350. Geburtstag von Jakob Prandtauer

Das niederösterreichische Kulturleben
steht 2010 ganz im Zeichen
des
Jahresregenten Jakob Prandtauer.
Der 350. Geburtstag des 1660 in Stanz in Tirol
geborenen Barockbaumeisters
bietet Anlass
für viele kulturelle Aktivitäten.
Seit 1692 war Prandtauer in St. Pölten nachweisbar;
von hier aus betreute er
seine Bauaufträge,
darunter sein Hauptwerk:
den Neubau des Benediktinerstiftes Melk a. d. Donau.
1726 verstarb Prandtauer in
St. Pölten und hinterließ eines
der
bedeutendsten baukünstlerischen Werke
der österreichischen Barockkunst.
Die drei
St. Pöltner Museen – Stadtmuseum,
Diözesanmuseum und Landesmuseum – sowie das Stift Melk nehmen das Jubiläum zum
Anlass,
um die Person und das Schaffen Prandtauers umfassend zu dokumentieren und zu
präsentieren.
"Happy Birthday Jakob Prandtauer!
Dem Meister auf der Spur."
Das Stift Melk präsentiert sich als Prandtauers Hauptwerk und
herausragender Bau,
der im Jahr 2000 auch zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben und 2008 vom National
Geographic Traveller Magazine
zur „Best Historic Destination“ weltweit gekürt wurde.
Das Hauptwerk Prandtauers spielt somit im Reigen der bedeutendsten Bauwerke der
Welt mit.
Als Referenz an das übrige Werk Prandtauers wird es von Mai bis 7. November 2010
im kleinen Barockkeller (= Prandtauerkeller) einen Verweis auf andere sakrale
und weltliche Bauten Prandtauers geben.
Damit soll auf die großen Sonderausstellungen in St. Pölten (im Landes-,
Diözesan- und Stadtmuseum) und
St. Florian verwiesen und den Besuchern Lust gemacht werden, diese sowie auch
andere Prandtauer-Bauten zu besuchen.
(Die Sonderschau ist täglich von 9. Mai bis 7. November 2010,
von 9 bis 16 Uhr zu besichtigen)
Eröffnung der Sonderschau:
Am Sonntag, dem 9. Mai 2010, wird in der Stiftskirche Melk um 9:30 Uhr ein
feierliches Pontifikalamt gehalten.
Zur Aufführung gelangt eine barocke Messe, die „Messe von Muri“ von Johann
Valentin Rathgeber (1685-1750),
der ein Zeitgenosse Jakob Prandtauers und Abt Berthold Dietmayrs war.
Musikalische Gestaltung:
Solistinnen und Solisten, Stifts-Orchester und Stifts-Chor Melk
Leitung: Thomas ForamittiIm Anschluss daran eröffnen wir im kleinen Barockkeller
eine kleine Ausstellung, die einen Überblick über das Schaffen von Jakob
Prandtauer gibt.
Wir möchten Sie herzlich einladen auf diese Weise den Baumeister Jakob
Prandtauer und sein Werk zu würdigen.
Weiter Ausstellungen in St. Pölten:
Diözesanmusuem
In der Ausstellung des Diözesanmuseums wird sein Schaffen für kirchliche
Auftraggeber beleuchtet.
Dazu gehören vor allem die Klosterprojekte – Melk, Herzogenburg, St. Florian,
Garsten – sowie die Errichtung
bedeutender Pfarr- und Wallfahrtskirchen. Der Blick soll auch auf in der Regel
abseits der Forschung liegende
Objektgruppen wie pfarrliche Bauensembles gerichtet werden. In der Ausstellung
werden ausgehend von der Rolle
der Auftraggeber die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Bauten, die
Planentwicklung sowie Ablauf und Veränderungen
im Bauprozess eingehend behandelt und an Hand der bildlichen und schriftlichen
Quellen anschaulich erörtert.
Einen weiteren wichtigen Themenbereich bilden Bauabwicklung und der barocke
Baubetrieb,
der mit seinen technologischen Aspekten (Putzstrukturen, Detailformen,
Farbigkeit)
durch Werkzeuge und Artefakte dreidimensional vorgestellt wird.
"Jakob Prandtauer (1660 - 1726) - Planen und
Bauen im Dienst der Kirche" / Diözesanmuseum St. Pölten / 8. Mai bis 30. Oktober
2010
Niederösterreichisches Landesmuseum
Die Sonderausstellung im Niederösterreichischen Landesmuseum schließlich gewährt
Einblicke
in den Alltag zur Zeit Prandtauers. „Frau Prandtauer“ bittet die BesucherInnen
in ihre „Wohnung“ und
erzählt aus ihrem Leben. Während des Rundgangs durch die fiktive Wohnung
erfahren sie Wissenswertes
über die Nutzung der Räume und ihrer Ausstattung. Sie erhalten Einblick in die
Vorstellungen von einer „richtigen“ Haushaltsführung,
was zu einem Haushalt gehört, was notwendig und was Luxus ist. Sie blicken in
die Kochtöpfe und Kochbücher der Barockzeit,
in die Schränke und unter die Betten. Die Hausfrau berichtet von Kindersegen und
Kindbettnöten, von der Erziehung der Kinder,
von den großen und kleinen Sorgen des Alltags und deren Bewältigung.
"Jakob Prandtauer - Leben im Barock" /
Landesmuseum Niederösterreich / 9. Mai 2010 bis 26. April 2011
Stadtmuseum
Im Zentrum der Ausstellung im Stadtmuseum steht neben einer Biographie
des Baumeisters sein profanes Schaffen – Schlösser, Garten- und Lusthäuser, aber
auch Stiftshöfe und Weinkeller, Brücken und Kasernen. Auch das Nachleben
Prandtauers in St. Pölten kommt im Stadtmuseum zur Sprache. Aus seiner Bauschule
gingen bedeutende Meister, etwa sein Neffe Joseph Munggenast, hervor. Die Bauten
Munggenasts – u. a. die Prachtfassade des Rathauses von 1727 – prägen bis heute
das barocke Erscheinungsbild der niederösterreichischen Landeshauptstadt.
"Jakob
Prandtauer - der Profanbaumeister und seine St. Pöltner Bauschule" / Stadtmuseum
St. Pölten / 7. Mai bis 31. Oktober 2010
Am
6. April des Jahres 1702 schlossen der Abt des Stiftes Melk, Berthold Dietmayr,
und Jakob Prandtauer den Vertrag wegen Abbrechung und Aufbau der
Closterkirchen ab. Im Alter von 42 Jahren hatte Prandtauer damit seinen
ersten große Auftrag erhalten. (...) Abt Berthold Dietmayr hatte eigene Ideen
für den Neubau und suchte jemanden, der bereit war, diese gemeinsam mit ihm
umzusetzen. Für Prandtauer, der im Stift seit dem späten 17. Jh. gut bekannt
war, sprachen seine technischen Fähigkeiten, aber gewiss auch sie Tatsache, dass
er in unmittelbarer Nähe von Melk wohnte. Nur aufgrund der geringen Distanz
zwischen beiden Orten war es möglich, dass Prandtauer tatsächlich - wie im
Vertrag gefordert - mindestens 20 Mal im Jahr anreisen konnte.
Nachdem der Rohbau der Stiftskirche 1710 weitgehend abgeschlossen war, entschied sich Dietmayr, auch die Klosteranlage erneuern zu lassen. Jakob Prandtauer behielt große Teile des bestehenden Komplexes bei, verlieh dem Kloster jedoch dank der Neugestaltung der Fassaden - Gliederung, Fensterverdachungen, Akzentuierung durch Risalite (Vorsprünge) - ein völlig neues Erscheinungsbild. (...)
Jakob Prandtauer gehört mit Johann Fischer von Erlach und Johann Lucas von
Hildebrandt zu den bedeutendsten Künstlern des österreichischen Barocks. Während
Fischer und Hildebrandt insbesondere für den Wiener Hof tätig waren, stand
Prandtauer vor allem im Dienst der Klöster. Von 1702, dem Baubeginn der Melker
Stiftskirche, bis zu seinem Tod 1726 erhielt er nahezu alle große Aufträge auf
dem Gebiet des Klosterbaues im nieder- und oberösterreichischen Raum.

Die Wurzeln des "vornehmen" Baumeisters liegen in Tirol. Prandtauer stammt aus dem kleinen Ort Stanz bei Landeck, wo sich sein Elternhaus erhalten hat. Das genaue Geburtsdatum Prandtauers ist nicht bekannt. Die Quellen überliefern lediglich das Datum der Taufe, die am 16. Juli 1660 in der Pfarrkirche von Zams stattfand. 1677, also im Alter von 17 Jahren, begann Prandtauer eine Maurerlehre, die er 1680 Abschloss. Anschließend verlor sich für mehrere Jahre seine Spur. 1692 erwarb er ein Haus in St. Pölten. Ein Jahr später heiratete der Edl und Khunstreiche Herr Jacob Prandtauer, Pilthauer, Maria Elisabeth Rennberger. 1693 suchte Prandtauer um die Ausstellung seines Maurerlehrbriefes an, um sich fortan auf dem Gebiet der Architektur zu betätigen.
(Textausschnitte aus TIROL, Nr. 69, Winter 2006/2007; ISBN 0040-8107, Hrg. Heimatwerbung Tirol; Text von Huberta Weigl)