Stiftsmuseum / Marmorsaal / Altane / Bibliothek / Stiftskirche / Kolomanihof

 

Raum   1

Neige das Ohr deines Herzens

Raum   2

Ein Haus für Gott und die Menschen

Raum   3

Das Auf und Ab der Geschichte

Raum   4

Das Holz des Lebens

Raum   5

Jetzt schauen wir in einen Spiegel ... (1, Kor. 13,12)

Raum   6

Der Himmel auf Erden

Raum   7

Im Namen der Vernunft

Raum   8

Der ganze Mensch

Raum   9

Der Weg in die Zukunft

Raum 10

Baugeschichte / Wirtschaftsgeschichte

Raum 11

Bewegung ist ein Zeichen von Leben

Marmorsaal

Altane

Bibliothek

Stiftskirche

Kolomanihof

Raum 1  back

Neige das Ohr deines Herzens

Gemeinschaftstisch in dem die 3 Gelübde der Benediktiner eingraviert sindDas römische Weltreich hatte sich verbraucht. Es war nur mehr eine Frage der Zeit, wie lange sich das dekadente Rom noch halten konnte. Der junge Benedikt verließ Rom, angewidert von der Sittenlosigkeit dieser Stadt, Rom, und zog als Einsiedler in die Berge von Subiaco.  Schritt für Schritt ging er seinen Weg der Gotteserfahrung: Einsamkeit der Höhle, Begegnung mit Menschen, die Wegweisung suchen. Von Stufe zu Stufe musste er durch Erfahrung lernen, um den Willen seines Gottes erkennen zu können. Legenden umschreiben sein Leben, seine Mönchsregel lässt deutlich werden, wie er von einem strengen Asketen zu einem weisen Mönchsvater heranwuchs. 529 nach Christus: Gründung von Monte Cassino.

Benedikt starb um die Mitte des 6. Jahrhunderts. Bis zum Ende seines Lebens schrieb er an seiner Klosterregel, die zu der Regel des frühen Mittelalters werden sollte.

Benedikt gründete in seinem Kloster eine Schule für den Dienst des Herrn: Wie er selbst sein Leben lang Gott suchte, sollten auch seine Mönche als Erstes versuchen, Gottes Willen zu erkennen. Für Benedikt ist es das wichtigste Kriterium eines guten Mönchs, ob er wirklich Gott sucht.

 

 

Raum 2   back

Ein Haus für Gott und die Menschen

Raum 2 mit Durchblick in Raum 3

Beinkassette aus dem 15. Jahrhundert

Die Familie der Babenberger hatte vom römisch-deutschen Kaiser die Grenzmark im Osten des Reiches übertragen bekommen, um dieses gegen den unsicheren Osten abzusichern. Melk war eine der Hauptburgen der Babenberger in dieser erstmals 996 „Ostarrichi“ (= Österreich) genannten Mark, die von ihnen immer mehr nach Osten und Norden ausgedehnt wurde.

Als Wien immer mehr zum Mittelpunkt des Landes wurde, gründete Leopold II. 1089 in Melk ein Benediktinerkloster, das Leopold III. dann durch Schenkungen an der Peripherie der Babenbergermark finanziell absicherte (Stiftungsbrief 1113). Sicher wollten die Babenberger, dass am Grab ihrer Ahnen in Melk gebetet werde, sie erkannten wohl aber auch die kulturelle und missionarische Kraft der Benediktusregel.

Die einzelnen Babenberger schenkten dem Stift wichtige Heiligtümer und Kunstschätze: den Leib des heiligen Koloman, eine Kreuzpartikel, ein Tragaltärchen. Die Legende vom Diebstahl des Melker Kreuzes, das sich plötzlich im Schottenkloster zu Wien befand, lässt deutlich werden, dass Melk Provinz geworden war und Wien zum Mittelpunkt des damaligen Österreich. Es mag wohl auch die Bedeutung Melks als Kloster widerspiegeln, dass das Kreuz letztlich doch wieder nach Melk kam.

 

 

Raum 3 back  

Das Auf und Ab der Geschichte

In Raum 3 wird das Auf und Ab des Lebens und der Geschichte gezeigt.

Das Kloster Melk war in den Zeiten des Investiturstreites gegründet worden und erlebte nach dem Wormser Konkordat (1122) eine große Blütezeit. Mit dem Niedergang des Papsttums kam es auch zum Verfall der Klöster.

Das Konzil von Konstanz (1414-1418) brachte eine Reform für Österreichs Klöster, die von Melk ihren Ausgang nahm: Melker Reform (15. Jahrhundert). Man wollte zurück zu einer genauen Befolgung der Regel des heiligen Benedikt durch Betonung der Askese und der Disziplin.

Im 16. Jahrhundert erfasste die Reformation auch Österreich und seine Klöster, die am Rande der Auflösung standen. Die Habsburger riefen in Anwendung des Augsburger Religionsfriedens (1555) zur Gegenreformation. Bald war Melk wieder ein Muster klösterlicher Disziplin. Seinen äußeren Ausdruck fand dieser Aufschwung im Barockbau des Stiftes (1701-1736).

 

 

Raum 4 back

Das Holz des Lebens

Spätromanischer Kruzifixus

Wir leben in dieser Welt, im Auf und Ab unseres persönlichen Seins, im Auf und Ab der ständig wechselnden Umstände und Zeiten.

Wir leben in dieser Welt von der Geburt bis zum Tod, dazwischen geschieht dieses Leben in Freude und Leid, in Erfolg und Misserfolg, in Liebe und Hass, in Anfang und Ende.

Da gab es einen Menschen: Geboren wurde er wie wir, wie wir hat er gelebt im Auf und Ab dieses Lebens: Gottes Sohn, Jesus Christus. In ihm wurde uns deutlich, dass dieses Leben nicht alles ist, dass wir zwar sterben, dass wir aber auferstehen werden zu einem neuen Leben. In seinem Tod am Kreuz wird Gottes Liebe deutlich. Wir werden hineingenommen in den Tod, aber auch zu Auferstehung und neuem Leben. Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

 

 

Raum 5 back

Jetzt schauen wir in einen Spiegel ... (1, Kor. 13,12)

                                                                                               Detail der "Amalienmonstranz" - Geschenk der Kaiserinwitwe Wilhelmine AmalieSpiegelraum mit Barockimpressionen

In der Gegenreformation hatte sich die katholische Kirche wieder erholt. Es gab weiter eine sehr starke Institution, aber auch eine sehr starke, innere Gläubigkeit, die lebendig und tief hinter dieser Institution stand. Man lebte im festen Glauben, dass Gott ein lebendiger Gott ist. Und diesen lebendigen Gott wollte man auf die Erde herunterholen, baute ihm großartige Audienzhallen, in denen die Menschen Gott lobten und priesen, indem sie ihre Anliegen und Bitten vorbrachten, und in denen sie auch Dank sagten. Nichts war schön und großartig genug; eine große Freude und erdnahe Frömmigkeit suchte sich einen adäquaten Ausdruck. Alles glänzte, der Mensch spiegelte sich in einer schönen Welt und war zutiefst aus seinem Glauben froh. Und dieser Glaube gab ihm Rückhalt und Kraft. „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.“ (1, Kor. 13,12)

 

Raum 6 back

Der Himmel auf Erden

Dietmayr-Ornat

 

Im 17. Jahrhundert war die Kirche Österreichs wieder erstarkt. Nur so war sie imstande, die große Türkengefahr (1683 vor Wien) abzuwehren. Ein sehr lebendiger Glaube hatte Stärke gebracht und konnte sich nach seiner Bewährung entfalten. Die Menschen in dieser Zeit waren froh über das Wissen um die Nähe ihres Gottes. Da sie aber auch um menschliches Leid Bescheid wussten und es zu tragen hatten, versuchten sie, ihren Gott zu bestürmen: Eine fast körperliche Frömmigkeit suchte Buße für eigenes Fehlverhalten zu tun, Segen und Hilfe zu erlangen (Gebetsbruderschaften, Reliquienkult, Wallfahrtswesen). Die Menschen hatten etwas, woran sie sich halten konnten.

Die Klöster waren wesentliche Kristallisationspunkte geistlichen, kirchlichen und kulturellen Lebens geworden: Wissenschaft und Kunst blühten. Es entstand eine Kunst, die einerseits sehr menschlich war: Sie hatte Freude am Glanz, an der großen Form, an der Farbe, an allem, was einfach schön war und gut. Anderseits wollte diese Kunst in ihrer Großartigkeit dem entsprechen und den verherrlichen, der lebendige Mitte des Lebens dieser Menschen war.

 

 

 

 

Raum 7 back

Im Namen der VernunftNachbildung eines josephinischen Sparsarges

Während barocke Sinnenfreude großartige Werke entstehen ließ und der Mensch sich im Auf und Ab seines persönlichen Lebens in einem starken Glauben mit bisweilen sehr menschlichen Ausdrucksformen an seinen Gott klammerte, kam aus dem Westen ein neuer Zeitgeist in unsere Lande. Rationalismus und Aufklärung traten den Siegeszug an.

Die tiefe, manchmal sehr körperliche Frömmigkeit, wurde vielen denkenden Menschen suspekt (Reliquienkult). Es war zu Auswüchsen der Volksfrömmigkeit gekommen, oft auch zu übertriebener, unvernünftiger Askese in den Klöstern. Manche waren aus reinen Versorgungsgründen in die Klöster eingetreten. Gegen all das richtete sich die neue Strömung, die schon unter Maria Theresia (1740-1780) stark spürbar war und sich unter ihrem Sohn Joseph II. (1780-1790) im – nach ihm benannten – Josephinismus durchsetzte. Diese neue geistige Strömung beachtete manche menschliche Werte nicht, brachte aber auch viel Licht in manches Dunkel. Viele positive Werte dieser Entwicklung brachten große Fortschritte, manches jedoch ließ wichtige Bereiche verarmen.

Vernunft und Glaube, beides gemeinsam im Ineinander und Miteinander, sind für unser menschliches Leben ein gangbarer Weg.

 

 

Raum 8 back

Der ganze Menscheine zeitgenössische Skulpturengruppe aus gebranntem Ton

Wieder einmal sollte eine Einseitigkeit, die Betonung der menschlichen Vernunft, Prozesse einleiten, die etwas Ganzes auseinander teilen sollte. Es gibt so viele Bereiche im Menschen, die alle wichtig sind. Gläubige Innerlichkeit wich einer wohlorganisierten Kirchlichkeit, die einer immer mehr atheistischen und säkularisierten Welt nicht mehr standhalten konnte. Tief drangen diese Gedanken in Österreichs Klöster ein, die im Unterschied zur deutschen Entwicklung nicht alle aufgehoben worden waren. Die Zahl der Klöster wurde reduziert, viele aber bestanden weiter. Die Loslösung der Menschen

Das 19. Jahrhundert in Österreichs Klöstern war von einer zutiefst liberalen Grundhaltung geprägt, aus Mönchen waren Stiftsherren geworden. Nur langsam und unter großen Schwierigkeiten kam wieder neues Leben in die Klöster. Es wurde deutlich, dass lebendiger Glaube Verstand und Herz des Menschen erfüllen, dass Institution von Innerlichkeit getragen werden muss, dass nicht Teilbereiche des Menschen, sondern der ganze Mensch wichtig ist. Dieser ganze Mensch in seinem Auf und Ab lebt aus dem Glauben, erfüllt seine Aufgaben, wird kulturell wirksam, sieht seine wirtschaftlichen und sozialen Bezüge. Er weiß um seine Begrenztheit, weiß, dass er noch nicht am Ziel ist, sieht sich aber unterwegs hin zu diesem Ziel. Er ist offen für seinen Gott.

In 11 Schritten erscheint nach und nach eine menschliche Figur fast zur Gänze im Raum.

Der 12. Schritt, das ist der ganze Mensch, ist dem Besucher selbst zugedacht.

 

 
 
Raum 9 back
 
Der Weg in die Zukunft
 

Der spätgotische Flügelaltar von Jörg Breu (1502) mit dem Kreuz von Arnulf Rainer

In der Offenbarung des Alten und Neuen Testamentes wurde deutlich, dass es einen Gott gibt, der  d a  ist, der lebt, der mit den Menschen unterwegs ist. Durch Jesus Christus wurde klar, dass dieser Gott ein barmherziger Gott ist, der die Menschen auf ihrem Weg begleitet, ihnen in Freude und Leid nahe ist, stets einen neuen Anfang schenkt. Die Kirche hat diese Frohe Botschaft durch die Jahrhunderte herauf verkündet. Es gab und gibt Wege und Irrwege, Zeiten des Heils und des Unheils. Immer wieder aber wurde bewusst: Gott ist ein Gott des Lebens, ein Gott, der das Heil des Menschen will, der mit ihm unterwegs ist, mit ihm geht. Jörg Breu (1502) und Arnulf Rainer (1966): Mittelalter und Gegenwart, das Heute und das Morgen. So war die Gemeinschaft der Benediktiner zu Melk 900 Jahre unterwegs. So nimmt sie ihren Lauf auf dem Weg, den der Herr ihr zeigt. Es ist der Weg des Glaubens, der Gott im Alltag des Lebens sucht und den diese Gemeinschaft durch über 900 Jahre zu leben versuchte und sucht.

 
VerkündigungDie Flucht nach ÄgyptenDer 12-jährige Jesus im TempelDer Judaskuss
Jesus vor dem Hohepriester KajaphasDornenkrönung und Verspottung Christiecce homo - Pilatus führt Jesus vor's VolkPilatus wäscht seine Hände in Unschuld

 

Raum 10 – Baugeschichte / Wirtschaftsgeschichte back

 Baugeschichte: Damit in allem Gott verherrlicht werde

Im Kapitel der Regel des heiligen Benedikt über die Handwerker des Klosters (RB 57) steht der Satz: Alles im Kloster möge so geschehen, dass in allem Gott verherrlicht werde, also auch in den weltlichen Belangen.

Am 21. März 1089 begann in Melk das benediktinische Leben in Gebet und Arbeit (ora et labora). Die Babenberger hatten in der Burg, der Grabstätte ihrer Ahnen, ein Kloster errichtet und es mit einer Existenzgrundlage begabt: Grund und Boden, Grundherrschaft.

Hammer und Kelle, die bei der Grundsteinlegung im Jahre 1702 verwendet wurdenIm Auf und Ab der Geschichte gab es Blütezeiten der Wirtschaft, aber auch tiefen Niedergang. Es ist auffällig, dass in Zeiten regen geistlichen Lebens die Wirtschaft florierte, in Zeiten des Verfalls klösterlichen Lebens auch die Wirtschaft stagnierte.

Ursprünglich lebte das Kloster von den Erträgen der Grundherrschaft und nur beschränkt vom eigenen Grund und Boden. Nach der Grundentlastung (1848) musste die Wirtschaft umgestellt werden: Die Zinserträge der Wiener Häuser und die zunehmende Bewirtschaftung des eigenen Grundbesitzes sorgten für die notwendigen Mittel. In den letzten Jahrzehnten nahmen die Erträge des Forstes und der Landwirtschaft immer mehr ab. Das Stift lebt heute hauptsächlich von den Einkünften des Fremdenverkehrs.

 

Die Erträgnisse der wirtschaftlichen Bemühungen dienen dem Erhalt des Gymnasiums, der baulichen Erhaltung des Stiftes, der Restaurierungsnotwendigkeit in den 23 Pfarren und ermöglichen die Erfüllung sonstiger Aufgaben. Für zahlreiche Mitarbeiter ist in den verschiedenen Bereichen ein Arbeitsplatz gegeben.
 

Wirtschaftsgeschichte: Die Stadt auf dem Berg

Benedikt von Nursia erbaute in Monte Cassino 529 ein Kloster – auf einem Berg: die Stadt auf dem Berg, die nicht verborgen bleiben kann. Er legt in seiner Regel fest, dass die klösterliche Gemeinschaft an einem festen Ort, klar umschrieben und abgegrenzt leben soll. Die Benediktiner haben ein ganz eigenes Gelübde, jenes der „stabilitas loci“, der Beständigkeit am Ort.

Diese Klöster mit Kirche, Bibliothek, Gasttrakt, Arbeits- und Wohnräumen der Mönche wurden durch die Arbeit der Mönche bald künstlerisch höchst wertvolle Bauten.

In Melk gab es anstelle der Burg bald einen romanischen Bau, der durch ein gotisches Kloster abgelöst wurde. Dann begann Abt Berthold Dietmayr (1700-1739) mit dem heutigen Barockbau. Zielstrebig ging der Abt mit großer Klugheit vor. So gelang es ihm, das ganze Kloster in einheitlichem Stil zu errichten. Brutal wurden alle Vorgängerbauten vernichtet, dafür entstand ein neuer einheitlicher Barockbau.

Mit einem Umbauplan zur Barockisierung der Kirche begann es, bald aber ging man an einen völligen Neubau (Neubauplan). Als der Rohbau der Kirche fertig war, begann man nach einem neuen Klosterriss (ab 1711) etappenweise das ganze Kloster neu zu bauen. Als krönender Abschluss erfolgte die Inneneinrichtung der Kirche.

Jakob Prandtauer und, nach seinem Tod, Joseph Munggenast waren leitende Baumeister, für die Innenarchitektur der Kirche war sicher Antonio Beduzzi mitplanend tätig.

Das Gesamtkonzept Kloster – Park als eine künstlerische und natürliche Entsprechung wurde erst nach Fertigstellung des Klosterbbaues möglich und bildet heute eine großartige Einheit.

 

 

Raum 11 back

 Bewegung ist ein Zeichen von Leben

Modell 1:100 von Dipl.Ing. Helmut Hütter

 

Wenn ich in Bewegung bin, sehe ich nur eine Seite, einen Aspekt; es ist manches unklar, ich sehe nur Teile, nicht das Ganze.

Wenn ich in Bewegung, unterwegs bin, gelange ich immer wieder zu neuen Ufern, lerne die Welt, die Menschen und mich selbst kennen, ich habe immer ein neues Ziel.

Das Unterwegs-Sein bringt Unruhe, aber diese Unruhe lässt mich laufen, lässt mein Herz weit werden. Das Unterwegs-Sein hat ein ganz großes Ziel. So lange ich mich diesem Ziel entgegenbewege, schaue ich wie in einen Spiegel und sehe nur rätselhafte Umrisse. Wenn ich ans Ziel gelange, dann werde ich von Angesicht zu Angesicht schauen. „Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, sowie auch ich durch und durch erkannt worden bin.“ (vgl. 1,Kor.13,12)

 

Wenn ich im Unterwegs-Sein auch nicht die ganze Wahrheit erkenne, so ist dieses Nicht-Vollkommen-Sein ein Zeichen dafür, dass ich noch lebe.

Dass ich in Bewegung bleibe, bewirkt Gottes Geist: Der Geist ist es, der lebendig macht.

 

Marmorsaal back

Das Deckenfresko von Paul Troger (1731) zeigt in der Mitte Pallas Athene auf dem Löwenwagen als Symbol der Weisheit und des rechten Maßes. Links von ihr ist Herkules zu sehen, der die notwendige Gewalt symbolisiert, um als Sieger über den dreiköpfigen Höllenhund, über Nacht und Sünden hervorzugehen. Beide, Pallas Athene sowie Herkules, verweisen auf Kaiser Karl VI., der sich gerne in der Nachfolge der römischen Kaiser im Herkulesmythos feiern ließ. So sollten die Gäste hier auch eine Apotheose des Herrscherhauses erleben: Der Herrscher führt die Menschen vom Dunkel ins Licht, vom Bösen zum Guten.

Die Inschriften über den Türen sind Zitate aus der Regel des hl. Benedikt. Sie weisen auf den Zweck des Raumes hin: „Hospites tamquam Christus suscipiantur“ (Gäste sollen aufgenommen werden wie Christus) und “Et omnibus congruus honor exhibeatur” (Allen erweise man die  angemessene Ehre). Der Saal diente als Speisesaal für das Kaiserhaus und andere vornehme Gäste sowie als Festsaal.

Die Türstöcke wurden aus echtem Adneter und Untersberger Marmor hergestellt, die Wände hingegen aus Stuckmarmor.

Die Architekturmalerei des Deckenfreskos stammt von Gaetano Fanti.

Der MarmorsaalMarmorsaal: Detail aus dem Deckenfresko von Paul Troger

         

   Altane back

Die Altane ist der Verbindungsbalkon zwischen dem Marmorsaal und der Bibliothek.
Von der Altane aus gibt es einen wunderschönen Blick auf die Donau, die Wachaulandschaft sowie auf die Stadt Melk

 Altane

 

 

Bibliothek  back

Nach der Kirche ist die Bibliothek in der Rangfolge der Räume eines Benediktinerklosters der zweit wichtigste.

Die künstlerisch wertvolle Ausstattung zeugt von der Wertschätzung der Mönche für ihre Bibliothek. Das Deckenfresko Paul Trogers (1731/32) zeigt im Gegensatz zur weltlichen Szenerie des Marmorsaals eine symbolische Darstellung des Glaubens. Im Zentrum ist eine weibliche Figur erkennbar, die Allegorie des Glaubens. Sie wird von vier Engelsgruppen umgeben, die für die vier Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut und Mäßigkeit stehen. Die vier Holzskulpturen sind Darstellungen der vier Fakultäten: Theologie, Philosophie, Medizin und Jurisprudenz. Die Bibliothek des Stiftes Melk umfasst heute in insgesamt zwölf Räumen 1.888 Handschriften, 750 Inkunabeln (Frühdrucke bis 1500), 1.700 Werke aus dem 16. Jahrhundert, 4.500 aus dem 17. und 18.000 aus dem 18. Jahrhundert, zusammen mit den neueren Büchern insgesamt etwa 100.000 Bände. Im großen Bibliotheksraum befinden sich etwa 16.000 Bücher. Sie sind nach Themengruppen geordnet: Bibelausgaben im Regal I, Theologie in den Regalen II bis VII, Jurisprudenz im Regal VIII, Erd- und Himmelskunde im Regal VIIII, Geschichte in den Regalen X bis XV und barocke Lexika im Regal XVI. In diesem Raum finden sich hauptsächlich historische Werke ab dem 19. Jahrhundert, die Zeugnis vom Interesse dieser Zeit geben.

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Detail aus der Stiftsbibliothek

BibliothekPortal der Stiftsbibliothek

Sonderausstellung 2017 im großen Saal der Melker Stiftsbibliothek:
Die Ausstellung 2017 in den Bibliotheksvitrinen widmet sich dem Reformator Martin Luther und dem Reformationsjubiläum, dem Bibliothekskatalog
des Stephanus Burkhardi von 1517, der Italienreise des Reiner von Landau von 1617, Albrecht Dürer im Zusammenhang mit der Landesausstellung 2017
in Pöggstall und der Forschungsreise der Brüder Pez im Sommer 1717... mehr Information...

Kleiner Bibliotheksraum

Eine Wendeltreppe mit Rokokogitter führt in andere, öffentlich nicht zugängliche Bibliotheksräume. Das Deckenfresko von Paul Troger zeigt eine allegorische Darstellung der Scientia (Wissenschaft). Von der Bibliothek führt eine prächtig ausgestaltete Wendeltreppe in die Stiftskirche.

 

Stiftskirche back

Die große StiftsorgelEin Meisterwerk des HochbarockDie Melker Stiftskirche

Der Höhepunkt der barocken Klosteranlage des Stiftes Melk ist die Stiftskirche. Sie sollte nach dem Willen des Abtes und des Konvents den religiösen Bezug der gesamten Anlage und die Orientierung auf Gott hin deutlich sichtbar machen. Vom „ABSIT GLORIARI NISI IN CRUCE“ (Es sei fern, sich zu rühmen außer im Kreuz), der Inschrift über der Benediktihalle am Beginn des Rundgangs durch das Stift, zieht sich so ein roter Faden bis hin zur Kirche, in deren Pracht der Ruhm des Kreuzes transparent wird.

Ursprünglich war lediglich eine Barockisierung der Stiftskirche geplant. Ab 1701 entstand aber auf Betreiben des Abtes Berthold Dietmayr und nach den Plänen Jakob Prandtauers ein völliger Neubau der Kirche. Es gelang, für die künstlerische Ausgestaltung die bedeutendsten Meister ihres Faches zu gewinnen: Antonio Beduzzi (Innenarchitektur, Skizzen für die Fresken), Johann Michael Rottmayr (Fresken, Altarbilder), Paul Troger (Altarbilder), Giuseppe Galli-Bibiena (Entwürfe für Kanzel und Hochaltar), Lorenzo Mattielli (Entwürfe für Skulpturen) und Peter Widerin (Skulpturen).

Der linke Seitenaltar im Querschiff enthält in einem Sarkophag die Gebeine des heiligen Koloman. Der rechte ist dem heiligen Benedikt geweiht, der Sarkophag ist aber leer.

Die Deutung der Melker Stiftskirche ergibt sich aus der Inschrift am Hochaltar: „NON CORONABITUR NISI LEGITIME CERTAVERIT“ (Ohne rechtmäßigen Kampf gibt es keinen Sieg). Der Kampf, der zum Sieg führt, wird am Hochaltar durch das Martyrium der Apostelfürsten Petrus und Paulus verkörpert, klingt an im Glaubenstod des heiligen Koloman (Kolomanialtar) und findet seinen stärksten Ausdruck im Tugendkampf des Mönches, der in Gestalt des heiligen Benedikt das Thema des Langhausfreskos ist.  Der Sieg in diesem Kampf wird einerseits durch die große Siegeskrone am Hochaltar, durch die Fresken der Kuppel, in der sich der Himmel auftut und andererseits durch den Siegeskranz im Langhausfresko über dem vollendeten Mönch dargestellt.

Die zehn Jahre dauernde Restaurierung der Stiftskirche, die mit Hilfe von Bund und Land finanziert werden konnte, wurde 1987 abgeschlossen.

 

Kolomanihof back

Koloman, der Legende nach ein irischer Königsohn auf Pilgerreise nach Jerusalem, erlitt im Jahre 1012 bei Stockerau, in der Nähe von WiDer hl.Koloman: Sandsteinfigur im Kolomanihof bei Abendstimmungen, das Martyrium, weil er in dieser gefährlichen Grenzgegend für einen Spion gehalten wurde. Wegen seiner fremden Sprache und Kleidung verdächtig, war er gefangengenommen, gefoltert und schließlich auf einem dürren Holunderbaum aufgehängt worden.

Die Wunder, die sich daraufhin ereigneten, führten alsbald zu einer Verehrung Kolomans in der Bevölkerung. Durch die Wunder aufmerksam geworden, ließ Markgraf Heinrich I. im Jahr 1014 den Leichnam Kolomans nach Melk überführen und am 13. Oktober 1014 in der Peterskirche auf dem Melker Burgberg feierlich bestatten.

Ein Grund für die Überführung mag für die Babenberger wohl gewesen sein, an den Gnaden des Heiligen teilhaben zu können, sowohl im Leben als auch im Tod. Einen Heiligen in ihrer Burg zu haben, wurde als eine Art göttliche Bestätigung ihrer vom Kaiser verliehenen Herrschaft verstanden und sollte zur inneren Festigung ihres neuen Herrschaftsgebietes beitragen. Beim Grabe Kolomans konnten nun auch die Babenberger eine würdige Begräbnisstätte für sich errichten. Das Bestehen dieser Grabstätten war wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass Leopold II. im Jahr 1089 aus der Burg Melk ein Benediktinerkloster machte. Die Benediktiner in Melk haben seither das Gedenken des hl. Koloman stets wachgehalten.

Zahlreiche Kirchen, z. B. in Österreich, Bayern oder Schwaben, sind dem hl. Koloman geweiht. Koloman war auch der erste Landespatron von Österreich. Erst im Jahr 1663 wurde dann der Babenberger Markgraf Leopold III., der Heilige, zum Landespatron auserwählt.

Die Verehrung des hl. Koloman ist bis auf den heutigen Tag lebendig. Noch immer werden dem hl. Koloman Kunstwerke, Literatur und Musikstücke gewidmet. Gerade in unserer Zeit, wo das Hören aufeinander schwer geworden ist, kann er als aktueller Heiliger angesehen werden, weil er als Fremder in einem fremden Land nicht verstanden wurde. Wer anders ist, wer anders aussieht, wer anders spricht, macht sich verdächtig, macht Angst und kann leicht das Opfer von Vorurteilen werden.

Jedes Jahr wird am 13. Oktober im Stift Melk ein Gottesdienst zu Ehren des hl. Koloman gefeiert. Der Kolomanikirtag wird an diesem Tag seit 1451 in der Stadt Melk abgehalten. Der hl. Koloman ist immer noch der Patron von Stift und Stadt Melk.