Stift Melk - UNESCO-Welterbe

Der Barockbau

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"Der innerliche Aufschwung der Klostergemeinschaft im 17. Jahrhundert fand auch bald seinen äußeren Ausdruck, indem man die Klosteranlage barockisierte.  Es herrschte in Österreich eine gewaltige Aufbruchstimmung. Die Türkengefahr war gebannt, der Wirtschaftsaufschwung und vor allem die gesicherte Freiheit im Glauben drängten einfach dazu, die Lebensfreude und die neu gewonnene Glaubenssicherheit auszudrücken."

Abt em. Dr. Burkhard Ellegast OSB, Textauszug aus "Das Stift Melk"

Berthold Dietmayr (geboren 1670) wurde 1700 zum Abt des Stiftes Melk gewählt. Mit der Tatkraft seiner Jugend, seiner Zielstrebigkeit und geistiger Beweglichkeit nahm er anstehende Restaurierungsarbeiten in Angriff, die in einem kompletten Um- und Neubau der Klosteranlage endeten. Berthold Dietmayr hatte in Jakob Prandtauer einen kongenialen Baumeister gefunden und für die Innenausstattungen wurden namhafte Künstlerpersönlichkeiten ausgewählt (Antonio Beduzzi, Johann Michael Rottmayr, Paul Troger, Lorenzo Mattielli u. a.). 1738 kam es im Kloster zu einem Brand, der Teile des Klosters und die Türme der Kirche zerstörte. Dieser Schlag dürfte Abt Dietmayr die Kraft genommen haben. Er starb 1739. Seine Nachfolger vollendeten den barocken Neubau. Neben den baulichen Fortschritten war auch ein Aufschwung in der Wissenschaft spürbar. Historiker wie Anselm Schramb, Philibert Hueber und die Brüder Pez oder die Musiker Robert Kimmerling, Marian Paradeiser oder Johann Georg Albrechtsberger, waren weit über die Mauern Melks hinaus bekannt.
Abt Berthold Dietmayr genoss großes Ansehen bei Hof und in den niederösterreichischen Landeständen. 1706 wurde er zum Rektor der Wiener Universität ernannt. 1728 erfolgte die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat des Kaisers.

Der tiefe, fast erdhafte Glaube der Menschen holte den unnahbaren Gott auf die Erde herunter und baute ihm hier großartige Audienzhallen, für die nichts schön genug, nichts großartig genug sein konnte. Die Menschen in der Barockzeit wussten aber nicht nur um Glanz und Freude menschlichen Lebens, sondern auch dessen Kehrseite: um Leid und Not, Krankheit und Tod. Die Menschen holten Gott auf die Erde und hatten etwas, an das sie sich halten konnten. Prozessionen, Wallfahrten, Bußübungen oder Reliquienverehrungen sind Bemühungen der Menschen, um Gott besonders nahe zu sein.