Internationale Barocktage Stift Melk 2010

Grosser Andrang herrschte bei der Eröffnung der Internationalen Barocktage Stift Melk, die in diesem Jahr unter dem Motto "Monumenti - Meilensteine der Musik" standen.

Bezugnehmend auf den ersten Satz des Simplicissimus-Romans, wonach unsere Zeit die letzte sei, äusserte Michael Köhlmeier in der Eröffnungsrede seine Skepsis an der gängigen Zukunftsgläubigkeit - "Es sind die möglichen Untergänge, die mir im Nacken sitzen". Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung im Gartenpavillion des Stifts Melk von dem jungen Ensemble "Boutique Baroque", die auch am Tag darauf weitere Kostproben ihres Könnens präsentierten.

Der Höhepunkt des Eröffnungstages war das Konzert mit Emma Kirkby und Robin Blaze und dem Barockensemble Florilegium, das vor allem im Zeichen des 300. Geburtstages von Giovanni Battista Pergolesi stand. Im ausverkauften Kolomanisaal wurden die Protagonisten und das wunderbar aufeinander abgestimmte Musikensemble heftigst akklamiert.

Auch die nächsten Aufführungstage (welch Leistung der Organisation rund um Intendanten Prof. Helmut Pilss und Alexander Hauer in 4 Tagen 11 Konzerte auf die Beine zu stellen) präsentierten gemäß dem Leitmotiv des Festivals die großen Barockmeister: u.a. Antonio Vivaldis "Festa Veneziana" mit den Ensemble Sirocco und am Samstag abend gab es ein weiteres Highlight in der voll besetzten Stiftskirche.
Bei Claudio Monteverdis Marienvesper unter der Gesamtleitung von Francesco Gera trafen das italienische Gesangsensemble "Arte Musica" auf das flämische Musikensemble "Oltremontano" mit ungebremster Musizierfreude aufeinander.

Der Pfingstsonntag stand im Zeichen des 350. Geburtstages des steirischen Barockkomponisten Johann Joseph Fux. Diese Rarität wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Michael Alexander Willens, Gründer und Leiter der Kölner Akademie und einer der bedeutendsten Vertreter der historischen Aufführungspraxis, dirigierte das selten zu hörende Oratorium "Il trionfo della fede" - gefolgt von dem Konzert "Des Kaisers Trompeten" mit Accentus Austria mit Werken von Johann Heinrich Schmelzer & Heinrich Ignaz Franz Biber.
Das "ensemble 15.21" überraschte in der Reihe "surprise" mit Zeitgenössischem und einem Auftragswerk der Internationalen Barocktage von Johannes Kerschner, gebürtig aus St. Leonhard.
Abgerundet wurde der Tag mit barocker Hirtenmusik des Clemencic Consort und einer "Schlemmerei" im Stiftspark.

Am Pfingstmontag endete das von rund 3.000 Zuschauern gut besuchte Festival mit Werken von Johann Sebastian Bach gespielt von dem Ensemble La Dolcezza, einer Hommage an Frescobaldi mit dem "Tastentiger" Francesco Cera und dem eigens für das Festival produzierten Abschlusskonzert zum 350. Geburtstag von Allesandro Scarlatti "Musices Instaurator Maximus".

(Textausschnitt, www.barocktage.at, 4. Oktober 2010)

 

.