensohn, ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst, musst du sie vor mir warnen. (Ezechiel 33,7)
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 22. Sonntag im Jahreskreis, 30. August 2020
Umwendung Jesu, Umwendung des Petrus
Nimmt man die für den heutigen Sonntag vorgesehenen Lesungstexte alle zusammen, zeigt sich die Schwierigkeit der Suche nach Gott. Diese hat immer etwas mit einer Form der Umwendung, der Umkehr zu tun.
Eröffnet wird der Reigen der Texte durch ein Bekenntnis des Propheten Jeremia, den man vielleicht den leidenschaftlichsten Gottsucher der Bibel nennen kann:
Du hast mich betört, o HERRGedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 22. Sonntag im Jahreskreis, 30. August 2020, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich. Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, Gewalt und Unterdrückung! muss ich rufen. Denn das Wort des HERRN bringt mir den ganzen Tag nur Hohn und Spott. Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es auszuhalten, vermochte es aber nicht. (Jeremia 20,7–9)


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 21. Sonntag im Jahreskreis, 23. August 2020
Im Angesicht der Kaiserstadt ...
Im heutigen Sonntagsgottesdienst werden folgende Texte gelesen: eine Passage aus dem Buch des Propheten Jesaja (22,19–23), ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (11,33–36), Teile des 138. Psalms und eine Perikope aus dem Matthäusevangelium (16,13–20), auf deren ersten Teil ich mich nun beziehen werde:
Kommend aber ins Gebiet von Caesarea, dem von Philippos, fragte Jesus seine Schüler, indem er sagte: Welcher, sagen die Menschen, ist der Menschensohn? Sie aber sprachen: die einen: Johannes der Täufer; andere aber: Elias; andere aber: Jeremias oder einer der Propheten. Er sagte ihnen: „Ihr aber, welcher sagt ihr, bin ich?“ Antwortend aber sprach Simon Petros: Du bist der Christos, der Sohn des lebendigen Gottes. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 20. Sonntag im Jahreskreis, 16. August 2020
Vom Schweigen und Lernen Jesu
Für den Gottesdienst am heutigen Sonntag sind eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (56,1.6–7), eine Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (11,13–15.29–32), der 67. Psalm und eine Perikope aus dem Evangelium des Matthäus (15,21–28) vorgesehen.Das Evangelium erzählt von einer überraschenden Begegnung Jesu. Eine Frau, die nicht dem Volk Israel angehört, bittet Jesus um Erbarmen und um die Heilung ihrer kranken Tochter. Überraschend ist zunächst, dass sie Jesus mit einer charakteristisch jüdischen Bezeichnung als Sohn Davids anspricht; ungewohnt ist, dass Jesus ihr nicht antwortet. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 15. August 2020
Fest der Aufnahme Marias in den Himmel: Erzählung und Dichtung, Geschichte und Gebet
Für das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel (Mariä Himmelfahrt) sind eine Lesung aus der Offenbarung des Johannes (11,19–12,6.10), eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,20–27), Teile von Psalm 45 und eine Passage aus dem Lukasevangelium (1,39–56) vorgesehen. Dass es am heutigen Festtag um Maria geht, erfährt man im Evangelium, wo Maria explizit vorkommt. Die anderen Stellen erschließen sich in ihrer Bedeutung für das Fest aus dieser Stelle. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 19. Sonntag im Jahreskreis, 9. August 2020
Fragen des Paulus ...
Für den heutigen Sonntag sind folgende Schriftstellen für den Gottesdienst ausgewählt: Eine Lesung aus dem 1. Buch der Könige (19,9–13) und eine aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (9,1–5), Teile des 85. Psalms sowie eine Perikope aus dem Matthäusevangelium 14,22–33. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 18. Sonntag im Jahreskreis, 2. August 2020
Vom Opfer zum Hören ...
Faszinierend ist, welch zentrale Bedeutung das Motiv des Hörens in den biblischen Texten erhalten hat. An den letzten Sonntagen wurden die Gleichnisse aus der so genannten Gleichnisrede des Matthäusevangeliums (13. Kapitel) gelesen, die – neben vielen anderen Deutungsmöglichkeiten im Einzelnen – einen Fokuspunkt in der Frage haben, ob das Wort Gottes Gehör finden und wachsen könne. Eine Zusammenfassung erfahren die Gleichnisse in der Wendung: „Wer Ohren hat, möge hören.“ (Matthäus 13,43) Dieses Wort ist schon zu einem früheren Zeitpunkt im selben Evangelium aufgetreten (Matthäus 11,15), und es tritt in ganz ähnlicher Weise oftmals in der Johannes-Apokalypse auf. weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 17. Sonntag im Jahreskreis, 26. Juli 2020:
Neuschöpfung in den Gleichnissen Jesu
Zum dritten Mal in Folge wird an diesem Sonntag aus der so genannten Gleichnisrede Jesu, die sich im 13. Kapitel des Matthäusevangeliums findet, gelesen. Drei Gleichnisse werden vorgestellt, wobei das erste vom Finden eines Schatzes, das zweite vom Finden einer kostbaren Perle und das dritte von einem reichen Fischfang mittels eines Schleppnetzes erzählt. Die drei Bildworte stellen den Abschluss der Gleichnisrede dar. Als Lesungen sind eine Passage aus dem ersten Buch der Könige (1 Kön 3,5.7–12), ein Abschnitt aus dem 119. Psalm und ein kurzer Abschnitt aus dem Brief das Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (Röm 8,28–30) vorgesehen. weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 16. Sonntag im Jahreskreis, 19. Juli 2020:
Von der verwandelnden Dynamik des Hörens
Aus den jenen Texten, die für den heutigen Sonntag als Lesungen vorgesehen sind –eine Passage aus dem Buch der Weisheit (12,13.16–19), Teile von Psalm 86, ein Abschnitt aus dem Brief an die Gemeinde von Rom (8,26f), eine Perikope aus dem Matthäusevangelium (13,24–43)–werde ich nur das Evangelium herausgreifen, das unmittelbar an das Evangelium vom letzten Sonntag anschließt (Matthäus 13,1–23). weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 15. Sonntag im Jahreskreis, 12. Juli 2020:
Vom Reichtum und der Zukunft der Natur
Alle vier Texte, die für den heutigen Sonntag als Lesungen ausgewählt sind – Jesaja 55,10–11; Passagen aus Psalm 65; ein Abschnitt aus dem Brief an die Gemeinde von Rom 8,18–23 und eine Perikope aus dem Matthäusevangelium 13,1–23 – rücken die Dimension der Natur in den Mittelpunkt. Sie zeigen eine Natur, die zum Verweis auf das Göttliche werden kann. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 14. Sonntag im Jahreskreis, 5. Juli 2020,
14. Sonntag im Jahreskreis: Zwei Perspektiven einer Religion
Für diese Sonntag sind als Lesungstexte eine kurze Passage aus dem Buch des Propheten Sacharja (9,9–10), Teile von Psalm 145, ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (8,9.11–13) und eine Perikope aus dem Matthäusevangelium (11,25–30) vorgesehen. Nimmt man die beiden letztgenannten Texte zusammen, zeigen sich zwei sehr unterschiedliche Ausdrucksformen des Christentums, die beide nicht verloren gehen dürfen. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Hochfest Peter und Paul, 29. Juni 2020
Peter und Paul – Verbindung mit Romulus und Remus?
Das Fest der Apostel Petrus und Paulus ist ein auffälliges Fest, weil zweier Heiliger gemeinsam gedacht wird, was nicht allzu oft der Fall ist. Um einige zu nennen: Joachim und Anna waren Mann und Frau, ihre Gedenktage aber sind in der katholischen Tradition erst seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) vereint. Perpetua und ihre Dienerin Felicitas, zwei der frühesten christlichen Märtyrerinnen, gingen gemeinsam in den Tod, man gedenkt ihrer am selben Tag. Kyrill und Method haben einen gemeinsamen Feiertag, was einleuchtend ist, haben doch die beiden Brüder in der Verbreitung des Glaubens bei den slawischen Völkern eng zusammengearbeitet. Es ließen sich einige weitere Beispiele für gemeinsam geteilte Gedenktage anführen, allzu viele sind es jedoch nicht. Stets ist dabei sehr leicht einsichtig, warum es ein gemeinsames Gedenken gibt. Was aber ist mit Petrus und Paulus? weiterlesen ...
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 13. Sonntag im Jahreskreis, 28. Juni 2020
13. Sonntag im Jahreskreis: Von kleinen Gesten
Für den heutigen Sonntag sind folgende Schriftstellen vorgesehen: ein Abschnitt aus dem 2. Buch der Könige 4,8–11.14–16; Teile von Psalm 89; eine Passage aus dem Brief an die Gemeinde von Rom 6,3–4.8–11; eine kurze Stelle aus dem Matthäusevangelium 10,37–42.
Das heutige Evangelium ist einer Rede Jesu entnommen (Kapitel 10), welche mit der Berufung der zwölf Schüler Jesu beginnt und sich speziell an diese richtet. Schon in den letzten Wochen, der Zeit nach Ostern, wurden Abschnitte aus dieser Rede gelesen. Heute hören wir deren Ende. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 12. Sonntag im Jahreskreis, 21. Juni 2020
Sonntag im Jahreskreis: Christus als der neue Adam
Für den heutigen Sonntag sind als Schriftstellen vorgesehen eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia (20,10–13), Teile des 69. Psalms, ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (5,12–15) und eine Passage aus dem Matthäusevangelium (10,26–33). Ich möchte lediglich auf die Lesung aus dem Paulusbrief eingehen und aus der schwierigen Argumentation des Paulus nur einen Punkt herausgreifen. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 11. Sonntag im Jahreskreis, 14. Juni 2020
11. Sonntag im Jahreskreis: Von der inneren Ergriffenheit Jesu
Nach dem Osterfestkreis, der mit Pfingsten endet, dem Dreifaltigkeitssonntag und dem Fronleichnamsfest sind wir mit dem heutigen Sonntag wieder ganz im so genannten Jahreskreis angelangt. Zu Pfingsten stand der Geist im Mittelpunkt, am folgenden Sonntag die Dreifaltigkeit, zu Fronleichnam der Leib Christi: eine Kulmination zentraler Inhalte. Worum kann es am ersten Sonntag nach all diesen Festen, welche die großen Geheimnisse des christlichen Glaubens feiern, noch gehen? Wie wieder anfangen nach der Rückkehr in den normalen Lauf des Jahres? Geben uns die Texte der Lesungen eine Auskunft? weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Fronleichnam, 10. Juni 2020
Fronleichnam: Brot – von der Einfachheit und dem Reichtum eines Motivs
Das Fronleichnamsfest hat im katholischen Raum eine große Bedeutung. Es ist die Feier der Eucharistie schlechthin und darin dem Gründonnerstag eng verwandt. Abgesehen vom 147. Psalm haben alle Texte, die als Lesungen ausgewählt sind, mit Brot zu tun und entfalten ein Netz reicher Bezüge innerhalb der Bibel: Deuteronomium 8,2–3.14–16; 1. Brief an die Gemeinde von Korinth 10,16–17; Johannes-Evangelium 6,51–58. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Dreifaltigkeitssonntag, 7. Juni 2020
Trinität als eine Auslegung der Einzigkeit Gottes?
Der Sonntag nach Pfingsten wird als Dreifaltigkeitssonntag gefeiert. Nimmt man die vorgesehenen Lesungstexte ernst, können zwei Vorstellungen, die sich mit „Dreifaltigkeit“ verbinden, korrigiert werden.
1) Die erste Lesung ist dem Buch Exodus (34,4–6 und 8–9) entnommen und eine zentrale Stelle der Torah, ja des gesamten Alten Testaments (der Hebräischen Bibel, des TeNaChs). Gott offenbart sich Mose in besonders dichter Weise, nachdem das Volk, das mit ihm durch die Wüste zieht, ein goldenes Kalb hat anfertigen lassen, um es als Götterbild zu verehren. Die Geschichte des Auszugs wäre zu Ende, würde Gott sich nicht dem Volk erneut zuwenden. Mose wird der an ihm vorüberziehenden Herrlichkeit Gottes – freilich nur im Hinterher, im Nachhinein – gewahr. Gott spricht dabei seinen Namen, das für Menschen unaussprechbare Tetragramm, zweimal aus: „Der HERR, der HERR, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue.“ (Ex 34,6) weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Pfingstmontag, 1. Juni 2020
Pfingstmontag: Von der Vielfalt des Geistes
In der westlichen / lateinischen / katholischen Tradition des Christentums scheint der Heilige Geist eine eher untergeordnete Rolle einzunehmen. Dies ist in den östlichen / orthodoxen Kirchen, aber auch in den Pfingstkirchen anders. Aus katholischer Sicht gilt es einen Blick für die Vielfalt des Geistes wiederzugewinnen. Am zweiten Pfingsttag, dem Pfingstmontag, wird uns die Gestalt des Geistes von den für die Liturgie vorgesehenen Schriftstellen wie schon am Pfingstsonntag in einer differenzierten Weise vorgestellt. Alle Schriftstellen abgesehen vom kurzen 117. Psalm sprechen explizit vom Geist. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Pfingstsonntag, 31. Mai 2020
Pfingstsonntag: vom Geist der Überzeugung
Alle Texte, die für die Liturgie des Pfingstsonntags vorgesehen sind, handeln vom Geist. Der älteste der Texte, den ich deshalb auch als Ausgangspunkt der Überlegungen nehme, ist der 104. Psalm, der in einem Loblied die Schöpfung Gottes preist. Über das Verhältnis von Gott und seinen Geschöpfen heißt es darin: „Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde.“ (Psalm 104,30). Auf diese lebensspendende Kraft des Geistes bezieht sich auch das heutige Evangelium, in dem Jesus als der Auferstandene seinen Schülerinnen und Schülern den erneuernden Geist zuspricht: „Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ (Johannesevangelium 20,21f) Dieses Geschehen der Sendung des Geistes wiederholt sich später noch einmal ohne die Präsenz Jesu: Die Lesung aus der Apostelgeschichte (2,1–11) erzählt, wie die Gabe des Geistes auf die Schülerinnen und Schüler Jesu herabkommt und sie ermutigt aus ihrer Abgeschlossenheit hinauszugehen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 24. Mai 2020
7.Sonntag der Osterzeit: Name und Gebet
Am siebenten Sonntag der Osterzeit, der zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten gelegen ist, ist als erste Lesung ein kurzer Abschnitt aus der Apostelgeschichte vorgesehen, die Fortsetzung der Lesung vom Tag der Aufnahme Christi in den Himmel. Die Apostel, Maria, einige Frauen und die Brüder Jesu bleiben in dieser Zeit gemeinsam im Obergemach eines Hauses in Jerusalem – „einmütig im Gebet“ (Apg 1,12–14). In dieser Zeit der Zwischenphase von Himmelfahrt und Pfingsten – Jesus ist nicht mehr unter seinen Schülerinnen und Schülern präsent, der Geist ist ihnen noch nicht gegeben – bilden sie eine Gemeinschaft im Gebet. Wichtig ist, dass zwölf Namen (die der Apostel und der Marias) aufgezählt werden: Name und Gebet als zwei Grundvollzüge unseres Menschseins behalten auch in dieser Zwischenphase ihre Bedeutung. Weiterhin werden Menschen mit ihrem Namen gerufen und weiterhin adressieren sie sich an Gott. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020
Christi Himmelfahrt: Von der Geschichte eines Wortes …
Für das Fest Christi Himmelfahrt, das 40 Tage nach Ostern gefeiert wird, ist als Lesung der Beginn der Apostelgeschichte, der von der Himmelfahrt erzählt (1,1–11), vorgesehen, weiters eine Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Ephesus (1,17–23), Passagen aus dem 47. Psalm und der Schluss des Matthäusevangeliums (Mt 28,16–20). weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 17. Mai 2020

6. Sonntag der Osterzeit: Der Geist als Tröster, Fürbitter, Ermutiger …
An den Tagen vor dem Fest Christi Himmelfahrt wird als Evangelium in den Gottesdiensten jeweils eine Passage aus den Abschiedsreden Jesu, wie sie im Johannesevangelium (Kapitel 14–17) überliefert sind, gelesen. Diese ursprünglich auf den Abschied Jesu mit seinem Tod bezogenen Reden erhalten dadurch eine neue Bedeutung: Sie weisen auf die Himmelfahrt Jesu hin, die das Ende der Erscheinungen des Auferstandenen, das Ende seiner Präsenz unter den Schülerinnen und Schülern Jesu, bedeutet. Für den heutigen Sonntag sind folgende Schriftlesungen ausgewählt: eine Passage aus der Apostelgeschichte (8,5–8 und 14–17), ein Abschnitt aus dem 1. Petrusbrief (3,15–18), Teile des Psalms 66 und eben eine Passage aus dem Johannesevangelium (14,15–21). weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 10. Mai 2020
5. Sonntag der Osterzeit: Fragen und Suchen in einem Raum des Vertrauens
Rund um den fünften Sonntag setzt eine markante Änderung in der Auswahl der Evangeliumstexte sowohl für die Sonntage als auch für die Wochentage ein, welche schon auf das Fest Christi Himmelfahrt hindeutet. Als Evangelium werden an diesen Tagen ausschließlich Texte aus den so genannten Abschiedsreden Jesu gelesen, die sich im Johannesevangelium in den Kapiteln 14 bis 16 finden und von einem langen Gebet Jesu in Kapitel 17 abgeschlossen werden. Diese Reden, die nur im Johannesevangelium überliefert sind, hält Jesus bei seinem letzten Mahl nach der Fußwaschung (Kapitel 13), ihnen folgt seine Verhaftung (Kapitel 18). Für den heutigen Sonntag ist neben den beiden Lesungen, die wie so oft in der Osterzeit aus der Apostelgeschichte (Apg 6,1–7) und dem ersten Petrusbrief (1 Petr 2,4–9) stammen, sowie dem Psalm 33 der Beginn der Abschiedsreden als Evangelium vorgesehen (Joh 14,1–12). weiterlesen


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 3. Mai 2020

4. Sonntag der Osterzeit: Jesus als Öffnung und Tür
Die Sonntage vom Weißen Sonntag bis Pfingsten können als eine Wiederaufnahme oder Wiederholung (im positiven Sinn des Wortes) des Ostersonntags verstanden werden, sie greifen das Ostergeschehen immer wieder neu auf. Die Passagen aus den Evangelien, die an diesen Sonntagen gelesen werden, sind entweder Erzählungen von der Begegnung mit dem Auferstandenen, oder aber sie werden durch ihre Auswahl für diese Sonntage zu Ostererzählungen. So verhält es sich auch mit dem heutigen Evangelium (Joh 10,1-10; Lesungen: Apg 2,14.36-41; Psalm 23; 1 Petr 2,20-25), das von Jesus als Tür und Öffnung spricht und durch die Lektüre am heutigen Tag in einen österlichen Horizont gestellt wird ... weiterlesen


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 26. April 2020

Sonntag der Osterzeit: Wagnis und Fragilität der öffentlichen Erklärung des Glaubens
Für den dritten Sonntag der Osterzeit kann aus mehreren Lesungen ausgewählt werden. Vorgesehen sind die folgenden Texte:

die erste Ansprache, in der welcher sich Petrus nach der Erfahrung des Auferstandenen an die Öffentlichkeit Jerusalems wendet (Apostelgeschichte 2,14.22-33)
eine Passage aus dem ersten Petrusbrief (1 Petrus 1,17-21), der sich an die Gemeinden in der Diaspora wendet und aus dem um Ostern herum öfters gelesen wird
eine Passage aus dem 16. Psalm, der in gewisser Weise als der österliche Psalm schlechthin gelten kann
falls der Ostermontag nicht als Feiertag begangen werden kann: die Emmauserzählung, in der zwei Jünger ihren Begleiter erst nach einiger Zeit – und nur für einen Moment – als den Auferstandenen erkennen (Lukas 24,13-35)
erneut eine Erzählung des Johannes (Johannes 21,1-14), in welcher berichtet wird, wie die Jünger erst mit Verzögerung verstehen, dass ihnen Jesus nach zunächst erfolglosem Fischfang begegnet.

Nimmt man all diese Texte zusammen, ergibt sich eine ganz eigentümliche thematische Konstellation, der die folgenden Überlegungen nachspüren wollen. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 19. April 2020
Weißer Sonntag: „Ihn habt ihr nicht gesehen ...

Für den ersten Sonntag nach Ostern, den so genannten „Weißen Sonntag“ – man nennt ihn wohl so, weil in der frühen Kirche die in der Osternacht Getauften ihre weißen Gewänder bis zu diesem Tag anhatten; für den heutigen Sonntag ist eine Lesung aus der Apostelgeschichte vorgesehen, die über das Leben der sich langsam konstituierenden christlichen Gemeinde in Jerusalem berichtet (Apg 2,42-47), eine Lesung aus dem ersten Petrusbrief (1 Petr 1,3-9), Passagen aus dem 118. Psalm und eine der Auferstehungserzählungen aus dem Johannes-Evangelium (Joh 20,19-31). Es gibt eine interessante Parallele zwischen der Passage aus dem Johannes-Evangelium und dem Abschnitt aus dem Petrusbrief, auf die ich im Folgenden eingehen werde. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostermontag, 13. April 2020
Ostermontag: Von den verspäteten Namen und einem Sich-Öffnen
Der Ostermontag ist ein ganz eigenartig verspäteter Feiertag, der aus der Zeit fällt. Einerseits ist er wie alle anderen Tage der Woche nach Ostern (der Osteroktav) eine neuerliche Feier des Ostersonntags, sozusagen dessen Wiederholung – im besten Sinn. Andererseits hat dieser Tag aber doch eine ganz eigene Charakteristik. Mit dem Ostermontag ist vor allem die Erzählung des Weges von zwei Schülern Jesu in ein kleines Dorf mit dem Namen Emmaus verbunden (Lk 24,13-35). Diese Geschichte findet sich nur im Lukasevangelium, und sie nimmt noch einmal in die Zeit vor Ostern, in den Karsamstag zurück – in die Zeit der Ungewissheit, des Nicht-Verstehens, des Wartens. Erzählt wird von zwei Personen, die gemeinsam unterwegs sind. Die Schilderung ihres Weges, der größte Teil der Erzählung, ist eigentlich die Erfahrung des Karsamstags, die dann beim gemeinsamen Mahl im Gasthaus in die Ostererfahrung umschlägt. Der Karsamstag ist in gewisser Weise ein verzögerter, verhaltener, verspäteter – und vor allem leiserer – Ostersonntag. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostersonntag, 12. April 2020
Ostersonntag: Von der Vielfalt der Auferstehungserzählungen
Betrachtet man die vier Evangelien, fallen die Erzählungen von der Auferstehung (Mt 28, Mk 16, Lk 24, Joh 20-21) in einer eigenartigen Weise aus dem Rahmen. Einerseits finden sie sich in allen vier Evangelien, was erwähnenswert ist, zumal es zahlreiche Erzählungen gibt, die nicht in allen Evangelien überliefert sind. Andererseits aber sind die Auferstehungserzählungen in den einzelnen Evangelien völlig unterschiedlich gestaltet. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Osternacht, 11. April 2020
Osternacht: Tag eins und Neuschöpfung

Für die Osternachtfeier ist eine Fülle von Lesungen vorgesehen. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass diese Feier in ihrer Entwicklung in einer ganz engen Beziehung zum Nachtgebet der Klöster, der Vigil, steht. Es handelt sich dabei um eine vor Sonnenaufgang stattfindende Gebetszeit, bei der die Lesung der Heiligen Schrift im Mittelpunkt steht.
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Karfreitag, 10. April 2020
Karfreitag: Eine Erzählung vieler Fragen?
Die Liturgie des Karfreitags sieht mehrere Lesungen vor (Jes.  52,13-53,12; Hebr4,14-16 und 5,7-9; Kor 11,23-26; Teile von Psalm 31 und Joh 18-19), wobei sicherlich die Passionsgeschichte, wie sie der Evangelist Johannes erzählt, im Mittelpunkt steht. Die Passionsgeschichte schildert keinen schicksalhaft vorgegebenen Weg, der unerbittlich auf ein Ende zuläuft. Sie ist keine Erzählung, in der ein blindes Schicksal seinen Lauf nimmt. Wir hören vielmehr eine Erzählung, die durch und durch mit Fragen durchsetzt und sehr fragil ist. Ich weiß nicht, warum in der Lektüre der Erzählung die Schreie „Kreuzige ihn!“ so in den Vordergrund getreten sind. Im Text spielen Fragen eine viel größere Rolle. Rekapitulieren wir die Erzählung noch einmal anhand der Fragen, die in ihr gestellt werden. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Gründonnerstag, 9. April 2020

Gründonnerstag: Jesus als Verkörperung des Bundes Gottes mit den Menschen
Die Liturgie des Gründonnerstags (Lesungen: Ex 12,1-14; 1 Kor 11,23-26; Ps 116,12-18; Joh 13,1-15) lebt von starken Zeichen: der Fußwaschung und den Gaben von Brot und Wein. Diese Zeichen verweisen auf den neuen BundGottes mit den Menschen: „Ebenso [nahm er] auch den Becher nach dem Essen und sagte: Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut: Tut dies, jedes Mal,wenn ihr trinkt, zu meiner Erinnerung.“ (1 Kor 11,25) Was ist mit „neuem Bund“gemeint?
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Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Palmsonntag, 5. April 2020
Palmsonntag als eine Leseerfahrung
Mit dem Palmsonntag ist der Eintritt in die Karwoche vollzogen. Diese Woche ist besonders stark durch lange tradierte und oft regional verschiedene Formen des Brauchtums geprägt, die vielen Menschen sehr wichtig sind: von den Palmzweigen bis zum Schweigen und der Rückkunft der Glocken bis zu den Speisensegnungen. Vieles davon ist momentan nicht möglich. Allerding begleiten nicht nur verschiedene Aspekte des Brauchtums diese Tage, sondern auch zahlreiche Texte aus dem Alten und Neuen Testament. Vom Palmsonntag bis Ostern ist für die Gottesdienste ein weitesPanorama an Texten aus der Heiligen Schrift vorgesehen. Wie bestimmte Bräuche eineStrukturierung dieser Tage geben, so auch die Lesungenaus der Bibel. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Sonntag, 29. März 2020
Von der Vielfältigkeit der Ausdrucksweisen

(5. Sonntag in der Fastenzeit)
Für den heutigen Sonntag sind zwei Lesungen (Ez 37,12-14; Röm 8,8-11), ein Psalm (Ps 130) und ein Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium (Joh 11,1-45) als Schriftlesungen für die Liturgie ausgewählt; Texte, die einen ganz unterschiedlichen Charakter haben, aber doch ein gemeinsames Thema umkreisen: Der tote Körper wird zum Leben erweckt. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Sonntag, 22. März 2020
Von der Frage, was eigentlich die Frage ist (Joh 9,1-41)
Neben den beiden Lesungen, der Erzählung von der Salbung des künftigen Königs David durch Samuel (1 Sam 16,1-13) und einer Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Ephesus (Eph 5,8-14), ist für den heutigen Sonntag eine vom Evangelisten Johannes erzählte Geschichte von der Heilung eines Menschen, der blind geboren wurde (Joh 9,1-41), als Evangelium vorgesehen. Erzählungen von der Heiligung eines Menschen – davon finden sich viele in den Evangelien – müssten in diesen Tagen, wo uns die Nachrichten von immer weiter steigenden Zahlen von Erkrankungen betrübt machen, so erzählt werden, dass sie uns ein wenig Hoffnung schenken. Dass dies jedoch unglaublich schwierig ist, weiß schon der Evangelist Johannes. Seine Erzählung der Heilung eines Menschen, der von Geburt an blind war, dreht sich nicht zuletzt um diese Schwierigkeit. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Sonntag, 15. März 2020

Für die Liturgie des heutigen Sonntags ist neben Abschnitten aus dem Buch Exodus (Ex 17,3-7) und dem Johannes-Evangelium (Joh 4,5-42) ein Text aus jenem Brief vorgesehen, den der Apostel Paulus an die Gemeinde von Rom geschrieben hat (Röm 5,1-8). Diese Gemeinde war Paulus zum Zeitpunkt der Niederschrift persönlich nicht bekannt, direkter Kontakt zu ihr war ihm nicht möglich. Der Apostel kann jedoch mit einem Brief die Distanz zur Gemeinde überbrücken. Überbracht hat diesen Brief im Übrigen eine Frau namens Phöbe. Wer in der Antike einen Brief überbrachte, musste auch dessen Inhalt auslegen können. Offensichtlich war Phöbe eine von Paulus und den frühen christlichen Gemeinden anerkannte Theologin von hoher Wertschätzung. weiterlesen ...