Pressebericht pdf ...


Donnerstag, 2. Februar 2017

Interreligiöse und interkulturelle Begegnung 2017 im Stift Melk

Zum dritten Mal beteiligte sich das Stift Melk gemeinsam mit dem Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres mit einer Begegnungsveranstaltung an der Woche der interreligiösen Harmonie der Vereinten Nationen. Am Donnerstag, dem 2. Februar 2017, fanden zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften sowie im interreligiösen Dialog engagierte Menschen, insgesamt etwa hundert Personen, ihren Weg in den Kolomanisaal des Stiftes. Der Bogen des Tages führte vom Dialog-Wort zum Friedens-Symbol, zur spirituellen Feier und zum gemeinsamen Essen und Trinken.

Abt Georg Wilfinger hob in seiner Begrüßung hervor, dass Dialog ein Risiko sei, weil sein Verlauf niemals abzusehen sei, und dass dort, wo es nicht mehr gelinge, den anderen zu verstehen, die Frage der Anerkennung beginne. Europa habe aufgrund der staatlich garantierten Religionsfreiheit die Aufgabe, zu einem Laboratorium fördernden Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher religiöser und säkularer Überzeugung zu werden. Mittels einer Videobotschaft richtete Bundesminister Sebastian Kurz seine guten Wünsche für die Veranstaltung aus. Der Superintendent der Diözese Niederösterreich, Mag. Lars Müller-Marienburg von der evangelischen Kirche, und Frau Mag. Ingrid Oberndorfer (in Vertretung von Sarah Egger) vom Christlich-jüdischen Koordinierungsausschuss bereiteten mit Kurzvorträgen auf den Dialog vor. Beide Vorträge leiteten aus der Geschichte einen Auftrag zum Dialog ab: Lars Müller-Marienburg entwickelte aus den Anliegen der Reformation die zwei Prinzipien Pluralitätsfähigkeit und Demokratiefähigkeit als Beitrag für interreligiöse Verständigung, während Mag. Ingrid Oberndorfer auf die Bedeutung hinwies, die Österreich seit seinem Werden in der Zeit der Babenberger als Ort in der Mitte Europas zukomme.

Danach teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Dialogkreise auf, die unter den Stichworten: „Liebe zu Gott“, „Liebe zum Guten“ und „Liebe zum/zur Nächsten standen“ standen. In jeder der Gruppen gab es vier bis fünf Personen, die den Dialog mit Statements einleiteten und trugen: Für den Dialog über die „Liebe zu Gott“ waren dies DI Tarafa Baghajati (Islamische Glaubensgemeinschaft), Bischof Andrej Cilerdzic (Serbisch-orthodoxe Kirche), Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister (Israelitische Kultusgemeinde) und Präsident Gerhard Weißgrab (Buddhistische Glaubensgemeinschaft); für den Dialog über die „Liebe zum/zur Nächsten“ Dr. Evelyn Böhmer-Laufer (peacecamp), Bundessekretär Cengiz Duran (Alevitische Glaubensgemeinschaft), Superintendent Mag. Lars Müller-Marienburg (Evangelische Kirche), Altbischof John Okoro (Altkatholische Kirche) und Direktor Hannes Ziselsberger (Caritas St. Pölten); für den Dialog über die „Liebe zum Guten“ Karima Aziz (*peppa Mädchenzentrum), Seher Cakir (Schriftstellerin), Professor Dr. Wolfgang Müller-Funk (Universität Wien), Mag. Ercan Nik Nafs (Kinder- und Jugendanwalt Wien), Mag. Ursula Sagmeister (Österreichischer Integrationsfonds). Für den Dialog war eine Zeit von drei Stunden vorgesehen, was längere und eingehendere Gespräche ermöglichte, die über knappe Statements hinausgingen. Ein derart offener Dialog stellt, wie eingangs erwähnt, ein Risiko dar: Einerseits bietet er die Möglichkeit einer eingehenden Vertiefung, andererseits gibt es keine Garantie, dass das vorgesehene Thema auch im Zentrum der Gespräche bleibt, und kann der Dialog auch Formen eines Nicht-Verstehens sichtbar machen. Nach drei intensiven Stunden sammelten sich die Gruppen wieder im Kolomanisaal des Stiftes, wobei eine Person der jeweiligen Dialogkreise den anderen von den besprochenen Themen berichtete.

Im Anschluss daran folgte der symbolisch-spirituelle Abschluss des Tages. Seine Exzellenz Hussam AlHusseini, Botschafter des haschemitischen Königreichs Jordanien in Österreich, gab als Initiator der Veranstaltungen zur Interfaith-Harmony-Week in Österreich der Freude Ausdruck, dass diese Begegnung auch heuer wieder stattfinden konnte, und verwies auf die beiden Olivenbäume, die er 2015, im Rahmen des ersten Treffens, aus Jordanien als Symbol des Friedens ins Stift Melk mitgenommen hatte. Sie sind mittlerweile zum ausdrucksstarken Symbol der interreligiösen Begegnungen in Melk geworden. Pater Martin Rothender griff das Motiv der Olivenbäume auf und sprach über die für sie schwierigen klimatischen Bedingungen: Einer der Olivenbäume habe nicht überlebt – ein Symbol für die Gefährdetheit des Dialoges. Auf der Bühne standen jedoch – entgegen mathematischer Logik – vier Bäume. Einer war der „originale“ Baum, einer aus Sorge vom Gärtner des Stiftes angekauft, von zweien sei die Herkunft unbekannt: Sie standen eines Tages im Garten des Stiftes. Handelte es sich um einen symbolischen Beitrag zum Dialog, der auch dann weitergehen müsse und neuer unerwarteter Impulse bedarf, wo andere Spuren versanden und nicht weiterführen? Welcher der vier Bäume der „originale“ sei, war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht mehr feststellbar … Abt Georg, Botschafter Hussam AlHusseini und Frau Gesandte Mag. Aloisia Wörgetter vom Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres gossen mithin alle vier Bäume. Von dieser symbolischen Ebene ging die Veranstaltung schließlich zu einer spirituellen über.
 In der Stiftskirche hörten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst der von Georg Buxhofer (E-Bass), Christian Amstätter-Zöchbauer (Posaune) und Dominik Fuss (Trompete) improvisierten Musik zu, um anschließend Kerzen zu entzünden. Der Dialog mittels Worten hatte damit den Charakter einer gemeinsamen spirituellen Feier angenommen. Der Ausklang des Tages fand dann bei einer kleinen Stärkung im Barockkeller statt.

 

.

Bischof Andrej Ćilerdžić (Bischof von Österreich-Schweiz-Italien der Serbisch-Orthodoxen Kirche) mit seiner Mutter Marianne, jordanischer Botschafter Hussam Abdullah H.G. Al Husseini und seine Gattin Amani Al Tartir, Abt Georg Wilfinger, DI Tarafa Baghajati (Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen) und Mag. Lars Müller-Marienburg (Superintendent der Evangelischen Kirche in Niederösterreich)

Fotos Franz Gleiß

Weitere Fotos erhalten Sie über diesen Link: http://www.foto-gleiss.at/downloads/844c76d53f0dd896795f/7110390

 

zur Einladung...

Pressebericht pdf ...