Stift Melk - UNESCO-Welterbe
  • Stift Melk >
  • Kloster >
  • Liturgie >
  • Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag

Gedanken zu den Schriftlesungen zum Tag von Prior P. Jakob Deibl

Diese Seite drucken

 

Die Gedanken, die wir, die Gemeinschaft der Benediktiner von Melk, an dieser Stelle mit Ihnen teilen wollen, beziehen sich auf die biblischen Texte, die für die Liturgie des jeweiligen Tages vorgesehen sind.

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 25. September 2022
Vom vergangenen Sonntag zum heutigen Sonntag

Seit dem letzten Sonntag haben sich die biblischen Bücher, denen die Lesungstexte entnommen sind, nicht geändert: Wieder hören wir eine Lesung aus dem Buch des Propheten Amos (6,1.4–7), einige Verse aus einem Psalm, diesmal ist es der 146. Psalms, eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus (bzw. von jemandem aus seiner Schule) an Timotheus (6,11–16) und eine Perikope aus dem Lukasevangelium (16,19–31). Welche Entwicklung zeigt sich in den Texten vom letzten Sonntag zum heutigen?
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 18. September 2022
Eine alternative Lektüre
An den Sonntagen im Jahreskreis sind die Lesung, welche dem Alten (oder Ersten) Testament entnommen ist, und das Evangelium sehr genau aufeinander abgestimmt, während der Zusammenhang mit der zweiten, der neutestamentlichen Lesung, meist wesentlich loser ist. Am heutigen Sonntag interagieren zwar die erste Lesung – sie ist aus dem Buch des sozialkritischen Propheten Amos (Amos 8,4–7) – und die Perikope aus dem Lukasevangelium (16,1–13) sehr gut miteinander, können das Verständnis aber auch in eine bestimmte Richtung lenken und andere Interpretationen in den Hintergrund treten lassen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 11. September 2022
Eine Botschaft, die Vorsicht verlangt

Die für den jeweiligen Sonntag vorgesehenen Lesungstexte – eine Perikope aus den Evangelien, zwei Lesungen, ein Psalm – können als einzelne Texte interpretiert werden, erhalten aber durch ihre Zusammenstellung darüber hinaus auch neue Nuancen der Bedeutung. Welcher Bedeutungsraum ergibt sich, wenn man sie als zusammengehörend liest? Die Texte des heutigen Sonntags lassen ein gemeinsames Moment deutlich hervortreten: das Überschreiten jedes kalkulierbaren Maßes. Was ist damit gemeint? Gehen wir der Reihe nach vor. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 3. September 2022
Eine widersprüchliche Perikope und die Wandlung von Bedeutungen

Das Evangelium vom heutigen Sonntag (Lukasevangelium 14,25–33) schildert zwei Klugheitsregeln, die keinen spezifisch religiösen Charakter haben (14,28–32): Bevor man mit einer größeren Aktion beginnt, solle man sich gut überlegen, ob man über die Mittel verfügt, sie auch gut zu Ende bringen zu können. Sonst drohen einem Spott oder gar herbe Verluste. Jesus bringt dafür zwei Beispiele: den Bau eines Turms und den kriegerischen Feldzug. Die Bilder sind leicht verständlich und haben nichts mit Religion zu tun. Jesus greift auch an anderen Orten immer wieder Versatzstücke aus der Weisheitsliteratur und Klugheitsregeln seiner Zeit auf und nimmt sie in seine Predigt mit auf. Nicht alles, was er sagt, hat religiösen Charakter.
weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 28. August 2022
Die Bibel als eine Wahrnehmungsschule?

Die Bibel ist insgesamt ein sehr heterogenes Buch. Es gibt viele Themen und Fragen, zu denen man sehr unterschiedliche Auskünfte darin finden wird, liest man nur lange genug. Wir können keine einheitliche Haltung ohne Widersprüche und Ambivalenzen unmittelbar aus ihr ableiten. Immer braucht es auch die eigene Interpretation und die eigene Verantwortung, eine bestimmte Deutung zu wählen. Und es braucht die Bereitschaft, diese Deutung gegebenenfalls auch wieder zu revidieren. Zu vielen Fragen gibt es also sehr unterschiedliche Aussagen in der Bibel – mit dem Evangelium des heutigen Sonntags (Lukas 14,1.7–14) berühren wir jedoch eine Frage, in der mir die Bibel durchwegs sehr klar zu sein scheint. Es geht um die Frage von Darstellung und Repräsentation. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 21. August 2022
Dynamik der Öffnung

Das Evangelium vom heutigen Sonntag, eine Perikope aus dem Lukasevangelium (13,22–30), hat eine unglaubliche Dynamik. Ich schlage vor, es ausgehend davon zu betrachten und dann auch die anderen Lesungstexte einzubeziehen. Die kurze Szene beginnt damit, dass eine nicht näher genannte Person („irgendwer“, „einer“) Jesus in aller Kürze eine nicht unwichtige Frage stellt – kürzer könnte die Frage nicht formuliert sein: „ob die Geretteten wenige [sind]?“ (13,23) Halten wir fest, dass der Fragende nicht lange herumredet. Er kommt sofort zum Punkt. Jesus hingegen braucht für seine Antwort länger. Er antwortet weder mit „Ja“ noch mit „Nein“, er weist die Frage auch nicht zurück. Seine Antwort enthält vielmehr eine Dynamik, die sich entfalten muss. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Fest der Aufnahme Marias in den Himmel, Montag, 15. August 2022 
Verschiedene Formen der Annäherung an eine Frage

Maria, die Mutter Jesu, spielt in einigen Texten des Neuen Testaments eine wichtige Rolle, in anderen kommt sie gar nicht vor. Einige Erzählungen über sie finden sich im Lukasevangelium, dem auch die heutige Evangeliumsperikope entnommen ist: der Besuch der schwangeren Maria bei ihrer ebenfalls schwangeren Verwandten Elisabeth (Lk 1,39–56). In diesem Zusammenhang steht auch Marias berühmtes Lied, das so genannte Magnifikat, welches erstmals im Haus der Elisabeth und bis heute täglich beim Abendgebet der Kirche gesungen wird. Vom Tod Marias oder ihrer Aufnahme in den Himmel (ihrer Himmelfahrt) erfahren wir biblisch jedoch nichts. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 14. August 2022
Von der zerstörerischen Spaltung zur klaren Unterscheidung

Die erste Lesung aus dem Buch Jeremia (38,4–10), der für heute vorgesehene Abschnitt aus dem 40. Psalm und die Perikope aus dem Lukasevangelium (12,49–53) sind ein schönes Beispiel, wie Lesungstexte einander gegenseitig interpretieren – und in einem gewissen Maße auch korrigieren können.

Würden wir das heutige Evangelium aus seinem Zusammenhang gerissen lesen und ohne die genannten Texte, die ihm zur Seite stehen, betrachten, ergäbe sich wohl ein düsteres Bild:

Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Spaltung leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

 weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 7. August 2022
Von der Neukonfiguration der biblischen Geschichte

Am heutigen Sonntag hören wir eine Lesung aus dem Brief an die Hebräer (11,1f.8–19). Die Passage ist einem langen Rückblick auf die Geschichte Israels entnommen. Der Autor blickt zurück auf die biblische Geschichte und gibt wichtige Stationen dieser in geraffter Weise wieder: Beginnend bei der Erschaffung der Welt nennt der Autor Abel, Henoch, Noach, Abraham und Sarah, Isaak, Jakob und Esau, Josef und seine Söhne sowie Mose und die Erzählung des Auszugs aus Ägypten und den Einzug ins gelobte Land. Wir hören heute vor allem den Abschnitt, der Abraham und Sarah betrifft:

Durch den Glauben gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde. Durch den Glauben siedelte er im verheißenen Land wie in der Fremde und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat. Durch den Glauben empfing selbst Sara, die unfruchtbar war, die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt den für treu, der die Verheißung gegeben hatte. (Hebr 11,8–11)

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 31. Juli 2022
Die Exposition eines Problems und die Varianten seiner Durchführung
In jedem Gottesdienst werden wir durch mehrere biblische Text hindurchgeführt. Heute sind es eine Lesung aus dem Buch des biblischen Skeptikers Kohelet (1,2; 2,21–23), Teile des 90. Psalms, eine Lesung aus einem Brief eines Paulusschülers, den dieser an die Gemeinde von Kolossä adressiert hat (3,1–5.9–11), und eine Perikope aus dem Evangelium von Lukas, dem großen Erzähler des Neuen Testaments (12,13–21). In der Zusammenstellung der Texte sind nicht selten thematische Ähnlichkeiten leitend – meist zeigen sich diese in der ersten Lesung, dem Psalm und dem Evangelium, wohingegen die zweite Lesung einen davon abweichenden eigenen Charakter hat. Heute hingegen kann eine motivliche Nähe in allen vier Texten gefunden werden. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 24. Juli 2022
Fürbitte als grundlegende Dimension des Glaubens

Betrachtet man die heutigen Lesungen, zeigen sich zwei unterschiedliche Motive: einerseits Bitte und Danke, andererseits das Kreuz. Bitte und Dank sind in Erzählungen bzw. Anweisungen eingebettet und finden sich im Buch Genesis (18,20–32), dem 138. Psalm und dem Lukasevangelium (11,1–13), das Kreuz nimmt den Stellenwert einer Metapher an und wird im Brief an die Gemeinde von Kolossä (1,12–14) zum Thema.
Die Passage aus dem Buch Genesis stellt uns Abraham als Fürbitter bei Gott für die Menschen vor. Gott kündigt an, er werde Sodom und Gomorra – jene Städte, die biblisch als Inbegriff des Bösen gelten – vernichten, doch Abraham legt wiederholt Bitte für die Menschen dieser Städte ein: Wenn sich nur zehn Gerechte darin fänden, könne Gott sie doch nicht vernichten.
weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 17. Juli 2022
Zu Gast: zwischen Singular und Plural

Drei der vier für den heutigen Sonntag vorgesehenen Lesungstexte haben unmittelbar mit dem Motiv der Gastfreundschaft zu tun, wenngleich sie dieses in sehr unterschiedlichen Kontexten darstellen (Genesis 18,1–10; Psalm 15, Lukasevangelium 10,38–42); die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus (oder eher eines seiner Schüler) an die Gemeinde von Kolossä (1,14–28) ist eine motivlich davon unterschiedene Stelle mit ganz eigenem Gewicht.

Aber auch die drei Passagen, die von der Gastfreundschaft handeln, haben alle ihr eigenes Gepräge und eigenes Gewicht und wollen in dieser Weise auch ernst genommen werden. Wir können sie nicht einer noch über allen drei Stellen stehenden Ordnung – z.B.: „Gastfreundschaft in der Bibel“ – einreihen, der sie sich fügen müssten, wobei sich dann vermutlich zeigen würde, dass manche Texte dieser Ordnung besser entsprechen, andere weniger. Mittlerweile hat man sich auch davon gelöst, alle Lesungstexte eines Gottesdienstes nur auf das Evangelium hin zu zentrieren und ihnen ihr Eigenrecht dadurch zu nehmen. Wir begegnen also einer pluralen Annäherung an das eine Motiv der Gastfreundschaft. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 10. Juli 2022
Über das menschenfreundliche Gesetz und eine interessante Auslegung bei Paulus

Blickt man auf die erste Lesung des heutigen Tages, können wir einen wichtigen Aspekt, der christlichem Verständnis nicht unmittelbar einleuchtend ist, lernen: Das Gesetz ist für Israel, das von Gott erwählte Volk, Grund zur Freude und höchste Auszeichnung. Es ist nicht Last oder Einengung, sondern Ehre. Wunderschön kommt das in der Lesung aus dem Buch Deuteronomium (30,9–14) zum Ausdruck.

Die Passage, die wir heute hören, befindet sich am Ende des Buches Deuteronomium, d.h. am Ende der Thora, der fünf Bücher Mose, des von Gott gegebenen Gesetzes. Das Buch Deuteronomium, das ein Ausdruck höchster theologischer Reflexion ist, umspannt den letzten Tag des Lebens Mose. Es kann auch als sein Testament an das Volk Israel, das sich im Rahmen des Auszugs aus Ägypten bildet, angesehen werden. Unmittelbar danach erfolgt der Übergang über den Jordan und beginnt der Einzug ins verheißene Land. Der Lesungstext des heutigen Sonntags befindet sich mithin an einer neuralgischen Stelle: am Ende des Lebens Mose, des größten Propheten, und am Ausgang der Thora – dort, wo sie die Menschen in die Freiheit und Verantwortung der Gestaltung der Gesellschaft entlässt. Genau an diesem Ausgangstor findet sich eine Reflexion über die Würde des Gesetzes, die mit den Worten eingeleitet wird: „Der Herr wird dir Gutes tun.“ (Dtn 30,9). Dies ist das Vorzeichen, unter dem der gesamte folgende Text zu lesen ist:

Denn du hörst auf die Stimme des HERRN, deines Gottes, und bewahrst seine Gebote und Satzungen, die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind, und kehrst zum HERRN, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurück. (Dtn 30,10)
weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 2. Juli 2022
Paulus spricht vom Kreuz und von neuer Schöpfung

Paulus nimmt in jener Passage aus seinem Brief an die Gemeinden von Galatien (6,14–18), die wir heute hören, einen zentralen Gedanken des werdenden Christentums auf und spitzt ihn zu: Unter den Menschen, die Jesus nachgefolgt waren, setzte sich die Überzeugung durch, dass das Kreuz, das eigentlich für den Tod steht, durch Gottes Treue zu Christus (und letztlich zur ganzen Schöpfung) in etwas Heilvolles verkehrt wird. Paulus arbeitet dieses Motiv, das im Glauben der Menschen präsent war und in den Evangelien erzählerisch dargestellt wird, nun gedanklich aus. Er erzählt nicht die Geschichte von Tod und Auferstehung Jesu, sondern reflektiert, was sie bedeutet. Das Symbol des Todes wird zu einem heilbringenden Zeichen:
Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. (Gal 6,14) weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 26. Juni 2022
Jesus blickt nach vorne und wendet sich doch zurück
Das Evangelium des heutigen Sonntags (Lukasevangelium 9,51–62) verbindet zwei Erzählungen, die nichts miteinander zu tun haben scheinen. Vielleicht können wir jedoch einen Punkt finden, der uns einen Zusammenhang sehen lässt.
Jesus beschließt, nach Jerusalem zu gehen. Einige aus seiner Gruppe – „Boten“, auf Griechisch „angeloi“, d.h. Engel – gehen voran, werden aber mit einer Situation der Ungastlichkeit konfrontiert: In einem nicht näher genannten Dorf wird ihnen die Aufnahme verweigert. Zwei Schüler Jesu, Jakobus und Johannes, haben die Idee, man könne Feuer vom Himmel herabrufen, das die ungastlichen Dorfbewohner vernichten möge. Jesus jedoch wendet sich um und tadelt die beiden Jünger. Sie gehen weiter in ein anderes Dorf. Damit ist klar, dass es aus christlicher Sicht keine Gewaltmaßnahen als Vergeltung geben darf.
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 19. Juni 2022
Der Geist des Mitleids

Nach dem Pfingstfest wurden der Dreifaltigkeitssonntag und das Fronleichnamsfest gefeiert, was eine Ansammlung ziemlich bedeutender Feste in kurzer Zeit darstellt: Zunächst steht der verbindende Geist des Pfingstfestes im Mittelpunkt, der es ermöglicht, dass Menschen sich über die Grenzen verschiedener Sprachen hinweg verstehen: Hier rückt also das Verstehen ins Zentrum. Am Sonntag darauf wendet sich der Blick in besonderer Weise der Dreifaltigkeit zu, die nun allerdings sehr schwer zu verstehen ist. Es wird jedoch auch danach nicht viel einfacher. Zu Fronleichnam steht im Mittelpunkt, was ohnehin die Mitte jeder Messe ist: Der paradoxe Gedanke, dass Brot und Wein zu Leib und Blut Christi werden, obwohl man an ihnen keine Veränderung sieht. So viele große Feste mit so wichtigen, aber so schwierigen Inhalten, die in diesen zehn Tagen in geballter Weise auf uns eintreffen! Worum kann es da an einem Sonntag im Jahreskreis, wie es der heutige ist, überhaupt noch gehen? Halten wir uns an die Lesungstexte. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Fronleichnam, 16. Juni 2022
Mahl der Einheit mit pluralem Hintergrund

Das Fronleichnamsfest ist ein etwas eigenartiges Fest. Es stellt im Rahmen einer Eucharistiefeier in den Mittelpunkt, was eigentlich jede Eucharistiefeier ohnehin ist – eine Mahlfeier mit den Gaben von Brot und Wein, die am Rahmen dieser Feier, folgt man der christlichen Überzeugung, in Leib und Blut Christi verwandelt werden. In diesen Gaben ist Christus selbst in der feiernden Gemeinde präsent. Das feiern wir in jeder Eucharistie. Das feiern wir zu Fronleichnam – freilich mit besonderer Feierlichkeit und viel an Brauchtum.

Man kann sich als glaubender Mensch ganz auf das Fronleichnamsfest einlassen, im Gehen an der Prozession teilnehmen, den Duft der Birken riechen, die meist am Wegrand oder in der Kirche aufgestellt sind, die Prozessionslieder mitsingen und schließlich die Eucharistie in der Gestalt des Brotes schmecken. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Dreifaltigkeitssonntag,12. Juni 2022
Im Namen des Vaters, durch den Sohn, im Heiligen Geist …

Der Sonntag nach Pfingsten wird Dreifaltigkeitssonntag genannt. Von der Dreifaltigkeit heißt es meistens, sie schwer zu begreifen, sie sei schwer vorstellbar. Dabei scheint es Menschen, die dem christlichen Glauben angehören, ähnlich zu gehen wie Menschen, die eine andere oder keine Religion haben. Allenfalls finde man Bilder, die die Trinität verdeutlichen sollten, diese funktionieren dann aber doch wieder nicht und verwirren vielleicht sogar mehr. Mich erstaunt manchmal, dass man bei der Frage, was denn Dreifaltigkeit meine, kaum auf die biblischen Texte zurückgreift. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Pfingstsonntag,5. Juni 2022
Pfingsten und der schöpferische Geist

Die Texte für die Liturgie am Pfingstsonntag sehen zu Beginn die klassische Pfingsterzählung vor, die sich in der Apostelgeschichte findet (Apg 2,1–11). Die Anhänger Jesu, die sich nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt langsam wieder fanden, waren alle an einem Ort zusammen und machen dabei eine Erfahrung der Öffnung. Sie gingen hinaus und begannen in einer Weise zu sprechen, die etwas Verbindendes hatte: Menschen unterschiedlicher Sprachen konnten sie – über die Grenzen der Sprache hinweg – verstehen. Freilich ist auch dieses Geschehen nicht eindeutig, kein klarer Beweise für Gott und kann unterschiedlich interpretiert werden, wie die Reaktionen zeigen. Der Schluss der Stelle, der im Gottesdienst zu Pfingsten meist nicht mehr gelesen wird, lautet: „Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.“ (Apg 2,12f) Dies weist uns auf eine tieferliegende Schwierigkeit: Tatsächlich gibt es weder in den Heiligen Schriften Israels noch in den Schriften des Neuen Testaments eine eindeutige Lehre vom Heiligen Geist und seinem Wirken. Folgen wir darum den liturgischen Texten des heutigen Sonntags und fragen, wie sie uns helfen können, mit der Ratlosigkeit am Ende der geschilderten Szene umzugehen. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 29. Mai 2022
Die Osterzeit als Komposition aus Texten

Der siebente Sonntag der Osterzeit fällt zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Die für diesen Tag ausgewählten Schrifttexte weisen genau in dieses Umfeld: Jesus geht zum Vater, lässt seine Schülerinnen und Schüler aber nicht alleine zurück, sondern verheißt ihnen den Geist Gottes, der ihnen helfen wird, ein eigenständiges Leben in Freiheit zu gestalten. Dies kulminiert im Pfingstfest, das am kommenden Sonntag gefeiert wird, ist aber bereits seit längerem vorbereitet – durch Texte, die uns begleiten. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Donnerstag, 26. Mai 2022 | Christi Himmelfahrt
Wieder Schritte auf dem Weg in die Freiheit

Das Fest Himmelfahrt Christi trägt einen sonderbaren Namen, der auf eine eigenartige Vorstellung verweist: die Auffahrt des Auferstandenen in den Himmel. Allerdings handelt es sich bei diesem Fest wie bei kaum einem anderen um ein Fest der Freiheit und des Weges in die Selbstständigkeit: Die Schülerinnen und Schüler Jesu müssen sich von der unmittelbaren Präsenz Jesu lösen und Selbstständigkeit erlangen. In der Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir (Apg 1,1–11):

Als er [Jesus] das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. (Apg 1,9–11)

 weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 22. Mai 2022
Weitere Schritte auf dem Weg in die Freiheit

Letzten Sonntag haben wir versucht, die Texte der Liturgie auf die Frage hin zu lesen, inwiefern sie erste Schritte eines Weges in die Freiheit widerspiegeln – Schritte in die Freiheit, welche die frühen christlichen Gemeinden gehen mussten, als Jesus nicht mehr unter ihnen war. Versuchen wir, diesen Lektüreschlüssel auch auf die Texte des heutigen sechsten Sonntags der Osterzeit anzuwenden. Freilich wäre auch ein anderer Blick auf die Texte möglich – dieser spezifische Blick aber ergibt sich aufgrund der Nähe zu Christi Himmelfahrt (der auferstandene Christus wird den Augen entzogen) und zu Pfingsten (die Schülerinnen und Schüler Jesu werden mit dem Geist der Freiheit begabt). weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 15. Mai 2022
Erste Schritte auf dem Weg in die Freiheit des Geistes

Die Auswahl des Evangeliums für den heutigen fünften Sonntag der Osterzeit (Johannesevangelium 13,31–35) wirkt zunächst sonderbar. Wir hören den Beginn der ausführlichen Abschiedsreden Jesu, die sich nur im Johannesevangelium finden und dort nach einem längeren Gebet Jesu in die Passionserzählung münden. Warum hören wir in der Osterzeit davon – und zwar heute und am kommenden Sonntag? Antwort: Die Abschiedsreden Jesu leiten uns als Leserinnen und Leser nicht nur auf den Abschied Jesu in seinem Tod, sondern auch auf den Abschied von Jesus als dem Auferstandenen hin. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 8. Mai 2022
Die Gemeinschaft als Adressatin der Botschaft

Der vierte Sonntag der Osterzeit zeigt uns eines sehr deutlich: So sehr die Botschaft Jesu eine Botschaft ist, die jede und jeden einzelnen von uns in je individueller und persönlicher Weise ansprechen möchte, sie ist immer auch eine Botschaft, die sich an viele, an eine Gemeinschaft, eine Gesellschaft richtet. Betrachten wir die Texte des heutigen Sonntags unter diesem Gesichtspunkt, d.h. ausgehend von der Frage, inwiefern sie sich an viele richten, inwiefern sie einen allgemeinen Horizont haben.
Beginnen wir mit dem Evangelium (Johannes 7,27–30). Jesus stellt sich darin als guter Hirt vor: „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.“ Er wendet sich nicht an die einzelne Seele oder eine konkrete Person, wie er dies bei anderen Gelegenheiten durchaus tut, sondern ist der Hirt der Schafe (im Plural). Ein Hirt hat immer mehrere Schafe. Zwar geht er dem einzelnen verlorenen Schaf nach, wenn dieses spezielle Hilfe braucht, an dieser Stelle ist die Bezugsgröße jedoch die Gruppe. Gehen wir von hier aus weiter zu den beiden Lesungen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 1. Mai 2022
Post Skriptum: Text(e) nach dem Text

Das Evangelium des heutigen dritten Sonntags der Osterzeit (Johannes 21,1–19) fällt zuallererst durch seinen sonderbaren Ort auf. Eigentlich fällt es aus dem Buch, dem Johannesevangelium, heraus. Der Text war nach der Offenbarung des Auferstandenen an den gläubigen Thomas, der in seinem Glauben das höchste Bekenntnis zu Jesus spricht („Mein Herr und mein Gott“) schon zu Ende. Es gibt eine klare Schlussformel, die den Text begrenzt:
Viele nun auch andere Zeichen tat Jesus vor den Schülern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christos ist, der Sohn Gottes, und damit ihr als Glaubende Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30f)
weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag,24. April 2022
Weißer Sonntag: Die Kürze der Auferstehungsbotschaft leitet uns sofort weiter zur Gabe des Geistes …

Die Lesung aus der Apostelgeschichte (5,12–16) erzählt uns am heutigen Sonntag von einem raschen Wachstum der Zahl derer, die an den Herrn glaubten. Folgen wir der Logik des Textes, befinden wir uns in der ganz frühen Phase der Verkündigung, bald nach dem Pfingstfest: „Mehr an den Herrn Glaubende aber wurden hinzugefügt, Mengen von Männern und Frauen.“ (Apg 5,14) Die Nennung von Männern und Frauen findet sich bereits im griechischen Text – und zwar ohne hier irgendeinen Unterschied zu machen. Die Nennung der Männer und Frauen klingt nach, wenn wir nach der Lesung im 118. Psalm beten:
So sollen sagen, die den HERRN fürchten:
Denn seine Huld währt ewig.“ (Psalm 118,4)
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostermontag,17. April 2022
Ostermontag: „Wege zum Leben“

Analog zum Ostersonntag ist die erste Lesung des heutigen Feiertages einer Rede des Petrus entnommen, wie sie in der Apostelgeschichte (22,14.22–32) nachzulesen ist. Gestern hörten wir die Rede, die Petrus im Haus des Hauptmanns Kornelius, heute jene Rede, die er zu Pfingsten hält. Beide Reden, die das Leben Jesu kurz zusammenfassen, stehen im Kontext der Gabe des Heiligen Geistes, der zu Pfingsten (heutige Lesung) auf die Gemeinde in Jerusalem, im Falle des Kornelius (gestrige Lesung) auf das Haus eines nicht-jüdischen Hauptmanns herabkommt. In beiden Fällen gilt: Die Verkündigung der Auferstehung Jesu ist eng mit der Gabe des Geistes verbunden. In dieser vollendet sich, worauf schon der Philosoph Hegel hingewiesen hat, erst die Auferstehung. Es geht dabei also nicht um die phantastische Erweckung eines Toten, der dann wieder lebt, sondern um die Erfüllung mit dem lebensspendenden Geist: Glaube an die Auferstehung ist nur im Geist möglich – dieser Geist aber ist es, der lebendig macht, was tot ist: Menschliche Geschichte, das Leben der Schöpfung, das Sein der Wirklichkeit – all das lässt sich, wenn vom Geist erfüllt, nicht auf den Tod reduzieren. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostersonntag,16. April 2022
Ostersonntag: „… denn Gott war mit ihm“

Für den Ostersonntag ist eine Auswahl an mehreren möglichen Schriftstellen vorgesehen: eine Passage aus der Apostelgeschichte (10,34.37–43), einige Verse aus dem 118. Psalm, eine Lesung aus dem Brief an die Gemeinde von Kolossä (3,1–4) oder eine aus dem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth (5,6–8), ein Auferstehungsevangelium, wie es Johannes verkündet (20,1–18), oder noch einmal das Evangelium der Osternacht von Lukas (24,1–12) oder aber die unmittelbar darauffolgende Erzählung (24,13–35).

Die Lesung aus der Apostelgeschichte ist einer Rede des Petrus entnommen, in welcher er das Leben Jesu kurz zusammenfasst – von der Verkündigung Johannes des Täufers bis zur Auferstehung und der Aussendung der Schülerinnen und Schüler Jesu. Die Apostelgeschichte bietet in der Gestalt von Reden immer wieder solche Zusammenfassungen des Lebens Jesu und der Geschichte Israels – Reden, die sich inhaltlich durchaus überschneiden und wiederholen; Reden, die von unterschiedlichen Personen gehalten werden: von Petrus, Stephanus und Paulus. Die Apostelgeschichte versteht diese Reden als „Worte des Lebens“ (Apg 5,20). weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Osternacht,16. April 2022
Osternacht: … aus der Tiefe des Morgens

Die Osternacht sieht in der Liturgie mehr Lesungen als alle anderen Tage des Jahres vor: sieben Lesungen aus dem Alten Testament und eine aus dem Neuen Testament und dazu jeweils einen liedartigen Text, meist aus den Psalmen, sowie das österliche Evangelium, wie es Lukas verkündet (Lk 24,1–12).

Ich möchte im Folgenden den Blick auf ein kleines Detail, ganz am Beginn des Osterevangeliums lenken. Lukas, der großartige Erzähler unter den Evangelisten, hat den Anfang der Auferstehungserzählungen auf eine wunderbare Weise komponiert. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Karfreitag,15. April 2022
Sieh da – welcher Mensch?

Am Karfreitag wird die Leidensgeschichte Jesu in der Version gelesen, die der Evangelist Johannes erzählt (Joh 18,1–19,42). An einer neuralgischen Stelle des Textes findet sich ein Wort, das zum immer wiederkehrenden Zitat geworden ist – und zwar eigenartigerweise in der lateinischen Übersetzung: „ecco homo“ – „Siehe, der Mensch“ (19,6). Das Wort fällt, während sich Jesus bei Pilatus befindet. Er wird mit einer Dornenkrone gekrönt, und ein Purpurmantel wird ihm umgelegt. Danach kommt Jesus aus dem Amtsgebäude wieder hinaus ins Freie. Er ist Subjekt des Satzes, der dies beschreibt: „Jesus kam also heraus, tragend die Dornenkrone und den Purpurmantel.“ (19,5) Danach heißt es weiter: „Und er sagte ihnen: Siehe, der Mensch.“ (19,6) Der griechische Text verrät keinen Wechsel des Subjektes.
Jesus bleibt, auch in dieser Situation der Schmähung, noch immer Subjekt der Situation, und er spricht. Die deutschen Übersetzungen, die mir bekannt sind, nehmen Jesus diese Subjektivität und setzen an dieser Stelle Pilatus ein, obwohl das Wort im Text nicht vorkommt: „Und Pilatus sagt ihnen: Siehe, der Mensch.“ weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Gründonnerstag,14. April 2022
Gründonnerstag: die integrative Kraft des gemeinsamen Mahls

Am Gründonnerstag steht ein Mahl im Mittelpunkt des liturgischen Geschehens, das Jesus mit seinem Schülerkreis gefeiert hat. Die Mahlszene ist dabei fähig, verschiedene Elemente zu umfassen und in sich aufzunehmen.
Zum einen handelt es sich um die Feier eines Pessachmahles, eines hohen jüdischen Feiertages, bei dem des Auszugs Israels aus Ägypten gedacht wird. Den Hintergrund der Feier dieses Gedächtnisses in der Gestalt eines Mahls bildet das letzte Mahl des Volkes Israel vor dem Aufbruch. Wir hören davon heute in der ersten Lesung (Ex 12,1–8.11–14). Gemeinsam wird hastig ein Lamm mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern gegessen. Dieses Mahl soll künftig als Erinnerung an die erfahrene Rettung durch Gott gehalten werden, in ihm wird jedes Jahr das gesamte Geschehen des Auszugs aus Ägypten wieder lebendig: „Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest für den HERRN! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!“ (Ex 12,14) Dieses Mahl feiert nun auch Jesus, und es wird künftig für seinen Schülerkreis auch zum Erinnerungsmahl an sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Palmsonntag, 10. April 2022 
Wie das Zusammenspie der Texte dem Fest eine kühne Richtung gibt …

Der Palmsonntag, der den Beginn der Karwoche darstellt, markiert, wie das immer wieder gesagt wird, tatsächlich einen Umschwung in der Stimmung. Worin aber besteht dieser Übergang genau? Wir können im Folgenden die vielen für den heutigen Sonntag vorgesehenen Schriftstellen nicht alle auslegen: eine Perikope aus dem Lukasevangelium, gelesen vor der Prozession mit den Palmzweigen in die Kirche (Lk 19,28–40), sodann eine Lesung aus dem Buche Jesaja (50,4–7), Teile des 22. Psalms, eine Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi (2,6–11) sowie die Passionserzählung aus dem Lukasevangelium (22,14–23,56). Es wird vielmehr darum gehen, genauer zu bestimmen, worin der Umschwung liegt, den die biblischen Stellen des Palmsonntags anzeigen. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 5. Fastensonntag, 3. April 2022 
Neue Sprache, neue Möglichkeiten

Immer stärker habe ich den Eindruck, der Zusammenhang der Schrifttexte, die beim Gottesdienst gelesen werden, kann vom ausgewählten Psalm her verstanden werden. Der erste Teil des 126. Psalms, den wir heute beten, lautet:

1Als der Herr das Geschick Zions wendete, *
da waren wir wie Träumende.
2Da füllte sich unser Mund mit Lachen *
und unsere Zunge mit Jubel.
Da sagte man unter den Völkern: *
Groß hat der Herr an ihnen gehandelt!
3Ja, groß hat der Herr an uns gehandelt. *
Da waren wir voll Freude.

weiterleiten ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 4. Fastensonntag, 27. März 2022 
Unterschiedliche Formen der Freude

Der vierte Fastensonntag wird traditionell als Sonntag Laetare bezeichnet, als Sonntag der Freude. Diese Bezeichnung hat einen wichtigen Angelpunkt in einem Vers aus dem Buch Jesaja, der den Gottesdienst eröffnet: „Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt.“ (Jes 66,10) Was Jerusalem betrifft, hat mit allen Menschen zu tun. In der Bibel bzw. dem TeNaCh gilt Jerusalem als die allen Menschen gemeinsame Mitte der Welt: So heißt es im 87. Psalm über Zion, den Berg, auf dem sich Jerusalem befindet: „Ja, über Zion wird man sagen: / Ein jeder ist in ihr geboren.“ (Ps 87,5) Es geht mithin um eine Freude, die allen Menschen zugesprochen wird und alle umfassen soll. Wie gestalten die für heute vorgesehenen biblischen Texte – eine Lesung aus dem Josua (5,9–12), Teile des 34. Psalms, eine Lesung aus dem Zweiten Brief an die Gemeinde von Korinth (5,17–21), eine Perikope aus dem Lukasevangelium (15,1–3.11–32) – diese Freude?
weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 3. Fastensonntag, 20. März 2022 
Eine Erfahrung Moses als Gravitationszentrum der Heiligen Schriften

Am heutigen dritten Fastensonntag erweist sich meines Erachtens die erste Lesung, die dem Buch Exodus entnommen ist (3,1–8.13–15), als ein Gravitationszentrum, um das sich die anderen Lesungstexte bewegen. Es handelt sich um eine zentrale Erzählung der Thora (der fünf Bücher Mose), von der man durchaus sagen könnte, alle anderen Texte der jüdischen und christlichen Heiligen Schrift sind Interpretationen dieser Stelle. Es ist mir bewusst, dass solche Aussagen problematisch sind, wenn man sie absolut versteht: Natürlich können wir auch andere Zentren der Heiligen Schrift identifizieren und können wir alle anderen Texte auch in ihrer Eigenständigkeit lesen. Ich möchte lediglich sagen, dass ich es für möglich halte, diesen Text ganz ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen und alle anderen Texte auf ihn zu beziehen – in der Heiligen Schrift allgemein, am heutigen Sonntag im Besonderen. Ich möchte Sie einladen, diese Vorannahme für die nächsten Minuten zu akzeptieren und zu schauen, ob sie eine sinnvolle Lektüre der Texte des heutigen Sonntags zulässt. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 2. Fastensonntag, 12. März 2022 
Bund – Gespräch – Verwandlung des Körpers

Die Lesungstexte des heutigen Sonntags sind entnommen dem Buch Genesis (15,5–12.17f), dem 27. Psalm, dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi (3,17–4,1) und dem Lukasevangelium (9,28–36). Damit werden in der Liturgie vier sehr starke Texte mit großem Eigengewicht zusammengeführt, von denen jeder unsere volle Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte. Beginnen wir damit, jeweils einen zentralen Satz der Texte zu zitieren. Im Buch Genesis heißt es: „An diesem Tag schloss der HERR mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land“ (Gen 15,18). Im Psalm hören wir die Worte:

Der HERR ist mein Licht und mein Heil:
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens:
Vor wem sollte mir bangen? (Ps 27,1)

 weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Fastensonntag, 6. März 2022 
Ambivalenzen, die unsere Interpretation verlangen

Der für heute vorgesehene Psalm ist die Grundlage, das zu bestehen, worum es im Evangelium geht (Psalm 91) – aber er ist auch, wie wir sehen werden, die Grundlage einer problematischen Argumentation:

1Wer im Schutz des Höchsten wohnt,
der ruht im Schatten des Allmächtigen.
2Ich sage zum HERRN: Du meine Zuflucht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich vertraue.

Dann sind einige Verse ausgelassen, bevor der Text wieder einsetzt:
10Dir begegnet kein Unheil,
deinem Zelt naht keine Plage.
11Denn er befiehlt seinen Engeln,
dich zu behüten auf all deinen Wegen.
12Sie tragen dich auf Händen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt;
13du schreitest über Löwen und Nattern,
trittst auf junge Löwen und Drachen.
14Weil er an mir hängt, will ich ihn retten.
Ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen.
15Ruft er zu mir, gebe ich ihm Antwort. /
In der Bedrängnis bin ich bei ihm,
ich reiße ihn heraus und bring ihn zu Ehren.

weiterlesen ... 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 27. Februar 2022 
Baum und Wort

Vier Texte sind für den heutigen Sonntagsgottesdienst als Lesungen vorgesehen: eine Lesung aus dem Buch Jesus Sirach (27,4–7), Teile des 92. Psalms, ein Abschnitt aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,54–58) und eine Perikope aus dem Lukasevangelium (6,39–45). Die heutigen Lesungstexte legen uns eine Fülle kurzer Sinnsprüche, Formeln oder kleiner Bilder vor, wobei manche in einem klaren Zusammenhang stehen, andere aber eher lose aneinandergereiht erscheinen. Ich beginne mit einem Hinweis auf den engen Zusammenhang zweiter Worte.
Im Buch Jesus Sirach heißt es:
Den guten Boden eines Baumes bringt seine Frucht zum Vorschein;
so das Wort die Gedanken des Herzens.“ (27,6)
weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 20. Februar 2022 
Vom letzten Adam, der doch einen Beginn markiert

Die Lesungstexte des heutigen Sonntags unterscheiden sich nicht nur inhaltlich voneinander, sondern vor allem in ihrer Gestalt. Alle haben einen ganz anderen Charakter. Zunächst erfahren wir aus dem ersten Buch Samuel (26,2.7-9.12-13.22-23) in einem Text, der etwas zusammengestückelt wirkt, dass David eine günstige Gelegenheit auslässt, sich am König Saul, der ihn aus Eifersucht verfolgt, zu rächen. Es handelt sich um einen erzählenden Text, wie der folgende Ausschnitt zeigt:
So kamen David und Abischai in der Nacht zu den Leuten und siehe, Saul lag mitten im Lager und schlief; sein Speer steckte neben seinem Kopf in der Erde und rings um ihn schliefen Abner und seine Leute. Da sagte Abischai zu David: Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert. Jetzt werde ich ihn mit einem einzigen Speerstoß auf den Boden spießen, einen zweiten brauche ich nicht dafür. David aber erwiderte Abischai: Bring ihn nicht um! Denn wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhoben und ist ungestraft geblieben? (1 Sam 26,7–9)
weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 13. Februar 2022 
Von Wegen, die sich verlieren, und Bäumen, die Früchte tragen

Drei der heutigen Lesungstexte – die erste Lesung aus dem Buch Jeremia (17,5–8), der Psalm 1, und die Perikope aus dem Lukasevangelium (6,17–26) – arbeiten mit schroffen Gegenüberstellungen: So heißt es im Evangelium zunächst mehrmals „Selig, die …“ sowie einmal „freut euch“, sodann aber „Wehe Euch“. Haben wir zuvor die Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia und den Psalm gehört, wissen wir, dass diese Seligpreisungen und Weherufe aus dem Munde Jesu nicht seine Erfindung sind. Diese Art der Rede in Gegenüberstellungen ist älter. Jesus steht, wenn er diese Worte in den Mund nimmt, in der Tradition der Propheten und der Psalmen. Bei Jeremia finden wir die Gegenüberstellung: „Verflucht der Mensch, der …“ und „Gesegnet der Mensch, der …“ Der erste Psalm wiederum beginnt mit den Worten „Selig der Mann, der …“, dem steht gegenüber ein „Nicht so die Frevler …“ weiterlesen ...

 

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 6. Februar 2022 
Drei Erzählungen der Ermutigung

Jeden der vier Lesungstexte der Sonntagsgottesdienste (Lesung aus dem Alten Testament, Psalm, Lesung aus dem Neuen Testament, Evangelium) kann man als ein in sich abgeschlossenes Ganzes betrachten und interpretieren. Hört man die einzelnen Texte im Gottesdienst jedoch in unmittelbarer Nähe zueinander, stellen sich Verbindungen ein: Die Texte verweisen aufeinander, sie ergänzen oder aber korrigieren einander. Der Text, den man später hört, baut notwendigerweise immer schon auf das auf, was man zuvor gehört hat.

Worin liegen mögliche Verbindungen der heutigen Lesungstexte? Zeigen sich analoge Strukturen? Im Folgenden möchte ich ausführen, dass die Lesungen aus dem Buch des Propheten Jesaja und dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth sowie die Passage aus dem Lukasevangelium ähnliche Elemente aufweisen und der 138. Psalm als eine Art Antwort der Protagonisten auf das Geschehen gelesen werden kann. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 29. Jänner 2022 
Varianten des „Fürchtet euch nicht“

In unserem alltäglichen Sprachgebrauch hat sich in den letzten beiden Jahren – bedingt durch die CoViD-Pandemie – der Klang des Wortes „Varianten“ entscheidend verändert. Früher war das Wort neutral oder sogar positiv besetzt, stand es doch für eine Variation oder Vielfalt, die nicht auf eine einzige vorgegebene Form festlegt. Wir stehen nicht einer Einbahnstraße gegenüber, vielmehr gibt es Varianten und dadurch Möglichkeiten, zumindest eine minimale Form von Freiheit. Hören wir hingegen heute das Wort Variante, ist ihm meist ein Buchstabe aus dem griechischen Alphabet vorangestellt, und es bezeichnet eine bestimmte Gestalt des Virus: die Beta-Variante, die Delta-Variante, die Omikron-Variante. Die folgenden Zeilen sind ein Plädoyer, den Begriff der Variante als positiv oder wenigstens neutral besetzten zurückzugewinnen. Überlassen wir nicht den Reichtum der Varianten bloß dem Virus, dessen Varianten uns immer stärker in eine Richtung ohne jegliche Varianten zu treiben scheinen. Ich möchte dazu einen kleinen Beitrag leisten, indem ich im Folgenden, ausgehend von den Lesungen des heutigen Sonntags, auf biblische Varianten eines ermutigenden Wortes eingehe. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 22. Jänner 2022 
Keine Dauerpredigt

In jenem Psalm, den wir im heutigen Gottesdienst singen – dem 19. Psalm – heißt es:
Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise.
(Psalm 19,8)

Die Lesungen aus dem Buch Nehemia (8,2–10) und dem Lukasevangelium (Lk 1,1–4.4,14–21) geben uns einen Hinweis, wie wir diese Weisung des Herrn, die erquickt, hören können. Blicken wir zuerst auf das Buch Nehemia und dann auf das Lukasevangelium.
Gemeinsam mit dem Buch Esra zählt das Buch Nehemia von der Rückkehr aus dem babylonischen Exil und der Neuordnung der Verhältnisse in Jerusalem unter den Perserkönigen, die gegenüber den babylonischen Königen mehr Toleranz und religiöse Freiheit gewährten. Ein Herzstück davon ist die heutige Lesung, welche von der Verkündigung des Gotteswortes, der „Weisung des Mose“, d.h. der Thora erzählt: „Das ganze Volk versammelte sich geschlossen auf dem Platz vor dem Wassertor und bat den Schriftgelehrten Esra, das Buch mit der Weisung des Mose zu holen, die der HERR den Israeliten geboten hat.“ (Neh 8,1) weiterlesen ...



 

 

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 14. Jänner 2022 
Drei Feste der Erscheinung des Herrn

Das Fest der Taufe des Herrn schafft den Übergang von der Weihnachtszeit in die Zeit des Jahreskreises. Es ist der Abschluss der Weihnachtszeit und der erste Sonntag des Jahreskreises, sodass der heutige Sonntag bereits als zweiter Sonntag gezählt wird. Dieser Übergang von Weihnachtszeit in die Zeit des Jahreskreises ist liturgisch sehr kunstvoll gestaltet.

Der heutige Sonntag steht mit dem Fest der Epiphanie und dem Fest der Taufe des Herrn in einer engen Verbindung. Die drei Tage – Epiphanie (6. Jänner), Taufe des Herrn (1. Sonntag nach Epiphanie, Abschluss der Weihnachtszeit und 1. Sonntag des Jahreskreises), und der zweite Sonntag des Jahreskreises (der heutige Sonntag) – bilden eine thematische Einheit: Auf drei Tage aufgefächert begegnet uns das Geheimnis der Erscheinung Herrn, das Offenbarwerden Jesu vor den Menschen.

 weiterlesen ...

 

 

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 9. Jänner 2022 
Zwei Feste der Erscheinung


Der heutige Sonntag, das Fest der Taufe des Herrn, schließt die Weihnachtszeit ab. Für den Gottesdienst an diesem Tag sind zahlreiche Texte zur Auswahl vorgesehen: zwei unterschiedliche Lesungen aus dem Buch Jesaja (42,1–7 mit Psalm 29 oder 40,1–5.9–11 mit Teilen aus Psalm 104) sowie eine Lesung aus der Apostelgeschichte (10,34–38) oder aus dem Brief eines Paulusschülers an Titus (2,11–14;3,4–7). Auch wenn sich die Geschichte, die wir heute im Evangelium hören (Lk 3,15f.21f), auf erzählerischer Ebene deutlich von jener Geschichte unterscheidet, die für den 6. Jänner, für das Fest Epiphanie, ausgewählt ist (Mt 2,1–12), gibt es doch ein wesentliches gemeinsames Motiv: Jesus erscheint vor den Menschen. Jene Bedeutung, die ihm aus christlicher Sicht zugeschrieben wird, wird vor den Menschen öffentlich bekundet.
Erscheinung und Taufe des Herrn unterscheiden sich damit vom Weihnachtsfest: Dieses stellt die Geburt Christi, sein menschliches Eintreten in Raum und Zeit und in die Geschichte an einem ganz konkreten Ort und zu einer bestimmten Zeit in den Mittelpunkt. Sicher gibt es dabei mit den Hirten, die zur Krippe eilen, auch eine gewisse Öffentlichkeit – im Mittelpunkt stehen bei ihnen aber Furcht, Freude und Staunen als unmittelbar erlebte Gefühle, nicht die öffentliche Bekundung des Geschehens. Bei Erscheinung des Herrn (Matthäus) und Taufe des Herrn (Lukas) steht hingegen im Mittelpunkt, dass die Bedeutung Jesu vor den Menschen offenbar werden soll. Sie erlangt nun ein größeres Forum. Dies gestalten die beiden Evangelisten, die eine Kindheitsgeschichte Jesu komponiert haben, auf sehr unterschiedliche Weise.

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 6. Jänner 2022 
Versetzung einer Erwartung

Das Fest Erscheinung (Epiphanie) des Herrn steht als zweites großes Fest der Weihnachtszeit neben dem Christtag, dem 25. Dezember. Liegt bei diesem Fest stärker der Akzent auf der Geburt des Erlösers, so ist bei Epiphanie, wie der Name schon andeutet, sein Erscheinen vor den Menschen im Mittelpunkt. Dabei wird jene Perikope aus dem Matthäusevangelium gelesen, in der vom Besuch der Sterndeuter bei Maria, Josef und Jesus die Rede ist. Wie aber erscheint nun der, von dem das Christentum sagt, er sei der Erlöser, vor den Menschen?
Der wichtigste Referenztext dafür stammt aus den letzten Kapiteln des Buches Jesaja (60,1–6). Er wird heute als erste Lesung gelesen. Dort heißt es:
Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht
und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir.
Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde
und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der HERR auf,
seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jes 60,1f)

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 2. Jänner 2022 
Johannes der Evangelist als Vermittler

Die Auswahl der Lesungen zum heutigen Sonntag legt für das Verstehen des Weihnachtsfestes eine wichtige Spur. Die wunderschönen narrativen Texte, die Erzählungen von der Kindheit Jesu, die sich nur bei Matthäus und Lukas finden, sind nicht allzu viele. Ordnet man die Abschnitte dieser Erzählungen den vielen Sonn- und Feiertagen in der Zeit des Advents und der Weihnachtszeit zu, gelangt man bald an ein Ende. Das Reservoir der Geschichten, die sich zur Kindheit Jesu in der Bibel finden, ist bald erschöpft. Es gibt jedoch neben diesen erzählenden Texten auch die stärker über das weihnachtliche Geschehen reflektierenden. Der zweite Sonntag nach Weihnachten ist ganz diesen Texten gewidmet. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Jänner 2022 | Neujahr
Festesverwirrung oder die Reichhaltigkeit der liturgischen Texte

Das Kalenderjahr beginnt, so könnte man sagen, mit einer gewissen Festesverwirrung, die weniger mit ausgiebigen Sylvesterfeiern zu tun hat als mit Verschiebungen im liturgischen Kalender.
Der 1. Jänner ist der achte Tag nach dem Christtag und wird deshalb auch als Oktavtag von Weihnachten bezeichnet. Wie früher üblich, werden in der Zählung beide Randtage mitgezählt – in diesem Fall der 25. Dezember und der 1. Jänner –, sodass man auf acht Tage kommt. Ein wichtiges Fest – heute gilt das für Weihnachten und Ostern, früher galt es auch für andere Feste – lässt sein Echo durch acht Tage hindurch ertönen. Das entspricht genau einer Schöpfungswoche, wie sie im Siebentage-Schöpfungsgedicht in Genesis 1 vorgestellt wird, plus dem achten Tag als dem neuerlichen ersten Tag (7+1) bzw. als dem Tag der Neuschöpfung. Der achte Tag nach Weihnachten, der Oktavtag, ist im katholischen Christentum heute ein Marienfeiertag – doch handelt es sich um einen Marienfeiertag, der, verglichen mit Mariä Himmelfahrt (15. August), Mariä Geburt (8. September) und Mariä Empfängnis (8. Dezember), kaum im allgemeinen Bewusstsein präsent ist. weiterlesen ...

c Lachlan Blair LOXPIX

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 31. Dezember 2021 | Silvester
Letzte Stunde, Anfang, von Tag zu Tag …

Das Kalenderjahr ist nicht mit dem kirchlichen Jahr synchronisiert: Beginnt das Kalenderjahr am 1. Jänner, so das kirchliche Jahr am ersten Adventsonntag. Dennoch hat der letzte Tag des Kalenderjahres, der 31. Dezember, auch im kirchlichen Bereich eine Bedeutung. Es ist der Tag, an dem Jahresrückblicke stattfinden, an dem in vielen Kirchen auch ein Segensgottesdienst, der so genannte Altjahressegen, gefeiert wird, und es ist auch ein Tag des Dankes. Obwohl der 31. Dezember an und für sich kirchlich nicht die Bedeutung eines Wendepunktes hat, spielen Rückblick, Segen und Dank an diesem Tag eine besondere Rolle – viel stärker als am letzten Tag des Kirchenjahres, dem Samstag vor Adventbeginn. Mir ist kein Fall bekannt, dass an diesem Tag Rückblick, Segen und Dank in besonderer Weise in den Mittelpunkt gerückt würden. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Sonntag nach Weihnachten, Fest der Heiligen Familie
Wundersame Erzählung, eingebettet in den Zusammenhang des Evangeliums

Das Fest der Heiligen Familie wird am ersten Sonntag nach Weihnachten gefeiert. Im heurigen Jahr fällt es auf den 26. Dezember und verdrängt dadurch den Festtag des Heiligen Stefan. Für dieses Fest ist eine Fülle von Lesungen zur Auswahl vorgesehen, lediglich das Evangelium steht fest (Lk 2,41–52). Es handelt sich um eine Erzählung vom zwölfjährigen Jesus, der von seinen Eltern am Rückweg einer Jerusalem-Wallfahrt gesucht und zunächst nicht gefunden wird. Schließlich entdecken die Eltern ihren Sohn im Tempel, wo er mit Schriftgelehrten diskutiert.

Die Geschichte tritt in eine Lücke: Über die Zeit zwischen der Geburt Jesu, die ohnehin nur von Lukas und Matthäus erzählt wird, bis zum öffentlichen Auftreten Jesu erfahren wir in den Evangelien abgesehen von der heutigen Jugenderzählung nichts. Freilich gibt es andere Schriften, welche diese Zeit phantastisch ausschmücken, aber diese Schriften, die mehr dem Bedürfnis, die Lücken zu füllen als einer theologischen Aussage dienen, wurden nicht in die Sammlung der biblischen Schriften aufgenommen. Man nennt sie Apokryphen. Das Kindheitsevangelium des Thomas, einer dieser apokryphen Texte, schildert etwa, dass der fünfjährige Jesus, der aus Lehm Vögel geformt hatte, diese durch Klatschen lebendig machen konnte. Die Lebendigkeit der Vögel sollte den Vorwurf entkräften, er habe an einem Sabbath handwerklich gearbeitet, als er die Tiere aus Lehm hergestellt hatte. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Christtag, 25. Dezember 2021
Vom Erscheinen der Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes

Für den Heiligen Abend und den Christtag gibt es entsprechend der Tageszeit mehrere Optionen für die Messfeier, die jeweils unterschiedliche Texte vorsehen: am Abend, in der Nacht, am Morgen, am Tag. Für diesen Beitrag wähle ich die Messe, welche die Bezeichnung „am Morgen“ trägt. Dabei werden eine Lesung aus dem Buch Jesaja (62,11f), Teile des 97. Psalms, eine Passage aus dem Brief des Apostels Paulus (oder eher aus seiner Schule) an Titus (3,4–7) und die Fortsetzung des Evangeliums vom Heiligen Abend (Lk 2,15–20) gelesen.
Ich möchte mich heute ausschließlich auf den wunderschönen Hymnus aus dem Brief an Titus beziehen. Er beginnt mit einer Ansage, die so viel eröffnet:
Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe des Retters, unseres Gottes, erschien … (4)
Was folgt nach dieser eröffnenden Aussage, die auf etwas danach Kommendes verweist? Es handelt sich ja um einen Temporalsatz, der auf einen Hauptsatz hindeutet: „Als aber …“ Bleiben wir hier noch ein wenig, um diesem abhängigen Gliedsatz sein volles Gewicht zu geben.
Als aber die Freundlichkeit und Menschenliebe des Retters, unseres Gottes, erschien … (4)
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - heiliger Abend, 24. Dezember 2021
Das Abstrakte und das Konkrete 

Lesen wir die für den Heiligen Abend vorgesehenen Schrifttexte, können wir uns die zunächst einmal ganz unweihnachtliche Frage stellen, ob wir in Gegensätzen nur etwas Widersprechendes oder gar Negatives sehen müssen oder ob wir sie auch als eine Bereicherung erleben können. Müssen wir dort, wo wir auf einen Gegensatz stoßen, sofort einen seiner Pole als den bedeutenderen werten und den anderen ihm unterordnen? Ist uns der Drang zu bewerten und verschiedenen Elemente in eine Rangordnung zu bringen, so tief eingeschrieben, dass wir diese Strategie als vorrangiger und plausibler ansehen, als zunächst einmal die Vielfalt zu würdigen? Was ist damit gemeint?

Gehen wir zu den heutigen Lesungen: Vorgesehen für die Liturgie am Heiligen Abend sind eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (9,1–6), Teile des 96. Psalms, ein Abschnitt aus dem Brief des Paulus (bzw. von jemandem aus der Paulusschule) an Titus (2,11–14) und eine Perikope aus dem Lukasevangelium, die manchmal auch als Weihnachtsevangelium bezeichnet wird (Lk 2,1–14). Greifen wir die Lesung aus dem Brief an Titus und das Evangelium heraus, zeigt sich uns ein deutlicher Gegensatz, den ich kurz skizzieren möchte. weiterlesen ...




Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 4. Adventsonntag, 19. Dezember 2021 -Offenbarung im Gruß

Im Mittelpunkt des vierten Adventsonntags steht eine Begegnungsgeschichte (Lk 1,39–45), welche das souveräne Verhalten zweier Frauen – Maria und Elisabeth – zeigt. Die Passage schließt unmittelbar an das Evangelium vom 8. Dezember (Lk 1,26–38) an. Erstaunlich ist in beiden Stellen, mit welcher Souveränität die involvierten Frauen dem wundersamen göttlichen Geschehen begegnen, das sich ereignet. Vor allem schildert Lukas – anders, als das oft kolportiert wird – keine scheue Maria, die sich in eine Geschehen fügt, das sie überfordert. Nach der Ankündigung durch den Engel Gabriel, Maria werde einen Sohn gebären, der „Sohn des Höchsten“ (Lk 1,32) genannt würde, hatte sie schließlich gesagt: „Siehe die Knechtin Gottes: Es geschehe mir gemäß deinem Wort.“ (Lk 1,38) Mit dem Wort Knecht/in Gottes nimmt sie eine der wichtigsten Bezeichnungen aus dem Buch Jesaja für sich in Anspruch. weiterlesen ...




Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 3. Adventsonntag, 12. Dezember 2021 - Von der Botschaft der Freude

Der dritte Sonntag im Advent trägt den Namen „Gaudete“, was ein Aufruf zur Freude ist – übersetzt bedeutet „Gaudete“ „Freut euch“. Benannt ist der Sonntag nach jenem Vers, der früher am Beginn des Gottesdienstes gesungen wurde (Phil 4,4) und noch heute in einer der Lesungen (Phil 4,4–7) präsent ist: „Freut euch im Herrn allezeit: Wieder werde ich es sagen, freut euch.“ Paulus kann bei diesem Aufruf zur Freude auf die prophetische Tradition zurückgreifen, in der beides, der Ruf zur Umkehr und die Einladung zur Freude, vorkommt. So lesen wir beim Propheten Zefanja (Zef 3,14–17) aus dem Zwölfprophetenbuch: „Juble, Tochter Zion! / Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, / Tochter Jerusalem!“ (Zef 3,14)

weiterlesen ...




Detail Marienbild | Stiftsmuseum c Stift Melk Foto Peter Böttcher
Detail Marienbild | Stiftsmuseum c Stift Melk Foto Peter Böttcher

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 8. Dezember 2021 - Mariä Empfängnis - Die lesende Maria

Der kirchliche Festkalender kennt viele Marienfeste, wobei die beiden bedeutendsten wohl der 15. August und der 8. Dezember sind. Am 15. August feiern wir, dass Maria als Mensch ganz von Gott angenommen ist, als geistiges, fühlendes und körperliches Wesen, das eine individuelle Geschichte hat. An Maria soll sichtbar werden, was wir für alle Menschen erhoffen. Am 8. Dezember feiern wir Maria als die Empfängerin einer Botschaft von Gott. Wollten wir es theologisch ausdrücken, könnten wir sagen, das eine Fest handelt von Auferstehung und Rechtfertigung des Menschen, das andere von Offenbarung.

Für das heutige Fest sind eine Lesung aus dem Buch Genesis (3,9–15.20), Teile des 98. Psalms, eine Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus bzw. eines Schülers von ihm an die Gemeinde von Ephesus (1,3–6.11f) und eine Perikope aus dem Lukasevangelium (1,26–38) vorgesehen. Ich möchte im Folgenden nur einen kleinen Aspekt aus dem Evangelium herausgreifen: das Portrait Marias als Empfängerin einer Offenbarung und ihre selbstbewusste Annahme dieser. Das Wort „Portrait“ habe ich bewusst gewählt, handelt es sich doch um eine Szene, welche in der bildenden Kunst unzählige Male dargestellt wurde – Maria wurde immer wieder in jenem Moment portraitiert, in dem sie die Botschaft Gottes erhalten hat. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 2. Adventsonntag, 5. Dezember 2021 - Trost des Baruch (Transfer der Hoffnung?)

Für den heutigen zweiten Adventsonntag sind vier Schrifttexte für den Gottesdienst vorgesehen. Die Ordnung der Lesungen trägt uns zu Baruch (5,1–9), den Psalmen (126. Psalm), zu Paulus, der einen Brief an die Gemeinde von Philippi schreibt (1,4–11) und Lukas (3,1–6). Nehmen wir diese Texte zusammen bildet sich ein Mosaik dessen, worauf wir im Advent zugehen. Ich kann hier nur auf einen der Texte, wohl den unbekanntesten eingehen. Er ist dem Buch Baruch entnommen.

Das kurze Buch Baruch ist in der christlichen Ordnung des Alten oder Ersten Testaments nach dem Buch des Propheten Jeremia und den Klageliedern des Jeremia und vor dem Buch Ezechiel angeordnet. Als Verfasser nennt es einen gewissen Baruch – das heißt Benedikt bzw. der Gesegnete –, welcher ein Begleiter und Mitarbeiter des Propheten Jeremia war. Mehrmals wird er im Buch Jeremia erwähnt, etwa als Schreiber des Propheten (Jer 36,4). Betrachten wir zunächst die inhaltliche Ebene des Buches: Baruch möchte mit seinem kleinen Buch in der Zeit des babylonischen Exils (6. Jhdt. v. Chr.) trösten und eine Hoffnungsperspektive aufzeigen. Er spricht zu den Exilierten, gleichzeitig aber auch zu all jenen, die in Jerusalem zurückgeblieben sind. Diese sollen trotz aller widrigen Umstände wieder die Feier der Gottesdienste aufnehmen. Aus dem Exil, wo manche offensichtlich etwas Geld sammeln konnten, werden die in einer zerstörten Umgebung Zurückgebliebenen unterstützt. Genau diese Form der Solidarität gibt es bis heute an vielen Orten. Es geht Baruch darum, in den Jahrzehnten der Trennung eine Form von Gemeinschaft zu wahren. Wie schwierig das war und wie groß die Spannungen innerhalb der Gesellschaft nach der Rückkehr aus dem Exil waren, hallt in den biblischen Büchern Esra, Nehemia und Ruth nach, die selbst sehr unterschiedliche Haltungen, ja mitunter gegenteilige Positionen, hinsichtlich künftigen Zusammenlebens einnehmen. weiterlesen ...




Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Adventsonntag, 28. November 2021 - Vom Erheben der Häupter am Tag des Herrn

An diesem Sonntag, dem ersten Adventsonntag, beginnt das neue kirchliche Jahr. Hauptreferenzpunkt für die Evangeliumslesungen ist in diesem Jahr das Lukasevangelium, es löst damit das Markusevangelium ab. Inhaltlich scheint sich jedoch der Übergang zum neuen kirchlichen Jahr und einem anderen Evangelisten nicht niederzuschlagen. Wir hören in der Perikope des heutigen Evangeliums (Lk 21,25–28.34–36) ähnliche apokalyptische Bilder wie schon in den letzten Tagen und Wochen. Wenn es im Advent um Vorbereitung auf Weihnachten, um die Erwartung der Geburt Christi geht, müssen wir uns fragen, warum wir in dieser Zeit gerade solche apokalyptischen Bilder hören.

Die apokalyptische Bildwelt mit dem Fallen der Gestirne und der Umwälzung der kosmischen Ordnung steht für die Evangelisten nicht im Zentrum. Solche Bilder waren in jener Zeit allgemein im Umlauf. Entscheidend ist, jedoch, dass Jesus seine Zuhörerinnen und Zuhörer auffordert, sich zu hüten, dass nicht „jener Tag plötzlich herankommt zu euch wie eine Falle“ (Lk 21,34f). Jener apokalyptische Tag, an dem die kosmischen Kräfte erschüttert werden (Lk 21,26), ist zuallererst eine literarische Figur, nicht kosmische Gestalt. Er verweist nämlich auf die prophetische Literatur aus den heiligen Schriften Israels, besonders auf das Zwölfprophetenbuch. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 34. Sonntag im Jahreskreis, Christkönigssonntag - Sonntag, 21. November 2021 - Mehr als ein König?

Die Überschrift spielt auf das Fest, das am heutigen Sonntag gefeiert wird, an: das Fest Christkönig – Christus als König. Mit diesem Fest sind wir am Ende des kirchlichen Jahres angelangt. Am nächsten Sonntag beginnt der Advent und damit das neue kirchliche Jahr. Mit der Überschrift „Mehr als ein König?“ möchte ich nicht darauf hinaus, dass Jesus noch mehr als ein König ist – gleichsam nach dem Motto: ein König ist schon viel, Christus ist noch mehr. Um diese Logik der Superlative, der Überbietung und des Handels soll es nicht gehen. Vielmehr möchte ich im Folgenden zeigen, dass in den Lesungstexten des heutigen Tages klar wird, dass Christus mehr, d.h. auch noch anderes als ein König ist. weiterlesen ...




Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 33. Sonntag im Jahreskreis, Sonntag, 14. November 2021 - Vom Vorrang des Wortes gegenüber den apokalyptischen Bildern
Vor Beginn der Adventszeit werden in den Gottesdiensten Texte gelesen, die einen apokalyptischen Ton anschlagen. So heißt es im heutigen Evangelium (Mk 13,24–32): „In jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“ (24f) Die Veränderung des gewohnten Ganges der Gestirne, ihre Verdunkelung und sogar ihr Fallen vom Himmel sind gängige apokalyptische Bilder. Zur Zeit Jesu waren solche Vorstellungen allgemein im Umlauf und gehörten zur gemeinsam geteilten Bildwelt Israels. Der biblische Text ist mit solchen Vorstellungen, obgleich sie sich in vielen biblischen Büchern finden (so etwa im Buch Daniel 12,1–3, einer Lesung von heute), eher sparsam und zurückhaltend. Wie sind diese Bilder zu verstehen? weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Erzählungen der Gastfreundschaft

Der heutige Sonntag beginnt mit einer Erzählung der Gastfreundschaft. Es handelt sich um eine Lesung aus dem ersten Buch der Könige (17,10–16). Die Bücher der Könige, die – wie der Name sagt – über die Zeit berichten, als Israel und später das Nord- und Südreich Könige hatten und zwar von König Salomo bis zum babylonischen Exil, berichten nur wenig Positives. Beinahe alle Könige werden darin scharf getadelt, weil sie nicht dem Weg des Herrn folgten, sondern eigenen Interessen dienten und sich einer opportunistischen Bündnispolitik anvertrauten. Herausragend in diesem Umfeld zumeist negativer Schilderungen ist die Erzählung, als der Prophet Elija eine arme Witwe und ihren Sohn besucht und um eine Stärkung bittet. Die Witwe antwortet ihm zunächst ganz ehrlich, dass sie ihn nicht aufnehmen und bewirten könne, woraufhin der Prophet ihr zu verstehen gibt, dass ihre Vorräte nicht versiegen würden. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Allerheiligen
Welche Gestalt von Gemeinschaft?
Für das Fest Allerheiligen ist eine sehr bekannte Perikope als Evangelium vorgesehen: die so genannten Seligpreisungen, wie sie der Evangelist Matthäus überliefert (5,1–12). Die Textstelle steht am Beginn der Bergpredigt, Jesu wohl berühmtester Lehrrede. Die Rede Jesu folgt keinem zuvor ausgeklügelten PR-Plan; vielmehr sieht Jesus die Menschen, die zu ihm kommen und ergreift spontan das Wort (5,1f). Und er hat eine gute Nachricht für all die Suchenden, die Verängstigten und Schwankenden, die zu ihm kommen. Er beginnt mit dem Wort „makárioi“, das übersetzt „glücklich“, „glückselig“, „selig“ bedeutet. Neunmal spricht Jesus dieses Wort am Anfang seiner Rede aus. Er hat, in aller Kürze ausgedrückt, eine gute Botschaft für die Armen, die Trauernden, die Sanftmütigen, für die, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, für die Barmherzigen, für die Menschen mit reinem Herzen, für die Friedensstifter, für die Verfolgten, für die Geschmähten. Zum Abschluss dieser Worte ruft Jesus den Menschen noch einmal zu, sie sollten sich freuen und jubeln (5,12). Natürlich sind damit all die Probleme und Fragen, vor denen diese Menschen stehen, nicht einfach gelöst – vielleicht aber hat ihnen noch nie jemand gesagt, dass sie selig seien und dass ihr Dasein in Freude und Jubel umschlagen könne? weiterlesen ...
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 31. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 31. Oktober 2021 | Antwort mit Verständnis …

Mit dem heutigen Evangelium (Markusevangelium 12,28–34) könnten wir eine ganz einfache Frage stellen: Was heißt es, mit Verständnis zu antworten?
Ein Schriftgelehrter kommt zu Jesus und beginnt mit ihm eine Diskussion über eine zentrale religiöse Frage: „Welches Gebot ist das erste von allen?“ (28) Interessant ist, dass der Schriftgelehrte Jesus offensichtlich als ebenbürtigen Diskurspartner akzeptiert. Es scheint mir nicht ganz weit hergeholt, dass dies ein weiteres Indiz dafür ist, auf eine hohe Bildung bei Jesus und seiner Familie zu schließen. Jesus gibt eine Antwort, die ganz aus den Heiligen Schriften Israels stammt. Er kann ohne Weiteres aus der Thora zitieren. Jesus nimmt zwei unterschiedliche Stellen auf und spricht dabei von zwei Geboten:
Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. (29–31) weiterlesen ...

 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 30. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 24. Oktober 2021 | Vom Mitfreuen ...
 
Die vier Schrifttexte, die für jeden Sonntag als Lesungen im Gottesdienst vorgesehen sind, sind keineswegs so zu verstehen, dass es einen Aufstieg von der ersten Lesung (meist aus der Hebräischen Bibel/dem Alten Testament) über den Psalm und die zweite Lesung (aus dem Neuen Testament) zum Evangelium gäbe und alle Texte nur auf das Evangelium ausgerichtet wären. Vielmehr müssen alle vier Texte zunächst als eigenständig betrachtet werden – dann aber auch als ein Netz aus Verweisen, in welchem ein Text den anderen verstehen hilft, ihn verdeutlicht, verstärkt, manchmal korrigiert, in jedem Fall aber irgendwie weiterführt. Welchen Weg man durch diese Texte wählt, ist keineswegs klar. Hier ist die Kreativität oder, wie Umberto Eco sagen würde, die Mitarbeit der Leserin und des Lesers vonnöten.

Sucht man auf diese Weise die vier Texte zu verbinden – heute sind es eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia (31,7–9), der 126. Psalm, eine Lesung aus dem Brief an die Hebräer (5,1–6) und eine Passage aus dem Markusevangelium (10,46–52) – sucht man also die vier Texte in eine enge Verbindung zu bringen, werden freilich manche Einzelaspekte der Texte unberücksichtigt bleiben, weil man nach den Brücken zu den anderen Texten sucht und sich nicht allein auf einen Text konzentriert. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 29. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 17. Oktober 2021 | Messen, Zählen und Bewerten – ein technischer Weltzugang auch für den Himmel?
 
Das Evangelium des heutigen Sonntags, eine Perikope aus dem Markusevangelium (10,35–45), scheint sehr klar: Zwei Schüler Jesu bitten ihren Lehrer, dass „in der Herrlichkeit“ einer rechts und einer links neben ihm sitzen dürfe, was Jesus klar zurückweist. Wie glühend auch immer die Nachfolge der beiden aussehen möge, „das Sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zu geben, ist nicht meines“ (40), antwortet Jesus. Nicht verwunderlich ist, dass in Folge dieses vermessenen Wunsches Unmut unter den anderen Schülern entsteht. Jesu Zurückweisung des Wunsches hat zumindest drei Dimensionen:
Jesus nimmt die entstehende Unruhe zum Anlass für eine Belehrung, die Bescheidenheit einmahnt: „wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ (43–45) Jesus bewegt sich mit dieser Ermahnung ganz auf der Linie der prophetischen Tradition Israels. Wer ihn hier reden hört, musste wohl an die sogenannten Gottesknechtslieder aus dem Buch Jesaja denken, in denen deutlich gemacht wird, dass Gottes Zuwendung primär dem leidenden (Gottes-)Knecht (und allen die er verkörpert) gilt, nicht den Herrschenden. In der ersten Lesung hören wir auch einen kurzen Ausschnitt aus diesen Liedern (Jes 53,10f): „Der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten. […] Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.“ weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 28. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 10. Oktober 2021 | Die Suche nach dem Einen und das Gedeihen der Vielfalt

Es ist interessant und vielleicht einer Überlegung wert, was es bedeutet, dass sich der Wortgottesdienst, wie er der Eucharistiefeier vorangeht, nicht auf eine Schriftstelle beschränkt, sondern deren mehrere vorsieht: An so genannten Wochentagen sind dies Lesung, Psalm und Evangelium, an Sonn- und Feiertagen zwei Lesungen, Psalm und Evangelium. Zum Teil wirken diese Schriftstellen thematisch aufeinander abgestimmt, zum Teil sind sie es nicht. Die Texte für den jeweiligen Sonntag ergeben somit eine innere Pluralität; sie wollen nicht einen einzigen Sinn, nur eine Bedeutung oder eine eindeutige Anweisung, kurz sie wollen nicht das Eine darstellen.

Damit sind wir bei der Perikope des heutigen Sonntags angelangt, die dem Markusevangelium entnommen ist (10,17–30). Sie beginnt mit folgender Begebenheit: „Ein Mann lief auf Jesus zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut, wenn nicht einer, der Gott.“ (Mk 10,17f) Jesus weist die Bezeichnung „der Gute“ von sich. Sie gebühre nur Gott. Dabei setzt er voraus, dass auch das Eine nirgendwo anders repräsentiert sei als in Gott. „Niemand ist gut, wenn nicht einer, der Gott.“ Die Bezeichnung „gut“ ist für Gott reserviert, noch viel mehr gilt das für „Einer“. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 27. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 3. Oktober
 2021 | Der Hebräerbrief taucht tief in die heiligen Schriften ein …

Für den heutigen Sonntag sind eine Lesung aus dem Buch Genesis (2,18–24), der 128. Psalm, eine kurze Passage aus dem Brief an die Hebräer (2,9–11) und eine Perikope aus dem Markusevangelium (10,2–16) als Lesungen für den Gottesdienst vorgesehen. Im Folgenden werde ich mich auf den Abschnitt aus dem Hebräerbrief konzentrieren. Er ist nicht leicht zu verstehen und muss in einem größeren Zusammenhang gelesen werden.

Der Hebräerbrief stellt innerhalb des Neuen Testaments einen ganz eigenen theologischen Entwurf dar. Er lebt aus der Zitation längere Passagen des Alten Testaments/der Hebräischen Bibel/des TeNaChs, deren Interpretation vom Bemühen getragen ist, den Glauben an Christus als sinnvoll nachvollziehbar darzustellen. Der Glaube an Christus könne nur verstanden werden, wenn man tief in die heiligen Schriften der Tradition eintauche. Betrachten wir nur jene Passage, die heute im Gottesdienst vorgelesen wird, wird dieses Programm nicht deutlich, weil der Abschnitt – drei Verse (2,9–11) – einfach zu kurz ist. Gehen wir darum ein wenig zurück im Text und beginnen mit einer Stelle am Beginn des zweiten Kapitels des Briefes. Dort schärft der Verfasser des Briefes ein: „Darum müssen wir umso aufmerksamer auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht vom rechten Kurs abgetrieben werden.“ (2,1) Aus dem achtsamen Hören auf die Heiligen Schriften könne man eine gewisse Sicherheit gewinnen, einen guten Weg einzuschlagen. Es gehe dabei nicht um ein von Engeln vermitteltes Wort (2,2), sondern um ein durch den Herrn, also Christus, verkündetes Wort, das Gott bestätigt habe (2,3f). Aus christlicher Sicht können wir sagen, es gehe um das Wort Gottes, wie es in den Heiligen Schriften niedergelegt ist und in Christus Dasein erlangt hat. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 26. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 26. September
 2021 |Umgehen mit Widersprüchen in der Bibel

Der erste Teil der für heute vorgesehenen Perikope aus dem Markusevangelium (9,38–48) enthält eine kleine Geschichte, die in einen Sinnspruch mündet, auf den ich mich im Folgenden konzentrieren möchte. Zunächst gebe ich die Erzählung wieder. Einer der Schüler Jesus, Johannes, sagt ihm:

„Lehrer, wir sahen jemanden in deinem Namen Dämonen austreiben und hielten ihn ab, weil er uns nicht folgt.“ Jesus aber sagte: „Haltet ihn nicht ab. Denn keiner ist, der machtvoll handeln wird in meinem Namen und schnell wird schlecht reden können über mich. Wer nämlich nicht gegen uns ist, ist für uns. Wer auch immer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt im Namen, weil ihr zu Christus gehört, Amen, ich sage euch, er wird seinen Lohn nicht verlieren.“

Die Wendung „Wer nämlich nicht gegen uns ist, ist für uns“ taucht in den Evangelien noch einige Male auf – allerdings teilweise in großen Abwandlungen. Es klingt wie das Gegenteil, wenn es bei Matthäus heißt: „Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ (Mt 12,30) Bei Lukas tauchen beide Varianten auf. Nur mit einem Wechsel von „uns“ zu „euch“ heißt es zunächst: „Wer nämlich nicht gegen euch ist, ist für euch. (Lk 9,50)“ Dann aber lesen wir in denselben Worten wie bei Matthäus: „Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ (Lk 11,23) weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 25. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 19. September
 2021 | Entsprechungen von Evangelium und Lesungen. Eine Leseübung

Am heutigen Sonntag hören wir zunächst eine Lesung aus dem Buch der Weisheit. Sie stellt einen stark verkürzten Text mit zahlreichen Auslassungen dar (Weish 2,1.12.17–20). Der Text handelt von jenem Schicksal, wie es nicht selten die Prophetinnen und Propheten ereilt. Auch Jesus ist vor diesem Hintergrund zu sehen. Zunächst benennt der Text klar, worin das Unangenehme der Prophetinnen und Propheten besteht, dessentwegen man ihnen auflauern möchte: „Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung.“ (Weish 2,12) Er soll einer gewaltsamen Prüfung unterzogen werden: „Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner.“ (Weish 2,17f) Dies ist freilich nicht die Haltung, zu der das Buch der Weisheit ermutigen möchte, sondern die Darstellung einer Logik, nach der Menschen vielfach handeln. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 24. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 12. September
 2021 | Produktive und unproduktive Missverständnisse

Es gibt verschiedene Arten von Missverständnissen. Zwei unterschiedliche Formen führt uns die heutige Perikope aus dem Markusevangelium (8,27–35) vor. Die Passage ist an einer neuralgischen Stelle, genau in der Mitte des Evangeliums, situiert. Jesus und seine Schülerinnen und Schüler wandern durch die Dörfer in der Nähe der Stadt Cäsarea Philippi, der Hauptstadt des Regierungsgebietes des Herodes Philippus, eines Sohnes des Herodes des Großen. Er hatte die Stadt zu Ehren des römischen Kaisers „Cäsarea“ genannt – eine Bezeichnung, die auch andere Städte trugen, weshalb ihr der Zusatz „des Philippus“ oder „Philippi“ (Mk 8,27) gegeben wurde.

Jesus stellt im Abschnitt, den wir heute hören, die Frage, was die Menschen über ihn sagten, wofür sie ihn hielten (8,27). Um diese Frage zu klären, sucht er nicht die dem Kaiser gewidmete regionale Hauptstadt auf. Nicht im Machtzentrum, sondern am Weg, unterwegs wirft Jesus die Frage auf. Die Wahrheit über Jesus eröffnet sich im Gehen eines Weges, nicht dort, wo Throne stehen. Jesus ist, wie es im Johannesevangelium heißt, nur dann als Wahrheit und Leben zu begreifen, wenn er auch als Weg verstanden wird (Joh 14,6). Die Antworten, welche die Begleiterinnen und Begleiter Jesu wiedergeben, referieren produktive Missverständnisse: Jesus werde von den Menschen als Johannes der Täufer, Elija oder ein anderer der Propheten angesehen (Mk 8,28). Petrus gibt demgegenüber die genauere Antwort: Jesus sei der Christos, d.h. der Messias, der Gesalbte. Aber natürlich kann Jesus nur verstanden werden, wenn man Johannes den Täufer kennt, der auf ihn hingewiesen hat; natürlich verkörpert sich in ihm Elija, der als der Prophet schlechthin verehrt wurde und von dem man erwartete, er werde wiederkommen; natürlich wird, aus Sicht der frühen Christinnen und Christen, in Jesus all das lebendig, was die Propheten ausmachte. Was anfänglich wie ein Missverständnis aussah – die Menschen halten Jesus für Johannes, den Täufer, für Elija oder einen anderen Propheten – ist nicht falsch; allein, es umfasst aus christlicher Sicht nicht alles, was man über Jesus sagen kann. Aus einem anfänglichen Missverständnis erfahren wir letztlich sehr viel über Jesus: Er ist der Christos, der Messias, der Gesalbte. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 23. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 5. September
 2021 | Botschaft für …?

Liest man Lesungstexte des heutigen Sonntags in der vorgesehenen Reihenfolge, ergibt sich ein beeindruckender Bogen, der mit der Frage der Adressatinnen und Adressaten der Botschaft der Bibel zu tun hat. Es handelt sich nicht in erster Linie um eine allgemeine, immer gültige Botschaft für alle und keinen, sondern um einen Text, der sich an Adressatinnen und Adressaten wendet. Dies wird uns im ersten Satz der Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (35,4–7) sofort deutlich: „Sagt den Verzagten: Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott!“ (4) Wir könnten diesen Satz als Antwort auf die fundamentale Frage „Wer ist Gott?“ lesen. Antwort: Gott ist kein allgemeiner Begriff; Gott ist der Gott der Verzagten und der Sich Fürchtenden. Sie sind die Adressatinnen und Adressaten der Botschaft. Sie sollen in ihrer Verzagtheit und Angst nicht zerbrechen, sondern wieder Stärke, d.h. neue Möglichkeiten, gewinnen.

Die Lesung aus dem Brief des Jakobus (2,1–5) kann wie ein Kommentar zu dem gerade zitierten Vers gelesen werden. Der Brief geht mit großer Bestimmtheit dagegen vor, dass sich soziale Unterscheidungsmerkmale wie Reichtum und Ansehen im Gottesdienst wiederspiegeln (die Reichen erhalten die guten Plätze und werden eigens begrüßt etc.). Wie ein Kommentar zu Jesaja 35,4 liest es sich, wenn Jakobus schreibt: „Hat nicht Gott die Armen in der Welt zu Reichen im Glauben und Erben des Reiches erwählt, das er denen verheißen hat, die ihn lieben?“ (Jak 2,5) Denen, die verzagt sind und sich fürchten (Jesaja), und denen, die von sich aus weder Ansehen noch Reichtum haben (Jakobus), wird eine gute Botschaft verkündet. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 22. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 29. Augu
st 2021 | Was bedeutet Gesetz? Mehrere Antwortversuche …

Die für den heutigen Sonntag vorgesehenen Lesungstexte können uns helfen, einige fundamentale Fehleinschätzungen und Formen des Missverstehens zu korrigieren, wie sie in der christlichen Tradition angetroffen werden können, wenn es um den Begriff des Gesetzes geht.

1) Zunächst wird eine Passage aus dem Buch Deuteronomium (4,1–2.6–8) gelesen. Sie deckt ein Missverständnis gegenüber dem Alten Testament und der jüdischen Tradition auf. Altes Testament und jüdische Tradition werden immer wieder sehr undifferenziert mit „Gesetz“ in Verbindung gebracht, wobei dabei oft ein Ton der Distanzierung mitschwingt. Dazu muss zuallererst gesagt werden, dass dem Gesetz – aus den biblischen Quellen – eine positive Bedeutung zukommt. Ich zitiere die Lesung aus dem Buch Deuteronomium in voller Länge, weil sie wohl eine der schönsten Hymnen auf die Bedeutung und Würde des Gesetzes ist:

1Und nun, Israel, hör auf die Gesetze und Rechtsentscheide, die ich euch zu halten lehre! Hört und ihr werdet leben, ihr werdet in das Land, das der HERR, der Gott eurer Väter, euch gibt, hineinziehen und es in Besitz nehmen. 2Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; ihr sollt die Gebote des HERRN, eures Gottes, bewahren, auf die ich euch verpflichte. […] 6Ihr sollt sie bewahren und sollt sie halten. Denn darin besteht eure Weisheit und eure Bildung in den Augen der Völker. Wenn sie dieses Gesetzeswerk kennenlernen, müssen sie sagen: In der Tat, diese große Nation ist ein weises und gebildetes Volk. 7Denn welche große Nation hätte Götter, die ihr so nah sind, wie der HERR, unser Gott, uns nah ist, wo immer wir ihn anrufen? 8Oder welche große Nation besäße Gesetze und Rechtsentscheide, die so gerecht sind wie alles in dieser Weisung, die ich euch heute vorlege? weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 21. Sonntag im Jahreskreis
Sonntag, 22. Augu
st 2021 | Nicht Ausschluss, sondern je neues Lesen

Zwei der Schriftstellen des heutigen Sonntags – eine Perikope aus dem Johannesevangelium (6,60–69) und eine Lesung aus dem Buch Josua (24,1f.15–18) – zeigen einen Aspekt auf, den ich für ein Grundproblem oder eine Grundfrage der christlichen, wohl aber auch der jüdischen und muslimischen Tradition halte, vielleicht auch anderer Religionen. Worum geht es?

Die Passage aus dem Evangelium schließt die langen Reflexionen über Jesus als Brot des Lebens ab (Joh 6), die wir an den letzten Sonntagen in Abschnitten gehört haben. Immer wieder war dabei ein Missverstehen Jesu von Seiten seiner Zuhörerinnen und Zuhörer zu bemerken. Schließlich sagen viele seiner Schülerinnen und Schüler am Ende: „Hart ist dieses Wort: Wer kann es hören?“ (6,60). Ein Teil wendet sich ab: „Von da an gingen viele der Schüler weg, nach hinten, und sie wandelten nicht mehr mit ihm umher.“ (6,66) Einige bleiben, von ihnen ergreift Petrus das Wort: „Herr, zu wem sollen wir weggehen? Worte ewigen Lebens hast du, und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.“ (6,68f)
weiterlesen ...

 

Blumen und Kräutersegnung

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 20. Sonntag im Jahreskreis | Mariä Himmelfahrt | Sonntag, 15. August 2021 Aufgenommen bei Gott. Maria als Hoffnungsbild

Am heutigen Sonntag feiern wir das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel. Als Schriftstellen für diesen Feiertag sind eine Lesung aus der Offenbarung des Johannes (11,19–12,6.10) und eine aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,20–26), sowie Teile des 45. Psalms und eine Perikope aus dem Lukasevangelium (1,39–56) vorgesehen.

Wir können in der Annäherung an die Bedeutung des heutigen Festes zwei Wege gehen, die beide legitim sind: Entweder fragen wir danach, welche Vorstellungen von diesem Fest sich über die Jahrhunderte geformt und manifestiert haben und in welcher Beziehung sie zu den Schriftstellen des heutigen Tages stehen. Oder wir werfen den Blick auf die Schriftstellen, um zu erkunden, wie ausgehend von ihnen das Fest verstanden werden muss. Wenn wir nun im Folgenden den zweiten Weg wählen, erfolgt dies freilich mit dem Wissen, dass wir – so unvoreingenommen wir das Fest aus den Lesungstexten verstehen wollen – dennoch auch von der Tradition geprägt sind. Vielleicht stellen die beiden angedeuteten Wege nur zwei Extrempositionen dar und wird sich ein Verstehen-Wollen des Festes ohnehin immer in einem Zwischenraum von Schrift und Tradition bewegen – einem Zwischenraum, in welchem es freilich graduelle Unterschiede in der Akzentsetzung geben kann: Heute nehmen wir den Ausgangspunkt, wie gesagt, eher bei den Lesungen als bei den überlieferten Vorstellungen, die das Fest begleiten. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 19. Sonntag im Jahreskreis | Sonntag, 8. August 2021 |  Das Brot und die Fragen

Die Perikope aus dem Johannesevangelium (6,41–51), die für den heutigen Sonntag vorgesehen ist, schließt an die vorigen Sonntage an. Seit Mitte Juli begegnen uns Erzählungen vom Brot des Lebens, das Jesus den Menschen gibt und das er selbst ist. Heute wird die Auseinandersetzung darüber, was dies bedeutet, die sich schon am letzten Sonntag angebahnt hat (Joh 6,24–35), deutlicher. Wir hatten bereits gesehen, dass es im Johannesevangelium immer wieder um die Frage geht, ob Handlungen und Worte Jesu real oder symbolisch zu verstehen sind – oder nicht doch in auf einen Zwischenraum verweisen, den man vielleicht metaphorisch nennen könnte. Weder die reale noch die geistige Ebene darf aufgegeben werden. Das reale Geschehen erlangt seine Bedeutung erst, wenn es gedeutet wird, das Geistige muss sich immer auch materialisieren. Meist führt das zu Missverständnissen, zu Schwierigkeiten des Verstehens, wie wir auch heute wieder erfahren werden.

Betrachten wir die erste Szene des heutigen Evangeliums, das damit einsetzt, dass Jesu Zuhörerinnen und Zuhörer zu murren beginnen, weil Jesus sagt: „Ich bin das Brot, das herabgekommen ist aus dem Himmel“ (41). Darauf antworten die Menschen: „Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie sagt er, dass er aus dem Himmel herabgekommen ist?“ (42) weiterlesen...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 18. Sonntag im Jahreskreis | Sonntag, 1. August 2021 | Die schwierige Frage nach der Zeichenhaftigkeit

Die für den heutigen Sonntag vorgesehene Passage aus dem Johannesevangelium (6,24–35) schließt an die Perikope des letzten Sonntags an. Sie hat ihren Zielpunkt in folgender Aussage Jesu: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird sicher nicht Hunger haben, wer an mich glaubt, wird sicher niemals Durst haben.“ (6,35) Damit ist auch die Evangeliumsstelle des letzten Sonntags zusammengefasst: Viele Menschen waren zu Jesus gekommen, um ihn zu hören. Sie wurden von ihm gespeist, ihr Hunger wurde gestillt. Die Perikope des heutigen Sonntags kann wie eine Interpretation dessen gelesen werden, was wir am vergangenen Sonntag gehört haben, und sie spannt ein weites Netz an Bezügen auf.

Der Text beginnt damit, dass die Menschen Jesus erneut aufsuchen (6,24f). Ihr Interesse deutet Jesus mit Blick auf die Begebenheit vom letzten Sonntag: Sie würden ihn suchen, weil sie von den Broten gegessen haben und satt geworden sind, nicht aber, weil sie ein Zeichen gesehen haben. Die wundersame Speisung war nicht geplant, sie hat in dem Moment ihren Anfang genommen, als Jesus die vielen Menschen rund um ihn sah. Sie hat die Menschen unerwartet und unmittelbar ereilt. Nun aber kommen die Menschen zurück, sie kommen wieder zu Jesus. Mit dieser Wiederholung stellt sich die Frage, was hier eigentlich vor sich geht, in einer ganz anderen Dringlichkeit. Worum geht es bei diesem Geschehen eigentlich? Jesus stellt diese Frage selbst und bietet eine Deutung an: „Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr ein Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.“ (6,26) Ich nehme an, mit dieser Behauptung will Jesus kein Urteil sprechen, sondern bei den Menschen ein Nachdenken darüber auslösen, welche Aspekte denn sonst noch in ihre Motivation, Jesus wieder aufzusuchen, einfließen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus das Interesse der Menschen so einfach auf die kurz zuvor erfolgte Sättigung einschränken möchte. Will er nicht eher eine Form des Widerspruchs provozieren – so in etwa: „Es stimmt teilweise, was Du, Jesus, sagst. Natürlich hat uns begeistert, dass wir satt geworden sind. Aber erinnere Dich doch, wir sind letztens zu Dir gekommen, weil wir schon andere Zeichen von Dir gesehen haben [vgl. 6,2]. Wir wollen einfach wissen, was es mit Dir auf sich hat. Dieses Interesse hat sich für uns noch gesteigert.“ Eine solche oder eine ähnliche Reaktion wäre von den Menschen wohl zu erwarten. Sie würde dann ihrerseits verlangen, dass Jesus nun selbst genauer darlegt, worin der zeichenhafte Charakter seiner Handlungen besteht. Genau dies geschieht dann im weiteren Verlauf des sechsten Kapitels des Johannesevangeliums. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 17. Sonntag im Jahreskreis | Sonntag, 25. Juli 2021 | Brot als Nahrung und Brot des Lebens

Am heutigen Sonntag hören wir als Evangelium eine Passage aus dem Johannesevangelium (6,1–15). Es handelt sich um eine Erzählung, die sich – wenn auch mit gewissen Unterschieden – in allen vier Evangelien findet, bei Markus und Matthäus sogar zweimal. Offensichtlich handelt es sich um eine sehr bedeutende Begebenheit. Bewusst möchte ich jene Überschriften vermeiden, welche man der Erzählung irgendwann einmal gegeben hat und welche unsere Wahrnehmung sehr zu lenken vermögen. Ich betone an dieser Stelle, dass die Überschriften, welche die verschiedenen biblische Passagen erhalten haben, nicht original sind und nicht zum biblischen Text gehören. Sie stellen lediglich Gliederungsversuche der Herausgeberinnen und Herausgeber dar. Manchmal lenken sie die Interpretation tendenziös in eine bestimmte Richtung. Anstatt ein Stichwort als Titel zu nennen, möchte ich die Geschichte kurz nacherzählen.

Jesus wandert an das andere Ufer eines Sees. Unerwartet versammeln sich viele Menschen bei ihm, weil sie erlebt haben, wie er Krankte heilt. Als Jesus bemerkt, dass die Menschen Hunger haben, bezieht er seinen Schülerkreis ein und stellt ihnen die Frage, wie sie der großen Menge zu essen geben können. Die finanziellen Ressourcen reichen nicht aus, um Verpflegung zu kaufen. Andreas, einer der Schüler Jesu, weist auf ein Kind oder einen Jugendlichen hin, der ein paar Fische und Brote bei sich hat und der diese offensichtlich zur Verfügung stellt. Jesus spricht ein Dankgebet über diese Gaben und lässt sie anschließend an die Menge verteilen, die sich in der Zwischenzeit in formierten Gruppen ins Gras gesetzt hat. Alle werden satt, die Reste werden eingesammelt und füllen zwölf Körbe. Die Menschen sprechen Jesus daraufhin als den Propheten an, „der in die Welt [kósmos] kommt“ (Joh 6,14). Jesus bemerkt, dass in der Menge der Wunsch entsteht, ihn zum König zu machen, und geht allein fort auf einen Berg. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 16. Sonntag im Jahreskreis | 18. Juli 2021
Verschiedene Verwendungen eines Bildes …

Am heutigen Sonntag hören wir zu Beginn eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia (23,1–6), die – als Auftakt der Schriftstellen – ein sehr starkes Bild setzt: Menschen erfüllen ihre Hirtenaufgabe, für andere zu sorgen und ihnen Schutz zu bieten, nicht, weshalb Gott selbst Hirten suchen wird, die dieser Aufgabe wie König David besser nachkommen:

Ich werde für sie Hirten erwecken, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verloren gehen – Spruch des HERRN. Siehe, Tage kommen –Spruch des HERRN –, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit. (4–6) weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, 15. Sonntag im Jahreskreis, Sonntag, 11. Juli 2021 | Benedikt und seine Ordensregel, gelesen ausgehend vom Buch der Sprichwörter

Das Fest des Heiligen Benedikt wird einerseits am 21. März begangen, andererseits am 11. Juli. Im Stift Melk hat traditionell der Feiertag im März die größere Bedeutung, dieser Tag ist auch der Gründungstag des Klosters. Heuer fällt der im Juli gefeierte Festtag Benedikts auf einen Sonntag. Mehrere Lesungstexte stehen für diesen Tag zur Auswahl: eine Lesung aus dem Buch der Sprichwörter (2,1–9), eine Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Ephesus (4,1–6) oder Kolossä (3,12–17) sowie eine Perikope aus dem Lukasevangelium (22,24–27) und zwei Perikopen aus dem Matthäusevangelium (5,1–12 oder 19,27–29).

Treffend für den heutigen Tag ist die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter gewählt. Sie zeigt den Geist, aus dem auch die Regula Benedicti verfasst ist. Zwar wird diese Passage in der Ordensregel des Heiligen Benedikt nicht direkt zitiert, man könnte Letztere aber fast wie einen Kommentar zu ihr lesen. Bevor wir darauf eingehen, möchte ich darauf hinweisen, dass Benedikt schon im ersten Satz seiner Ordensregel das Buch der Sprichwörter aufgreift: „Höre, o Sohn, auf die Weisung des Meisters und neige das Ohr deines Herzens“ (RB, Prolog 1). Bei diesem Vers handelt es sich um eine freie Zusammenstellung aus Worten, die dem Buch der Sprichwörter und den Psalmen entnommen sind: „Höre, mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters, und die Unterweisung deiner Mutter verwirf nicht!“ (Spr 1,8) „Mein Sohn, achte auf meine Worte, neige dein Ohr meiner Rede zu!“ (Spr 4,20) „Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr“ (Ps 45,11). weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, 14. Sonntag im Jahreskreis, Sonntag, 4. Juli 2021 | Von Stärke und Schwachheit

Paulus verwendet in jener Passage aus dem zweiten Brief an die Gemeinde von Korinth (12,7–10), die für den heutigen Sonntag vorgesehen ist, viermal das Wort „schwach“, das im Übrigen auch im Brief an die Gemeinde von Rom eine wichtige Rolle spielt. Gott sagt zu Paulus: „Es genügt dir meine Gnade, denn die Kraft [dynamis] wird in der Schwachheit vollendet.“ (12,9). „Am liebsten also werde ich mich mehr rühmen in meinen Schwachheiten, damit in mir die Kraft Christi Wohnung nehme.“ (12,9) „Deshalb finde ich Gefallen an den Schwachheiten […], denn wann immer ich schwach bin, bin ich stark.“ (12,10) Ich habe den Eindruck, dass dieses sonderbare Verhältnis von Kraft (oder Dynamik) und Schwachheit gegenwärtig mehr Wiederhall in der philosophischen Diskussion als in der Theologie findet. Es findet vor allem bei jenen Denkerinnen und Denkern ein großes Interesse, die keine Scheu haben, den Widerspruch auch tatsächlich zu denken, ohne ihn wieder auflösen zu wollen. Für sie kann Paulus mit seinen wiederholten Paradoxien, wie sie besonders in der Spannung von Kraft und Schwachheit zum Ausdruck kommen, zu einem wichtigen Gesprächspartner werden (z.B. Hegel, Walter Benjamin, Giorgio Agamben …). Man könnte dabei von Denkformen der Dialektik sprechen. Ich möchte die paulinische Aufmerksamkeit für die Schwäche zum Ausgangspunkt nehmen und fragen, ob sie uns nicht einen möglichen Weg durch die anderen Texte des heutigen Sonntags weisen kann. Ich betone, dass es sich um einen möglichen Weg handelt, nicht um den einzigen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Hochfest Peter und Paul, 29. Juni 2021
Peter und Paul und die Eröffnung eines Zwischenraums – weder objektive Realität noch Fiktion

Für das heutige Fest sind eine Lesung aus der Apostelgeschichte (12,1–11), Teile des 34. Psalms, eine Passage aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an Timotheus (4,6–8.17f) sowie eine Perikope aus dem Matthäusevangelium (16,13–19) als Schriftstellen vorgesehen.

Die beiden Lesungen stellen uns Petrus und Paulus jeweils als Gefangenen vor. Nach dem Tod des Jakobus wird, wie die Apostelgeschichte berichtet, Petrus von Herodes ins Gefängnis gebracht. In der Nacht jedoch befreit ihn ein Engel Gottes auf wundersame Weise; Petrus weiß nicht, ob das Geschehen wirklich sei und glaubt, eine Vision zu sehen. Schließlich verlässt der Engel Petrus, und er kommt wieder zu sich. Sein Weg führt ihn sofort zum Haus der Maria, der Mutter des Johannes Markus, wo sich einige versammelt haben und miteinander beten.

Paulus schreibt aus dem Gefängnis einen Brief an Timotheus. Für ihn stellt sich die Situation bedrohlicher dar; er wird wohl das Gefängnis nicht mehr verlassen können. Der Brief stammt vermutlich aus der „Schule“ des Paulus; geschrieben, als Sender und Empfänger, Paulus und Timotheus, bereits gestorben waren. Dies war vermutlich allen Leserinnen und Lesern bewusst. Dennoch verfasst der Autor im Namen von Paulus einen Brief. Er lässt Paulus vor seinem Tod aus dem Gefängnis an einen seiner wichtigsten Gefährten schreiben. Vom konkreten Kommunikationsmittel mit den Gemeinden, in die Paulus nicht reisen konnte (Erster Brief an die Gemeinde von Thessaloniki, Brief an die Gemeinde von Rom …) ist der Brief zum literarischen Mittel geworden. Hier schreibt nicht mehr ein Autor an eine bestimmte Gemeinde, sondern übernimmt jemand diese literarische Gattung, setzt sie fort und adressiert seinen Brief wohl an alle Christinnen und Christen. Der Brief scheint eine wichtige Funktion in der Verbundenheit der frühen christlichen Gemeinden gewonnen zu haben.

weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 27. Juni 2021
Das Buch der Weisheit: Lebensbejahende Stimme in einem multikulturellen Kontext

Für den heutigen Sonntag ist zunächst eine Lesung aus dem Buch der Weisheit vorgesehen, bei der einige Verse des ersten Kapitels mit einigen des zweiten Kapitels kombiniert werden, wobei dazwischen viel ausgelassen wird (Weish 1,1,13–15 und 2,23f). Darauf folgen eine Auswahl von Versen des 30. Psalms und eine Passage aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth, die jedoch ebenfalls nicht durchgängig gelesen wird (2 Kor 8,7.9.13–15). Das Evangelium ist eine lange Perikope aus dem Markusevangelium, in der zwei Erzählungen, wie Jesus Menschen heilt, ineinandergeschoben werden (Mk 5,21–43): eine Frau, die schon sehr lange krankt ist, sowie ein Mädchen. Motivliche Bezüge, die uns als Leserinnen und Lesern den Übergang von einem zum nächsten Text ermöglichen, lassen sich an diesem Sonntag nicht leicht finden. Das muss aber nicht nur ein Nachteil sein. So kann jeder Text stärker für sich stehen; er hat seine eigene Würde und Bedeutung jenseits des Zusammenhangs der von uns als Leserinnen und Lesern rekonstruiert wird. Die singuläre Würde jedes einzelnen Textes könnte jedoch noch deutlicher hervortreten, wären die Texte nicht so sehr aus einzelnen Versen unter Weglassung anderer zusammengesetzt. Ich möchte im Folgenden lediglich auf einen Text, die Lesung aus dem Buch der Weisheit, eingehen.
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 20. Juni 2021
Der Blick in eine neue Welt. Eröffnung, Dramatik, Beruhigung

Die Auswahl der Schriftstellen für den heutigen Gottesdienst bildet wieder ein Netz subtil aufeinander verweisender Texte. Alle treffen sich in dem Gedanken von Gott als souveränem Schöpfer der Welt und interpretieren einander gegenseitig. Natürlich sind all die Texte in sich wesentlich vielschichtiger, ich werde sie im Folgenden aber genau mit Blick auf jenen Aspekt hin betrachten.

Die erste Lesung ist ein kleiner Auszug aus der ersten Rede, mit der Gott dem leidenden, klagenden und anklagenden Ijob antwortet (Ijob 38,1.8–11):
Wer verschloss das Meer mit Toren,
als schäumend es dem Mutterschoß entquoll,
als Wolken ich zum Kleid ihm machte,
ihm zur Windel dunklen Dunst,
als ich ihm ausbrach meine Grenze,
ihm Tor und Riegel setzte
und sprach: Bis hierher darfst du und nicht weiter,
hier muss sich legen deiner Wogen Stolz?
(Ijob 38,8–11)

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 13. Juni 2021, 11. Sonntag im Jahreskreis: Palme, Zeder, Senfbaum

Die für den heutigen Sonntag vorgesehenen Schriftlesungen führen vor, wie sehr der biblische Text als ein Geflecht aus Zitaten und Verweisen zu sehen ist. Nehmen wir die erste Lesung aus dem Buch des Propheten Ezechiel (17,22–24), den 92. Psalm und die Perikope aus dem Markusevangelium (4,26–34), sieht man, wie ein Motiv immer wieder neu aufgenommen und weitergeführt wird. Dass das möglich war – und zwar sowohl für die Schreibenden als auch für die Lesenden, von denen zumindest manche das verstehen sollten – zeigt ein hohes Bildungsniveau bei all denen, die viel mit den heiligen Texten zu tun hatten. So erscheinen mir auch die Vorstellungen von Jesus als dem ungelernten Handwerker und einer Gruppe chaotischer Sozialrevolutionäre oder -romantiker, die ihn umgaben, nicht als sehr stichhaltig. Wie Roland Deines zeigt, ist fast jedes Wort Jesu, das uns überliefert ist, ein Zitat aus den heiligen Schriften Israels. Vermutlich stammte Jesus nicht aus einem bildungsfernen Umfeld. Als tekton war sein Vater, so müsste man heute sagen, Baumeister oder Architekt, seine Mutter konnte ihn in den Schriften erziehen. Das Wissen darum wurde eher in der Geschichte der bildenden Kunst als in der Theologie bewahrt, wird doch Maria bei der Szene der Ankündigung, dass sie den „Sohn des Höchsten“ (Lk 1,32) empfangen werde, klassisch als lesend in den heiligen Schriften dargestellt. Theologie sollte das Erbe der bildenden Künste wieder ernster nehmen.

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 6. Juni 2021
10. Sonntag im Jahreskreis: Paulus an die Gemeinde von Korinth …

Für den heutigen Sonntag sind eine Lesung aus dem Buch Genesis (3,9–15), der 130. Psalm, eine Lesung aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (4,13–5,1) und eine Perikope aus dem Markusevangelium (3,20–35) als Schriftstellen vorgesehen. Es ist nicht einfach, eine Verbindung zu den vergangenen Sonntagen und den Festen der letzten Wochen zu ziehen: zur Gabe des Geistes zu Pfingsten und der Eucharistie zu Fronleichnam sowie dem Fest der Dreifaltigkeit am vergangenen Sonntag. Eher heterogen erscheinen auch die Themen der einzelnen Schriftstellen des heutigen Sonntags. Natürlich lässt sich immer irgendwie etwas mit etwas anderem verbinden; es will jedoch weder leicht fallen, den heutigen Sonntag in eine Kontinuität mit den vorangehenden Sonn- und Feiertagen zu stellen noch ihm aus den Themen der Texte des heutigen Tages ein eigenes Gepräge zu geben. Das muss jedoch nicht nur ein Nachteil sein, es kann auch helfen, sich einfach auf das einzulassen, was die Texte uns sagen und diese nicht zu stark von einem schon zuvor bestimmten Fokuspunkt aus zu betrachten: Am Dreifaltigkeitssonntag geht es um die Dreifaltigkeit, also sprechen alle Texte davon; Fronleichnam ist das Fest der Eucharistie, also müssen alle Texte davon ausgehend interpretiert werden … Ich möchte im Folgenden nur ein paar wenige Motive aufgreifen, die Paulus an die Gemeinde von Korinth adressiert. Vielleicht lassen sich dabei dann doch ein paar lose Anknüpfungspunkte finden, die uns von den Festtagen in den Jahreskreis geleiten. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, 3. Juni 2021
Fronleichnam: Eucharistie als Gabe des Bundes

Am heutigen Feiertag steht die Gabe der Eucharistiefeier an die Menschen im Mittelpunkt des Festes. Ausgehend von den für heute ausgewählten Lesungstexten wird das Geschehen der Eucharistie unter dem Gedanken des Bundes betrachtet: eine Lesung aus dem Buch Exodus (24,3–8), eine Lesung aus dem Brief an die Hebräer (9,11–15), eine Passage aus dem Markusevangelium (14,12–16.22–26).

Die Perikope aus dem Markusevangelium ist auf die Eucharistie bezogen und wird oft unter den Stichworten „letztes Abendmahl“ oder „Einsetzung der Eucharistie“ gefasst. Jesus spricht dabei den Segen über Brot und Wein und reicht beide seinen Schülern. Bevor er ihnen den Kelch gibt, sagt er: „Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.“ (Mk 14,24) Das ist zunächst eine direkte Anspielung auf den Bundesschluss, wie er im Buch Exodus geschildert wird, wo es heißt: „Da nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Das ist das Blut des Bundes, den der HERR aufgrund all dieser Worte mit euch schließt.“ (Ex 24,8) Das Geschehen der Eucharistie, das wird an dieser, aber auch an vielen anderen Stellen deutlich, steht in der Tradition des Exodus. Darüber hinaus muss jene Aussage Jesu auch als ein in hohem Grade metaphorischer Vorgang verstanden werden; man könnte von einer zweifachen Metapher sprechen: Erstens wird Wein als Blut Jesu identifiziert und dieses zweitens mit dem Gedanken des Bundes Gottes mit den Menschen verbunden. Behalten wir dies im Auge und gehen wir über zur Lesung aus dem Brief an die Hebräer. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, 30. Mai 2021
Dreifaltigkeitssonntag: „… der Geist, in dem wir rufen: Abba, der Vater“

Eine Woche nach Pfingsten wird der Dreifaltigkeitssonntag gefeiert. Die Lesung aus dem Buch Deuteronomium (4,32–34.39f) bildet den Hintergrund, vor dem christlich alle Überlegungen zur Trinität erfolgen müssen: der Glaube an den einen Gott. Dreifaltigkeit bedeutet nicht Glaube an drei Götter: „Heute sollst du erkennen und zuinnerst begreifen: Der HERR ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst.“ (39). Der Glaube an einen Gott wird dabei sowohl mit der Schöpfung als auch mit dem Exodus, den beiden Grundmotiven biblischen Denkens, verbunden. Zuerst wird Gott als der Schöpfer bezeichnet, der Leben spendet: „Denn forsche doch einmal in früheren Zeiten nach, die vor dir gewesen sind, seit dem Tag, als Gott den Menschen auf der Erde erschuf; forsche nach vom einen Ende des Himmels bis zum andern Ende: Hat sich je etwas so Großes ereignet wie dieses und hat man je solches gehört?“ (32) Danach wird Gott als der verstanden, der Freiheit schenkt:

Oder hat je ein Gott es ebenso versucht, zu einer Nation zu kommen und sie sich mitten aus einer anderen herauszuholen unter Prüfungen, unter Zeichen, Wundern und Krieg, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm und unter großen Schrecken, wie alles, was der HERR, euer Gott, in Ägypten mit euch getan hat, vor deinen Augen? (34)

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Pfingstmontag, 24. Mai 2021, 
Pfingstmontag: Nachhall des Pfingstfestes

Der Pfingstmontag ist Echo des Pfingstsonntags. Liturgisch zählt er nicht mehr zum Osterfestkreis, der mit dem Pfingstsonntag endet, sondern zum so genannten Jahreskreis, der am Pfingstmontag fortgesetzt wird. Er ist das Nachklingen des Pfingstfestes in die Zeit des Alltags. Für diesen Tag sind mehrere Lesungen vorgesehen, die in der einen oder anderen Form von der Gabe des Geistes erzählen. Werden wir, wenn wir all die Stellen betrachten, wenigstens heute – wenn schon nicht gestern am Pfingstfest – zu einem durchgängig konsistenten Bild dessen kommen, was denn der Heilige Geist sei?

Zunächst steht eine etwas zusammengesetzte Lesung aus der Apostelgeschichte (8,1.4.14–17) zur Auswahl, die wie die Erzählung vom Pfingstereignis (2,1–13) von der Gabe des Geistes berichtet. Über die Glaubenden aus Samarien heißt es: „Dann legten sie [Petrus und Johannes] die Hände auf sie, und sie empfingen den heiligen Geist.“ (8,17) Gewiss ist die Erzählung, wie sich die Feuerzungen auf die Schülerinnen und Schüler Jesu ergießen und deren Sprache auf einmal Menschen verschiedener Herkunft verständlich wird, die eindrucksvollere und bedeutendere Pfingsterzählung; wenn es aber zu Pfingsten um die Vielfalt im Geist geht, darf das Ereignis von dessen Ausgießung nicht bloß einmal berichtet werden. Es muss selbst im biblischen Text mehrere Varianten erhalten, um der Vielfalt, die in der Aussage zentral ist, zu entsprechen. Heute hören wir eine andere Version als gestern: „Dann legten sie die Hände auf sie, und sie empfingen den heiligen Geist.“ (8,17) weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Pfingstsonntag, 23. Mai 2021, 
Der Geist scheint so wenig konkret …

Für den Pfingstsonntag steht eine Fülle an Lesungstexten zur Auswahl: Zunächst die Erzählung des Pfingstereignisses, wie sie sich im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte findet (2,1–11). Weiters werden einige Verse aus dem 104. Psalm gebetet und kann man eine von zwei Passagen auswählen, die beide Paulusbriefen entnommen sind: aus dem 1. Brief an die Gemeinde von Korinth (12,3–7.12f) und aus dem Brief an die Gemeinden in Galatien (5,16–25). Als Evangelium kann schließlich eine Perikope aus den Auferstehungserzählungen, wie sie Johannes überliefert (20,19–23), oder eine Passage aus den Abschiedsreden Jesu (15,26f; 16,12–15) ausgesucht werden. Wie auch immer man diese Texte kombiniert, sie zeichnen ein Bild von der Gabe des Geistes.

Damit sind wir bei einem seltsamen Punkt angelangt: der Frage nach dem Heiligen Geist. Dass „Gott“ in der christlichen Religion von großer Bedeutung ist, lässt sich nachvollziehen (für Glaubende wie für Nicht- und Halbglaubende), handelt es sich doch um eine monotheistische Religion. Alle monotheistischen Religionen sind auf den Namen des einzigen Gottes hin konzentriert. Im Christentum gibt es dabei die Besonderheit, dass ein Mensch, ein Individuum in Raum, Zeit, Geschichte, Kultur und Sprache ganz in die Sphäre Gottes eingerückt ist; ja, dass Gott nicht mehr ohne diese Gestalt, nämlich Jesus, gedacht werden kann. Gedanklich bereitet das einige Schwierigkeiten, für Glaubende und Nicht-Glaubende. Wie kann es sein, dass ein Mensch solche Bedeutung erlangt und sich in einer konkreten Person alle Hoffnungen und Erwartungen der Heiligen Schriften versammeln? Wie kann man am Glauben an den Namen des einen Gottes festhalten und gleichzeitig Jesus in die Sphäre Gottes rücken? Dann aber kommt dazu noch den Geist, der als dritte göttliche Person gilt. Der Geist ist gänzlich ungreifbarer, was soll man sich unter einem Heiligen Geist vorstellen? Das Problem bei Jesus ist, dass er irgendwie zu konkret ist (eine geschichtliche Person, die wirklich gelebt hat!), das Problem beim Heiligen Geist ist, dass er zu unkonkret ist. Christlich geht Gott also mit einer zu großen Konkretheit (Jesus) und mit einer zu großen Ungreifbarkeit (Heiliger Geist) einher. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 16. Mai 2021, Siebenter Sonntag der Osterzeit: Die Ernennung eines Ersatzapostels …

Wie während der gesamten Osterzeit ist auch für den heutigen Sonntag eine Lesung aus der Apostelgeschichte vorgesehen (Apg 1,15–26). Sie stellt die Brücke zwischen der Aufnahme Christi in den Himmel und der Gabe des Geistes zu Pfingsten dar. Judas, der den Soldaten gezeigt hatte, wer Jesus sei, ist, wie Petrus berichtet, zu Tode gekommen. Nun soll jemand aus dem Kreis der Schüler Jesu, der die gesamte Zeit mit Jesus Umgang hatte, aber eben nicht zu den zwölf Aposteln zählte, anstelle von Judas bestimmt werden, um „mit uns Zeuge seiner Auferstehung“ (1,22) zu werden. Es kommt zu einem Losentscheid zwischen Josef Barsabbas Justus und Matthias, der zugunsten des Matthias ausfällt. Zwischen der Himmelfahrt, welche Jesu den Blicken seiner Schülerinnen und Schüler entzieht, und der Gabe des Geistes zu Pfingsten steht eine einzige Begebenheit. Was geschieht bei dieser Versammlung der etwa 120 Personen (1,15) aus dem Umkreis Jesu? weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Christi Himmelfahrt: Die Frage nach einem geistigen Blick auf die Welt

Das heutige Fest Christi Himmelfahrt setzt, was wir zu Ostern feiern, fort und gibt dem Ostergeheimnis eine bestimmte Richtung. Vielleicht könnten wir sogar von einer leisen Korrektur eines naheliegenden Missverständnisses sprechen. Den wichtigsten Ausgangspunkt in der Schrift hat der heutige Feiertag in den ersten Versen der Apostelgeschichte (1,1–11).

Dort heißt es, Jesus habe sich nach seinem Leiden vierzig Tage lang den Aposteln durch Beweise als der Lebende sehen lassen und habe ihnen „durch den Heiligen Geist“ (1,2) Aufträge gegeben (1,1–3). Schon dabei tritt der Geist als eine vermittelnde Instanz hervor, mit Pfingsten wird dieses Moment dann jedoch noch einmal akzentuiert. Mit der kleinen Wendung „durch den Heiligen Geist“ (1,2) wird etwas deutlich gemacht, was letztlich auch für alle Ostererzählungen gilt. Die Erfahrung des auferstandenen Jesus ist immer schon durch den Geist vermittelt, es geht um ein Sehen des Auferstandenen im Geist. Der Tod Jesu ist also nicht nur eine kurze Unterbrechung, als wäre Jesus von Freitag bis Sonntag nicht da gewesen und komme dann vierzig Tage lang immer sonntags zurück. Nie ist die Begegnung mit dem Auferstandenen ganz bruchlos, immer hält sie sich an einer Schwelle zwischen Sehen und Nicht-Sehen, immer bleibt sie in einer Schwebe zwischen Präsenz und Absenz. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 9. Mai 2021
Sechster Sonntag der Osterzeit: Offenbarung der Freundschaft

Betrachtet man die für den heutigen sechsten Sonntag der Osterzeit vorgesehenen Lesungstexte, fällt auf, dass dieser Sonntag, verglichen mit den vorangehenden, in inhaltlicher Hinsicht wenig eigene Prägung hat. An den ersten drei Sonntagen der Osterzeit standen Auferstehungserzählungen im Mittelpunkt, danach folgten starke Bilder: Jesus als guter Hirte (vierter Sonntag der Osterzeit) und als Weinstock (fünfter Sonntag). An diesem Sonntag ist es anders; es ist schwer einen eigenen Charakter dieses Tages zu finden – er weist vor allem auf das Kommende voraus: Pfingsten und Christi Himmelfahrt.

Die erste Lesung ist aus einigen Versen des zehnten Kapitels der Apostelgeschichte zusammengesetzt (10,25–48). Sie gibt schon heute den Blick auf das Pfingstfest frei, handelt es sich doch um eine jener Geschichten, die von der Gabe des Geistes erzählen. Dieses Motiv findet sich ja nicht nur in der berühmten Erzählung aus dem zweiten Kapitel der Apostelgeschichte, die davon handelt, wie der Geist Gottes es ermöglicht, dass Menschen verschiedener Sprachen einander plötzlich verstehen, sondern auch an zahlreichen anderen Stellen dieses biblischen Buches. So heißt es in der heutigen Lesung: „Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.“ (10,44). Es liegt nahe, dass zunächst einige der Anwesenden erstaunt sind, dass der Geist über alle ausgegossen wird (45) und die Menschen „in Zungen“ geisterfüllt zu reden beginnen (46). Auch an anderen Orten zeigt der biblische Text eine gewisse Skepsis gegen diesen überschwänglichen Lobpreis Gottes. Petrus versucht die Zweifelnden zu beruhigen (47). Die pfingstliche Gabe des Geistes ist nicht leicht zu fassen, sie wirft fast unweigerlich die Frage auf, wie dieses Geschehen zu deuten sei.

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 2. Mai 2021
F
ünfter Sonntag der Osterzeit:
Erzählung, Gebet, Meditation – von der Vielstimmigkeit der Bibel

Die vier für den heutigen Sonntag ausgewählten Lesungstexte führen uns die Unterschiedlichkeit biblischer Rede vor.

Zunächst hören wir eine Lesung aus der Apostelgeschichte (9,26–31). Saulus, der später den Namen Paulus erhalten wird, war überraschend von Jesus berufen worden, dessen Namen zu verkündigen – überraschend war dies deswegen, weil er eigentlich die in der Nachfolge Jesu entstehende Bewegung verfolgt hatte. Der heutige Lesungsabschnitt erzählt, wie Saulus nach seiner Berufung nach Jerusalem kommt und die dort wohnhaften Schülerinnen und Schüler Jesu aufsuchen will; diese sind allerdings skeptisch und meiden ihn. Barnabas nimmt sich jedoch seiner an und stellt ihn den Aposteln vor. Saulus, der schon in Damaskus im Namen Jesu gepredigt hat, predigt in der Folge auch in Jerusalem. Beide Male sagt uns der Text, dass die Predigt in offener, freier Weise erfolgt sei. Für die offene, freimütige Rede gibt es in der griechischen Sprache das Wort parresía, ein Wort, das später den Philosophen Michel Foucault faszinieren wird. Die Argumentation des Saulus wird nicht von allen gut aufgenommen, die Lage spitzt sich zu, er bricht verfrüht nach Cäsarea und dann nach Tarsus auf. Es handelt sich hierbei um die Schilderung von historischen Begebenheiten. Eigentlich gibt es keinen Grund zu zweifeln, dass sich die Dinge so oder so ähnlich abgespielt haben, wie der Evangelist Lukas sie in der Apostelgeschichte beschreibt. Paulus ist eine Gestalt, welche für die Zeit, in der sie lebte, historisch gut bezeugt ist, die geschilderten Begebenheiten erscheinen als plausibel und sind gut nachvollziehbar. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 25. April 2021
Vierter Sonntag der Osterzeit:
Von der Problematik logischer Ableitungen aus der Bibel

Am vierten Sonntag der Osterzeit hören wir in einer Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 4,8–12), wie Petrus sich nach der Heilung eines Kranken und einer anschließenden öffentlichen Predigt vor den Autoritäten der Stadt verantworten muss. Ich meine, dass diese Stelle Anlass zu einem großen Missverständnis bieten kann. Sie kann so gelesen werden, dass sie die Bedeutung anderer Religionen völlig ignoriert. Diese Lektüre scheint mir der Stelle aber nicht angemessen. Hören wir zunächst die gesamte Passage:

Da sagte Petrus, erfüllt vom Heiligen Geist, zu ihnen: Ihr Führer des Volkes und ihr Ältesten! Wenn wir heute wegen einer guten Tat an einem kranken Menschen darüber vernommen werden, durch wen er geheilt worden ist, so sollt ihr alle und das ganze Volk Israel wissen: im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, den ihr gekreuzigt habt und den Gott von den Toten auferweckt hat. Durch ihn steht dieser Mann gesund vor euch. Dieser Jesus ist der Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen. (Apg 4,8–12)
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl, Sonntag, 18. April 2021
Dritter Sonntag der Osterzeit: Der Auferstandene und die Leserinnen und Leser

Für den heutigen Sonntag sind eine Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 3,12–19), Teile des 4. Psalms, eine Lesung aus dem 1. Johannesbrief (1 Joh 2,1–5) und eine Perikope aus dem Lukasevangelium vorgesehen (Lk 24,35–48). Im Folgenden möchte ich eine kurze Passage des heutigen Evangeliums herausgreifen:

Dann sagte er [Jesus] zu ihnen [seinen Schülerinnen und Schülern]: Diese sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war, dass sich all das im Gesetz des Mose und den Propheten und den Psalmen über mich Geschriebene erfüllen müsse. Dann öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften. (Lk 24,44f)

Das Lukasevangelium legt, wie auch die Stelle des heutigen Tages zeigt, an neuralgischen Stellen einen Akzent auf die Interpretation. Dies zeigt sich schon an seinem Beginn, als sich der Autor explizit an einen Leser mit Namen Theophilus, „Gottesfreund“, wendet (Lk 1,1–4). Wer Gott liebt, kann vielleicht, so hofft es Lukas, in seiner Darstellung von Leben, Tod und Auferstehung Jesu einige Sicherheit für seinen Glauben finden:

Nun habe auch ich mich entschlossen, nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen bin, es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest. (Lk 1,3f)  weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - weißer Sonntag | 11. April 2021
Eine Figur der Öffnung der Heiligen Schriften

Der heutige zweite Sonntag der Osterzeit wird auch als Weißer Sonntag bezeichnet. Dies hängt mit den weißen Gewändern der in der Osternacht Neugetauften zusammen. Die Osternacht galt in der frühen Kirche als der Tauftermin schlechthin. Auf diesen Zusammenhang kann ich im Folgenden jedoch nicht eingehen. Ich möchte den Blick lediglich auf ein Problem lenken, vor das uns die Lesungstexte des heutigen Sonntags stellen. Vielleicht geben sie uns auch einen Antwortversuch an die Hand. Das Problem ist die Selbstbezüglichkeit der Gemeinde als Institution und die Abgeschlossenheit des Glaubens als Gestalt des Denkens.

Wir hören zunächst eine Passage aus der Apostelgeschichte (4,32–35), die von der Gemeinschaft der Glaubenden sagt, sie sei „ein Herz und eine Seele“ (4,32) gewesen. Innerhalb der Gemeinde gab es nur gemeinschaftlich verwaltetes Eigentum, die Welt außerhalb kommt kaum in den Blick. So erzählt die darauffolgende Geschichte (5,1–11), wie die Gemeinschaft offensichtlich an ihrer Selbstbezüglichkeit scheitert. In ihrem Inneren erhebt sich Betrug, der schließlich zum Tod zweier Menschen führt. Dies wird uns durch die Aufteilung der Lesungsabschnitte jedoch vorenthalten. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostermontag, 5. April 2021
Ostermontag: Der Gang aufs Land zum Gasthaus …

In der Liturgie des Ostermontags wird eine Lesung aus der Apostelgeschichte gelesen (2,14.22–33) und werden sodann Teile des 89. Psalms gebetet. Daran schließt eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,1–8.11) an, gefolgt von der sogenannten Emmauserzählung, die im Evangelium des Lukas überliefert ist (24,13–35). Die folgenden Überlegungen sind mit einem wehmütigen Blick darauf geschrieben, dass Gasthäuser, die seit ältesten Zeiten an der Aufgabe mitwirken, öffentlichen Raum zu pflegen und bewusst für Menschen zu öffnen, in diesen Monaten in vielen Ländern geschlossen haben.

***

Zwei Schüler Jesu machen sich enttäuscht auf den Weg von Jerusalem nach Emmaus: Die in Jesus gesetzten Hoffnungen haben sich nicht erfüllt; nun werden sie durch Aussagen verwirrt, er sei nicht mehr im Grabe, sondern lebe. Während sie auf dem Weg all das besprechen, gesellt sich eine dritte Gestalt hinzu, die sie nicht erkennen, welche ihnen aber im gemeinsamen Gehen des Weges die Heiligen Schriften auslegt und sie auf das Geschehen rund um Jesus bezieht. Als sie sich dem Ziel nähern, bitten die beiden den Dritten, nicht weiterzugehen, sondern mit ihnen in einem Gasthaus einzukehren. Als der Dritte das Brot bricht, Dank sagt und es ihnen reicht, erkennen sie in dieser Geste den Auferstandenen für einen Moment. Er entschwindet ihren Augen, sie machen sich auf den Weg zurück nach Jerusalem, um davon den anderen Schülerinnen und Schülern Jesu zu erzählen.

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostersonntag, 4. April 2020
Ostersonntag: … sucht das Oben!

Am Ostertag sind folgende Lesungen für den Gottesdienst vorgesehen: eine Passage aus der Apostelgeschichte (10,34.37–43), Teile des 118. Psalms, eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (5,6–8) oder statt dessen eine Lesung aus einem Brief an die Gemeinde von Kolossä (3,1–4), vermutlich von einem Paulusschüler geschrieben, sowie eine der Auferstehungserzählungen aus dem Johannesevangelium (20,1–18).

Auch jüngst wieder hörte man von Spekulationen, Jesus sei gar nicht am Kreuz gestorben und also auch nicht auferstanden. Die Auferstehung sei eine Erfindung des Paulus, die dann in die Evangelien eingetragen worden war. Man müsse zu einem historischen Jesus zurückkehren und ihn von den Erfindungen des Paulus reinigen. Zunächst einmal ist zu sagen, dass solche Überlegungen zwar meist einen authentischeren Jesus propagieren, aber von einer Fülle von Voraussetzungen und Uminterpretationen ausgehen müssen, die selbst ungeklärt sind. Sodann ist aber zu sagen, dass solche Spekulationen meist einen höchst interessanten Kern haben. Sie legen den Finger auf fragwürdige Punkte und zwingen dazu, das, was wir den Glauben an Tod und Auferstehung Jesu nennen, genauer und wieder neu zu durchdenken. Tatsächlich dürfen wir es uns nicht zu einfach machen, immer gleich mit Tod und Auferstehung Jesu als der Mitte des christlichen Glaubens zu beginnen, als sei so klar, was denn damit gemeint ist. Die Rede von der Auferstehung wird unglaubwürdig und schal, wenn sie von christlicher Seite vorschnell als Trumpf und Antwort auf alle Fragen produziert wird. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Osternacht, 3. April 2020
Osternacht: In der Neuheit des Lebens wandeln …

Die Feier der Osternacht fällt aus der Reihe der anderen Gottesdienste des Jahres heraus. Wie die Christmette wird sie während der Nacht begangen und steht wie diese mit den nächtlichen Gebetszeiten (Matutin/Mette, Vigil) des Stundengebets in engem Zusammenhang. Damit rücken die beiden großen Feierformen christlicher Liturgie in eine ganz enge Nähe: die Eucharistie, deren Feier nicht an eine bestimmte Tageszeit gebunden ist, jedoch eine starke Hinordnung auf den Sonntag hat, und das Stundengebet der Psalmen, das täglich mehrmals zu bestimmten Zeiten gehalten wird. Es handelt sich bei der Osternacht um eine Eucharistiefeier, die wie das Stundengebet an eine bestimmte Zeit des Tages gebunden ist und wie die nächtlichen Gebetszeiten viele Lesungen und Psalmen enthält.

Die Osternacht sieht sieben alttestamentliche Lesungen mit jeweils zugehörigem Psalm (oder liedartigem Text aus einem anderen biblischen Buch), eine neutestamentliche Lesung aus dem Brief an die Gemeinde von Rom mit zugehörigem Psalm und eines der Auferstehungsevangelien vor. Die Lesungen bleiben in jedem Jahr gleich, während das Evangelium entsprechend dem dreijähren Zyklus der Auswahl der Lesungstexte für die Sonntage wechselt. In diesem Jahr hören die ganz kurze Andeutung der Auferstehung, die Markus gibt (Mk 16,1–7). Die Vielzahl der Lesungen vermag uns zunächst eines zu sagen: Der Glaube an die Auferstehung ist vielgestaltig, vielstimmig, nicht auf ein Motiv zu reduzieren. Im Folgenden möchte ich mich auf die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom beschränken (Röm 6,3–11).

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 2. April 2021 | Karfreitag

Karfreitag: Ein Blick auf die Verleugnung des Petrus In der Liturgie für den Karfreitag sind eine Lesung aus dem Buch Jesaja (52,13–53,12), einige Verse des 31. Psalms, ein Abschnitt aus dem Hebräerbrief (4,14–16; 5,7–9) und die Passionsgeschichte, wie Johannes sie in seinem Evangelium erzählt (18,1–19,42), vorgesehen.

Je öfter ich Paulus und Johannes lese, desto deutlicher wird mir der Umstand, dass wir hier jüdische Stimmen hören, deren Argumentation, Anspielungen und Polemik eine jüdische Diskussions- und Streitkultur voraussetzen. Wenn sie davon sprechen, dass sie Jesus für den Messias halten, bringen sie ihre – durchaus unterschiedlichen – Stimmen in die Vielfalt der Auslegungen der Heiligen Schriften (der Hebräischen Bibel, des TeNaChs, des Alten Testaments) ein. Freilich beginnen sich mit den Evangelien und den Briefen schon eigene literarische Gattungen abzuzeichnen, die spezifisch für die werdende Kirche sind, dennoch sind viele Elemente der Diskurse noch ganz vor dem jüdischen Hintergrund zu verstehen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 1. April 2021 | Gründonnerstag

Für den heutigen Feiertag ist eine Lesung aus dem Buch Exodus (12,1–8.11–14) vorgesehen, eine Passage aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (11,23–26), Teile des 116. Psalms (12–18) und eine Perikope aus dem Johannesevangelium (13,1–15).

Beginnen wir mit Paulus. Er fasst für die Gemeinde von Korinth zusammen, was das Geheimnis des gemeinsamen Mahles ist, das zur Erinnerung an Jesus in den Gemeinden gefeiert wird:

23Denn ich übernahm vom Herrn, was ich euch auch übergebe, dass der Herr Jesus in der Nacht, in der er übergeben wurde, Brot nahm 24und dankend brach und sprach: Dies, von mir ist es der Leib, der für euch; dies tut zu meiner Erinnerung!
25Ebenso auch den Becher nach dem Essen, sagend: Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, wann immer ihr trinkt, zu meiner Erinnerung!
26Denn, wann immer ihr dieses Brot esst und den Becher trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Der Apostel Paulus, der wohl zu den kreativsten Gestalten der christlichen Tradition gehört, betont an dieser neuralgischen Stelle seines ersten Briefes an die Gemeinde von Korinth, dass, was er mitteilt, nicht sein Werk sei. Es gehe lediglich um einen Akt der Übergabe dessen, was er selbst von Jesus, dem Herrn, übernommen habe. Nüchtern sagt er: „Denn ich übernahm vom Herrn, was ich euch auch übergebe“ (V 23). Gewiss, die Botschaft stammt nicht von Paulus; tatsächlich ist aber die Gestalt, die er ihr gibt, höchst kunstvoll. Auch wenn die zitierte Stelle keinem antiken Versmaß folgt und nicht Gedicht im engeren Sinn ist, hat sie poetischen Charakter. Ich denke, man sollte Paulus viel stärker als einen Dichter lesen …

weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 28. März 2021
Palmsonntag: Erzählung und Gedicht

Heute feiern wir den so genannten Palmsonntag, der den Beginn der Karwoche darstellt. An diesem Tag steht der Einzug Jesu in Jerusalem im Mittelpunkt. Dass dieser Tag den Namen Palmsonntag trägt, hat mit jener Version der Erzählung zu tun, die Johannes überliefert: „Da nahmen sie [die versammelte Menge] Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“ (Joh 12,13) Ein eher nebensächliches Motiv wird namensgebend für den Festtag.

Für den Palmsonntag ist ein ganzes Netz an Schriftlesungen vorgesehen: eine Passage aus dem Buch des Propheten Jesaja 50,4–7, Teile des 22. Psalm, ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi (2,6–11), die Erzählung vom Einzug in Jerusalem in der Version von Markus (11,1–10) oder Johannes (12,12–16) sowie die Passionsgeschichte, wie sie im Markusevangelium überliefert ist (14,1–15,47). Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, sich in diesem Netz zu bewegen und Bezüge herzustellen. Ich werde mich im Folgenden auf die Lesung aus dem Paulusbrief konzentrieren. weiterlesen ...

 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 5. Sonntag der Fastenzeit:
Vermittelte Zugänge und die Fürbitte füreinander

Die Perikope aus dem Johannes-Evangelium (12,20–33), die wir heute hören, ist in der Zeit zwischen dem Einzug Jesu in Jerusalem und der Fußwaschung angesiedelt, somit zwischen zwei wichtigen Ereignissen, die sehr einprägsame Bilder darstellen: Jesus reitet auf einem Esel in die Stadt und wäscht allen, die mit ihm gemeinsam essen, die Füße. Die Erzählung des heutigen Sonntags setzt zwischen die beiden markanten Ereignisse – wie so oft im Johannes-Evangelium – eine Reflexion, wer denn dieser Jesus sei. Diese Frage ist durchaus berechtigt, bedenkt man, dass er zuvor in paradoxer Königsgestalt und danach in hingebungsvoller Gastgebergestalt erscheint. Wie kommt es in der Perikope des heutigen Sonntags zur Frage nach Jesus?
Einige griechische Pilger treten in Jerusalem an Philippus heran und sagen zu ihm: „Herr, wir wollen den Jesus sehen.“ (12,21). Damit ist jene Frage vorbereitet, die Philippus später an Jesus richten wird: „Herr, zeig uns den Vater, und es genügt uns.“ (14,8) Pilger bitten Philippus, ihnen Jesus zu zeigen, er selbst bittet Jesus, ihnen den Vater zu zeigen. Nie gibt es hier ein direktes Sehen, immer tritt eine Form von Vermittlung auf: Philippus, der den Pilgern den Weg zu Jesus vermittelt, Jesus, der Philippus den Weg zum Vater vermittelt. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl 
4. Sonntag der Fastenzeit | Laetare: Ausgehen von der Freude – ein spezifischer Blick

Der vierte Sonntag der Fastenzeit wurde klassisch mit einem Freudenruf aus dem Buch Jesaja eröffnet: „Freut euch mit Jerusalem und jauchzt in ihr alle, die ihr sie liebt! Jubelt mit ihr, alle, die ihr um sie trauert“ (Jes 66,10). Das erste Wort der lateinischen Version – Laetare – hat dem Sonntag seinen spezifischen Namen gegeben. Er korrespondiert in der Betonung der Freude mit dem dritten Sonntag des Advents, der den Namen Gaudete trägt, was ebenso mit „Freut euch!“ übersetzt werden kann. Mitten in die Fastenzeit hinein erschallt ein Ruf zur Freude. Wir fragen: Setzt sich das in den anderen Lesungstexten fort? Oder anders gefragt: Wenn wir die Freude als den hermeneutischen Schlüssel für die Texte des Sonntags ansehen, wie müssen wir sie dann lesen? Welch ein spezifischer Blick ergibt sich ausgehend von der Freude? weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl 
3. Sonntag der Fastenzeit, 7. März 2021 
Jesus und die Frage nach dem Menschen
Vielleicht lassen sich alle Lesungstexte, die für den dritten Sonntag der Fastenzeit ausgewählt sind, ausgehend von einem Satz des Evangeliums deuten. Wir hören heute, erzählt von Johannes, die Geschichte, wie Jesus Leute aus dem Tempel hinauswirft, um ihre geschäftlichen Aktivitäten zu unterbrechen (Joh 2,13–25). Johannes fügt an die Erzählung eine kurze Notiz an, die besagt, dass aufgrund der Zeichen Jesu (des Weinwunders in Kanaa und des Geschehens im Tempel) viele zum Glauben an ihn kamen (2,23). Allerdings entsteht daraus kein besonders enges Vertrauensverhältnis (2,24). Es bleibt eine Distanz. Für Jesus, so heißt es abschließend, gab es keine Notwendigkeit, „dass irgendjemand Zeugnis gebe für den Menschen: Er selbst wusste, was im Menschen war“ (2,25). Das aufsehenerregende Ereignis im Tempel mündet so zunächst in eine Reflexion über den Menschen – ein Wort, das in diesem Satz gleich zweimal auftritt. Damit wird eine Grundfrage des Johannes-Evangeliums ausgesprochen: Was ist im Menschen? Was hat es mit dem Menschen auf sich? Was gibt Zeugnis vom Menschen und seiner Menschlichkeit? weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl
2. Sonntag der Fastenzeit, 28. Februar 2021 | Opferung Isaaks? Von der Genealogie zum Bund

Die erste Lesung des heutigen Sonntags ist dem Buch Genesis entnommen (22,1–18) und wird mit einigen Auslassungen gelesen. Danach folgt ein Abschnitt des 116. Psalms. Die zweite Lesung findet sich im achten Kapitel des Briefes des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (8,31–34), als Evangelium ist eine Perikope von Markus vorgesehen (9,2–10). Im Folgenden werde ich mich nur auf die Lesung aus dem Buch Genesis konzentrieren. Sie stellt eine bekannte Erzählung dar, die jedoch sehr missverständlich sein kann.

Ich bitte um Entschuldigung, dass die Ausführungen von heute so lange geworden sind. Es handelt sich bei der Geschichte von Abraham und Sarah um eine der grundlegenden Erzählungen unserer Kultur – egal, ob wir sie aus religiösem oder nicht-religiösem Interesse lesen. Hier werden grundlegende Fragen verhandelt, die uns in unserem Menschsein betreffen – wie etwa die Frage, ob Genealogie oder Bund die fundamentalere Kategorie ist. Dem ist auch die Ausführlichkeit der Überlegungen von heute geschuldet. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl
1. Sonntag der Fastenzeit: Bund Gottes mit den Menschen – als Beginn

Die erste Lesung, die für den heutigen Sonntag ausgewählt ist, legt in theologischer Hinsicht den Grund für alle weiteren Aussagen, welche in den kommenden Wochen der Vorbereitung auf Ostern transportiert werden. Der Text entstammt dem Buch Genesis (9,8–15) und steht thematisch am Ende der Erzählung von der großen Flut (Gen 6–9). Gott schließt mit der gesamten lebendigen Schöpfung, mit den Menschen und den Tieren, einen Bund:
Ich bin es. Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen nach euch und mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch, mit allen, die aus der Arche gekommen sind, mit allen Wildtieren der Erde überhaupt. (Gen 9,9f)
Nicht nur soll der Bund alle umfassen, er soll auch zeitlich in der Zukunft Gültigkeit haben; als Zeichen für den Bund dient ein Regenbogen: „Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des ewigen Bundes gedenken zwischen Gott und allen lebenden Wesen, allen Wesen aus Fleisch auf der Erde.“ (Gen 9,16) weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl
Aschermittwoch: Kontinuität der Asche, Geist der Großmut
Der Aschermittwoch stellt den Beginn der Vorbereitungszeit auf Ostern dar. Sinnlich erfahrbar wird der Übergang vom Fasching zu diesem neuen Abschnitt des Jahres durch das Streuen von Asche auf den Kopf oder die Stirn all derer, die die Liturgie mitfeiern. So sehr die Asche ein Zeichen der Vergänglichkeit ist, stiftet sie doch auch eine Form der Kontinuität. Sie stammt von den am Palmsonntag des Vorjahres gesegneten (Palm-)Zweigen, die in den Häusern aufbewahrt und vor dem Aschermittwoch verbrannt werden. Die Karwoche und das alte Osterfest des Vorjahres ragen damit noch leise in den Beginn der neuen Fastenzeit hinein. Ich halte diesen Gedanken für entscheidend. Der Ritus des Streuens der Asche wäre nicht möglich, würde ihm nicht die Feier des Palmsonntags des Vorjahres vorangehen; würde ihm nicht die Erinnerung vorangehen, dass es Ostern und Auferstehung gegeben hat; dass die Karwoche ins Osterfest mündete. Sonderbarerweise transportiert gerade die Asche, die am heutigen Übergang vom Fasching zur Fastenzeit steht und eher ein Symbol für Ende und Abbruch ist, den Trost des liturgischen Jahres. Wir dürfen hoffen, dass sich der Übergang auf Ostern hin erneuern und wiederholen wird, wie wir das schon erlebt und gefeiert haben (die Asche verweist zurück auf das vergangene Jahr) – auch wenn es sich dabei nicht um einen Gegenstand sichern Wissens, sondern der Hoffnung handelt. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 14. Februar 2021 | 6. Sonntag im Jahreskreis:
Krankheit und Heilung, Jesu emotionale Bewegtheit

Im Evangelium vom heutigen Sonntag (Mk 1,40–45) hören wir, dass Jesus einen Aussätzigen heilt. Folgt man dem Duktus des Markusevangeliums, wie es die ersten Sonntage nach der Weihnachtszeit tun, trifft man zum wiederholten Mal darauf, dass sich Jesus jemandem zuwendet, der aufgrund einer Krankheit oder Disposition aus dem gesellschaftlichen Gefüge herausfällt. Vor zwei Wochen wurde erzählt, dass Jesus in Kafarnaum einen Dämon ausgetrieben hat (Mk 1,21–28); in einer kurzen Notiz hörten wir letzten Sonntag sogar davon, dass er in Galiläa umherwandernd nicht nur in den Synagogen verkündete, sondern die Dämonen austrieb (Mk 1,39). In der Perikope des heutigen Sonntags geht es hingegen um einen Aussätzigen, der Jesus aufsuchte und um Hilfe bat.
Die Auswahl der Lesungen für den heutigen Sonntag führt vor Augen, wie dramatisch diese Begegnung ist. Der 32. Psalm stellt einen Beter/eine Beterin vor, welche/r im Gebet über Schuld und Vergebung meditiert: „Selig der, dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist. Selig der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zur Last legt und in dessen Geist keine Falschheit ist.“ (Ps 32,1f.10f) weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl -
5. Sonntag im Jahreskreis: Von den Schwachen dem Schwach-Sein

Das Evangelium vom heutigen Sonntag, eine Perikope aus dem Markusevangelium (1,29–39), beschließt einen exemplarisch geschilderten Tag Jesu, von dem wir aufgeteilt auf drei Sonntage gehört haben: Nach der Berufung der ersten Schüler, der Predigt in der Synagoge und der Befreiung von jemandem, der von einem unreinen Geist geplagt wurde, wird nun von der Heiligung einer kranken Frau und schließlich dem Gebet Jesu erzählt.

Die Schwiegermutter von Petrus, dem Fels, lag schwach – genauer „feuernd“, „feurig fiebernd“ (1,30) – im Bett. Aus der Öffentlichkeit zieht sich Jesus in die Intimität des Hauses zurück und wendet sich einer Person zu, die in einem Zustand der Schwäche ist. Dieser Blickwechsel ist erstaunlich, und er gehört – von Markus in jenen programmatischen Tag Jesu eingefügt – wesentlich zum Leben Jesu.

Diese Perspektive ist freilich nicht neu. In den heiligen Schriften Israels (dem Alten Testament/dem TeNaCh) gibt es ein ganzes Buch, welches über viele Kapitel in Rede und Gegenrede die Schwachheit des Menschen in all ihren Fassetten kunstvoll und radikal in den Blick rückt. Aus diesem Buch, das nach dem Namen seines Protagonisten Ijob/Hiob benannt ist, hören wir heute eine Lesung (7,1–4.6f), in welcher es heißt: Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet. So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. (7,1–3) weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 4. Sonntag im Jahreskreis | 31. Jänner 2021: Milieu der Offenheit
Sucht man nach Gemeinsamkeiten der vier Lesungstexte des heutigen Sonntags, wird man nicht leicht fündig. Zu unterschiedlich sind die Dinge, von denen die Texte handeln: ein Ausschnitt aus dem Buch Deuteronomium (18,15–20), in welchem sich die Abschiedsreden des Mose an seinem letzten Lebenstag finden, Teile des 95. Psalms, der ein Danklied an den Gott der Schöpfung und des Exodus darstellt, eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (7,32–35), in der es um Fragen der Lebensform geht, sowie eine kurze Erzählung aus dem Markusevangelium, die davon berichtet, dass Jesus in der Synagoge jemanden heilt, der von einem Dämon geplagt wird (1,21–28). Ein Zusammenhang der Texte liegt nicht unmittelbar vor. Eher muss man die Frage stellen, in welches Milieu einen die Texte bei der Lektüre hineinnehmen und welches Umfeld sie generieren. Darin wird meines Erachtens doch ein Motiv sehr deutlich, welches die jeweiligen Texte alleine und jeder für sich nicht so hervorheben könnten. Es geht um ein Milieu der Offenheit oder Wachsamkeit, zu welcher die Menschen ermuntert werden sollen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 24. Jänner 2021 | 3. Sonntag im Jahreskreis: Markus – Jona – Paulus
Die beiden Lesungen des heutigen Sonntags zeigen uns zwei der sonderbarsten oder paradoxesten Abschnitte des biblischen Textes: einen Abschnitt aus dem Buch Jona (3,1–5.10), leider mit Auslassungen, und eine kurze Passage aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (7,29–31). Darüber hinaus hören wir Teile des 40. Psalms und eine Perikope, die sich am Beginn des Markus-Evangeliums findet (1,14–20) – sie läuft zum Teil parallel zu jener Stelle, die wir am vergangenen Sonntag als Evangelium gelesen haben (Joh 1,35–42).
Die sonderbare Jona-Erzählung und die paradoxe Stelle aus dem Paulusbrief, die zunächst keinen Zusammenhang miteinander zu haben scheinen, könnten vielleicht über ein Drittes, einen Satz aus dem heutigen Evangelium, in Beziehung zueinander gesetzt werden. Markus schildert in knappen, aber sehr eindrücklichen Worten den Beginn der Predigt Jesu, der nach der Verhaftung des Täufers Johannes nach Galiläa gekommen war: „Er verkündigte das Evangelium des Gottes und sagte, dass der kairós erfüllt und die Königsherrschaft des Gottes nah ist: Denkt um und glaubt dem Evangelium.“ (1,14f) weiterlesen ...

Das barocke Welterbe Stift Melk im Winterkleid c B.Kobler

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 17. Jänner 2021 | 2. Sonntag im Jahreskreis: Zweierlei Erzählung (Markus und Johannes)
Für den 2. Sonntag im Jahreskreis sind als Texte für den Gottesdienst eine Lesung aus dem ersten Buch Samuel (3,3–10.19), Teile des 40. Psalms, eine Lesung aus dem ersten Brief an die Gemeinde von Korinth (6,13–15.17–20) und eine kurze Perikope aus dem Johannesevangelium (1,35–42) vorgesehen. In den Duktus der Lesungen aus dem Markusevangelium, wie sie das Jahr heuer begleiten, ist eine Passage aus dem Johannesevangelium eingeschrieben, die einige Aspekte bringt, die sich weder bei Markus noch in den anderen Evangelien finden. Es geht nach der Taufe Jesu, die wir am letzten Sonntag gefeiert haben, um die Berufung der ersten Schüler Jesu, nämlich des Andreas und eines zweiten, nicht genannten Arbeitskollegen von ihm. Zwar findet sich die Berufung von Andreas und einer zweiten Person auch bei Markus (1,16–18) – wir werden davon nächsten Sonntag hören –, allerdings mit einigen signifikanten Unterschieden. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 10. Jänner 2021
Taufe des Herrn: Übergang in den Jahreskreis

Mit dem Fest der Taufe Jesu (Mk 1,7–11), das am Sonntag nach Epiphanie (Erscheinung des Herrn, „Hl. drei Könige“) gefeiert wird, endet der Weihnachtsfestkreis und geht in den Jahreskreis über. Dies gestalten die für heute zur Auswahl stehenden Lesungstexte sehr subtil.
Vom ersten Adventsonntag bis zu Epiphanie schöpft die Liturgie aus dem reichen Schatz des Propheten Jesaja und greift immer wieder auf die messianischen, hoffnungsvollen Texte dieses Buches zurück. Am heutigen Tag können gleich drei Jesaja-Texte gelesen werden: 42,1–7 mit Psalm 29 sowie 55,1–11 mit dem Antwortpsalm Jesaja 12,2–6. Der erste Adventsonntag beginnt mit Jesajas sehnsuchtsvoller Anrufung: „Hättest du doch den Himmel zerrissen und wärest herabgestiegen“ (63,19). Wie aber erfüllt sich dieses apokalyptische Bild des Herabsteigens Gottes?
weiterlesen ...

Besuch der "Könige" im Stift Melk c Brigitte Kobler Pimiskern

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 6. Jänner 2021 | Fest Epiphanie
Das Fest Epiphanie, das auch den Namen „Fest der Erscheinung des Herrn“ oder einfach „Fest der hl. drei Könige“ trägt, ist in tiefer Weise mit dem Bild des Aufgehens eines Sterns verbunden. Die Hintergrundfolie der Erzählung von den mágoi (den Weisen, den Sterndeutern, den „drei Königen“) aus dem Land des Aufgehens (der Sonne), wie sie im Matthäusevangelium (2,1–12) überliefert ist, bildet eine kurze Passage aus dem Buche Jesaja (60,1–6).
Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des HERRN geht strahlend auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, doch über dir geht strahlend der HERR auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jes 60,1f)
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 2. Sonntag nach Weihnachten | 3. Jänner 2021
Auch am 2. Sonntag nach Weihnachten wird der Prolog des Johannes-Evangeliums (Joh 1,1–18) gelesen. Es handelt sich um einen Hymnus, der die Fleischwerdung des Wortes, des göttlichen lógos, preist. Dieser Gedanke hat etwas Neues an sich, tritt aber keineswegs aus dem Nichts auf. Ganz deutliche Parallelen lassen sich zum 147. Psalm ziehen, der am heutigen Sonntag zwischen den Lesungen gebetet wird. In schönen Bildern heißt es dort:
Er sendet seinen Spruch [lógion] zur Erde, in Eile läuft sein Wort [hó lógos] dahin. Er gibt Schnee wie Wolle, Reif streut er aus wie Asche. Eis wirft er herab wie Brocken, vor seinem Frost – wer kann da bestehen? Er sendet sein Wort [tón lógon] und lässt sie schmelzen, er lässt seinen Wind wehen – da rieseln die Wasser. Er verkündet Jakob sein Wort [tón lógon], Israel seine Gesetze und seine Entscheide. An keinem anderen Volk hat er so gehandelt, sie kennen sein Recht nicht. Halleluja! (Ps 147,15–18) weiterlesen ...

c loxpix.com

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Jänner 2021
Hochfest der Gottesmutter Maria:

Mutter, Beschneidung, Name, Angesicht
Wie schon der 31. Dezember ist auch der 1. Jänner aus kirchlicher Sicht ein seltsamer Feiertag. Eigentlich feiert die katholische Kirche am 1. Jänner ein Marienfest, das Hochfest der Gottesmutter Maria, und nicht den Beginn des bürgerlichen Jahres. An Neujahr muss jedoch unwillkürlich denken, wer die für den heutigen Tag vorgesehene Lesung aus dem Buch Numeri (6,22–27), dem vierten Buch Mose, und den 67. Psalm hört: Bei beiden Texten handelt es sich um Segenssprüche, die man zu Neujahr wohl eher als Begleiter für das kommende Jahr denn als Hinweis auf Maria hört. Der sogenannte Aaronssegen zählt zu den schönsten Segensgebeten der biblischen Tradition: „Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.“ (Num 6,24–27) Dass Gott sein Angesicht über den Menschen leuchten lasse, wird auch im 67. Psalm ausgedrückt: „Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten, damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern.“ (Ps 67,2f) Das Jahr möge begleitet werden von der Hoffnung, dass wir unsere Wege nicht unter einem blinden Schicksal als letzter, alles beherrschender Macht gehen, sondern im Gegenüber zu einem Angesicht – Gesicht aber seht für Personalität und damit auch für Freiheit. Der letzte Horizont des Lebens, ja des Seins überhaupt, ist personal zu denken, ist Ausdruck von Freiheit. Deshalb sprechen wir ja auch von Gott als personalem Gott (und nicht, weil er analog zu einem übermächtigen Menschen zu denken wäre). weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 31. Dezember 2020 | Silvester:
Ein Wort des Trostes für eine Zeit des Übergangs

Der 31. Dezember ist aus christlicher Sicht ein eigenartiges Datum. Gefeiert wird an diesem Tag (in der katholischen Kirche) Papst Silvester, der im vierten Jahrhundert zur Zeit des Kaisers Konstantin lebte. Als er 314 Papst wurde, war das Christentum gerade eben zur erlaubten Religion im römischen Reich erklärt worden; Silvester legte beim Grab des hl. Petrus den Grundstein für die Peterskirche. Zu dieser Zeit war der Übergang vom 31. Dezember auf den 1. Jänner bereits der Beginn des neuen Jahres (ab 153n.Chr.), freilich trug dieser Tag noch nicht Silvesters Namen. Später wurde der 31. Dezember als Gedenktag des hl. Silvester festgelegt. Eine Verbindung zwischen Jahreswechsel und der Erinnerung an den Papst gab es jedoch nicht. Im Lauf der Zeit ging jedoch der Name des Gedenktages auf den letzten Tag des Jahres über, der fortan als Silvestertag bezeichnet wurde. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Sonntag nach Weihnachten | 27. Dezember 2020
Zweierlei Varianten
Der Sonntag nach dem Weihnachtsfest gilt als das Fest der Heiligen Familie. Dafür gibt es eine Fülle von Lesungen zur Auswahl: Genesis 15,1–6; 21,1–3 mit Psalm 105 oder Jesus Sirach (3,2–6.12–14) mit Psalm 128, eine Lesung aus dem Brief an die Kolosser (3,12–21) oder die Hebräer (11,8.11f.17–19) sowie eine Perikope aus dem Lukasevangelium (2,22–40). Interessant ist, welches Bild von „heiliger Familie“ die Auswahl der Schriftstellen konstruiert.
Zum einen gibt es eine Spur, die bei der Weisheitsschrift Jesus Sirach ihren Ausgangspunkt nimmt und das Zusammenleben in der Familie in den Mittelpunkt stellt. Der Lehrer Jesus Sirach, der im 2. Jhdt. v. Chr. in Jerusalem wirkte, gibt einige Grundregeln für einen würdevollen Umgang mit den Eltern an. Damit ist ein guter Beginn gelegt, um über Familie nachzudenken. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Stefanitag | 26. Dezember 2020
Fest des Hl. Stephanus:

Distanz und subtile Nähe zu Weihnachten?
Schon oft wurde darüber gesprochen, wie das Fest des hl. Stephanus, der als erster christlicher Märtyrer gilt, in den Weihnachtsfestkreis passt. Es braucht viel argumentatives Geschick, um diesen Tag als zweiten Weihnachtstag, wie er manchmal auch genannt wird, zu interpretieren. Es ist jedoch gar nicht notwendig, diesen Zusammenhang herzustellen. Weihnachten und Fest des hl. Stephanus haben ursprünglich nicht unmittelbar miteinander zu tun. Grob gesagt, gibt es in der christlichen Tradition zwei Typen von Festen: Erstens sind dies die Feste, die in direkter Hinsicht eine Erinnerung an Leben, Leiden und Auferstehen Christi darstellen und dieses Geschehen zu bestimmten Zeiten des Jahres bedenken. Diese Feste haben im Wesentlichen zwei Gravitationszentren, um die sie kreisen: Weihnachten und Ostern. Zweitens gibt es die Feste des Gedenkens an besondere Menschen, zunächst die Märtyrerinnen und Märtyrer, dann aber auch andere wichtige Personen, die man als Heilige bezeichnet hat. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Christtag | 25. Dezember 2020
Ein altes Lied, neu gesungen

Der für den heutigen Festtag vorgesehene 98. Psalm beginnt mit den Worten: „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.“ (Ps 98,1–3)
Man könnte diese Worte auch als einen Lektüreschlüssel für den biblischen Text überhaupt verstehen. Das Geschehen des Exodus, der Befreiung aus der Sklaverei („Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel.“) soll immer wieder neu besungen werden. Die Lieder dafür müssen je neu gedichtet werden: „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht.“ Dies geschieht auch zu Weihnachten: Mit Jesus ereignet sich ein neuer Exodus, ein Auszug aus Verhältnissen, die Menschen unfrei machen. Mit ihm wird die Erzählung, dass Gott wunderbare Taten vollbracht hat, dass er „sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt“ hat, dass er seinem Volk treu bleibt („Treue zum Haus Israel“) wieder neu aufgenommen.
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - heiliger Abend | 24. Dezember 2020
Von einem Veraltungsakt und einer Geburt
Rund um Weihnachten gibt es eine Fülle möglicher Zeiten, zu denen eine Messe mit je eigens dafür ausgewählten Schriftstellen gefeiert werden kann: am Abend, in der Nacht, am Morgen und untertags. Für die Christmette sind folgende Texte vorgesehen: eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (9,1–6), Teile des 96. Psalms, eine Passage aus dem Brief an Titus (2,11–14) und eine oft als Weihnachtsevangelium bezeichnete Perikope aus dem Lukasevangelium (2,1–14).
Im Evangelium werden zwei Stränge des Geschehens einander gegenübergestellt, welche beide mit demselben Wort eingeleitet werden: „Es geschah aber …“ (2,1 und 6). Der erste Strang erzählt von einem Verwaltungsakt, welcher von der höchsten Autorität des römischen Reiches, dem Kaiser, erlassen wurde: eine Verordnung, welche für die gesamte Ökumene, d.h. den Erdkreis, gelten soll und mit dem Ausdruck „Dogma“ (Verfügung, Erlass) bezeichnet wird. Es handelt sich übrigens um die einzige Stelle im Neuen Testament, an der das Wort „Dogma“ genannt wird. Der Kaiser erlässt ein Dogma, dass alle Menschen aufgeschrieben werden sollen. Dies hat zur Folge, dass sich Josef und Maria auf den Weg nach Betlehem machen, d.h. an jenen Ort, an dem Josef entsprechend dem Ursprung seiner Familie zugeordnet ist.
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 4. Sonntag im Jahreskreis | 20. Dezember 2020 | Von der langsamen Annäherung …
Die Lesung aus dem 2. Buch Samuel (7,1–5.8–12.14.16) sowie die für den heutigen Sonntag vorgesehenen Teile des 89. Psalms sprechen von Gottes Verheißung an König David, dass sein Geschlecht Bestand haben werde: „Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben.“ (2 Sam 7,16) „Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.“ (Ps 89,29) Kurz vor der Feier des Weihnachtsfestes werden wir damit vorbereitet auf das, was wir im Evangelium der Christmette hören werden. Dieses beginnt mit den Worten: „Buch [Bíblos] der Genesis Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 3. Sonntag im Jahreskreis | 13. Dezember 2020 |3. Adventsonntag: Vom Gott des Friedens …
Der dritte Adventsonntag trägt den Namen „Gaudete“ – „Freut euch“. Das geht zurück auf den sogenannten Introitus-Vers, mit dem früher passend zum jeweiligen Tag der Gottesdienst begonnen wurde. Er war sozusagen die thematische Schwelle, über die man ins Geschehen der Feier gelangte. Am dritten Adventsonntag stellt dieser Vers die Freude in den Mittelpunkt: „Freut euch im Herrn allezeit! Noch einmal werde ich es sagen: Freut euch.“ Der Satz ist dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi entnommen (Phil 4,4). Mit denselben Worten, nur etwas knapper, formulierte Paulus diesen Wunsch schon in seinem ersten Brief an die Gemeinde von Thessaloniki, dem ältesten der Briefe des Apostels, ja, der ältesten Schrift des Neuen Testaments überhaupt. Wir hören die entsprechende Stelle in einer der heutigen Lesungen (1 Thess 5,16–24): „Allezeit freut euch!“ (5,16) ruft Paulus der Gemeinde gegen Ende seines Briefes zu.
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl | 8. Dezember 2020

Mariä Empfängnis
Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
Mariä Erwählung

Mariä Empfängnis: Von der Erwählung …
Der heutige Feiertag hat mehrere Namen, wobei der hierzulande am stärksten in der Tradition verankerte wohl Mariä Empfängnis ist. Offiziell spricht man vom Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, was jedoch allzu kompliziert klingt. Hervorheben möchte ich die Bezeichnung Mariä Erwählung, die, wie ich meine, weniger aufgeladen als die anderen Namen des Festes ist. Sie steuert nicht sofort auf die schwierige Frage zu: Was bedeutet es denn, dass Maria – neun Monate vor ihrer Geburt, die wir am 8. September feiern – ohne Erbsünde empfangen wurde? Wenn wir diese Frage einmal beiseite lassen und uns vom Motiv der Erwählung leiten lassen, können vielleicht auch noch andere Aspekte des Festes zu Tage treten. weiterlesen ...

Zweiter Adventsonntag

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 2. Sonntag im Jahreskreis | 5. Dezember 2020 |2. Adventsonntag: Von den ersten Worten …
Der erste Adventsonntag hatte im Evangelium apokalyptische Motive vorgeführt und mündete schließlich in die Zusage: „Der Himmel und die Erde werden vorübergehen, meine Worte aber werden nicht vorübergehen.“ (Mk 13,31) Dies weckt die Frage, was diese Worte, deren Bleiben tiefer als die Ordnung der Gestirne reicht (Mk 13,24f), sein können. Der heutige zweite Adventsonntag gibt in den für die Liturgie vorgesehenen Texten (Jes 40,1–5.9–1; Ps 85,9–14; 2 Petr 3,8–14; Mk 1,1–8) darauf eine Antwort. Achten wir dabei besonders auf die ersten Worte. weiterlesen ...

 

 

Detail Himmelsglobus (von 1693)| Melker Stiftsbibliothek

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 1. Sonntag im Jahreskreis | 29. November 2020 | 1. Adventsonntag: Himmel und Erde im Übergang, Bleiben der Worte

Mit dem ersten Adventsonntag beginnt in der kirchlichen Zeitrechnung ein neues Jahr. Tatsächlich leben wir in und mit unterschiedlichen Jahreszyklen: Das bürgerliche Jahr beginnt mit dem 1. Jänner, unterschiedliche Religionen beginnen ihren jährlich wiederkehrenden Festkreis zu jeweils anderen Zeiten, der Beginn des Schuljahres wird jeweils auf einen Tag Anfang September festgelegt, das Studienjahr beginnt in Österreich am 1. Oktober, sodann könnte man den Beginn einer neuen Saison in verschiedenen Sportarten anführen und wohl noch anderes mehr.

Verschiedene Kreisläufe der Ordnung des Jahres überlagern sich, wir gehen wie selbstverständlich mit unterschiedlichen Formen der Zeiteinteilung um. Kirchlich beginnt heute ein Jahr, das stark von der Lektüre des Markus-Evangeliums begleitet wird – dem ersten und kürzesten der vier Evangelien, das gleichwohl von größter theologischer Tiefe ist. weiterlesen ...

 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 34. Sonntag im Jahreskreis| 22. November 2020: Christkönigssonntag: Vom Richten, vom Sammeln, vom Kräftigen, vom Ablassen
In der katholischen Tradition gilt das Fest von Christus als dem König als letztes Fest des kirchlichen Jahres: Das Jahr beginnt mit dem ersten Adventsonntag, d.h. mit der Erwartung Christi, und endet mit der Feier von Christus als dem König. Zweifellos ist in der Geschichte zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten etwas sehr Unterschiedliches unter „König“ verstanden worden. Diese Vorstellungen eigenen sich nur bedingt, um zu deuten, was mit Christus als dem König gemeint sein kann bzw. sind sie eher eine Negativfolie: Christus ist ein König, hat darin jedoch einen anderen Charakter, als wir es von Königen gewohnt sind. Wie er als König verstanden werden kann, zeigen die für den Sonntag ausgewählten Schriftstellen: ein Gleichnis aus dem Matthäus-Evangelium (25,31–46), eine Lesung aus dem Buch Ezechiel (34,11f.15–17), der 23. Psalm sowie eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,20–28). weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 33. Sonntag im Jahreskreis| 15. November 2020: Von dem, was ausgelassen wird
Für die Gedanken zu den Schriftstellen des heutigen Sonntags muss ich vorweg um Entschuldigung bitten. Zum größten Teil werde ich nicht über das sprechen, was im Gottesdienst gelesen wird, sondern über das, was ausgelassen wird.
Die erste Lesung aus dem Buch der Sprichwörter (31,10–13.19–20.30–31), der 128. Psalm, und die Perikope aus dem Evangelium nach Matthäus (25,14–30), drei der für heute vorgesehenen Texte, sind thematisch eng aufeinander abgestimmt. Im Buch der Sprichwörter und im Psalm ist von einer tüchtigen Frau die Rede, im Evangelium lesen wir ein Gleichnis von verlässlichen (männlichen) Dienern. Die darin vermittelten Rollenbilder – wie wird eine tüchtige Frau, wie ein tüchtiger Mann beschrieben? – erscheinen heute wohl als problematisch und müssten aus dem Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden. Erst so ließe sich beurteilen, ob sie zur Zeit ihrer Entstehung eher geschlechterspezifische Stereotype fortgeschrieben oder vielleicht sogar gefördert haben oder auch ein emanzipatives Potential hatten. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 32. Sonntag im Jahreskreis| 8. November 2020: Von der Weisung zur Weisheit oder dem Mut zur Übersetzung (ACHTUNG Die Sonntagsmesse beginnt um 10 Uhr und wird live in den ORF Landesradios übertragen)
Die Schriftstellen des heutigen Sonntags stellen in mehrfacher Weise den Aspekt der Suche in den Mittelpunkt. Es handelt sich um eine Lesung aus dem Buch der Weisheit (6,12–16), von der es heißt „und wer sie sucht, findet sie“ (6,12). Der Psalm 63 kann als der Psalm der Gottsuche schlechthin bezeichnet werden: „Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele.“ (63,2) Das Gleichnis aus dem Matthäusevangelium (25,1–13) handelt vom Warten, dessen Schwester die Suche ist. Dazu kommt noch eine Passage aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Thessaloniki (1 Thess 4,13–18), die auch als eine der möglichen Lesungen für den Allerseelentag vorgesehen war. weiterlesen ...
 
 



Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl -  Allerseelen | 2. November 2020:
Eine Frage der Gemeinde von Thessaloniki …
Zum Fest Allerseelen ist die Auswahl der Schriftstellen für die Liturgie frei. Wohl gibt es bestimmte Vorschläge, es können jedoch auch andere Texte genommen werden. Ich möchte im Folgenden nur auf eine der vorgeschlagenen Lesungen eingehen – auf eine Passage aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Thessaloniki (1 Thess 4,13–18).
Der Text richtet sich an seinem Anfang und an seinem Ende an die Gemeinde. Es geht um ihre Fragen (Was ist mit den Entschlafenen?), sie soll aufgebaut und getröstet werden: 13Nicht wollen wir, dass ihr nicht wisst, Brüder und Schwestern, über die Entschlafenen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben.  […] 18Daher tröstet einander mit diesen Worten! weiterlesen ...

 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 31. Sonntag im Jahreskreis | Allerheiligen | 1. November 2020: Allerheiligen: Dynamik und doppelte Vermittlung
Für das Fest Allerheiligen sind eine Lesung aus der Offenbarung des Johannes (7,2–4.9–14), eine weitere aus dem 1. Johannesbrief (3,1–3) sowie der Beginn von Psalm 24 und der Beginn der Bergpredigt aus dem Matthäusevangelium (5,1–12) als Schrifttexte der Liturgie vorgesehen.
Der erste Johannesbrief bietet in einer kurzen Passage interessante Einsichten in das, was uns als Menschen ausmacht. Oder formulieren wir es anders: Er bietet uns ein Modell, macht einen Vorschlag, wie wir vom Menschen denken können: Im Menschsein liegt zum einen eine Dynamik, ausgedrückt im Motiv vom Menschen als Bild Gottes; der Mensch steht zum anderen in einer Bewegung der doppelten Vermittlung zu Gott. Verfolgen wir diesen Gedanken langsam am Text, den Johannes uns in Gestalt eines Briefes übermittelt, mit: Seht, welche Liebe uns der Vater gegeben hat, damit wir Kinder Gottes genannt werden, und wir sind es. (3,1)   weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 30. Sonntag im Jahreskreis | 25. Oktober 2020: Von der Ausweitung eines Superlativs
Im Evangelium vom heutigen Sonntag (Mt 22,34–40) steht eine an Jesus gerichtete Frage im Mittelpunkt: „Lehrer, welches Gebot ist groß im Gesetz?“ (36) Die mir bekannten Übersetzungen überhöhen diese Frage und steigern das Adjektiv groß in den Superlativ, um die Frage nach dem größten Gebot zu stellen: Welches Gebot ist das höchste/größte/wichtigste? Damit wird das Ohr der Hörerinnen und Hörer auf eine unmittelbar eindeutige Antwort eingestimmt: Nur eines kann doch das höchste sein … Allerdings steht dies nicht im Text. So eng ist die Frage nicht gefasst. Sie lässt mehr Spielraum als die Übersetzungen. Der Superlativ muss wieder ausgeweitet werden.
weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 29. Sonntag im Jahreskreis| 19. Oktober 2020: Die Geste verändert eine Frage
Die Perikope aus dem Matthäusevangelium, die für den heutigen Sonntag vorgesehen ist (Mt 22,15–22) enthält ein Wort, das auch losgelöst von dieser Stelle ohne Anführungszeichen und ohne Angaben der Quelle zitiert werden kann, das sozusagen allgemein verfügbar ist: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ (22,21f) Bleibt man näher am griechischen Original, könnte man den Text so übersetzen: „Gebt also das des Kaisers dem Kaiser und das des Gottes Gott.“ weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 28. Sonntag im Jahreskreis|11. Oktober 2020: Der Mythos vom gemeinsamen Mahl –Wiederholung einer Erzählung
Die Lesung aus dem Buch Jesaja (25,6–10), der 23. Psalm und die für heute vorgesehene Perikope aus dem Matthäusevangelium (22,1–14) zeigen uns einen bestimmten Weg, um von Gott zu reden, und zwar in Bildern der Gastfreundschaft. Gott erscheint dabei als der Gastgeber. In gewisser Weise lässt sich auch die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi damit verbinden. Paulus berichtet von der Gastfreundschaft dieser Gemeinde, die ihm erst seine Reisetätigkeit ermöglicht (Phil 4,12–14.19f). Doch zurück zu den Bildern von Gott als Gastgeber. Vorweg ist eines zu sagen: Sentimental-idyllisch sind diese Bilder nicht. Ihre Formulierung verweist jeweils auf einen Kontext der Bedrohung. weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 27. Sonntag im Jahreskreis, 4. Oktober 2020: Von religiösen Konflikten und dem Gott des Friedens
Betrachtet man alle für den Gottesdienst des heutigen Sonntags vorgesehenen Texte, zeigen sich zwei Themen, die in einer Spannung stehen. Ganz allgemein formuliert, könnte man sie so fassen: Erstens sind Religionen von inneren Konflikten durchsetzt. Zweitens sind sie Ort einer Friedensutopie.
Beginnen wir mit dem Evangelium, einer Perikope von Matthäus (21,33–44), die Religion als eine Gemengelage innerer Konflikte zeigt: Jesus erzählt ein Gleichnis von einem Gutsbesitzer, der einen Weinberg in Pacht gibt. Die Pächter vertreiben oder ermorden die Knechte, welche den Pachtertrag für den Besitzer einheben sollen. Schließlich schickt er seinen Sohn, weil er meint, vor ihm würden sie Achtung haben. Aber auch er wird ermordet, weil die Pächter erwarten, nach dem Tod des Sohnes selbst zu Erben des Weinbergs zu werden. weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 26. Sonntag im Jahreskreis, 27. September 2020: Kritik – Ermutigung – Aufklärung
Für den Sonntagsgottesdienst sind heute folgende Texte ausgewählt: Eine Passage aus dem Buch des Propheten Ezechiel (18,25–28), Teile des 25. Psalms, eine zentrale Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi (Phil 2,1–11) und ein Gleichnis aus dem Matthäusevangelium (21,28–32).Der Inhalt des Evangeliums ist schnell erzählt: Ein Vater bittet eines seiner Kinder, im Weinberg zu arbeiten, was dieses freudlos ablehnt; später revidiert es seine Meinung und verrichtet die Arbeit. Das andere Kind hingegen sagt zunächst bereitwillig zu, tut aber letztlich nichts. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 25. Sonntag im Jahreskreis, 20. September 2020: … zu eurer Unterstützung und Freude
Die heutigen Lesungstexte werden eröffnet von einer zentralen Passage aus dem Buch des Propheten Jesaja, von der – aus welchen Gründen auch immer – nur der erste Teil gelesen wird (Jes 55,6–9). Danach folgen kurze Auszüge aus dem 145. Psalm und eine Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi (Phil 1,20–24.27). Auch in diesem Fall verstehe ich die Auslassung zweier Verse (25 und 26) nicht. Das Evangelium bietet ein Gleichnis, das nur bei Matthäus überliefert ist (Mt 20,1–16): Das Himmelreich wird mit dem Bild eines großzügigen Gutsverwalters verglichen, der den Letzten, den Schwachen, den bisher Unbeachteten ebenso viel Lohn zahlt wie den Ersten, den Starken, den Arbeitern der ersten Stunde. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 24. Sonntag im Jahreskreis, 13. September 2020
Für die Schwachen im Glauben …
Neben einer Lesung aus dem Buch Jesus Sirach (27,30–28,7), Passagen aus dem 103. Psalm und einer Perikope aus dem Matthäusevangelium (18,21–35), die allesamt um das Thema der Vergebung kreisen, ist für den heutigen Sonntag eine kurze Stelle aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde von Rom (14,7–9) vorgesehen. In einer sehr wörtlichen Übersetzung lautet diese:
Keiner von uns nämlich lebt sich selbst, und keiner stirbt sich selbst: Wenn wir nämlich leben, dem Herrn leben wir, wenn wir sterben, dem Herrn sterben wir. Wenn wir also leben oder wenn wir sterben, wir gehören dem Herrn. Dazu [In das] starb Christus und lebte er, damit er Herr über die Verstorbenen und die Lebenden sei.
weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 23. Sonntag im Jahreskreis, 6. September 2020
Der Wächter und das Heute
In der ersten Lesung des heutigen Sonntags (Ezechiel 33,7–9) wird der Prophet Ezechiel von Gott als Menschensohn angesprochen – eine Bezeichnung, die in den Evangelien auf Jesus übertragen wird. Der erste Satz der Passage bestimmt genauer, worin die Aufgabe des Propheten und Menschensohnes besteht:
Du aber, Menschensohn, ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst, musst du sie vor mir warnen. (Ezechiel 33,7)
weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 22. Sonntag im Jahreskreis, 30. August 2020
Umwendung Jesu, Umwendung des Petrus
Nimmt man die für den heutigen Sonntag vorgesehenen Lesungstexte alle zusammen, zeigt sich die Schwierigkeit der Suche nach Gott. Diese hat immer etwas mit einer Form der Umwendung, der Umkehr zu tun.
Eröffnet wird der Reigen der Texte durch ein Bekenntnis des Propheten Jeremia, den man vielleicht den leidenschaftlichsten Gottsucher der Bibel nennen kann:
Du hast mich betört, o HERRGedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 22. Sonntag im Jahreskreis, 30. August 2020, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich. Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, Gewalt und Unterdrückung! muss ich rufen. Denn das Wort des HERRN bringt mir den ganzen Tag nur Hohn und Spott. Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es auszuhalten, vermochte es aber nicht. (Jeremia 20,7–9)


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 21. Sonntag im Jahreskreis, 23. August 2020
Im Angesicht der Kaiserstadt ...
Im heutigen Sonntagsgottesdienst werden folgende Texte gelesen: eine Passage aus dem Buch des Propheten Jesaja (22,19–23), ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (11,33–36), Teile des 138. Psalms und eine Perikope aus dem Matthäusevangelium (16,13–20), auf deren ersten Teil ich mich nun beziehen werde:
Kommend aber ins Gebiet von Caesarea, dem von Philippos, fragte Jesus seine Schüler, indem er sagte: Welcher, sagen die Menschen, ist der Menschensohn? Sie aber sprachen: die einen: Johannes der Täufer; andere aber: Elias; andere aber: Jeremias oder einer der Propheten. Er sagte ihnen: „Ihr aber, welcher sagt ihr, bin ich?“ Antwortend aber sprach Simon Petros: Du bist der Christos, der Sohn des lebendigen Gottes. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 20. Sonntag im Jahreskreis, 16. August 2020
Vom Schweigen und Lernen Jesu
Für den Gottesdienst am heutigen Sonntag sind eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (56,1.6–7), eine Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (11,13–15.29–32), der 67. Psalm und eine Perikope aus dem Evangelium des Matthäus (15,21–28) vorgesehen.Das Evangelium erzählt von einer überraschenden Begegnung Jesu. Eine Frau, die nicht dem Volk Israel angehört, bittet Jesus um Erbarmen und um die Heilung ihrer kranken Tochter. Überraschend ist zunächst, dass sie Jesus mit einer charakteristisch jüdischen Bezeichnung als Sohn Davids anspricht; ungewohnt ist, dass Jesus ihr nicht antwortet. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 15. August 2020
Fest der Aufnahme Marias in den Himmel: Erzählung und Dichtung, Geschichte und Gebet
Für das Fest der Aufnahme Marias in den Himmel (Mariä Himmelfahrt) sind eine Lesung aus der Offenbarung des Johannes (11,19–12,6.10), eine Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (15,20–27), Teile von Psalm 45 und eine Passage aus dem Lukasevangelium (1,39–56) vorgesehen. Dass es am heutigen Festtag um Maria geht, erfährt man im Evangelium, wo Maria explizit vorkommt. Die anderen Stellen erschließen sich in ihrer Bedeutung für das Fest aus dieser Stelle. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 19. Sonntag im Jahreskreis, 9. August 2020
Fragen des Paulus ...
Für den heutigen Sonntag sind folgende Schriftstellen für den Gottesdienst ausgewählt: Eine Lesung aus dem 1. Buch der Könige (19,9–13) und eine aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (9,1–5), Teile des 85. Psalms sowie eine Perikope aus dem Matthäusevangelium 14,22–33. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 18. Sonntag im Jahreskreis, 2. August 2020
Vom Opfer zum Hören ...
Faszinierend ist, welch zentrale Bedeutung das Motiv des Hörens in den biblischen Texten erhalten hat. An den letzten Sonntagen wurden die Gleichnisse aus der so genannten Gleichnisrede des Matthäusevangeliums (13. Kapitel) gelesen, die – neben vielen anderen Deutungsmöglichkeiten im Einzelnen – einen Fokuspunkt in der Frage haben, ob das Wort Gottes Gehör finden und wachsen könne. Eine Zusammenfassung erfahren die Gleichnisse in der Wendung: „Wer Ohren hat, möge hören.“ (Matthäus 13,43) Dieses Wort ist schon zu einem früheren Zeitpunkt im selben Evangelium aufgetreten (Matthäus 11,15), und es tritt in ganz ähnlicher Weise oftmals in der Johannes-Apokalypse auf. weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 17. Sonntag im Jahreskreis, 26. Juli 2020:
Neuschöpfung in den Gleichnissen Jesu
Zum dritten Mal in Folge wird an diesem Sonntag aus der so genannten Gleichnisrede Jesu, die sich im 13. Kapitel des Matthäusevangeliums findet, gelesen. Drei Gleichnisse werden vorgestellt, wobei das erste vom Finden eines Schatzes, das zweite vom Finden einer kostbaren Perle und das dritte von einem reichen Fischfang mittels eines Schleppnetzes erzählt. Die drei Bildworte stellen den Abschluss der Gleichnisrede dar. Als Lesungen sind eine Passage aus dem ersten Buch der Könige (1 Kön 3,5.7–12), ein Abschnitt aus dem 119. Psalm und ein kurzer Abschnitt aus dem Brief das Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (Röm 8,28–30) vorgesehen. weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 16. Sonntag im Jahreskreis, 19. Juli 2020:
Von der verwandelnden Dynamik des Hörens
Aus den jenen Texten, die für den heutigen Sonntag als Lesungen vorgesehen sind –eine Passage aus dem Buch der Weisheit (12,13.16–19), Teile von Psalm 86, ein Abschnitt aus dem Brief an die Gemeinde von Rom (8,26f), eine Perikope aus dem Matthäusevangelium (13,24–43)–werde ich nur das Evangelium herausgreifen, das unmittelbar an das Evangelium vom letzten Sonntag anschließt (Matthäus 13,1–23). weiterlesen ...
 

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 15. Sonntag im Jahreskreis, 12. Juli 2020:
Vom Reichtum und der Zukunft der Natur
Alle vier Texte, die für den heutigen Sonntag als Lesungen ausgewählt sind – Jesaja 55,10–11; Passagen aus Psalm 65; ein Abschnitt aus dem Brief an die Gemeinde von Rom 8,18–23 und eine Perikope aus dem Matthäusevangelium 13,1–23 – rücken die Dimension der Natur in den Mittelpunkt. Sie zeigen eine Natur, die zum Verweis auf das Göttliche werden kann. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 14. Sonntag im Jahreskreis, 5. Juli 2020,
14. Sonntag im Jahreskreis: Zwei Perspektiven einer Religion
Für diese Sonntag sind als Lesungstexte eine kurze Passage aus dem Buch des Propheten Sacharja (9,9–10), Teile von Psalm 145, ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (8,9.11–13) und eine Perikope aus dem Matthäusevangelium (11,25–30) vorgesehen. Nimmt man die beiden letztgenannten Texte zusammen, zeigen sich zwei sehr unterschiedliche Ausdrucksformen des Christentums, die beide nicht verloren gehen dürfen. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Hochfest Peter und Paul, 29. Juni 2020
Peter und Paul – Verbindung mit Romulus und Remus?
Das Fest der Apostel Petrus und Paulus ist ein auffälliges Fest, weil zweier Heiliger gemeinsam gedacht wird, was nicht allzu oft der Fall ist. Um einige zu nennen: Joachim und Anna waren Mann und Frau, ihre Gedenktage aber sind in der katholischen Tradition erst seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) vereint. Perpetua und ihre Dienerin Felicitas, zwei der frühesten christlichen Märtyrerinnen, gingen gemeinsam in den Tod, man gedenkt ihrer am selben Tag. Kyrill und Method haben einen gemeinsamen Feiertag, was einleuchtend ist, haben doch die beiden Brüder in der Verbreitung des Glaubens bei den slawischen Völkern eng zusammengearbeitet. Es ließen sich einige weitere Beispiele für gemeinsam geteilte Gedenktage anführen, allzu viele sind es jedoch nicht. Stets ist dabei sehr leicht einsichtig, warum es ein gemeinsames Gedenken gibt. Was aber ist mit Petrus und Paulus? weiterlesen ...
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 13. Sonntag im Jahreskreis, 28. Juni 2020
13. Sonntag im Jahreskreis: Von kleinen Gesten
Für den heutigen Sonntag sind folgende Schriftstellen vorgesehen: ein Abschnitt aus dem 2. Buch der Könige 4,8–11.14–16; Teile von Psalm 89; eine Passage aus dem Brief an die Gemeinde von Rom 6,3–4.8–11; eine kurze Stelle aus dem Matthäusevangelium 10,37–42.
Das heutige Evangelium ist einer Rede Jesu entnommen (Kapitel 10), welche mit der Berufung der zwölf Schüler Jesu beginnt und sich speziell an diese richtet. Schon in den letzten Wochen, der Zeit nach Ostern, wurden Abschnitte aus dieser Rede gelesen. Heute hören wir deren Ende. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 12. Sonntag im Jahreskreis, 21. Juni 2020
Sonntag im Jahreskreis: Christus als der neue Adam
Für den heutigen Sonntag sind als Schriftstellen vorgesehen eine Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia (20,10–13), Teile des 69. Psalms, ein Abschnitt aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (5,12–15) und eine Passage aus dem Matthäusevangelium (10,26–33). Ich möchte lediglich auf die Lesung aus dem Paulusbrief eingehen und aus der schwierigen Argumentation des Paulus nur einen Punkt herausgreifen. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - 11. Sonntag im Jahreskreis, 14. Juni 2020
11. Sonntag im Jahreskreis: Von der inneren Ergriffenheit Jesu
Nach dem Osterfestkreis, der mit Pfingsten endet, dem Dreifaltigkeitssonntag und dem Fronleichnamsfest sind wir mit dem heutigen Sonntag wieder ganz im so genannten Jahreskreis angelangt. Zu Pfingsten stand der Geist im Mittelpunkt, am folgenden Sonntag die Dreifaltigkeit, zu Fronleichnam der Leib Christi: eine Kulmination zentraler Inhalte. Worum kann es am ersten Sonntag nach all diesen Festen, welche die großen Geheimnisse des christlichen Glaubens feiern, noch gehen? Wie wieder anfangen nach der Rückkehr in den normalen Lauf des Jahres? Geben uns die Texte der Lesungen eine Auskunft? weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Fronleichnam, 10. Juni 2020
Fronleichnam: Brot – von der Einfachheit und dem Reichtum eines Motivs
Das Fronleichnamsfest hat im katholischen Raum eine große Bedeutung. Es ist die Feier der Eucharistie schlechthin und darin dem Gründonnerstag eng verwandt. Abgesehen vom 147. Psalm haben alle Texte, die als Lesungen ausgewählt sind, mit Brot zu tun und entfalten ein Netz reicher Bezüge innerhalb der Bibel: Deuteronomium 8,2–3.14–16; 1. Brief an die Gemeinde von Korinth 10,16–17; Johannes-Evangelium 6,51–58. weiterlesen ...
 
 
Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Dreifaltigkeitssonntag, 7. Juni 2020
Trinität als eine Auslegung der Einzigkeit Gottes?
Der Sonntag nach Pfingsten wird als Dreifaltigkeitssonntag gefeiert. Nimmt man die vorgesehenen Lesungstexte ernst, können zwei Vorstellungen, die sich mit „Dreifaltigkeit“ verbinden, korrigiert werden.
1) Die erste Lesung ist dem Buch Exodus (34,4–6 und 8–9) entnommen und eine zentrale Stelle der Torah, ja des gesamten Alten Testaments (der Hebräischen Bibel, des TeNaChs). Gott offenbart sich Mose in besonders dichter Weise, nachdem das Volk, das mit ihm durch die Wüste zieht, ein goldenes Kalb hat anfertigen lassen, um es als Götterbild zu verehren. Die Geschichte des Auszugs wäre zu Ende, würde Gott sich nicht dem Volk erneut zuwenden. Mose wird der an ihm vorüberziehenden Herrlichkeit Gottes – freilich nur im Hinterher, im Nachhinein – gewahr. Gott spricht dabei seinen Namen, das für Menschen unaussprechbare Tetragramm, zweimal aus: „Der HERR, der HERR, ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue.“ (Ex 34,6) weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Pfingstmontag, 1. Juni 2020
Pfingstmontag: Von der Vielfalt des Geistes
In der westlichen / lateinischen / katholischen Tradition des Christentums scheint der Heilige Geist eine eher untergeordnete Rolle einzunehmen. Dies ist in den östlichen / orthodoxen Kirchen, aber auch in den Pfingstkirchen anders. Aus katholischer Sicht gilt es einen Blick für die Vielfalt des Geistes wiederzugewinnen. Am zweiten Pfingsttag, dem Pfingstmontag, wird uns die Gestalt des Geistes von den für die Liturgie vorgesehenen Schriftstellen wie schon am Pfingstsonntag in einer differenzierten Weise vorgestellt. Alle Schriftstellen abgesehen vom kurzen 117. Psalm sprechen explizit vom Geist. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Pfingstsonntag, 31. Mai 2020
Pfingstsonntag: vom Geist der Überzeugung
Alle Texte, die für die Liturgie des Pfingstsonntags vorgesehen sind, handeln vom Geist. Der älteste der Texte, den ich deshalb auch als Ausgangspunkt der Überlegungen nehme, ist der 104. Psalm, der in einem Loblied die Schöpfung Gottes preist. Über das Verhältnis von Gott und seinen Geschöpfen heißt es darin: „Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde.“ (Psalm 104,30). Auf diese lebensspendende Kraft des Geistes bezieht sich auch das heutige Evangelium, in dem Jesus als der Auferstandene seinen Schülerinnen und Schülern den erneuernden Geist zuspricht: „Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!“ (Johannesevangelium 20,21f) Dieses Geschehen der Sendung des Geistes wiederholt sich später noch einmal ohne die Präsenz Jesu: Die Lesung aus der Apostelgeschichte (2,1–11) erzählt, wie die Gabe des Geistes auf die Schülerinnen und Schüler Jesu herabkommt und sie ermutigt aus ihrer Abgeschlossenheit hinauszugehen. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 24. Mai 2020
7.Sonntag der Osterzeit: Name und Gebet
Am siebenten Sonntag der Osterzeit, der zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten gelegen ist, ist als erste Lesung ein kurzer Abschnitt aus der Apostelgeschichte vorgesehen, die Fortsetzung der Lesung vom Tag der Aufnahme Christi in den Himmel. Die Apostel, Maria, einige Frauen und die Brüder Jesu bleiben in dieser Zeit gemeinsam im Obergemach eines Hauses in Jerusalem – „einmütig im Gebet“ (Apg 1,12–14). In dieser Zeit der Zwischenphase von Himmelfahrt und Pfingsten – Jesus ist nicht mehr unter seinen Schülerinnen und Schülern präsent, der Geist ist ihnen noch nicht gegeben – bilden sie eine Gemeinschaft im Gebet. Wichtig ist, dass zwölf Namen (die der Apostel und der Marias) aufgezählt werden: Name und Gebet als zwei Grundvollzüge unseres Menschseins behalten auch in dieser Zwischenphase ihre Bedeutung. Weiterhin werden Menschen mit ihrem Namen gerufen und weiterhin adressieren sie sich an Gott. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020
Christi Himmelfahrt: Von der Geschichte eines Wortes …
Für das Fest Christi Himmelfahrt, das 40 Tage nach Ostern gefeiert wird, ist als Lesung der Beginn der Apostelgeschichte, der von der Himmelfahrt erzählt (1,1–11), vorgesehen, weiters eine Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Ephesus (1,17–23), Passagen aus dem 47. Psalm und der Schluss des Matthäusevangeliums (Mt 28,16–20). weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 17. Mai 2020

6. Sonntag der Osterzeit: Der Geist als Tröster, Fürbitter, Ermutiger …
An den Tagen vor dem Fest Christi Himmelfahrt wird als Evangelium in den Gottesdiensten jeweils eine Passage aus den Abschiedsreden Jesu, wie sie im Johannesevangelium (Kapitel 14–17) überliefert sind, gelesen. Diese ursprünglich auf den Abschied Jesu mit seinem Tod bezogenen Reden erhalten dadurch eine neue Bedeutung: Sie weisen auf die Himmelfahrt Jesu hin, die das Ende der Erscheinungen des Auferstandenen, das Ende seiner Präsenz unter den Schülerinnen und Schülern Jesu, bedeutet. Für den heutigen Sonntag sind folgende Schriftlesungen ausgewählt: eine Passage aus der Apostelgeschichte (8,5–8 und 14–17), ein Abschnitt aus dem 1. Petrusbrief (3,15–18), Teile des Psalms 66 und eben eine Passage aus dem Johannesevangelium (14,15–21). weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 10. Mai 2020
5. Sonntag der Osterzeit: Fragen und Suchen in einem Raum des Vertrauens
Rund um den fünften Sonntag setzt eine markante Änderung in der Auswahl der Evangeliumstexte sowohl für die Sonntage als auch für die Wochentage ein, welche schon auf das Fest Christi Himmelfahrt hindeutet. Als Evangelium werden an diesen Tagen ausschließlich Texte aus den so genannten Abschiedsreden Jesu gelesen, die sich im Johannesevangelium in den Kapiteln 14 bis 16 finden und von einem langen Gebet Jesu in Kapitel 17 abgeschlossen werden. Diese Reden, die nur im Johannesevangelium überliefert sind, hält Jesus bei seinem letzten Mahl nach der Fußwaschung (Kapitel 13), ihnen folgt seine Verhaftung (Kapitel 18). Für den heutigen Sonntag ist neben den beiden Lesungen, die wie so oft in der Osterzeit aus der Apostelgeschichte (Apg 6,1–7) und dem ersten Petrusbrief (1 Petr 2,4–9) stammen, sowie dem Psalm 33 der Beginn der Abschiedsreden als Evangelium vorgesehen (Joh 14,1–12). weiterlesen


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 3. Mai 2020

4. Sonntag der Osterzeit: Jesus als Öffnung und Tür
Die Sonntage vom Weißen Sonntag bis Pfingsten können als eine Wiederaufnahme oder Wiederholung (im positiven Sinn des Wortes) des Ostersonntags verstanden werden, sie greifen das Ostergeschehen immer wieder neu auf. Die Passagen aus den Evangelien, die an diesen Sonntagen gelesen werden, sind entweder Erzählungen von der Begegnung mit dem Auferstandenen, oder aber sie werden durch ihre Auswahl für diese Sonntage zu Ostererzählungen. So verhält es sich auch mit dem heutigen Evangelium (Joh 10,1-10; Lesungen: Apg 2,14.36-41; Psalm 23; 1 Petr 2,20-25), das von Jesus als Tür und Öffnung spricht und durch die Lektüre am heutigen Tag in einen österlichen Horizont gestellt wird ... weiterlesen


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 26. April 2020

Sonntag der Osterzeit: Wagnis und Fragilität der öffentlichen Erklärung des Glaubens
Für den dritten Sonntag der Osterzeit kann aus mehreren Lesungen ausgewählt werden. Vorgesehen sind die folgenden Texte:

die erste Ansprache, in der welcher sich Petrus nach der Erfahrung des Auferstandenen an die Öffentlichkeit Jerusalems wendet (Apostelgeschichte 2,14.22-33)
eine Passage aus dem ersten Petrusbrief (1 Petrus 1,17-21), der sich an die Gemeinden in der Diaspora wendet und aus dem um Ostern herum öfters gelesen wird
eine Passage aus dem 16. Psalm, der in gewisser Weise als der österliche Psalm schlechthin gelten kann
falls der Ostermontag nicht als Feiertag begangen werden kann: die Emmauserzählung, in der zwei Jünger ihren Begleiter erst nach einiger Zeit – und nur für einen Moment – als den Auferstandenen erkennen (Lukas 24,13-35)
erneut eine Erzählung des Johannes (Johannes 21,1-14), in welcher berichtet wird, wie die Jünger erst mit Verzögerung verstehen, dass ihnen Jesus nach zunächst erfolglosem Fischfang begegnet.

Nimmt man all diese Texte zusammen, ergibt sich eine ganz eigentümliche thematische Konstellation, der die folgenden Überlegungen nachspüren wollen. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Sonntag, 19. April 2020
Weißer Sonntag: „Ihn habt ihr nicht gesehen ...

Für den ersten Sonntag nach Ostern, den so genannten „Weißen Sonntag“ – man nennt ihn wohl so, weil in der frühen Kirche die in der Osternacht Getauften ihre weißen Gewänder bis zu diesem Tag anhatten; für den heutigen Sonntag ist eine Lesung aus der Apostelgeschichte vorgesehen, die über das Leben der sich langsam konstituierenden christlichen Gemeinde in Jerusalem berichtet (Apg 2,42-47), eine Lesung aus dem ersten Petrusbrief (1 Petr 1,3-9), Passagen aus dem 118. Psalm und eine der Auferstehungserzählungen aus dem Johannes-Evangelium (Joh 20,19-31). Es gibt eine interessante Parallele zwischen der Passage aus dem Johannes-Evangelium und dem Abschnitt aus dem Petrusbrief, auf die ich im Folgenden eingehen werde. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostermontag, 13. April 2020
Ostermontag: Von den verspäteten Namen und einem Sich-Öffnen
Der Ostermontag ist ein ganz eigenartig verspäteter Feiertag, der aus der Zeit fällt. Einerseits ist er wie alle anderen Tage der Woche nach Ostern (der Osteroktav) eine neuerliche Feier des Ostersonntags, sozusagen dessen Wiederholung – im besten Sinn. Andererseits hat dieser Tag aber doch eine ganz eigene Charakteristik. Mit dem Ostermontag ist vor allem die Erzählung des Weges von zwei Schülern Jesu in ein kleines Dorf mit dem Namen Emmaus verbunden (Lk 24,13-35). Diese Geschichte findet sich nur im Lukasevangelium, und sie nimmt noch einmal in die Zeit vor Ostern, in den Karsamstag zurück – in die Zeit der Ungewissheit, des Nicht-Verstehens, des Wartens. Erzählt wird von zwei Personen, die gemeinsam unterwegs sind. Die Schilderung ihres Weges, der größte Teil der Erzählung, ist eigentlich die Erfahrung des Karsamstags, die dann beim gemeinsamen Mahl im Gasthaus in die Ostererfahrung umschlägt. Der Karsamstag ist in gewisser Weise ein verzögerter, verhaltener, verspäteter – und vor allem leiserer – Ostersonntag. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Ostersonntag, 12. April 2020
Ostersonntag: Von der Vielfalt der Auferstehungserzählungen
Betrachtet man die vier Evangelien, fallen die Erzählungen von der Auferstehung (Mt 28, Mk 16, Lk 24, Joh 20-21) in einer eigenartigen Weise aus dem Rahmen. Einerseits finden sie sich in allen vier Evangelien, was erwähnenswert ist, zumal es zahlreiche Erzählungen gibt, die nicht in allen Evangelien überliefert sind. Andererseits aber sind die Auferstehungserzählungen in den einzelnen Evangelien völlig unterschiedlich gestaltet. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Osternacht, 11. April 2020
Osternacht: Tag eins und Neuschöpfung

Für die Osternachtfeier ist eine Fülle von Lesungen vorgesehen. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass diese Feier in ihrer Entwicklung in einer ganz engen Beziehung zum Nachtgebet der Klöster, der Vigil, steht. Es handelt sich dabei um eine vor Sonnenaufgang stattfindende Gebetszeit, bei der die Lesung der Heiligen Schrift im Mittelpunkt steht.
weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag von Prior Pater Jakob Deibl - Karfreitag, 10. April 2020
Karfreitag: Eine Erzählung vieler Fragen?
Die Liturgie des Karfreitags sieht mehrere Lesungen vor (Jes.  52,13-53,12; Hebr4,14-16 und 5,7-9; Kor 11,23-26; Teile von Psalm 31 und Joh 18-19), wobei sicherlich die Passionsgeschichte, wie sie der Evangelist Johannes erzählt, im Mittelpunkt steht. Die Passionsgeschichte schildert keinen schicksalhaft vorgegebenen Weg, der unerbittlich auf ein Ende zuläuft. Sie ist keine Erzählung, in der ein blindes Schicksal seinen Lauf nimmt. Wir hören vielmehr eine Erzählung, die durch und durch mit Fragen durchsetzt und sehr fragil ist. Ich weiß nicht, warum in der Lektüre der Erzählung die Schreie „Kreuzige ihn!“ so in den Vordergrund getreten sind. Im Text spielen Fragen eine viel größere Rolle. Rekapitulieren wir die Erzählung noch einmal anhand der Fragen, die in ihr gestellt werden. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Gründonnerstag, 9. April 2020

Gründonnerstag: Jesus als Verkörperung des Bundes Gottes mit den Menschen
Die Liturgie des Gründonnerstags (Lesungen: Ex 12,1-14; 1 Kor 11,23-26; Ps 116,12-18; Joh 13,1-15) lebt von starken Zeichen: der Fußwaschung und den Gaben von Brot und Wein. Diese Zeichen verweisen auf den neuen BundGottes mit den Menschen: „Ebenso [nahm er] auch den Becher nach dem Essen und sagte: Dieser Becher ist der neue Bund in meinem Blut: Tut dies, jedes Mal,wenn ihr trinkt, zu meiner Erinnerung.“ (1 Kor 11,25) Was ist mit „neuem Bund“gemeint?
weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Palmsonntag, 5. April 2020
Palmsonntag als eine Leseerfahrung
Mit dem Palmsonntag ist der Eintritt in die Karwoche vollzogen. Diese Woche ist besonders stark durch lange tradierte und oft regional verschiedene Formen des Brauchtums geprägt, die vielen Menschen sehr wichtig sind: von den Palmzweigen bis zum Schweigen und der Rückkunft der Glocken bis zu den Speisensegnungen. Vieles davon ist momentan nicht möglich. Allerding begleiten nicht nur verschiedene Aspekte des Brauchtums diese Tage, sondern auch zahlreiche Texte aus dem Alten und Neuen Testament. Vom Palmsonntag bis Ostern ist für die Gottesdienste ein weitesPanorama an Texten aus der Heiligen Schrift vorgesehen. Wie bestimmte Bräuche eineStrukturierung dieser Tage geben, so auch die Lesungenaus der Bibel. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Sonntag, 29. März 2020
Von der Vielfältigkeit der Ausdrucksweisen

(5. Sonntag in der Fastenzeit)
Für den heutigen Sonntag sind zwei Lesungen (Ez 37,12-14; Röm 8,8-11), ein Psalm (Ps 130) und ein Abschnitt aus dem Johannes-Evangelium (Joh 11,1-45) als Schriftlesungen für die Liturgie ausgewählt; Texte, die einen ganz unterschiedlichen Charakter haben, aber doch ein gemeinsames Thema umkreisen: Der tote Körper wird zum Leben erweckt. weiterlesen ...

Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Sonntag, 22. März 2020
Von der Frage, was eigentlich die Frage ist (Joh 9,1-41)
Neben den beiden Lesungen, der Erzählung von der Salbung des künftigen Königs David durch Samuel (1 Sam 16,1-13) und einer Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Ephesus (Eph 5,8-14), ist für den heutigen Sonntag eine vom Evangelisten Johannes erzählte Geschichte von der Heilung eines Menschen, der blind geboren wurde (Joh 9,1-41), als Evangelium vorgesehen. Erzählungen von der Heiligung eines Menschen – davon finden sich viele in den Evangelien – müssten in diesen Tagen, wo uns die Nachrichten von immer weiter steigenden Zahlen von Erkrankungen betrübt machen, so erzählt werden, dass sie uns ein wenig Hoffnung schenken. Dass dies jedoch unglaublich schwierig ist, weiß schon der Evangelist Johannes. Seine Erzählung der Heilung eines Menschen, der von Geburt an blind war, dreht sich nicht zuletzt um diese Schwierigkeit. weiterlesen ...


Gedanken zu den Schriftlesungen vom Tag - Sonntag, 15. März 2020

Für die Liturgie des heutigen Sonntags ist neben Abschnitten aus dem Buch Exodus (Ex 17,3-7) und dem Johannes-Evangelium (Joh 4,5-42) ein Text aus jenem Brief vorgesehen, den der Apostel Paulus an die Gemeinde von Rom geschrieben hat (Röm 5,1-8). Diese Gemeinde war Paulus zum Zeitpunkt der Niederschrift persönlich nicht bekannt, direkter Kontakt zu ihr war ihm nicht möglich. Der Apostel kann jedoch mit einem Brief die Distanz zur Gemeinde überbrücken. Überbracht hat diesen Brief im Übrigen eine Frau namens Phöbe. Wer in der Antike einen Brief überbrachte, musste auch dessen Inhalt auslegen können. Offensichtlich war Phöbe eine von Paulus und den frühen christlichen Gemeinden anerkannte Theologin von hoher Wertschätzung. weiterlesen ...