Stift Melk - UNESCO-Welterbe

Priesterweihe am 21. November um 16 Uhr in der Stiftskirche

 

„Brannte ihm nicht das Herz“

P. Mag. Ludwig Wenzl OSB empfing Priesterweihe im Stift Melk

Die Freude im Stift Melk war groß – am Nachmittag des Christkönigssonntags wurde Pater Mag. Ludwig Wenzl OSB, Mitglied des Konvents, von Weihbischof Dr. Anton Leichtfried zum Priester geweiht. Der Weihbischof zeigte sich angerührt von der Kirche, von der persönlich anwesenden Gebetsgemeinschaft – coronabedingt nur Konvent, die Familie und engste Wegbegleiter*innen - und begrüßte auch jene, die via Livestream zugeschaltet waren. Die festliche Zeremonie wurde von einem Ensemble des Stiftschores und des Stiftsorchesters mitgestaltet.

Pater Ludwig wählte für die Messfeier Lesung und Evangelium aus, die auch den Schlüsselsatz seines Glaubens enthalten: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften erschloss“ (Lk 24, 32).  Die Geschichte der Emmaus-Jünger nahm auch Weihbischof Anton Leichtfried zum Thema und meinte: „Wenn heute jemand Priester werden will, braucht er einen starken Glauben – und ein ,ordentlich‘ brennendes Herz. Er wünschte ihm, dass er beim Lesen der Heiligen Schrift als auch bei der Eucharistiefeier dies immer wieder aufs Neue verspüre. Es soll ihm aber auch das Herz für andere aufgehen, er möge Augen und Ohren offen halten. Als Sensor für andere wird er Quellen der Freude entdecken, Kraft und Energie werden freigesetzt.

„Hier bin ich“ bezeugte der Jungpriester seine Bereitschaft, im Gelübde versprach er, sein Priesteramt ausüben zu wollen und mit Ehrfurcht das Wort Gottes zu verkünden. Pater Ludwig wurde anschließend von Abt Georg Wilfinger OSB, Abt Columban Luser OSB, von Generalvikar Dr. Christoph Weiss und allen anwesenden Priestern gesegnet.

Weihbischof Dr. Anton Leichtfried wünschte ihm noch, dass Glaube, Hoffnung und Liebe lebendig werden und bat die Teilnehmenden, die Freude hinauszutragen und für jene zu beten, die das Gebet brauchen.

Abschließend dankte Pater Ludwig noch mit den Worten: „Bei Exerzitien lernte ich von Abt Martin Werlein, wie man etwas auf den Punkt bringt. Zusammengefasst kann ich all meine Gefühle nur mit einem ,Danke, Danke, Danke‘ ausdrücken!“ Pater Mag. Ludwig Wenzl OSB

Ludwig Wenzl wurde am 4. Februar 1985 in Waidhofen an der Ybbs geboren, Heimatpfarre Aschbach; nach seiner Ausbildung zum Hotel- und Touristikkaufmann trat er 2010 ins Stift Melk ein, er studierte Theologie und Geschichte in Salzburg;
2014 folgte die feierliche Profess, 2020 wurde er zum Diakon geweiht; das Pastoraljahr absolvierte er von 2019 bis 2020 in der Pfarre St. Stephan in Amstetten.
Ludwig Wenzl ist Leiter der Bereiche Kultur und Tourismus, der Pforte und des Archivs des Stiftes Melk. Am Stiftsgymnasium Melk unterrichtet er katholische Religion sowie Geschichte und Sozialkunde. Darüberhinaus ist er in der pastoralen Jugendarbeit („Junge Pastoral“) engagiert und Mitglied der stiftsinternen Gremien Senioren- und Wirtschaftsrat.

Evangelium vom Christkönigssonntag

Das von P. Ludwig für die Messfeier der Weihe ausgewählte Evangelium (Lukas 24,13–35), das – nach dem Tod Jesu – den Weg zweier seiner Schüler in das nahe bei Jerusalem gelegene Dorf Emmaus beschriebt, hat für den Weihekandidaten eine große Bedeutung. Von den beiden Protagonisten wird nur einer mit Namen genannt (Kleopas), der andere bleibt anonym – diese Leerstelle kann vom Leser, der Leserin gefüllt werden. Jesus als der Auferstandene gesellt sich den beiden traurigen Wanderern hinzu und erklärt ihnen, dass Jesus sterben musste, aber auferstanden ist. Sie erkennen ihn während ihres Gespräches jedoch nicht. Als sie abends im Dorf ankommen, laden die beiden Jesus ein, nicht weiterzugehen, sondern bei ihnen zu bleiben. Erst beim gemeinsamen Essen, als der auferstandene Jesus das Brot bricht und den Lobpreis spricht, d.h. in einer eucharistischen Geste, erkennen sie ihn; er jedoch entschwindet ihren Blicken. Die Antwort der beiden Schüler Jesu darauf – „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften erschloss“ (Lk 24, 32) – ist für P. Ludwig ein Schlüsselsatz seines Glaubens. Darüber hinaus aber verweist die Szene des gemeinsamen Males auf die Eucharistie und reicht damit auch ins Innerste des Geschehens, um das es im Rahmen einer Priesterweihe geht.

Die Priesterweihe

Die Priesterweihe zählt in der katholischen Tradition zu den sieben Sakramenten (wie Taufe, Eucharistie, Firmung …), ihr voraus geht die Weihe zum Diakon. Sie wird durch einen Bischof gespendet und ermöglicht die Übernahme bestimmter Dienste und Aufgaben in der Kirche und für die Gläubigen - besonders die Feier der Eucharistie, die Abnahme der Beichte und die Krankensalbung.

Die Mitgliedschaft bei den Benediktinern bedingt nicht die Priesterweihe, die priesterlichen Aufgaben sind primär diözesane Angelegenheiten. In den österreichischen Benediktinerklöstern gibt es jedoch eine lange Tradition, dass Mönche auch Priester sind, weil diese Klöster stark in die Pfarrseelsorge eingebunden sind.

Bildtext: Priesterweihe im Stift Melk

Foto 1975 v. l. n. r.: Weihbischof Dr. Anton Leichfried, Pater Ludwig Wenzl OSB
Foto 1955 v. l. n. r.: Weihbischof Dr. Anton Leichfried, Pater Ludwig Wenzl OSB, Abt Georg Wilfinger OSB
Foto 1919: Pater Ludwig Wenzl OSB (Mitte) mit seinen Eltern, Weihbischof Dr. Anton Leichfried (links), Abt Georg Wilfinger OSB (rechts)

Fotocredits: Franz Gleiss