ORA et LABORA et LEGE

Bete und arbeite und lies

     

Im deutschen Sprachraum leben heute ungefähr 1.500 Benediktinerinnen und Benediktiner. Ihre Lebensordnung richtet sich nach der Mönchsregel des hl. Benedikt, die im 6. Jahrhundert entstanden ist und dem europäisch-abendländischen Kulturbereich wesentliche Impulse vermittelt hat. Auch heute ist das benediktinische Mönchtum bemüht, auf die Frage nach Gott und dem menschlichen Dasein eine konkrete Antwort zu geben und damit zu bezeugen, dass wir heute nicht in Gottverlassenheit, in Nihilismus enden müssen. Das klösterliche Leben will eine echte Alternative zu den heute üblichen Lebensweisen anbieten und baut dabei auf einer eineinhalbtausendjährigen Erfahrung auf. Diese Erfahrung heißt: als Einzelwesen und in der Gemeinschaft hat der Mensch eine echte Chance, Gott zu begegnen. So ist GOTT SUCHEN die erste Forderung, die der Mönchsvater Benedikt an seine Schüler stellt.

Für die Benediktiner im Stift Melk gelten neben den immer neuen Aufgaben nach wie  vor wesentlich zwei historisch gewachsene Aufgaben: die Arbeit in Unterricht und Erziehung und die Pfarrseelsorge.

Das Stift führt ein Öffentliches Gymnasium mit einem altsprachlichen und einem neusprachlichen Zweig und einem Oberstufenrealgymnasium, welches einen musischen, bildnerischen und naturwissenschaftlichen Zweig anbietet. Großer Wert wird auf die Förderung der besonderen Interessengebiete der Schüler durch ein verstärktes Angebot von Freigegenständen und unverbindlichen Übungen gelegt.  Seit 1966 läuft ein Studentenaustauschprogramm mit der amerikanischen Benediktinerschule Saint John´s Abbey in Minnesota.

Das Kloster bemüht sich um die menschliche und religiöse Formung seiner Schüler und sieht darin auch eine seelsorgliche Aufgabe.

Aus den ursprünglich fünf Pfarren, die in der Babenbergerzeit zum Stift kamen, wurden im Laufe der Jahrhunderte 29 Pfarren, von denen heute noch vom Stift 23 zu betreuen sind. Für Melk ergibt sich - ebenfalls historisch gewachsen - eine eher ungünstige Situation, weil die meisten Pfarren sehr weit vom Stift entfernt an der Peripherie der einstigen Mark im Osten gelegen sind. Der große Priestermangel, historische und juridische Schwierigkeiten lassen eine baldige Änderung dieser Situation nicht erwarten.

Neben diesen historisch gewordenen Aufgaben versuchten die Melker Mönche in den letzten Jahren immer mehr, auch in der außerordentlichen und kategorialen Seelsorge mitzuarbeiten. Das Stift mit seinen kulturellen Werten bietet hier eine nicht zu unterschätzende Hilfe. Viele Aktivitäten mit unseren Studenten und den Jugendlichen der Umgebung (Orientierungstage, Jugendmessen, Jugendvespern, Jugendwochen, musikalische Aufführungen) lassen das Kloster als vertrauten Ort erscheinen, an dem sie sich geborgen, gefördert und zu Hause fühlen. Viele Einkehrtage und Exerzitienkurse werden gehalten. Die Atmosphäre des Hauses, der Kontakt mit den Patres und Fratres erweisen sich für die Gäste als bereichernd.

Was durch Erträgnisse des Tourismus und der Wirtschaft an Mitteln erwächst, wird voll und ganz für die verschiedenen Aufgaben und für die Instandhaltung des Hauses verwendet.

So beten und arbeiten seit nunmehr schon über 900 Jahren ohne Unterbrechung die Benediktiner in Melk.

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