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Melk und die Babenberger

Vor mehr als 1000 Jahren kamen an diesen Ort die Babenberger, das erste Herrschergeschlecht Österreichs.
Eine Burg, die im Besitz eines bayrischen Grafen namens Sizzo war, wird erstmals um 830 erwähnt
und mit dem Namen Melk in Verbindung gebracht. Leopold I., wurde vom Kaiser mit einem schmalen
Streifen entlang der Donau – etwa zwischen den Zuflüssen Enns und Traisen – belehnt, in dessen Mitte die Burg lag.

Markgraf Leopold I. (976-994): bringt Chorherren nach Melk; aus der Galerie sämtlicher österreichischer Herrscher am Kaisergang von Josef Kremer, Mitte 18. Jh.
Er eroberte sie und machte sie zu seiner ersten Hauptburg.
Melk war von nun an mit den seit 976 regierenden Babenbergern
sowie mit der von ihnen beherrschen Marca Orientalis
des Heiligen Römischen Reiches untrennbar verbunden.
Diese Mark wurde als „Ostarrichi“ bezeichnet und
ist die Keimzelle des heutigen Österreich.
Im Laufe der nächsten hundert Jahre etwa hat die Melker Burg
an Bedeutung verloren, da die Babenberger ihren Herrschaftsbereich
in Richtung Osten – Tulln, Klosterneuburg, Wien – ausdehnten.
In Melk aber waren einige der ersten Babenberger bestattet und
diese bedeutende Begräbnisstätte des Herrschergeschlechtes sollte
nicht vernachlässigt werden, sondern in geistliche Hände kommen.
Das war wohl mit ein bedeutender Grund dafür,
dass hier ein Kloster gegründet wurde.
 


Bis heute existiert das Babenbergergrab, das in seiner jetzigen Form aus der Barockzeit stammt.
In kleinen Wandnischen sind nun die Skelette von mehreren Personen bestattet. Eindeutig darunter konnten die ersten Markgrafen

Heinrich I. (994-1018), Adalbert der Siegreiche (1018-1055) und Ernst der Tapfere (1055-1075) identifiziert werden.
In die erste Zeit der Babenberger an ihrer Melker Burg fallen zwei wichtige Ereignisse.

Im Jahre 1014 ließ Heinrich I. den der Legende nach unverwesten
Leichnam des heiligen Koloman in die Burg bringen.
Der heilige Koloman war ein irischer Königssohn, der die Nachfolge seines Vaters,
des Königs von Irland, nicht antreten wollte.

Markgraf Heinrich I. (994-1018): Der hl. Koloman wird nach Melk überführt; aus der Galerie sämtlicher österreichischer Herrscher am Kaisergang von Josef Kremer, Mitte 18. Jh.Er zog es vor, den Königshof zu verlassen, und wollte in das Heilige Land pilgern.
Sein mühsamer Weg endete in der Nähe von Wien, in Stockerau,
wo er von verängstigten Bauern auf freiem Felde aufgegriffen wurde. 
Da diese Gegend immer von Einfällen der Ungarn betroffen war, wurde Koloman,
weil er auch anders aussah und eine fremde Sprache hatte,
für einen Spion gehalten. Deswegen wurde er nach einer grauenvollen Folter
auf einem Holunderbaum erhängt.
Aber siehe da, der Holunderbaum trieb plötzlich frische Blätter und Blüten.

Dies wurde natürlich als Wunder gedeutet und Koloman als Heiliger angesehen.
Nun hatten die Babenberger in Melk einen Heiligen in ihrem Land
und sie ließen seinen Leichnam in ihre Burg bringen und in Melk bestatten.
 


Im Jahre 1040 kommt eine kleine Kreuzpartikel des Kreuzes Christi zu den Babenbergern.
Jetzt ist es klar, dass die Herrscher nicht nur vom Kaiser belehnt worden sind,
sondern dass diese Belehnung auch die Bestätigung von „oben“ bedeutete:
Jetzt sind sie von Gott und Kaiser anerkannte Herrscher.

Der heilige Koloman war somit der erste Landespatron von Österreich und blieb dies bis 1663, als Leopold III.,
der 1485 heilig gesprochen worden war, zum Landespatron erhoben wurde.
Das Grab des heiligen Koloman befindet sich in der Stiftskirche und wird besonders am 13. Oktober verehrt.
Auch die Kreuzpartikel befindet sich nach wie vor in der Schatzkammer des Stiftes.
Das kleine Stückchen Holz bekam von Rudolf dem Stifter 1362 eine wunderschöne Fassung aus Gold und Edelsteinen und
wird seither als das „Melker Kreuz“ verehrt.