Stift Melk - UNESCO-Welterbe

Ines Schüttengruber im Gespräch

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Ines Schüttengruber ist seit 2013 künstlerische Leiterin der Sommerkonzerte im Stift Melk. Schon die Jahre davor war Sie auch als Pianistin und Organistin bei den Sommerkonzerten mit dabei.
Woher kommt die Leidenschaft für die Musik?

Ich habe Klavier und Orgel in Wr. Neustadt gelernt. Die Hradetzky-Orgel im Dom hat mich schon früh fasziniert. Mein erster Orgellehrer dort war Albert Mülleder, ein großartiger Improvisator. Da gab es immer lang improvisierte Auszüge. Im Dom war ich oft samstagabend mit meiner Familie mit, mein Vater war Kantor dort. Die Orgel hat mich in ihren Bann gezogen.  

Was macht den besonderen Reiz der Sommerkonzerte im barocken Welterbe Stift Melk aus?
Die Sommerkonzerte im Ambiente des Stiftes Melk sind wunderbare Möglichkeiten Konzerte zu genießen. Der Kolomanisaal ist einladend - noch dazu mit einer Orgel ausgestattet. Die Stiftskirche ist beeindruckend. Es ist für mich immer eine große Freude, hier zu musizieren oder auch ein Konzert erleben zu dürfen. Auch die festlichen musikalischen Beiträge zur Messgestaltung am Sonntag sind uns ein großes Anliegen. 

Die Sommerkonzerte 2020 werden als besondere Konzerte in die Melker Annalen eingehen. Zuerst abgesagt, dann Dank Lockerungen finden sie statt. Was ist anders im Vergleich zu den Vorjahren?
Es freut mich, dass wir nun doch Sommerkonzerte 2020 veranstalten werden. Dies ist einerseits den großen Bemühungen für die Künstler von Seiten des Stifts zu verdanken. Kultur und Kunst haben im Stift Melk eine wichtige Rolle.  Andererseits ist es heuer besonders schön, dass meine Kolleginnen und Kollegen auch in diesem Krisenjahr "zu uns" halten. Das ist eine sehr schöne Sache und ein wunderbares Gefühl. Die Bereitschaft und der große Wille des Stifts verbinden sich mit dem großen persönlichen Aufschwung, der Bereitschaft der Künstler auch in diesem Jahr Sommerkonzerte im Stift Melk zu spielen - zu zugegebenermaßen heuer eingeschränkten Bedingungen, wir spielen heuer auf Eintritte. Vielen war es ein Anliegen, dass unsere Sommerkonzerte weiter bestehen und stattfinden. Für mich war es sehr schön, auf diese Solidarität meiner Kolleginnen und Kollegen bauen zu können. Ihre Zusagen und die Zusage des Stiftes Melk, ermöglichen es uns, dass wir auch heuer ein vielfältiges Programm präsentieren können. Nicht zuletzt möchte ich auch unser treues Publikum erwähnen - es gab hier viel Zuspruch. 

Bei den diesjährigen Sommerkonzerten gibt es ein Jubiläum zu feiern. Die Königin der Instrumente, die Stiftsorgel feiert ihr 50 jähriges Jubiläum. Was ist das besondere an dieser Orgel?
Das Orgeljubliäum feiern wir mit dem Festkonzert am 16.8. 20.00 von Prof. Peter Planyavsky. Unsere Orgel wurde von der Orgelbau Firma Hradetzky in Krems gebaut, später von Schuke/Berlin restauriert. Heute wird die Stiftsorgel auch weiter von Schuke/Berlin betreut. Unsere Orgel ist sehr vielfältig in ihren Klängen und erlaubt die Darstellung von Barockmusik, ebenso wie die von romantischen Werken und Moderne. Das Farbspektrum der Klänge ist beeindruckend und zieht Organisten und Publikum in den Bann.  

Sie haben bereits namhafte Sänger und Sängerinnen am Klavier begleitet und auf verschiedensten Orgeln europaweit gespielt, da stellt sich die Frage, welche Sängerin oder Sänger würden Sie gerne einmal am Klavier begleiten und gibt es noch eine Orgel Ihrer Träume?
Orgelkonzerte sind immer ein Erlebnis. Das Entdecken von neuen Orgeln ist ein Faszinosum, das uns Organisten zeitlebens begleitet und inspiriert. Mich fasziniert die norddeutsche, niederländische Orgelwelt, ich bin aber auch von der französischen Orgelkultur sehr angetan. In Italien wiederum kann man wunderbare historische Instrumente entdecken. Jede Orgel ist einzigartig, das ist für mich das besonders Schöne. 
Wenn ich mit einem Sänger oder einem Instrumentalisten im Duo oder Trio spiele, interessiert mich das Gespräch, der Dialog, das gemeinsame Musizieren. Es ist immer schön, wenn das ein reger Austausch im Musizieren ist, wie ein gutes Gespräch. Ich liebe es, Kunstpfeifer Nikolaus Habjan zu begleiten. Diese feinen Nuancen im Zusammenspiel, sie reizen mich sehr. Am 5.8. 19.00 wird Nikolaus Habjan erstmals in der Stiftskirche und anschließend im Kolomanisaal (wie auch im Vorjahr) zu hören sein.
Solches gemeinsames Musizieren ist sehr erfüllend für mich - wenn ein Sänger, ein Instrumentalist, ein Kunstpfeifer so fein, nuancen- und farbenreich musiziert, das ist beglückend für mich. Das lädt zum Mitspielen, zum gemeinsamen Musizieren ein. Wenn das Publikum dann noch voller Begeisterung lauscht - ist es ein besonders schönes gemeinsames Konzerterlebnis.