„Tondenkmäler österreichischer Tiefbaukunst -

ein Beitrag zur Klangtopografie der Heimat“

von Volkmar Klien

Besucherinnen und Besucher, die den frei zugänglichen, kleinen Barockkeller im Stift Melk betreten, finden sich in einer eigenartigen Situation wieder. Links, rechts und oberhalb zieht auf sechs Meter langen Leinwänden eine anscheinend aus einem fahrenden Auto heraus gefilmte Landschaft vorbei. Die Projektionsfläche vorne bietet Ausblick auf das, was noch auf einen zukommen wird. Alle in diesen Projektionen vorbeiziehenden Objekte wie Leitplanken, Strommasten, Begrenzungsmauern, Gartenzäune und geparkte Autos sind auch deutlich in ihrem Vorbeirauschen hörbar - ein räumlich hoch-differenziertes, hörbares Abbild des Sichtbaren umgibt die Betrachter_innen. Auf Ausflügen in die Gegend um Melk und zu einigen weiter weg gelegenen Zielen dokumentiert Volkmar Klien mit zahllosen Kameras und ebenso vielen Mikrofonen aus seinem Auto heraus die Reflexionen der Umgebung. In dieser topographischen Landvermessung zeigen sich - im Rauschen - die Wunder österreichischer Leistungen im Straßenbau und darüber hinaus die allgemeine landschaftliche, wie auch architektonische Schönheit der Heimat.

Die Installation im Stift Melk lässt die durchfahrene, aufgenommene Landschaft als sinnlich erfahrbare Umgebung mit Hilfe von sechs Projektoren und ebenso vielen Lautsprechern, als bewegtes, die Besucherinnen und Besucher völlig umgebendes Panorama wie Phonorama auferstehen. Sie lädt ein, den Blick zu schärfen und Hörgewohnheiten sowie unser Verständnis von den Verhältnissen zwischen Hören und Sehen zu erweitern. „Tondenkmäler österreichischer Tiefbaukunst“ ist ein weiteres Kooperationsprojekt von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich und dem Stift Melk. Bereits realisierte Arbeiten sind derzeit im Stiftsgarten („Die Neue Welt“ von Christian Philipp Müller) und der Barockkirche („Blumen“ von Martin und Stefan Strauß) zu sehen. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Hannes Köcher (Technische Leitung und Programmierung) und der ig:aufstieg (Verein zur Förderung hörbarer Kunst).

Kurzbiografie Volkmar Klien:

*1971 in Hollabrunn, lebt und arbeitet in Wien. Studium der Komposition, experimentellen Medien und Philosophie. Lehr- und Forschungstätigkeit an der London University of the Arts und dem Royal College of Arts. Unterrichtstätigkeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien im Bereich elektronischer Musik und Medien. 2009-2011 Forschungsmitarbeiter am Österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence.
Künstlerische Arbeit in den unterschiedlichsten Bereichen meist hörbarer Kunst; von interaktiver Installation und Wahrnehmungsintervention zu instrumentaler und elektronischer Musik.
Auftragsarbeiten unter anderem für die Volksoper Wien (Ö), das Ballett Frankfurt (DE), das ZKM
Karlsruhe (DE).

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