PEACE VESPER 2016
im Rahmen der interreligiösen und interkulturellen Begegnung im Stift Melk aus Anlass der Woche der interreligiösen Harmonie der Vereinten Nationen
 

Bereits zum zweiten Mal fand im Stift Melk im Rahmen der von den Vereinten Nationen ausgerufenen „Interfaith Harmony Week“ eine interreligiöse Dialogveranstaltung statt. Diese wurde auf Initiative der jordanischen Botschaft gemeinsam vom Stift Melk und der Task Force „Dialog der Kulturen“ (Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres) sowie der Initiative für den Dialog zwischen Kulturen vom Land Niederösterreich vorbereitet. Die Peace-Vesper bildete den Auftakt der in der ersten Februarwoche in Österreich stattfindenden interreligiösen Begegnungsveranstaltungen.
Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter aller in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie am interreligiösen Dialog Interessierte. Anwesend waren (in alphabetischer Reihenfolge): Alevitische Glaubensgemeinschaft, Altkatholische Kirche, Bahá'í – Religionsgemeinschaft, Buddhistische Religionsgesellschaft, Evangelische Kirche AB und HB, Evangelisch-methodistische Kirche, Freie Christengemeinde von den Freikirchen in Österreich, Islamische Glaubensgemeinschaft, Katholische Kirche, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Koptisch-orthodoxe Kirche.

Nach der Begrüßung durch Abt Georg Wilfinger folgte eine Videobotschaft von Bundesminister Sebastian Kurz, der auf die Bedeutung des interreligiösen Dialoges für die österreichische Außenpolitik und für die Bemühungen um Integration in Österreich hinwies. Als Festredner konnte der renommierte islamische Theologe Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik am Centrum für religionsbezogene Studien an der Universität Münster, gewonnen werden, der eine der wichtigsten und innovativsten islamischen Stimmen in Europa darstellt. In seiner Rede betonte er die Bedeutung der Anerkennung des Anderen für den interreligiösen Dialog und wies darauf hin, dass das Bemühen um den interreligiösen Dialog begleitet sein müsse von dem Bemühen, auch die Rahmenbedingungen in den Krisengebieten der Erde im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens zu verändern. Europa habe in seiner Geschichte immer wieder aus der Begegnung mit dem Fremden gelernt – dazu wäre es heute wichtig, so der Vorschlag Khorchides, das Fremde als das Neue zu betrachten, sodass Angst in Neugier übergehen könne.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer dankten ihm für seine Ausführungen mit einem langen Applaus. Danach wies Marcus Bergmann, Gesandter im Außenministerium, auf eine kürzlich von allen 16 in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften unterzeichnete Erklärung gegen Gewalt im Namen der Religionen hin, die auch den Boden für die Veranstaltung im Stift Melk bildete. In diesem Sinne sollten die daran anschließenden Statements einzelner Vertreterinnen und Vertreter der anwesenden Kirchen und Religionsgemeinschaften nicht eine wiederholte Distanzierung vom internationalen Terror darstellen, sondern in positiver Weise von einer Erfahrung des interreligiösen Dialoges erzählen oder ein Motiv ausführen, das die je eigene religiöse Tradition als Beitrag in den interreligiösen Dialog einbringen könne.

Nach den Statements sprachen P. Martin Rotheneder und der jordanische Botschafter, Exzellenz Hussam AlHusseini, über die symbolische Bedeutung der beiden im Vorjahr im Rahmen des Peace-Brunches gemeinsam gepflanzten Olivenbäume, die ein aus dem Nahen Osten stammendes Friedenssymbol sind. In Folge überbrachte Gerhard Karner, 2. Landtagspräsident von NÖ, die Grußworte von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und sprach Reinhard Gosch von der niederösterreichischen Initiative für den Dialog der Kulturen über die Bedeutung des kulturellen Austausches. Abschließend berichteten die Schülerinnen Malak Al-Masri aus Syrien, Ali Chamali aus dem Libanon und Mizgin Sönmez, Kurdin aus der Türkei, über ihre konkreten Erfahrungen des Zusammenlebens von Schülerinnen und Schülern verschiedener Religionen im Stiftsgymnasium Melk.
 
Im Anschluss an die im Kolomanisaal stattfindende Dialogveranstaltung begaben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Stiftskirche, wo der syrische Bouzouk-Spieler Salah Ammo gemeinsam mit dem Percussionisten Peter Gabis musizierte. Dort waren alle Anwesenden eingeladen, in Stille eine Kerze zu entzünden. Danach ging im Rahmen einer Agape im Barockkeller der Dialog in vielen Einzelgesprächen weiter.

Für das Stift Melk war es eine besondere Ehre und Freude, diese Veranstaltung zu beherbergen. Weiterhin möchte das Stift Ort des Dialoges und der Begegnung von Menschen über konfessionelle und religiöse Grenzen hinweg sein. Alle, die zur Dialogveranstaltung gekommen sind, haben dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.
 

Fotos (c) Franz Gleiss

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Meditativ spiritueller Akzent zu Licht und Musik in der Stiftskirche
Begegnung im großen Barockkeller

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