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Leben und Wirken der Benediktiner in Melk

Zur wichtigsten Verpflichtung des Melker Klosters gehört von Anfang an die Liturgie, der Gottesdienst, das Stundengebet. „Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden“, so sagt der heilige Benedikt in seiner Regel für die Mönche. Dieser Satz könnte auch als Bauplan für die Melker Stiftskirche verstanden werden. Alle Räume sind schön, aber der „schönste“, prächtigste Raum, in dem alles aufgeboten wird, ist die Kirche.
Damit ist der Stellenwert des Gotteshauses und des Gottesdienstes unübersehbar bis in unsere Tage festgelegt.

Neben dem Gottesdienst haben die Mönche immer schon auch ihr Wirken in Seelsorge und Unterricht gefunden. Aus den ursprünglich fünf Gründungspfarren sind es heute 23 inkorporierte Pfarren geworden, die von den Melker Benediktinern zu betreuen sind.
Auch die Klosterschule, die erstmals 1160 erwähnt wird, besteht bis heute, hat derzeit 940 Schülerinnen und Schüler und ist nun die größte katholische Privatschule Österreichs.
Das Gymnasium wird in einem humanistischen und einem neusprachlichen Zweig und weiters als Oberstufenrealgymnasium mit einem naturwissenschaftlichen und einem musischen Zweig geführt. Seit dem Schuljahr 1966/1967 besteht ein Studentenaustauschprogramm mit der Benediktinerschule St. John’s Prep School in Minnesota, USA.

Derzeit zählen 30 Benediktiner zum Konvent des Stiftes Melk. Sie wirken im Gymnasium, auf den Pfarren, im Gästehaus, in der Seelsorge, wo auch viele pastorale Dienste wahrgenommen werden, in der Bibliothek, im Archiv, in der Wirtschaft und im kulturellen Bereich.
 

 

 

 


Eine wichtige Frage ist immer die nach den wirtschaftlichen Grundlagen des Stiftes.

Man kann sich vorstellen, welch hohe Summen alleine die Erhaltung des Gebäudes verschlingt. Seit dem Jahre 1978 laufen ständig große Restaurierungsarbeiten. Daneben gibt es auch Bautätigkeiten für neue Räume. So wurde zum Beispiel im Jahr 2000 der große Barockkeller saniert und als Veranstaltungsort in Betrieb genommen, ein neues Stiegenhaus im Schulbereich gebaut, die Klassenzimmer saniert und eine neue Dreifachturnhalle gebaut. Dankbar sind wir für jede finanzielle Hilfe, die uns vom Bund und vom Land zur Verfügung gestellt wird.
Die stiftlichen finanziellen Mitteln für Erhaltung und Betrieb kommen vorwiegend aus den Bereichen des Tourismus und einiger Liegenschaften in Wien. Die ursprünglichen Einnahmen aus Land- und Forstwirtschaft sind dagegen stark zurückgegangen.
Mit dem Bau eines großen Parkplatzes und eines Stiftsrestaurants wurde bereits 1980 bewusst auf Einnahmen aus dem Tourismus gesetzt. Die gesamte Infrastruktur für den Führungsbetrieb wurde in den letzten Jahren erneuert und ein international anerkanntes Stiftsmuseum in zeitgemäßer Weise eingerichtet.
Das Stift Melk ist die meist besuchte Sehenswürdigkeit in Niederösterreich.

Eine besondere Bereicherung im touristischen Geschehen ist die Öffnung des Stiftsparks.

Seit dem Jahr 2000 ist der Stiftspark öffentlich zugänglich. Der barocke Gartenpavillon wurde restauriert und wird nun für Empfänge und Konzerte verwendet.

Themenausstellungen sind weitere Bereicherungen.

Das Jahr 2000 brachte dem Stift Melk die dritte niederösterreichische Landesausstellung.
Die erste fand 1960 zum Thema „Barock“, die zweite 1980 zum Thema „Joseph II.“und die dritte 2000 zum Thema „Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies“ statt.
 In den letzten Jahren hat sich auch im kulturellen Bereich wieder viel getan. Seien es zahlreiche musikalische Aufführungen, seien es Veranstaltungen und Kurse,
seien es die Internationalen Barocktage, seien es Meetings, sei es die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst: Eine große Vielfalt ist hier möglich, von der Basiskultur,
die zum Teil von der Schule oder regionalen Initiativen ausgeht, bis zur klassischen Hochkultur.

Im Sinne der Regel des heiligen Benedikt ist vielen das „ORA ET LABORA ET LEGE“ bekannt. Benedikt versucht mit seinen Regeln den ganzen Menschen anzusprechen. Der Mensch ist als eine Einheit von Körper, Geist und Seele zu sehen. Alle Einseitigkeiten stören die volle Entfaltung des Menschen.
ORA: das heißt BETE, das heißt, erhebe deine Seele zu Gott deinem Schöpfer, bleibe mit ihm in Kontakt, halte Kommunikation mit ihm, entferne dich nicht von ihm.
LABORA: das heißt ARBEITE, das heißt, sei schöpferisch, sei tätig, freue dich an dem, was deine Hände schaffen, lobe Gott auch durch dein Tun.
LEGE: das heißt LESE, das heißt, studiere, entwickle dich weiter, bleib nicht stehen bei deinem alten Wissen, bilde dich und gib deine Erfahrung weiter.
Deswegen ist in Benediktinerklöstern auch die Bibliothek als zweitwichtigster Ort neben der Kirche zu sehen. Speziell in Melk ist die Stiftsbibliothek ein unvergesslicher Eindruck für die Besucher.
Man kann wohl sagen, dass im Stift Melk vieles zusammenklingt. Das Schöne an Melk ist, dass das Stift nicht nur ein Museum, nicht nur eine Schule, nicht nur ein kunsthistorisch interessantes Gebäude ist, sondern dass sich auf allen Gängen und in allen Räumen Leben regt, es bewegt sich etwas.
Bewegung ist notwendige Bedingung für Leben.
Der heilige Benedikt drückt das in seiner Regel so aus:
„Ut in omnibus glorificetur Deus“ – „Damit in allem Gott verherrlicht werde“.