Regula
Benedicti (Latein)
Die Regel des Hl. Benedikt in verschiedenen Sprachen
Prolog
Gemeinschaft unter
Regel und Abt
01 Die Arten der Mönche
02 Der Abt
03 Die Einberufung der
Brüder zum Rat
Die geistliche Kunst
04 Die Werkzeuge der
geistlichen Kunst
05 Der Gehorsam
06 Die Schweigsamkeit
07 Die Demut
Das gemeinsame Gebet
08 Der Gottesdienst in der
Nacht
09 Die Ordnung der Vigilien
im Winter
10 Die Ordnung der Vigilien
im Sommer
11 Die Ordnung der Vigilien
am Sonntag
12 Die Laudes am Sonntag
13 Die Laudes an den
Werktagen
14 Die Vigilien an den
Festtagen
15 Die Zeiten für das
Halleluja
16 Der Gottesdienst am Tage
17 Die Psalmen im
Gottesdienst am Tage
18 Die Ordnung der Psalmen
19 Die Haltung beim
Gottesdienst
20 Die Ehrfucht beim Gebet
Zur Organisation des
Klosters
21 Die Dekane des Klosters
22 Die Nachtruhe der Mönche
Verfehlungen und
Strafen
23 Das Vorgehen bei
Verfehlungen
24 Die Ausschließung bei
leichten Verfehlungen
25 Die Ausschließung bei
schweren Verfehlungen
26 Unerlaubter Umgang mit
Ausgeschlossenen
27 Die Sorge des Abtes für
die Ausgeschlossenen
28 Die Unverbesserlichen
29 Die Wiederaufnahme von
Brüdern
30 Die Strafe bei Mangel an
Einsicht
31 Der Cellerar des Klosters
32 Werkzeug und Gerät des
Klosters
33 Eigenbesitz des Mönches
34 Die Zuteilung des
Notwendigen
Die tägliche
Versorgung
35 Der wöchentliche Dienst
in der Küche
36 Die kranken Brüder
37 Alte und Kinder
38 Der wöchentlich Dienst
des Tischlesers
39 Das Maß der Speise
40 Das Maß des Getränkes
41 Die Mahlzeiten
Der Tageslauf
42 Das Schweigen nach der
Komplet
Fehler und Bußen
43 Die Bußen für
Unpünktlichkeit
44 Die Bußen der
Ausgeschlossenen
45 Die Bußen für Fehler im
Oratorium
46 Die Bußen für andere
Verfehlungen
47 Das Zeichen zum
Gottesdienst
48 Die Ordnung für
Handarbeit und Lesung
49 Die Fastenzeit
50 Gebetszeiten außerhalb
des Klosters
51 Mahlzeiten außerhalb des
Klosters
52 Das Oratorium des Klosters
Beziehungen des
Klosters nach außen
53 Die Aufnahme der Gäste
54 Die Annahme von Briefen
und Geschenken
55 Kleidung und Schuhe der
Brüder
56 Der Tisch des Abtes
57 Mönche als Handwerker
Aufnahme-Ordnung
58 Die Ordnung bei der
Aufnahme von Brüdern
59 Die Aufnahme von Kindern
60 Die Aufnahme von Priestern
61 Die Aufnahme fremder
Mönche
Dienst-Ordnung
62 Die Priester des Klosters
63 Die Rangordnung in der
Gemeinschaft
64 Einsetzung und Dienst des
Abtes
65 Der Prior des Klosters
66 Die Pförtner des Klosters
Gemeinschaft in Liebe
67 Brüder auf Reisen
68 Überforderung durch einen
Auftrag
69 Eigenmächtige
Verteidigung eines Bruders
70 Eigenmächtige Bestrafung
eines Bruders
71 Der gegenseitige Gehorsam
72 Der gute Eifer der Mönche
73 Epilog
Prolog
1. Höre, mein Sohn, auf die
Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens,
nimm den Zuspruch des
gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!
2. So kehrst du durch die
Mühe des Gehorsams zu dem zurück, den du durch die
Trägheit des Ungehorsams
verlassen hast.
3. An dich also richte ich
jetzt mein Wort, wer immer du bist, wenn du nur dem
Eigenwillen widersagst, für
Christus, den Herrn und wahren König, kämpfen
willst und den starken und
glänzenden Schild des Gehorsams ergreifst
4. Vor allem: wenn du etwas
Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er
möge es vollenden.
5. Dann muss er, der uns
jetzt zu seinen Söhnen zählt, einst nicht über unser
böses Tun traurig sein.
6. Weil er Gutes in uns
wirkt, müssen wir ihm jederzeit gehorchen; dann wird er
uns einst nicht enterben wie
ein erzürnter Vater seine Söhne;
7. er wird auch nicht wie ein
furchterregender Herr über unsere Bosheit ergrimmt
sein und uns wie verkommene
Knechte der ewigen Strafe preisgeben, da wir
ihm in die Herrlichkeit nicht
folgen wollten.
8. Stehen wir also endlich
einmal auf! Die Schrift rüttelt uns wach und ruft: "Die
Stunde ist da, vom Schlaf
aufzustehen."
9. Öffnen wir unsere Augen
dem göttlichen Licht und hören wir mit
aufgeschrecktem Ohr, wozu uns
die Stimme Gottes täglich mahnt und aufruft:
10. "Heute, wenn ihr
seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!"
11. Und wiederum: "Wer
Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den
Gemeinden sagt!"
12. Und was sagt er?
"Kommt, ihr Söhne, hört auf mich! Die Furcht des Herrn will
ich euch lehren.
13. Lauft, solange ihr das
Licht des Lebens habt, damit die Schatten des Todes
euch nicht
überwältigen."
14. Und der Herr sucht in der
Volksmenge, der er dies zuruft, einen Arbeiter für sich
und sagt wieder:
15. "Wer ist der Mensch,
der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?"
16. Wenn du das hörst und
antwortest: "Ich", dann sagt Gott zu dir:
17. "Willst du wahres
und unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem
und deine Lippen vor falscher
Rede! Meide das Böse und tu das Gute; suche
Frieden und jage ihm nach!
18. Wenn ihr das tut, blicken
meine Augen auf euch, und meine Ohren hören auf
eure Gebete; und noch bevor
ihr zu mir ruft, sage ich euch: Seht, ich bin da."
19. Liebe Brüder, was kann
beglückender für uns sein als dieses Wort des Herrn,
der uns einlädt?
20. Seht, in seiner Güte
zeigt uns der Herr den Weg des Lebens.
21. Gürten wir uns also mit
Glauben und Treue im Guten, und gehen wir unter der
Führung des Evangeliums
seine Wege, damit wir ihn schauen dürfen, der uns in
sein Reich gerufen hat.
22. Wollen wir in seinem
Reich und in seinem Zelt wohnen, dann müssen wir durch
gute Taten dorthin eilen;
anders kommen wir nicht ans Ziel.
23. Fragen wir nun mit dem
Propheten den Herrn: "Herr, wer darf wohnen in deinem
Zelt, wer darf weilen auf
deinem heiligen Berg?"
24. Hören wir, Brüder, was
der Herr auf diese Frage antwortet und wie er uns den
Weg zu seinem Zelt weist:
25. "Der makellos lebt
und das Rechte tut;
26. der von Herzen die
Wahrheit sagt und mit seiner Zunge nicht verleumdet;
27. der seinem Freund nichts
Böses antut und seinen Nächsten nicht schmäht;
28. der den arglistigen
Teufel, der ihm etwas einflüstert, samt seiner Einflüsterung
vom Auge seines Herzens
wegstößt, ihn zunichte macht, seine Gedankenbrut
packt und sie an Christus
zerschmettert."
29. Diese Menschen fürchten
den Herrn und werden wegen ihrer Treue im Guten
nicht überheblich; sie
wissen vielmehr, dass das Gute in ihnen nicht durch
eigenes Können, sondern
durch den Herrn geschieht.
30. Sie lobpreisen den Herrn,
der in ihnen wirkt, und sagen mit dem Propheten:
"Nicht uns, o Herr,
nicht uns, sondern deinen Namen bring zu Ehren."
31. Auch der Apostel Paulus
hat nichts von seiner Verkündigung als Verdienst
angesehen, sagt er doch:
"Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin."
32. Und er sagt auch:
"Wer sich rühmen will, der rühme sich im Herrn."
33. Schließlich sagt der
Herr im Evangelium: "Wer diese meine Worte hört und
danach handelt, ist wie ein
kluger Mann, der sein Haus auf Fels gebaut hat.
34. Als nun ein Wolkenbruch
kam und die Wassermassen heranfluteten, als die
Stürme tobten und an dem
Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war
auf Fels gebaut."
35. Nach all diesen Worten
erwartet der Herr, dass wir jeden Tag auf seine
göttlichen Mahnungen mit
unserem Tun antworten.
36. Deshalb sind uns die Tage
des Lebens als Frist gewährt, damit wir uns von
unseren Fehlern bessern,
37. wie der Apostel sagt:
"Weißt du nicht, dass Gottes Geduld dich zur Umkehr
führt?"
38. Denn in seiner Güte sagt
der Herr: "Ich will nicht den Tod des Sünders, sondern
dass er umkehrt und
lebt."
39. Brüder, wir haben also
den Herrn befragt, wer in seinem Zelt wohnen darf, und
die Bedingungen für das
Wohnen gehört. Erfüllen wir doch die Pflichten eines
Bewohners!
40. Wir müssen unser Herz
und unseren Leib zum Kampf rüsten, um den göttlichen
Weisungen gehorchen zu
können.
41. Für alles, was uns von
Natur aus kaum möglich ist, sollen wir die Gnade und
Hilfe des Herrn erbitten.
42. Wir wollen den Strafen
der Hölle entfliehen und zum unvergänglichen Leben
gelangen.
43. Noch ist Zeit, noch sind
wir in diesem Leib, noch lässt das Licht des Lebens uns
Zeit, all das zu erfüllen.
44. Jetzt müssen wir laufen
und tun, was uns für die Ewigkeit nützt.
45. Wir wollen also eine
Schule für den Dienst des Herrn einrichten.
46. Bei dieser Gründung
hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres
festzulegen.
47. Sollte es jedoch aus
wohlüberlegtem Grund etwas strenger zugehen, um Fehler
zu bessern und die Liebe zu
bewahren,
48. dann lass dich nicht
sofort von Angst verwirren und fliehe nicht vom Weg des
Heils; er kann am Anfang
nicht anders sein als eng.
49. Wer aber im
klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das
Herz weit, und er läuft in
unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote
Gottes.
50. Darum wollen wir uns
seiner Unterweisung niemals entziehen und in seiner
Lehre im Kloster ausharren
bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an den Leiden
Christi Anteil haben, dann
dürfen wir auch mit ihm sein Reich erben.
Kapitel 1: Die Arten der
Mönche
1. Wir kennen vier Arten von
Mönchen.
2. Die erste Art sind die
Koinobiten: Sie leben in einer klösterlichen Gemeinschaft
und dienen unter Regel und
Abt.
3. Die zweite Art sind die
Anachoreten, das heißt Einsiedler. Nicht in der ersten
Begeisterung für das
Mönchsleben, sondern durch Bewährung im klösterlichen
Alltag
4. und durch die Hilfe vieler
hinreichend geschult, haben sie gelernt, gegen den
Teufel zu kämpfen.
5. In der Reihe der Brüder
wurden sie gut vorbereitet für den Einzelkampf in der
Wüste. Ohne den Beistand
eines anderen können sie jetzt zuversichtlich mit
eigener Hand und eigenem Arm
gegen die Sünden des Fleisches und der
Gedanken kämpfen, weil Gott
ihnen hilft.
6. Die dritte Art sind die
Sarabaiten, eine ganz widerliche Art von Mönchen. Weder
durch eine Regel noch in der
Schule der Erfahrung wie Gold im Schmelzofen
erprobt, sind sie weich wie
Blei.
7. In ihren Werken halten sie
der Welt immer noch die Treue. Man sieht, dass sie
durch ihre Tonsur Gott
belügen.
8. Zu zweit oder zu dritt
oder auch einzeln, ohne Hirten, sind sie nicht in den
Hürden des Herrn, sondern in
ihren eigenen eingeschlossen: Gesetz ist ihnen,
was ihnen behagt und wonach
sie verlangen.
9. Was sie meinen und
wünschen, das nennen sie heilig, was sie nicht wollen, das
halten sie für unerlaubt.
10. Die vierte Art der
Mönche sind die sogenannten Gyrovagen. Ihr Leben lang
ziehen sie landauf landab und
lassen sich für drei oder vier Tage in
verschiedenen Klöstern
beherbergen.
11. Immer unterwegs, nie
beständig, sind sie Sklaven der Launen ihres
Eigenwillens und der Gelüste
ihres Gaumens. In allem sind sie noch schlimmer
als die Sarabaiten.
12. Besser ist es, über den
erbärmlichen Lebenswandel all dieser zu schweigen als
zu reden.
13. Lassen wir sie also
beiseite, und gehen wir mit Gottes Hilfe daran, der stärksten
Art, den Koinobiten, eine
Ordnung zu geben.
Kapitel 2: Der Abt
1. Der Abt, der würdig ist,
einem Kloster vorzustehen, muss immer bedenken, wie
man ihn anredet, und er
verwirkliche durch sein Tun, was diese Anrede für
einen Oberen bedeutet.
2. Der Glaube sagt ja: Er
vertritt im Kloster die Stelle Christi; wird er doch mit
dessen Namen angeredet
3. nach dem Wort des
Apostels: "Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu
Söhnen macht, den Geist, in
dem wir rufen: Abba, Vater!"
4. Deshalb darf der Abt nur
lehren oder bestimmen und befehlen, was der
Weisung des Herrn entspricht.
5. Sein Befehl und seine
Lehre sollen wie Sauerteig göttlicher Heilsgerechtigkeit
die Herzen seiner Jünger
durchdringen.
6. Der Abt denke immer daran,
dass in gleicher Weise über seine Lehre und über
den Gehorsam seiner Jünger
beim erschreckenden Gericht Gottes entschieden
wird.
7. So wisse der Abt: Die
Schuld trifft den Hirten, wenn der Hausvater an seinen
Schafen zu wenig Ertrag
feststellen kann.
8. Andererseits gilt ebenso:
Hat ein Hirt einer unruhigen und ungehorsamen Herde
all seine Aufmerksamkeit
geschenkt und ihrem verdorbenen Treiben jede nur
mögliche Sorge zugewandt,
9. wird er im Gericht des
Herrn freigesprochen. Er darf mit dem Propheten zum
Herrn sagen: "Deine
Gerechtigkeit habe ich nicht in meinem Herzen verborgen,
ich habe von deiner Treue und
Hilfe gesprochen, sie aber haben mich verhöhnt
und verachtet."
10. Dann kommt über die
Schafe, die sich seiner Hirtensorge im Ungehorsam
widersetzt haben, als Strafe
der allgewaltige Tod.
11. Wer also den Namen
"Abt" annimmt, muss seinen Jüngern in zweifacher Weise
als Lehrer vorstehen:
12. Er mache alles Gute und
Heilige mehr durch sein Leben als durch sein Reden
sichtbar. Einsichtigen
Jüngern wird er die Gebote des Herrn mit Worten
darlegen, hartherzigen aber
und einfältigeren wird er die Weisungen Gottes
durch sein Beispiel
veranschaulichen.
13. In seinem Handeln zeige
er, was er seine Jünger lehrt, dass man nicht tun darf,
was mit dem Gebot Gottes
unvereinbar ist. Sonst würde er anderen predigen
und dabei selbst verworfen
werden.
14. Gott könnte ihm eines
Tages sein Versagen vorwerfen: "Was zählst du meine
Gebote auf und nimmst meinen
Bund in deinen Mund? Dabei ist Zucht dir
verhasst, meine Worte wirfst
du hinter dich."
15. Auch gilt: "Du sahst
im Auge deines Bruders den Splitter, in deinem hast du den
Balken nicht bemerkt."
16. Der Abt bevorzuge im
Kloster keinen wegen seines Ansehens.
17. Den einen liebe er nicht
mehr als den anderen, es sei denn, er finde einen, der
eifriger ist in guten Werken
und im Gehorsam.
18. Er ziehe nicht den
Freigeborenen einem vor, der als Sklave ins Kloster eintritt,
wenn es dafür keinen
vernünftigen Grund gibt.
19. Der Abt kann aber jede
Rangänderung vor nehmen, wenn er es aus Gründen
der Gerechtigkeit für gut
hält. Sonst sollen die Brüder den Platz einnehmen, der
ihnen zukommt.
20. Denn ob Sklave oder
Freier, in Christus sind wir alle eins, und unter dem einen
Herrn tragen wir die Last des
gleichen Dienstes. Denn bei Gott gibt es kein
Ansehen der Person.
21. Nur dann unterscheiden
wir uns in seinen Augen, wenn wir in guten Werken
und in der Demut eifriger
sind als andere.
22. Der Abt soll also alle in
gleicher Weise lieben, ein und dieselbe Ordnung lasse
er für alle gelten wie es
jeder verdient.
23. Wenn der Abt lehrt, halte
er sich immer an das Beispiel des Apostels, der sagt:
"Tadle, ermutige, weise
streng zurecht." Das bedeutet für ihn:
24. Er lasse sich vom Gespür
für den rechten Augenblick leiten und verbinde
Strenge mit gutem Zureden. Er
zeige den entschlossenen Ernst des Meisters
und die liebevolle Güte des
Vaters.
25. Härter tadeln muss er
solche, die keine Zucht kennen und keine Ruhe geben;
zum Fortschritt im Guten
ermutige er alle, die gehorsam, willig und geduldig
sind; streng zurechtweisen
und bestrafen soll er jene, die nachlässig und wider
spenstig sind.
26. Auf keinen Fall darf er
darüber hinwegsehen, wenn sich jemand verfehlt;
vielmehr schneide er die
Sünden schon beim Entstehen mit der Wurzel aus, so
gut er kann. Er soll daran
denken, dass ihm sonst das Schicksal des Priesters
Heli von Schilo droht.
27. Rechtschaffene und
Einsichtige weise er einmal und ein zweites Mal mit
mahnenden Worten zurecht.
28. Boshafte aber,
Hartherzige, Stolze und Ungehorsame soll er beim ersten
Anzeichen eines Vergehens
durch Schläge und körperliche Züchtigung im
Zaum halten. Er kennt doch
das Wort der Schrift: "Ein Tor lässt sich durch
Worte nicht bessern."
29. Und auch dieses:
"Schlage deinen Sohn mit der Rute, so rettest du sein Leben
vor dem Tod."
30. Der Abt muss bedenken,
was er ist, und bedenken, wie man ihn anredet. Er
wisse: Wem mehr anvertraut
ist, von dem wird mehr verlangt.
31. Er muss wissen, welch
schwierige und mühevolle Aufgabe er auf sich nimmt:
Menschen zu führen und der
Eigenart vieler zu dienen. Muss er doch dem einen
mit gewinnenden, dem anderen
mit tadelnden, dem dritten mit überzeugenden
Worten begegnen.
32. Nach der Eigenart und
Fassungskraft jedes einzelnen soll er sich auf alle
einstellen und auf sie
eingehen. So wird er an der ihm anvertrauten Herde
keinen Schaden erleiden,
vielmehr kann er sich am Wachsen einer guten Herde
freuen.
33. Vor allem darf er über
das Heil der ihm Anvertrauten nicht hinwegsehen oder es
geringschätzen und sich
größere Sorge machen um vergängliche, irdische und
hinfällige Dinge.
34. Stets denke er daran: Er
hat die Aufgabe übernommen, Menschen zu führen,
für die er einmal
Rechenschaft ablegen muss.
35. Wegen des vielleicht
allzu geringen Klostervermögens soll er sich nicht
beunruhigen; vielmehr bedenke
er das Wort der Schrift: "Sucht zuerst das Reich
Gottes und seine
Gerechtigkeit, und dies alles wird euch dazugegeben."
36. Ein anderes Schriftwort
sagt: "Wer ihn fürchtet, leidet keinen Mangel."
37. Der Abt muss wissen: Wer
es auf sich nimmt, Menschen zu führen, muss sich
bereithalten, Rechenschaft
abzulegen.
38. Er sei sich darüber ganz
im klaren: Wie groß auch die Zahl der Brüder sein
mag, für die er
Verantwortung trägt, am Tag des Gerichtes muss er für sie alle
dem Herrn Rechenschaft
ablegen, dazu ohne Zweifel auch für sich selbst.
39. Immer in Furcht vor der
bevorstehenden Untersuchung des Hirten über die ihm
anvertrauten Schafe, sorgt er
für seine eigene Rechenschaft, wenn er sich um
die anderen kümmert.
40. Wenn er mit seinen
Ermahnungen anderen zur Besserung verhilft, wird er selbst
von seinen Fehlern
geläutert.
Kapitel 3: Die Einberufung
der Brüder zum Rat
1. Sooft etwas Wichtiges im
Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze
Gemeinschaft zusammenrufen
und selbst darlegen, worum es geht.
2. Er soll den Rat der
Brüder anhören und dann mit sich selbst zu Rate gehen.
Was er für zuträglicher
hält, das tue er.
3. Dass aber alle zur
Beratung zu rufen seien, haben wir deshalb gesagt, weil der
Herr oft einem Jüngeren
offenbart, was das Bessere ist.
4. Die Brüder sollen jedoch
in aller Demut und Unterordnung ihren Rat geben. Sie
sollen nicht anmaßend und
hartnäckig ihre eigenen Ansichten verteidigen.
5. Vielmehr liegt die
Entscheidung im Ermessen des Abtes: Was er für heilsamer
hält, darin sollen ihm alle
gehorchen.
6. Wie es jedoch den Jüngern
zukommt, dem Meister zu gehorchen, muss er
seinerseits alles
vorausschauend und gerecht ordnen.
7. Alle sollen in allem der
Regel als Lehrmeisterin folgen, und niemand darf
leichtfertig von ihrer
Weisung abweichen.
8. Keiner darf im Kloster dem
Willen seines eigenen Herzens folgen.
9. Niemand masse sich an, mit
seinem Abt unverschämt oder gar außerhalb des
Klosters zu streiten.
10. Geht aber einer in seiner
Anmaßung so weit, dann treffe ihn die von der Regel
vorgesehene Strafe.
11. Der Abt allerdings muss
seine Anordnungen immer in Gottesfurcht treffen und
sich dabei an die Regel
halten. Er muss wissen, dass er sich ohne Zweifel für all
seine Entscheidungen vor
Gott, dem gerechten Richter, zu verantworten hat.
12. Wenn weniger wichtige
Angelegenheiten des Klosters zu behandeln sind, soll er
nur die Älteren um Rat
fragen,
13. lesen wir doch in der
Schrift: "Tu alles mit Rat, dann brauchst du nach der Tat
nichts zu bereuen."
Kapitel 4: Die Werkzeuge der
geistlichen Kunst
1. Vor allem: Gott, den
Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit
ganzer Kraft.
2. Ebenso: Den Nächsten
lieben wie sich selbst.
3. Dann: nicht töten.
4. Nicht die Ehe brechen.
5. Nicht stehlen.
6. Nicht begehren.
7. Nicht falsch aussagen.
8. Alle Menschen ehren.
9. Und keinem anderen antun,
was man selbst nicht erleiden möchte.
10. Sich selbst verleugnen,
um Christus zu folgen.
11. Den Leib in Zucht nehmen.
12. Sich Genüssen nicht
hingeben.
13. Das Fasten lieben.
14. Arme bewirten.
15. Nackte bekleiden.
16. Kranke besuchen.
17. Tote begraben.
18. Bedrängten zu Hilfe
kommen.
19. Trauernde trösten.
20. Sich dem Treiben der Welt
entziehen.
21. Der Liebe zu Christus
nichts vorziehen.
22. Den Zorn nicht zur Tat
werden lassen.
23. Der Rachsucht nicht einen
Augenblick nachgeben.
24. Keine Arglist im Herzen
tragen.
25. Nicht unaufrichtig
Frieden schließen.
26. Von der Liebe nicht
lassen.
27. Nicht schwören, um nicht
falsch zu schwören.
28. Die Wahrheit Herz und
Mund bekennen.
29. Nicht Böses mit Bösem
vergelten.
30. Nicht Unrecht tun,
vielmehr erlittenes geduldig ertragen.
31. Die Feinde lieben.
32. Die uns verfluchen, nicht
auch verfluchen, sondern mehr noch sie segnen.
33. Verfolgung leiden um der
Gerechtigkeit willen.
34. Nicht stolz sein,
35. nicht trunksüchtig,
36. nicht gefräßig,
37. nicht schlafsüchtig,
38. nicht faul sein.
39. Nicht murren.
40. Nicht verleumden.
41. Seine Hoffnung Gott
anvertrauen.
42. Sieht man Gutes bei sich,
es Gott zuschreiben, nicht sich selbst.
43. Das Böse aber immer als
eigenes Werk erkennen, sich selbst zuschreiben.
44. Den Tag des Gerichtes
fürchten.
45. Vor der Hölle
erschrecken.
46. Das ewige Leben mit allem
geistlichen Verlangen ersehnen.
47. Den unberechenbaren Tod
täglich vor Augen haben.
48. Das eigene Tun und Lassen
jederzeit überwachen.
49. Fest überzeugt sein,
dass Gott überall auf uns schaut.
50. Böse Gedanken, die sich
in unser Herz einschleichen, sofort an Christus
zerschmettern und dem
geistlichen Vater eröffnen.
51. Seinen Mund vor bösem
und verkehrtem Reden hüten.
52. Das viele Reden nicht
lieben.
53. Leer oder zum Gelächter
reizende Worte meiden.
54. Häufiges oder
ungezügeltes Gelächter nicht lieben.
55. Heilige Lesungen gern
hören.
56. Sich oft zum Beten
niederwerfen.
57. Seine früheren Sünden
unter Tränen und Seufzen täglich im Gebet Gott
bekennen;
58. und sich von allem Bösen
künftig bessern.
59. Die Begierden des
Fleisches nicht befriedigen.
60. Den Eigenwillen hassen.
61. Den Anweisungen des Abtes
in allem gehorchen, auch wenn er selbst, was
ferne sei, anders handelt;
man denke an die Weisung des Herrn: "Was sie
sagen, das tut; was sie aber
tun, das tut nicht."
62. Nicht heilig genannt
werden wollen, bevor man es ist, sondern es erst sein, um
mit Recht so genannt zu
werden.
63. Gottes Weisungen täglich
durch die Tat erfüllen.
64. Die Keuschheit lieben.
65. Niemand hassen.
66. Nicht eifersüchtig sein.
67. Nicht aus Neid handeln.
68. Streit nicht lieben.
69. Überheblichkeit fliehen.
70. Die Älteren ehren,
71. die Jüngeren lieben.
72. In der Liebe Christi für
die Feinde beten.
73. Nach einem Streit noch
vor Sonnenuntergang zum Frieden zurückkehren.
74. Und an Gottes
Barmherzigkeit niemals verzweifeln.
75. Das sind also die
Werkzeuge der geistlichen Kunst.
76. Wenn wir sie Tag und
Nacht unaufhörlich gebrauchen und sie am Tag des
Gerichts zurückgeben, werden
wir vom Herrn jenen Lohn empfangen, den er
selbst versprochen hat:
77. "Was kein Auge
gesehen und kein Ohr gehört hat, hat Gott denen bereitet, die
ihn lieben."
78. Die Werkstatt aber, in
der wir das alles sorgfältig verwirklichen sollen, ist der
Bereich des Klosters und die
Beständigkeit in der Gemeinschaft.
Kapitel 5: Der Gehorsam
1. Der erste Schritt zur
Demut ist Gehorsam ohne Zögern.
2. Er ist die Haltung derer,
denen die Liebe zu Christus über alles geht.
3. Wegen des heiligen
Dienstes, den sie gelobt haben, oder aus Furcht vor der
Hölle und wegen der
Herrlichkeit des ewigen Lebens
4. darf es für sie nach
einem Befehl des Oberen kein Zögern geben, sondern sie
erfüllen den Auftrag sofort,
als käme er von Gott.
5. Von ihnen sagt der Herr:
"Aufs erste Hören hin gehorcht er mir."
6. Und ebenso sagt er den
Lehrern: "Wer euch hört, hört mich."
7. Daher verlassen Mönche
sofort, was ihnen gerade wichtig ist, und geben den
Eigenwillen auf.
8. Sogleich legen sie
unvollendet aus der Hand, womit sie eben beschäftigt waren.
Schnellen Fußes folgen sie
gehorsam dem Ruf des Befehlenden mit der Tat.
9. Mit der Schnelligkeit, die
aus der Gottesfurcht kommt, geschieht beides rasch
wie in einem Augenblick: der
ergangene Befehl des Meisters und das voll
brachte Werk des Jüngers.
10. So drängt sie die Liebe,
zum ewigen Leben voranzuschreiten.
11. Deshalb schlagen sie
entschlossen den engen Weg ein, von dem der Herr sagt:
"Eng ist der Weg, der
zum Leben führt."
12. Sie leben nicht nach
eigenem Gutdünken, gehorchen nicht ihren eigenen
Gelüsten und Begierden,
sondern gehen ihren Weg nach der Entscheidung und
dem Befehl eines anderen. Sie
bleiben im Kloster und haben das Verlangen,
dass ein Abt ihnen vorstehe.
13. Ohne Zweifel folgen sie
auf diesem Weg dem Herrn nach, der sagt: "Ich bin
nicht gekommen, meinen Willen
zu tun, sondern den Willen dessen, der mich
gesandt hat."
14. Ein Gehorsam dieser Art
ist nur dann Gott angenehm und für die Menschen
beglückend, wenn der Befehl
nicht zaghaft, nicht saumselig, nicht lustlos oder
gar mit Murren und Widerrede
ausgeführt wird.
15. Denn der Gehorsam, den
man den Oberen leistet, wird Gott erwiesen; sagt er
doch: "Wer euch hört,
hört mich."
16. Die Jünger müssen ihn
mit frohem Herzen leisten, denn Gott liebt einen
fröhlichen Geber.
17. Wenn aber der Jünger
verdrossen gehorcht, also nicht nur mit dem Mund,
sondern auch mit dem Herzen
murrt,
18. so findet er, selbst wenn
er den Befehl ausführt, doch kein Gefallen bei Gott, der
das Murren seines Herzens
wahrnimmt.
19. Für solches Tun
empfängt er keinen Lohn, sondern verfällt der Strafe der
Murrer, wenn er nicht Buße
tut und sich bessert.
Kapitel 6: Die Schweigsamkeit
1. Tun wir, was der Prophet
sagt: "Ich sprach, ich will auf meine Wege achten,
damit ich mich mit meiner
Zunge nicht verfehle. Ich stellte eine Wache vor
meinen Mund, ich verstummte,
demütigte mich und schwieg sogar vom Guten."
2. Hier zeigt der Prophet:
Man soll der Schweigsamkeit zuliebe bisweilen sogar auf
gute Gespräche verzichten.
Um so mehr müssen wir wegen der Bestrafung der
Sünde von bösen Worten
lassen.
3. Mag es sich also um noch
so gute, heilige und aufbauende Gespräche handeln,
vollkommenen Jüngern werde
nur selten das Reden erlaubt wegen der
Bedeutung der Schweigsamkeit.
4. Steht doch geschrieben:
"Beim vielen Reden wirst du der Sünde nicht
entgehen",
5. und an anderer Stelle:
"Tod und Leben stehen in der Macht der Zunge."
6. Denn Reden und Lehren
kommen dem Meister zu, Schweigen und Hören dem
Jünger.
7. Muss man den Oberen um
etwas bitten, soll es in aller Demut und ehrfürchtiger
Unterordnung erbeten werden.
8. Albernheiten aber,
müßiges und zum Gelächter reizendes Geschwätz
verbannen und verbieten wir
für immer und überall. Wir gestatten nicht, dass
der Jünger zu solchem Gerede
den Mund öffne.
Kapitel 7: Die Demut
1. Laut ruft uns, Brüder,
die Heilige Schrift zu: "Wer sich selbst erhöht, wird
erniedrigt, wer sich aber
selbst erniedrigt, wird erhöht werden."
2. Mit diesen Worten zeigt
sie uns also, dass jede Selbsterhöhung aus dem Stolz
hervorgeht.
3. Davor hütet sich der
Prophet und sagt: "Herr, mein Herz ist nicht überheblich,
und meine Augen schauen nicht
hochmütig; ich ergehe mich nicht in Dingen,
die für mich zu hoch und zu
wunderbar sind.
4. Wenn ich nicht demütig
gesinnt bin und mich selbst erhöhe, was dann? Du
behandelst mich wie ein Kind,
das die Mutter nicht mehr an die Brust nimmt."
5. Brüder, wenn wir also den
höchsten Gipfel der Demut erreichen und rasch zu
jener Erhöhung im Himmel
gelangen wollen, zu der wir durch die Demut in
diesem Leben aufsteigen,
6. dann ist durch Taten, die
uns nach oben führen, jene Leiter zu errichten, die
Jakob im Traum erschienen
ist. Auf ihr sah er Engel herab und hinaufsteigen.
7. Ganz sicher haben wir
dieses Herab und Hinaufsteigen so zu verstehen: Durch
Selbsterhöhung steigen wir
hinab und durch Demut hinauf.
8. Die so errichtete Leiter
ist unser irdisches Leben. Der Herr richtet sie zum
Himmel auf, wenn unser Herz
demütig geworden ist.
9. Als Holme der Leiter
bezeichnen wir unseren Leib und unsere Seele. In diese
Holme hat Gottes Anruf
verschiedene Sprossen der Demut und der Zucht
eingefügt, die wir
hinaufsteigen sollen.
10. Die erste Stufe der
Demut: Der Mensch achte stets auf die Gottesfurcht und
hüte sich, Gott je zu
vergessen.
11. Stets denke er an alles,
was Gott geboten hat, und erwäge immer bei sich, wie
das Feuer der Hölle der
Sünden wegen jene brennt, die Gott verachten, und wie
das ewige Leben jenen
bereitet ist, die Gott fürchten.
12. Zu jeder Stunde sei er
auf der Hut vor Sünden und Fehlern, die im Denken,
Reden, Tun und Wandel durch
Eigenwillen, aber auch durch Begierden des
Fleisches geschehen.
13. Der Mensch erwäge: Gott
blickt vom Himmel zu jeder Stunde auf ihn und sieht
an jedem Ort sein Tun; die
Engel berichten ihm jederzeit davon.
14. Der Prophet weist uns
darauf hin, dass Gott unserem Denken immer
gegenwärtig ist, wenn er
sagt: "Gott prüft auf Herz und Nieren."
15. "Der Herr kennt die
Gedanken der Menschen."
16. Ebenso sagt er: "Von
fern erkennst du meine Gedanken."
17. "Das Denken des
Menschen liegt offen vor dir."
18. Vor seinen verkehrten
Gedanken auf der Hut, spreche der Bruder, der etwas
taugt, ständig in seinem
Herzen: "Dann bin ich makellos vor ihm, wenn ich mich
vor meiner Bosheit in acht
nehme."
19. Den Eigenwillen zu tun,
verwehrt uns die Schrift, wenn sie sagt: "Von deinem
Willen wende dich ab!"
20. Dass aber Gottes Wille in
uns geschehe, darum bitten wir ihn im Gebet.
21. Mit Recht werden wir also
belehrt, nicht unseren Willen zu tun, sondern zu
beachten, was die Schrift
sagt: "Es gibt Wege, die den Menschen richtig
erscheinen, die aber am Ende
in die Tiefe der Hölle hinabführen."
22. Ebenso zittern wir vor
dem Wort, das von den Nachlässigen gesagt ist:
"Verdorben sind sie und
abscheulich geworden in ihren Gelüsten."
23. Selbst bei den Begierden
des Fleisches ist uns Gott, so glauben wir, immer
gegenwärtig. Sagt doch der
Prophet zum Herrn: "All mein Begehren liegt offen
vor dir."
24. Nehmen wir uns also vor
jeder bösen Begierde in acht; denn der Tod steht an
der Schwelle der Lust.
25. Darum gebietet die
Schrift: "Lauf deinen Begierden nicht nach!"
26. Wenn also die Augen des
Herrn über Gute und Böse wachen
27. und der Herr immer vom
Himmel auf die Menschenkinder blickt, um zu sehen,
ob noch ein Verständiger da
ist, der Gott sucht,
28. und wenn die Engel, die
uns zugewiesen sind, täglich bei Tag und bei Nacht
dem Herrn über unsere Taten
und Werke berichten,
29. dann, Brüder, müssen
wir uns zu jeder Stunde in acht nehmen, damit Gott uns
nicht irgendwann einmal als
abtrünnig und verdorben ansehen muss, wie der
Prophet im Psalm sagt.
30. Weil er gütig ist,
schont er uns in dieser Zeit und erwartet unsere Bekehrung
zum Besseren, damit er uns
dereinst nicht sagen muss: "Das hast du getan,
und ich habe
geschwiegen."
31. Die zweite Stufe der
Demut: Der Mönch liebt nicht den eigenen Willen und hat
deshalb keine Freude daran,
sein Begehren zu erfüllen.
32. Vielmehr folgt er in
seinen Taten dem Wort des Herrn, der sagt: "Ich bin nicht
gekommen, meinen Willen zu
tun, sondern den Willen dessen, der mich
gesandt hat."
33. Ebenso steht geschrieben:
"Eigensinn führt zur Strafe, Bindung erwirbt die
Krone."
34. Die dritte Stufe der
Demut: Aus Liebe zu Gott unterwirft sich der Mönch dem
Oberen in vollem Gehorsam. So
ahmt er den Herrn nach, von dem der Apostel
sagt: "Er war gehorsam
bis zum Tod."
35. Die vierte Stufe der
Demut: Der Mönch übt diesen Gehorsam auch dann, wenn
es hart und widrig zugeht.
Sogar wenn ihm dabei noch so viel Unrecht
geschieht, schweigt er und
umarmt gleichsam bewusst die Geduld.
36. Er hält aus, ohne müde
zu werden oder davonzulaufen, sagt doch die Schrift:
"Wer bis zum Ende
standhaft bleibt, der wird gerettet"
37. Ferner: "Dein Herz
sei stark und halte den Herrn aus."
38. Um zu zeigen, dass der
Glaubende für den Herrn alles, sogar Widriges
aushalten muss, sagt die
Schrift durch den Mund derer, die das erdulden: "Um
deinetwillen werden wir den
ganzen Tag dem Tode ausgesetzt, behandelt wie
Schafe, die zum Schlachten
bestimmt sind."
39. Doch zuversichtlich und
voll Hoffnung auf Gottes Vergeltung fügen sie freudig
hinzu: "All das
überwinden wir durch den, der uns geliebt hat." Und ebenso sagt
die Schrift an anderer
Stelle: "Gott, du hast uns geprüft und uns im Feuer
geläutert. Du hast uns in
die Schlinge geraten lassen, hast drückende Last
unserem Rücken
aufgeladen."
40. Um zu zeigen, dass wir
unter einem Oberen stehen müssen, sagt sie weiter:
"Du hast Menschen über
unser Haupt gesetzt."
41. Selbst bei Widrigkeiten
und Unrecht erfüllen die Mönche in Geduld die Weisung
des Herrn:
42. Auf die eine Wange
geschlagen, halten sie auch die andere hin; des Hemdes
beraubt, lassen sie auch den
Mantel; zu einer Meile gezwungen, gehen sie
zwei.
43. Wie der Apostel Paulus
halten sie falsche Brüder aus und segnen jene, die
ihnen fluchen.
44. Die fünfte Stufe der
Demut: Der Mönch bekennt demütig seinem Abt alle bösen
Gedanken, die sich in sein
Herz schleichen, und das Böse, das er im Geheimen
begangen hat und er verbirgt
nichts.
45. Dazu ermahnt uns die
Schrift mit den Worten: "Eröffne dem Herrn deinen Weg
und vertrau auf ihn!"
46. Sie sagt auch: "Legt
vor dem Herrn ein Bekenntnis ab; denn er ist gut, denn
seine Huld währt ewig."
47. Ebenso sagt der Prophet:
"Mein Vergehen tat ich dir kund, und meine
Ungerechtigkeit habe ich dir
nicht verborgen.
48. Ich sagte: Vor dem Herrn
will ich gegen mich meine Schuld bekennen, und du
hast mir die Bosheit meines
Herzens vergeben."
49. Die sechste Stufe der
Demut: Der Mönch ist zufrieden mit dem Allergeringsten
und Letzten und hält sich
bei allem, was ihm aufgetragen wird, für einen
schlechten und unwürdigen
Arbeiter.
50. Er sagt sich mit dem
Propheten: "Zu nichts bin ich geworden und verstehe
nichts; wie ein Lasttier bin
ich vor dir und bin doch immer bei dir."
51. Die siebte Stufe der
Demut: Der Mönch erklärt nicht nur mit dem Mund, er sei
niedriger und geringer als
alle, sondern glaubt dies auch aus tiefstem Herzen.
52. Er erniedrigt sich und
spricht mit dem Propheten: "Ich aber bin ein Wurm und
kein Mensch, der Leute Spott,
vom Volk verachtet.
53. Ich habe mich erhöht und
wurde erniedrigt und zunichte."
54. "Gut war es für
mich, dass du mich erniedrigt hast; so lerne ich deine Gebote."
55. Die achte Stufe der
Demut: Der Mönch tut nur das, wozu ihn die gemeinsame
Regel des Klosters und das
Beispiel der Väter mahnen.
56. Die neunte Stufe der
Demut: Der Mönch hält seine Zunge vom Reden zurück,
verharrt in der
Schweigsamkeit und redet nicht, bis er gefragt wird.
57. Zeigt doch die Schrift:
"Bei vielem Reden entgeht man der Sünde nicht."
58. "Der Schwätzer hat
keine Richtung auf Erden."
59. Die zehnte Stufe der
Demut: Der Mönch ist nicht leicht und schnell zum Lachen
bereit, steht doch
geschrieben: "Der Tor bricht in schallendes Gelächter aus."
60. Die elfte Stufe der
Demut: Der Mönch spricht, wenn er redet, ruhig und ohne
Gelächter, demütig und mit
Würde wenige und vernünftige Worte und macht
kein Geschrei,
61. da geschrieben steht:
"Den Weisen erkennt man an den wenigen Worten."
62. Die zwölfte Stufe der
Demut: Der Mönch sei nicht nur im Herzen demütig,
sondern seine ganze
Körperhaltung werde zum ständigen Ausdruck seiner
Demut für alle, die ihn
sehen.
63. Das heißt: Beim
Gottesdienst, im Oratorium, im Kloster, im Garten, unterwegs,
auf dem Feld, wo er auch
sitzt, geht oder steht, halte er sein Haupt immer
geneigt und den Blick zu
Boden gesenkt.
64. Wegen seiner Sünden
sieht er sich zu jeder Stunde angeklagt und schon jetzt
vor das schreckliche Gericht
gestellt.
65. Immer wiederhole er im
Herzen die Worte des Zöllners im Evangelium, der die
Augen zu Boden senkt und
spricht: "Herr, ich Sünder bin nicht würdig, meine
Augen zum Himmel zu
erheben."
66. Und ebenso sagt er mit
dem Propheten: "Gebeugt bin ich und tief erniedrigt."
67. Wenn also der Mönch alle
Stufen auf dem Weg der Demut erstiegen hat,
gelangt er alsbald zu jener
vollendeten Gottesliebe, die alle Furcht vertreibt.
68. Aus dieser Liebe wird er
alles, was er bisher nicht ohne Angst beobachtet hat,
von nun an ganz mühelos,
gleichsam natürlich und ohne Gewöhnung ein
halten,
69. nicht mehr aus Furcht vor
der Hölle, sondern aus Liebe zu Christus, aus guter
Gewohnheit und aus Freude an
der Tugend.
70. Dies wird der Herr an
seinem Arbeiter, der von Fehlern und Sünden rein wird,
schon jetzt gütig durch den
Heiligen Geist erweisen.
Kapitel 8: Der Gottesdienst
in der Nacht
1. Im Winter, das heißt vom
ersten November bis Ostern, soll man zur achten
Stunde der Nacht aufstehen;
das entspricht vernünftiger Überlegung.
2. So können die Brüder
etwas länger als die halbe Nacht schlafen und dann
ausgeruht aufstehen.
3. Was nach den Vigilien an
Zeit noch übrigbleibt, sollen die Brüder, die es
brauchen, auf das Einüben
der Psalmen und Lesungen verwenden.
4. Von Ostern bis zum ersten
November werde die Stunde des Aufstehens so
bestimmt: Auf die Feier der
Vigilien folgen nach einer kurzen Pause für die
natürlichen Bedürfnisse der
Brüder die Laudes, die bei Tagesanbruch zu halten
sind.
Kapitel 9: Die Ordnung der
Vigilien im Winter
1. Im Winter singt man zuerst
dreimal den Vers: "Herr, öffne meine Lippen, damit
mein Mund dein Lob
verkünde."
2. Darauf folgen Psalm 3 und
das "Ehre sei dem Vater",
3. Psalm 94, mit Antiphon
oder wenigstens einfach gesungen,
4. ein Hymnus des Ambrosius,
dann sechs Psalmen mit Antiphonen. 05
Anschließend wird der
Versikel gesungen, der Abt spricht den Segen, und alle
setzen sich auf die Bänke.
5. Aus dem Buch, das auf dem
Pult liegt, tragen die Brüder abwechselnd drei
Lesungen vor; dazwischen
werden auch drei Responsorien gesungen.
6. Zwei Responsorien singt
man ohne "Ehre sei dem Vater", aber bei jenem nach
der dritten Lesung singt der
Vorsänger das "Ehre sei dem Vater".
7. Sobald der Vorsänger es
anstimmt, erheben sich aus tiefer Ehrfurcht vor der
heiligen Dreifaltigkeit
sofort alle von ihren Sitzen.
8. In den Vigilien lese man
die von Gott beglaubigten Bücher des Alten und des
Neuen Testamentes, aber auch
Erklärungen dazu, die von anerkannten und
rechtgläubigen katholischen
Vätern verfaßt sind.
9. Nach den drei Lesungen mit
ihren Responsorien folgen weitere sechs Psalmen,
die mit "Halleluja"
gesungen werden,
10. eine Lesung aus den
Apostelbriefen, auswendig vorgetragen, der Versikel und
das Bittgebet der Litanei,
nämlich das "Kyrie eleison".
11. Damit sind die
nächtlichen Vigilien beendet.
Kapitel 10: Die Ordnung der
Vigilien im Sommer
1. Von Ostern bis zum ersten
November wird die schon erwähnte Zahl der
Psalmen beibehalten.
2. Die Lesungen aus dem Buch
entfallen jedoch, weil die Nächte kurz sind; statt
der drei Lesungen wird eine
aus dem Alten Testament auswendig vorgetragen.
Darauf folgt ein kurzes
Responsorium.
3. Alles andere wird
gehalten, wie bereits gesagt. Zu den nächtlichen Vigilien
werden also, abgesehen von
Psalm 3 und Psalm 94, niemals weniger als zwölf
Psalmen gesungen.
Kapitel 11: Die Ordnung der
Vigilien am Sonntag
1. Am Sonntag steht man zu
den Vigilien früher auf.
2. Für diese Vigilien gilt
folgende Ordnung: Zuerst werden sechs Psalmen und der
Versikel gesungen. Wenn
hierauf alle in rechter Haltung und Reihenfolge auf
ihren Plätzen sitzen, werden
aus dem Buch vier Lesungen vorgetragen, dazu
die Responsorien.
3. Nur beim vierten
Responsorium fügt der Vorsänger das "Ehre sei dem Vater"
an; sobald er es anstimmt,
erheben sich alle in Ehrfurcht.
4. Auf die Lesung folgen die
nächsten sechs Psalmen mit Antiphonen wie zuvor
und der Versikel.
5. Dann liest man nach der
angegebenen Ordnung wieder vier Lesungen mit ihren
Responsorien.
6. Danach werden drei Cantica
aus den Propheten gesungen, die der Abt
bestimmt; diese Cantica singt
man mit "Halleluja".
7. Nach dem Versikel und dem
Segen des Abtes werden nach der gleichen
Ordnung vier Lesungen aus dem
Neuen Testament vorgetragen.
8. Nach dem vierten
Responsorium beginnt der Abt den Hymnus "Dich, Gott,
loben wir".
9. Anschließend trägt der
Abt einen Abschnitt aus dem Evangelium vor, bei dem
alle in Ehrfurcht stehen.
10. Nach dem Evangelium
antworten alle: "Amen". Der Abt schließt sogleich den
Hymnus "Dir gebührt
Lob" an. Nach dem Segen beginnt die Laudes.
11. Diese Ordnung der
Vigilien bleibt an allen Sonntagen gleich, im Sommer wie im
Winter.
12. Wenn man aber zu spät
aufsteht, was ferne sei, werden Lesungen oder
Responsorien gekürzt.
13. Doch sorge man auf jede
Weise dafür, dass es nicht vorkommt. Wenn es doch
geschieht, tue der, durch
dessen Nachlässigkeit es verursacht wurde, vor Gott
im Oratorium geziemend Buße.
Kapitel 12: Die Laudes am
Sonntag
1. Zu den Laudes am Sonntag
singt man zuerst Psalm 66 ohne Antiphon und
ohne Unterbrechung.
2. Es folgen Psalm 50 mit
Halleluja,
3. Psalm 117, Psalm 62,
4. der Lobpreis, die
Lobpsalmen, eine Lesung aus der Offenbarung des Johannes,
auswendig vorgetragen, ein
Responsorium, ein Hymnus des Ambrosius, der
Versikel, das Canticum aus
dem Evangelium, die Litanei und der Abschluß.
Kapitel 13: Die Laudes an den
Werktagen
1. Die Laudes an den
Werktagen werden in folgender Ordnung gefeiert:
2. Man singt Psalm 66 ohne
Antiphon wie am Sonntag, etwas langsam, damit alle
beim Psalm 50 anwesend sind.
Psalm 50 wird mit Antiphon gesungen.
3. Es folgen zwei Psalmen
nach der üblichen Ordnung:
4. am Montag Psalm 5 und
Psalm 35;
5. am Dienstag Psalm 42 und
Psalm 56;
6. am Mittwoch Psalm 63 und
Psalm 64;
7. am Donnerstag Psalm 87 und
Psalm 89;
8. am Freitag Psalm 75 und
Psalm 91;
9. am Samstag aber Psalm 142
und das Canticum aus dem Deuteronomium, das
in zwei "Ehre sei dem
Vater" geteilt wird.
10. An den anderen Tagen
singt man je ein Canticum aus den Propheten, wie es in
der Kirche von Rom Brauch
ist.
11. Darauf folgen die
Lobpsalmen, eine Lesung aus den Briefen des Apostel
Paulus, auswendig
vorgetragen, ein Responsorium, ein Hymnus des
Ambrosius, der Versikel, Das
Canticum aus dem Evangelium, die Litanei und
der Abschluss.
12. Die Feier von Laudes und
Vesper gehe niemals zu Ende, ohne dass am Schluß
der Obere das Gebet des Herrn
von Anfang an so spricht, dass alle es hören
können; denn immer wieder
gibt es Ärgernisse, die wie Dornen verletzen.
13. Wenn die Brüder beten
und versprechen: "Vergib uns, wie auch wir vergeben",
sind sie durch dieses Wort
gebunden und reinigen sich von solchen Fehlern.
14. Bei den anderen
Gebetszeiten wird nur der Schluss dieses Gebetes laut
gesprochen, so dass alle
antworten: "Sondern erlöse uns von dem Bösen."
Kapitel 14: Die Vigilien an
den Festtagen
1. An den Festen der Heiligen
und an allen Feiertagen halte man es so, wie wir es
für den Sonntag bestimmt
haben.
2. Nur Psalmen, Antiphonen
und Lesungen sind eigens für die Festtage
ausgewählt. Die oben
angegebene Ordnung werde aber beibehalten.
Kapitel 15: Die Zeiten für
das Halleluja
1. Vom heiligen Osterfest bis
Pfingsten wird immer wieder das Halleluja gesungen,
zu den Psalmen wie auch zu
den Responsorien.
2. Von Pfingsten bis zum
Beginn der Fastenzeit singt man es jede Nacht, aber nur
zu den letzten sechs Psalmen
der Vigil.
3. An allen Sonntagen
außerhalb der Fastenzeit werden die Cantica, Die Laudes,
Prim, Terz, Sext und Non mit
Halleluja gesungen, die Vesper aber hat
Antiphonen.
4. Die Responsorien werden
nie mit Halleluja gesungen, außer in der Zeit vom
Osterfest bis Pfingsten.
Kapitel 16: Der Gottesdienst
am Tage
1. Es gelte, was der Prophet
sagt: "Siebenmal am Tag singe ich dein Lob."
2. Diese geheiligte
Siebenzahl wird von uns dann erfüllt, wenn wir unseren
schuldigen Dienst leisten zur
Zeit von Laudes, Prim, Terz, Sext, Non Vesper
und Komplet;
3. denn von diesen
Gebetsstunden am Tag sagt der Prophet: "Siebenmal am Tag
singe ich dein Lob."
4. Von den nächtlichen
Vigilien sagt derselbe Prophet: "Um Mitternacht stehe ich
auf, um dich zu
preisen."
5. Zu diesen Zeiten lasst uns
also unserem Schöpfer den Lobpreis darbringen
wegen seiner gerechten
entscheide, nämlich in Laudes, Prim, Terz, Sext, Non,
Vesper und Komplet. Auch in
der Nacht lasst uns aufstehen, um ihn zu preisen.
Kapitel 17: Die Psalmen im
Gottesdienst am Tage
1. Für die Vigilien und die
Laudes haben wir die Ordnung des Psalmengesanges
bestimmt; wenden wir uns nun
den folgenden Gebetszeiten zu.
2. Zur Prim singt man drei
Psalmen, und zwar einzeln, nicht unter einem einzigen
"Ehre sei dem
Vater".
3. Zuerst singt man den Vers
"O Gott, komm mir zu Hilfe"; es folgt der Hymnus
dieser Gebetszeit. Dann
beginnen die Psalmen.
4. Nach den drei Psalmen
werden eine Lesung vorgetragen, der Versikel, das
"Kyrie eleison" und
der Abschluß.
5. Die Gebetszeiten der Terz,
Sext und Non werden in der gleichen Ordnung
gefeiert, das heißt, es
folgen aufeinander der Vers, der Hymnus der Gebetszeit,
drei Psalmen, eine Lesung,
der Versikel, das "Kyrie eleison" und der Abschluß.
6. Wenn die Gemeinschaft
größer ist, singt man die Psalmen mit Antiphonen, ist
sie kleiner, singt man sie
ohne Unterbrechung.
7. Für die Feier der Vesper
werden vier Psalmen mit Antiphonen festgesetzt.
8. Nach den Psalmen werden
eine Lesung vorgetragen, dann das Responsorium,
ein Hymnus des Ambrosius, der
Versikel, das Canticum aus dem Evangelium,
die Litanei und als Abschluß
das Gebet des Herrn.
9. Für die Komplet werden
drei Psalmen festgesetzt; diese Psalmen betet man
ohne Unterbrechung und ohne
Antiphon.
10. Es folgen der Hymnus
dieser Gebetszeit, eine Lesung, der Versikel, das "Kyrie
eleison" und das
Segensgebet als Abschluß.
Kapitel 18: Die Ordnung der
Psalmen
1. Als erstes wird der Vers
gesungen "O Gott, komm mir zu Hilfe; Herr, eile mir zu
helfen. Ehre sei dem
Vater" Dann folgt der Hymnus der Gebetszeit.
2. Zur Prim am Sonntag singt
man vier Abschnitte des Psalmes 118.
3. In den folgenden
Gebetszeiten Terz, Sext, Non werden je drei Abschnitte dieses
Psalmes 118 gesungen.
4. Zur Prim am Montag singt
man drei Psalmen, nämlich Psalm 1, Psalm 2 und
Psalm 6.
5. Auch zur Prim an den
folgenden Tagen bis zum Sonntag werden der Reihe
nach je drei Psalmen gesungen
bis zum Psalm 19; dabei werden jedoch Psalm
9 und Psalm 17 geteilt.
6. So können die Vigilien
des Sonntags immer mit Psalm 20 einsetzen.
7. Zur Terz, Sext und Non des
Montags werden die restlichen neun Abschnitte des
Psalmes 118 gesungen, je drei
zu jeder Gebetszeit.
8. So ist Psalm 118 auf zwei
Tage verteilt, nämlich auf Sonntag und Montag.
9. Am Dienstag werden dann
zur Terz, Sext und Non je drei Psalmen gesungen,
angefangen von Psalm 119 bis
Psalm 127, zusammen neun Psalmen.
10. Diese Psalmen werden bis
zum Sonntag jeweils bei denselben Gebetszeiten
wiederholt, wie auch die
Ordnung der Hymnen, Lesungen und Versikel an allen
Tagen unverändert
beibehalten wird.
11. So beginnt man am Sonntag
immer mit Psalm 118.
12. Zur Vesper werden
täglich vier Psalmen feierlich gesungen,
13. angefangen von Psalm 109
bis Psalm 147;
14. ausgenommen sind Psalmen,
die schon anderen Gebetszeiten zugewiesen
wurden, nämlich die Psalmen
117 bis 127, Psalm 133 und 142.
15. Alle anderen sind zur
Vesper zu singen.
16. Weil aber drei Psalmen
fehlen, sind die längeren der genannten Reihe zu teilen,
nämlich Psalm 138, Psalm 143
und Psalm 144.
17. Weil Psalm 116 kurz ist,
wird er mit Psalm 115 verbunden.
18. Damit ist die Reihe der
Vesperpsalmen festgelegt. Für alles übrige gilt die oben
gegebene Ordnung, also für
Lesung, Responsorium, Hymnus, Versikel und
Canticum.
19. Zur Komplet werden
täglich dieselben Psalmen wiederholt, nämlich Psalm 4,
Psalm 90 und Psalm 133.
20. Damit ist die Ordnung des
Psalmengesangs am Tage festgelegt. Die anderen
Psalmen verteile man
gleichmäßig auf die Vigilien der sieben Nächte.
21. Dabei teilt man die
längeren Psalmen und bestimmt so zwölf für jede Nacht.
22. Wir machen ausdrücklich
auf folgendes aufmerksam: Wenn jemand mit dieser
Psalmenordnung nicht
einverstanden ist, stelle er eine andere auf, die er für
besser hält.
23. Doch achte er unter allen
Umständen darauf, dass jede Woche der ganze
Psalter mit den 150 Psalmen
gesungen und zu den Vigilien am Sonntag stets
von vorn begonnen wird.
24. Denn Mönche, die im
Verlauf einer Woche weniger singen als den ganzen
Psalter mit den üblichen
Cantica, sind zu träge im Dienst, den sie gelobt haben.
25. Lesen wir doch, dass
unsere heiligen Väter in ihrem Eifer an einem einzigen
Tag vollbracht haben, was wir
in unserer Lauheit wenigstens in einer ganzen
Woche leisten wollen.
Kapitel 19: Die Haltung beim
Gottesdienst
1. Überall ist Gott
gegenwärtig, so glauben wir, und die Augen des Herrn schauen
an jedem Ort auf Gute und
Böse.
2. Das wollen wir ohne
Zweifel ganz besonders dann glauben, wenn wir
Gottesdienst feiern.
3. Denken wir daher immer an
die Worte des Propheten: "Dient dem Herrn in
Furcht."
4. "Singt die Psalmen in
Weisheit."
5. "Vor dem Angesicht
der Engel will ich dir Psalmen singen."
6. Beachten wir also, wie wir
vor dem Angesicht Gottes und seiner Engel sein
müssen,
7. und stehen wir so beim
Psalmensingen, dass Herz und Stimme in und Stimme
in Einklang sind.
Kapitel 20: Die Ehrfurcht
beim Gebet
1. Wenn wir mächtigen
Menschen etwas unterbreiten wollen, wagen wir es nur in
Demut und Ehrfurcht.
2. Um wie viel mehr müssen
wir zum Herrn, dem Gott des Weltalls, mit aller
Demut und lauterer Hingabe
flehen.
3. Wir sollen wissen, dass
wir nicht erhört werden, wenn wir viele Worte machen,
sondern wenn wir in
Lauterkeit des Herzens und mit Tränen der Reue beten.
4. Deshalb sei das Gebet kurz
und lauter; nur wenn die göttliche Gnade uns
erfasst und bewegt, soll es
länger dauern.
5. In der Gemeinschaft jedoch
sei das Gebet auf jeden Fall kurz, und auf das
Zeichen des Oberen hin sollen
sich alle gemeinsam erheben.
Kapitel 21: Die Dekane des
Klosters
1. Wenn die Gemeinschaft
größer ist, sollen aus ihrer Mitte Brüder von gutem Ruf
und vorbildlicher
Lebensführung ausgewählt und zu Dekanen bestellt werden.
2. Sie tragen in allem Sorge
für ihre Dekanien nach den Geboten Gottes und den
Weisungen ihres Abtes.
3. Als Dekane sollen nur
solche ausgewählt werden, mit denen der Abt seine Last
unbesorgt teilen kann.
4. Nicht die Rangordnung sei
bei der Wahl entscheidend, sondern Bewährung im
Leben und Weisheit in der
Lehre.
5. Wenn einer der Dekane
Tadel verdient, weil der Stolz ihn aufbläht, werde er
einmal, ein zweites und ein
drittes Mal zurechtgewiesen; wenn er sich nicht
bessern will, wird er
abgesetzt,
6. und ein anderer, der
geeignet ist, soll an seine Stelle treten.
7. Das gleiche bestimmen wir
für den Prior.
Kapitel 22: Die Nachtruhe der
Mönche
1. Jeder soll zum Schlafen
ein eigenes Bett haben.
2. Das Bettzeug erhalten die
Brüder, wie es der Lebensweise von Mönchen
entspricht und wie der Abt es
ihnen zuteilt.
3. Alle schlafen wenn
möglich in einem Raum; lässt die große Zahl es aber nicht
zu, ruhen sie zu zehn oder
zwanzig mit den Älteren, die für sie verantwortlich
sind.
4. In diesem Raum brennt
ständig eine Lampe bis zum Morgen.
5. Die Brüder schlafen
angekleidet und umgürtet mit einem Gürtel oder Strick. Ihre
Messer aber haben sie
während des Schlafes nicht an der Seite, damit sie sich
nicht etwa im Schlaf
verletzen.
6. So seien die Mönche stets
bereit: Auf das Zeichen hin sollen sie ohne Zögern
aufstehen und sich beeilen,
einander zum Gottesdienst zuvorzukommen, jedoch
mit allem Ernst und mit
Bescheidenheit.
7. Die jüngeren Brüder
haben ihre Betten nicht nebeneinander, sondern zwischen
denen der älteren. Wenn sie
zum Gottesdienst aufstehen, sollen sie sich
gegenseitig behutsam
ermuntern, damit die Schläfrigen keine Ausrede haben.
Kapitel 23: Das Vorgehen bei
Verfehlungen
1. Es kommt vor, dass ein
Bruder trotzig oder ungehorsam oder hochmütig ist oder
dass er murrt und in einer
Sache gegen die Heilige Regel und die Weisungen
seiner Vorgesetzten handelt.
Wenn er sich so als Verächter erweist,
2. werde er nach der Weisung
unseres Herrn einmal und ein zweites Mal im
geheimen von seinen
Vorgesetzten ermahnt.
3. Wenn er sich nicht
bessert, werde er öffentlich vor allen zurechtgewiesen.
4. Wenn er sich aber auch so
nicht bessert, treffe ihn die Ausschließung, falls er
einsehen kann, was diese
Strafe bedeutet.
5. Wenn er es aber nicht
versteht, erhalte er eine körperliche Strafe.
Kapitel 24: Die
Ausschließung bei leichten Verfehlungen
1. Nach der Schwere der
Schuld muss sich das Maß von Ausschließung und
Bestrafung richten.
2. Es steht dem Abt zu, die
Schwere der Schuld zu beurteilen.
3. Wenn nun bei einem Bruder
eine leichte Schuld festgestellt wird, werde er von
der Teilnahme an der Mahlzeit
ausgeschlossen.
4. Für den, der von der
Tischgemeinschaft ausgeschlossen ist, gilt folgendes
Verfahren: In Oratorium darf
er weder einen Psalm noch eine Antiphon
vorsingen und keine Lesung
vortragen, bis die Buße geleistet ist.
5. Sein Essen erhalte er für
sich allein nach der Mahlzeit der Brüder;
6. wenn die Brüder zum
Beispiel zur sechsten Stunde essen, dann jener Bruder
zur neunten; wenn die Brüder
zur neunten Stunde essen, dann jener am
Abend.
7. dies gilt so lange, bis er
durch angemessene Buße Verzeihung erlangt hat.
Kapitel 25: Die
Ausschließung bei schweren Verfehlungen
1. Der Bruder, auf dem eine
schwere Schuld lastet, werde vom Tisch und vom
Oratorium ausgeschlossen.
2. Keiner der Brüder darf
mit ihm in Verbindung treten oder mit ihm reden.
3. Bei der aufgetragenen
Arbeit sei er allein. Er verharre in Trauer und Buße und
denke an das furchterregende
Wort des Apostels:
4. "Ein solcher Mensch
ist dem Untergang des Fleisches ausgeliefert, damit der
Geist gerettet wird für den
Tag des Herrn."
5. Sein Essen erhalte er für
sich allein; der Abt bestimmt für ihn Maß und Stunde.
6. Von denen, die
vorbeigehen, wird er nicht gegrüßt, und das Essen, das man
gibt, wird nicht gesegnet.
Kapitel 26: Unerlaubter
Umgang mit Ausgeschlossenen
1. Wenn ein Bruder sich
herausnimmt, ohne Erlaubnis des Abtes mit dem
ausgeschlossenen Bruder
irgendwie in Verbindung zu treten, mit ihm zu
sprechen oder ihm einen
Auftrag zu übermitteln,
2. treffe ihn die gleiche
Strafe der Ausschließung.
Kapitel 27: Die Sorge des
Abtes für die Ausgeschlossenen
1. Mit größter Sorge muss
der Abt sich um die Brüder kümmern, die sich
verfehlen, denn nicht die
Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.
2. Daher muss der Abt in
jeder Hinsicht wie ein weiser Arzt vorgehen. Er schicke
Senpekten, das heißt ältere
weise Brüder.
3. Diese sollen den
schwankenden Bruder im persönlichen Gespräch trösten und
ihn zu Demut und Buße
bewegen. Sie sollen ihn trösten, damit er nicht in zu
tiefe Traurigkeit versinkt.
4. Es gelte, was der Apostel
sagt: "Die Liebe zu ihm soll erstarken." Alle sollen für
ihn beten.
5. Der Abt muss sich sehr
darum sorgen und mit Gespür und großem Eifer danach
streben, dass er keines der
ihm anvertrauten Schafe verliert.
6. Er sei sich bewusst, dass
er die sorge für gebrechliche Menschen übernommen
hat, nicht die
Gewaltherrschaft über gesunde.
7. Er fürchte das Drohwort
des Propheten, durch das Gott sagt: "Was fett schien,
habt ihr euch genommen, was
schwach war, habt ihr weggestoßen."
8. Er ahme den Guten Hirten
mit seinem Beispiel der Liebe nach:
Neunundneunzig Schafe ließ
er in den Bergen zurück und machte sich auf, um
das eine verirrte Schaf zu
suchen.
9. Mit dessen Schwäche hatte
er so viel Mitleid, dass er es auf seinen heiligen
Schultern nahm und so zur
Herde zurücktrug.
Kapitel 28: Die
Unverbesserlichen
1. Wenn ein Bruder öfter
für ein Vergehen zurechtgewiesen und wenn er sogar
ausgeschlossen wurde, sich
aber nicht gebessert hat, verschärfe man die
Strafe, das heißt, er
erhalte noch Rutenschläge.
2. Wenn er sich aber auch so
nicht bessert oder wenn er gar, was ferne sei stolz
und überheblich sein
Verhalten verteidigen will, dann handle der Abt wie ein
weiser Arzt.
3. Er wende zuerst lindernde
Umschläge und Salben der Ermahnung an, dann die
Arzneien der Heiligen Schrift
und schließlich wie ein Brenneisen Ausschließung
und Rutenschläge.
4. Wenn er dann sieht, dass
seine Mühe keinen Erfolg hat, greife er zu dem, was
noch stärker wirkt: Er und
alle Brüder beten für den kranken Bruder,
5. dass der Herr, der alles
vermag, ihm die Heilung schenkt.
6. Wenn er sich aber auch so
nicht heilen lässt, dann erst setze der Abt das
Messer zum Abschneiden an. Es
gelte, was der Apostel sagt: "Schafft den
Übeltäter weg aus eurer
Mitte."
7. Und an anderer Stelle:
"Wenn der Ungläubige gehen will, soll er gehen."
8. Ein räudiges Schaf soll
nicht die ganze Herde anstecken.
Kapitel 29: Die
Wiederaufnahme von Brüdern
1. Es kann sein, dass ein
Bruder eigenmächtig das Kloster verlässt und später
wieder zurückkehren will. In
diesem Fall verspreche er zuerst gründliche
Besserung von dem
Fehlverhalten, das zum Austritt geführt hat.
2. Danach werde er
aufgenommen, aber als letzter eingereiht; dadurch wird seine
Demut geprüft.
3. wenn er wieder austritt,
werde er noch zweimal in dieser Weise aufgenommen.
er muss wissen, dass es
danach für ihn keine Rückkehr mehr gibt.
Kapitel 30: Die Strafe bei
Mangel an Einsicht
1. Nach Alter und Einsicht
muss es unterschiedliche Maßstäbe geben.
2. Daher gelte: Knaben und
Jugendliche oder andere, die nicht recht einsehen
können, was die
Ausschließung als Strafe bedeutet,
3. sollen für Verfehlungen
mit strengem Fasten oder mit kräftigen Rutenschlägen
bestraft werden. Sie sollen
dadurch geheilt werden.
Kapitel 31: Der Cellerar des
Klosters
1. Als Cellerar des Klosters
werde aus der Gemeinschaft ein Bruder ausgewählt,
der weise ist, reifen
Charakters und nüchtern. Er sei nicht maßlos im essen,
nicht überheblich, nicht
stürmisch, nicht verletzend, nicht umständlich und nicht
verschwenderisch.
2. Vielmehr sei er
gottesfürchtig und der ganzen Gemeinschaft wie ein Vater.
3. Er trage Sorge für alles.
4. Ohne Weisung des Abtes tue
er nichts;
5. an seine Aufträge halte
er sich.
6. er mache die Brüder nicht
traurig.
7. Falls ein Bruder
unvernünftig etwas fordert, kränke er ihn nicht durch
Verachtung, sondern schlage
ihm die unangemessene Bitte vernünftig und mit
Demut ab.
8. Er wache über seine Seele
und denke immer an das Apostelwort: "Wer seinen
Dienst gut versieht, erlangt
einen hohen Rang."
9. Um Kranke, Kinder, Gäste
und Arme soll er sich mit großer Sorgfalt kümmern;
er sei fest davon überzeugt:
Für sie alle muss er am Tag des Gerichtes
Rechenschaft ablegen.
10. Alle Geräte und den
ganzen Besitz des Klosters betrachte er als heiliges
Altargerät.
11. Nichts darf er
vernachlässigen.
12. Er sei weder der Habgier
noch der Verschwendung ergeben. Er vergeude nicht
das Vermögen des Klosters,
sondern tue alles mit Maß und nach Weisung des
Abtes.
13. Vor allem habe er Demut.
Kann er einem Bruder nichts geben, dann schenke er
ihm wenigstens ein gutes
Wort.
14. Es steht ja geschrieben:
"Ein gutes Wort geht über die beste Gabe."
15. Alles, was der Abt ihm
zuweist, übernehme er in seiner Verantwortung; was er
ihm aber verwehrt, maße er
sich nicht an.
16. Den Brüdern gebe er das
festgesetzte Maß an Speise und Trank ohne jede
Überheblichkeit oder
Verzögerung, damit sie nicht Anstoß nehmen. Er denke
daran, was nach Gottes Wort
der verdient, der einem von den Kleinen Ärgernis
gibt.
17. In größeren
Gemeinschaften gebe man ihm Helfer. Mit ihrer Unterstützung kann
er das ihm anvertraute Amt
mit innerer Ruhe verwalten.
18. Zur bestimmten Stunde
werde gegeben, was zu geben ist, und erbeten, was zu
erbitten ist;
19. denn niemand soll
verwirrt und traurig werden im Hause Gottes.
Kapitel 32: Werkzeug und
Gerät des Klosters
1. Den Besitz des Klosters,
nämlich Werkzeug, Kleidung und alle anderen Dinge,
vertraue der Abt Brüdern an,
auf deren Lebensweise und Charakter er sich
verlassen kann.
2. Nach seinem ermessen
übergebe er ihnen alle Gegenstände, die sie verwahren
und wieder einfordern sollen.
3. Der Abt führe ein
Verzeichnis all dieser Dinge. So weiß er, was er gibt und was
er zurückerhält, wenn die
Brüder einander in den zugewiesenen Aufgaben
ablösen.
4. Wenn einer die Sachen des
Klosters verschmutzen lässt oder nachlässig
behandelt, werde er getadelt.
5. Wenn er sich nicht
bessert, treffe ihn die von der Regel vorgesehene Strafe.
Kapitel 33: Eigenbesitz des
Mönches
1. Vor allem dieses Laster
muss mit der Wurzel aus dem Kloster ausgerottet
werden.
2. Keiner maße sich an, ohne
Erlaubnis des Abtes etwas zu geben oder an
zunehmen.
3. Keiner habe etwas als
Eigentum, überhaupt nichts, kein Buch, keine
Schreibtafel, keinen Griffel
gar nichts.
4. Den Brüdern ist es ja
nicht einmal erlaubt, nach eigener Entscheidung über
ihren Leib und ihren Willen
zu verfügen.
5. Alles Notwendige dürfen
sie aber vom Vater des Klosters erwarten, doch ist es
nicht gestattet, etwas zu
haben, was der Abt nicht gegeben oder erlaubt hat.
6. "Alles sei allen
gemeinsam", wie es in der Schrift heißt, damit keiner etwas als
sein Eigentum bezeichnen oder
beanspruchen kann.
7. Stellt sich heraus, dass
einer an diesem schlimmen Laster Gefallen findet,
werde er einmal und ein
zweites Mal ermahnt.
8. Wenn er sich nicht
bessert, treffe ihn eine Strafe.
Kapitel 34: Die Zuteilung des
Notwendigen
1. Man halte sich an das Wort
der Schrift: "Jedem wurde so viel zugeteilt, wie er
nötig hatte."
2. Damit sagen wir nicht,
dass jemand wegen seines Ansehens bevorzugt werden
soll, was ferne sei. Wohl
aber nehme man Rücksicht auf Schwächen.
3. Wer weniger braucht, danke
Gott und sei nicht traurig.
4. Wer mehr braucht, werde
demütig wegen seiner Schwäche und nicht
überheblich wegen der ihm
erwiesenen Barmherzigkeit.
5. So werden alle Glieder der
Gemeinschaft im Frieden sein.
6. Vor allem darf niemals das
Laster des Murrens aufkommen, in keinem Wort und
keiner Andeutung, was auch
immer als Anlass vorliegen mag.
7. Wird einer dabei ertappt,
treffe ihn eine schärfere Strafe.
Kapitel 35: Der wöchentliche
Dienst in der Küche
1. Die Brüder sollen
einander dienen. Keiner werde vom Küchendienst
ausgenommen, es sei denn, er
wäre krank oder durch eine dringende
Angelegenheit beansprucht;
2. denn dieser Dienst bringt
großen Lohn und lässt die Liebe wachsen.
3. Den Schwachen aber gebe
man Hilfe, damit sie ihren Dienst verrichten, ohne
traurig zu werden.
4. Überhaupt sollen alle je
nach Größe der Gemeinschaft und nach den örtlichen
Verhältnissen Hilfe
bekommen.
5. Ist die Gemeinschaft
größer, sei der Cellerar vom Küchendienst ausgenommen,
ebenso wer, wie gesagt, durch
wichtigere Angelegenheiten beansprucht ist.
6. Die übrigen Brüder
sollen einander in Liebe dienen.
7. Wer den Wochendienst
beendet, soll am Samstag alles reinigen
8. und die Tücher waschen,
mit denen sich die Brüder Hände und Füße
abtrocknen.
9. Die Brüder, die den
Wochendienst beginnen und die ihn beenden, sollen allen
die Füße waschen.
10. Die benutzten Geräte
sollen dem Cellerar sauber und unbeschädigt
zurückgegeben werden.
11. Der Cellerar aber
übergebe sie dem weiter, der den Dienst antritt. So weiß er,
was er gibt und was er
zurückerhält.
12. Die Wochendiener sollen
(an Fasttagen) vor der einzigen Mahlzeit über das
festgesetzte Maß hinaus
etwas zu trinken und Brot erhalten,
13. damit sie ihren Brüdern
zur Stunde der Mahlzeit ohne Murren und besondere
Mühe dienen können.
14. An Festtagen aber müssen
sie bis zum Schluss warten.
15. Die Brüder, die den
Wochendienst beginnen und die ihn beenden, sollen sich
am Sonntag gleich nach dem
Morgenlob im Oratorium tief vor allen verbeugen
und um das Gebet für sich
bitten.
16. Wer den Wochendienst
beendet spreche folgenden Vers: "Gepriesen bist du,
Herr und Gott, du hast mir
geholfen und mich getröstet."
17. Hat er dreimal so
gesprochen und den Segen zum Abschluss seines Dienstes
empfangen, folgt, wer den
Dienst beginnt, und spricht: "O Gott, komm mir zu
Hilfe, Herr, eile mir zu
helfen."
18. Auch diesen Vers
wiederholen alle dreimal; dann empfängt der Bruder den
Segen und beginnt seinen
Dienst.
Kapitel 36: Die kranken
Brüder
1. Die Sorge für die Kranken
muss vor und über allem stehen: man soll ihnen so
dienen, als wären sie
wirklich Christus;
2. hat er doch gesagt:
"Ich war krank, und ihr habt mich besucht",
3. und: "Was ihr einem
dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan."
4. Aber auch die Kranken
mögen bedenken, dass man ihnen dient, um Gott zu
ehren; sie sollen ihre
Brüder, die ihnen dienen, nicht durch übertriebene
Ansprüche traurig machen.
5. Doch auch solche Kranke
müssen in Geduld ertragen werden; denn durch sie
erlangt man größeren Lohn.
6. Daher sei es eine
Hauptsorge des Abtes, dass sie unter keiner
Vernachlässigung zu leiden
haben.
7. Die kranken Brüder sollen
einen eigenen Raum haben und einen eigenen
Pfleger, der Gott fürchtet
und ihnen sorgfältig und eifrig dient.
8. Man biete den Kranken,
sooft es ihnen guttut, ein Bad an; den Gesunden
jedoch und vor allem den
Jüngeren erlaube man es nicht so schnell.
9. Die ganz schwachen Kranken
dürfen außerdem zur Wiederherstellung ihrer
Gesundheit Fleisch essen.
Doch sobald es ihnen besser geht, sollen sie alle
nach allgemeinen Brauch auf
Fleisch verzichten.
10. Der Abt sehe es als eine
Hauptsorge an, dass die Kranken weder vom Cellerar
noch von den Pflegern
vernachlässigt werden. Auf ihn fällt zurück, was immer
die Jünger verschulden.
Kapitel 37: Alte und Kinder
1. Zwar neigt der Mensch
schon von Natur aus zu barmherziger Rücksicht auf die
Lage der Alten und der
Kinder; doch soll auch durch die Autorität der Regel für
sie gesorgt sein.
2. Immer achte man auf ihre
Schwäche. Für ihre Nahrung darf die Strenge der
Regel keinesfalls gelten.
3. Vielmehr schenke man ihnen
Güte und Verständnis; sie dürfen schon vor der
festgesetzten Zeit essen.
Kapitel 38: Der wöchentliche
Dienst des Tischlesers
1. Beim Tisch der Brüder
darf die Lesung nicht fehlen. Doch soll nicht der
Nächstbeste nach dem Buch
greifen und lesen, sondern der vorgesehene Leser
beginne am Sonntag seinen
Dienst für die ganze Woche.
2. Wer den Dienst antritt,
erbitte nach der Messe und der Kommunion das Gebet
aller, damit Gott den Geist
der Überheblichkeit von ihm fernhalte.
3. Daher beten alle im
Oratorium dreimal folgenden Vers, den der Leser anstimmt:
"Herr, öffne meine
Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde."
4. So erhält er den Segen
und beginnt dann seinen Dienst als Leser.
5. Es herrsche größte
Stille. Kein Flüstern und kein Laut sei zu hören, nur die
Stimme des Lesers.
6. Was sie aber beim Essen
und Trinken brauchen, sollen die Brüder einander so
reichen, dass keiner um etwas
bitten muss.
7. Fehlt trotzdem etwas,
erbitte man es eher mit einem vernehmbaren Zeichen als
durch ein Wort.
8. Niemand nehme sich heraus,
bei Tisch Fragen über die Lesung oder über
etwas anderes zu stellen,
damit es keine Gelegenheit zum Unfrieden gibt.
9. Doch der Obere kann zur
Erbauung kurz etwas sagen.
10. Der Tischleser der Woche
erhält vor Beginn der Lesung etwas Mischwein, und
zwar wegen der heiligen
Kommunion; auch soll ihm das Fasten nicht zu schwer
werden.
11. Nachher isst er mit
denen, die in der Küche oder anderswo ihren Wochendienst
haben.
12. Die Brüder dürfen
übrigens nicht der Reihe nach vorlesen oder vorsingen,
sondern nur, wenn sie die
Zuhörer erbauen.
Kapitel 39: Das Maß der
Speise
1. Nach unserer Meinung
dürften für die tägliche Hauptmahlzeit, ob zur sechsten
oder neunten Stunde, für
jeden Tisch mit Rücksicht auf die Schwäche einzelner
zwei gekochte Speisen
genügen.
2. Wer etwa von der einen
Speise nicht essen kann, dem bleibt zur Stärkung die
andere.
3. Zwei gekochte speisen
sollen also für alle Brüder genug sein. Gibt es Obst oder
frisches Gemüse, reiche man
es zusätzlich.
4. Ein reichlich bemessenes
Pfund Brot genüge für den Tag, ob man nur eine
Mahlzeit hält oder Mittag
und Abendessen einnimmt.
5. Essen die Brüder auch am
Abend, hebe der Cellerar ein Drittel dieses Pfundes
auf, um es ihnen beim
Abendtisch zu geben.
6. War die Arbeit einmal
härter, liegt es im Ermessen und in der Zuständigkeit des
Abtes, etwas mehr zu geben,
wenn es guttut.
7. Doch muss vor allem
Unmäßigkeit vermieden werden; und nie darf sich bei den
Mönchen Übersättigung
einschleichen.
8. Denn nichts steht so im
Gegensatz zu einem Christen wie Unmäßigkeit,
9. sagt doch unser Herr:
"Nehmt euch in acht, dass nicht Unmäßigkeit euer Herz
belaste."
10. Knaben erhalten nicht die
gleiche Menge wie Erwachsene, sondern weniger. In
allem achte man auf
Genügsamkeit.
11. Auf das Fleisch
vierfüßiger Tiere sollen alle verzichten, außer die ganz
schwachen Kranken.
Kapitel 40: Das Maß des
Getränkes
1. Jeder hat seine Gnadengabe
von Gott, der eine so, der andere so.
2. Deshalb bestimmen wir nur
mit einigen Bedenken das Maß der Nahrung für
andere.
3. Doch mit Rücksicht auf
die Bedürfnisse der Schwachen meinen wir, dass für
jeden täglich eine Hemina
Wein genügt.
4. Wem aber Gott die Kraft
zur Enthaltsamkeit gibt, der wisse, dass er einen
besonderen Lohn empfangen
wird.
5. Ob ungünstige
Ortsverhältnisse, Arbeit oder Sommerhitze mehr erfordern, steht
im Ermessen des Oberen. Doch
achte er darauf, dass sich nicht Übersättigung
oder Trunkenheit
einschleichen.
6. Zwar lesen wir, Wein passe
überhaupt nicht für Mönche. Aber weil sich die
Mönche heutzutage davon
nicht überzeugen lassen, sollten wir uns wenigstens
darauf einigen, nicht bis zum
Übermaß zu trinken, sondern weniger.
7. Denn der Wein bringt sogar
die Weisen zu Fall.
8. Wo aber ungünstige
Ortsverhältnisse es mit sich bringen, dass nicht einmal das
oben angegebene Maß, sondern
viel weniger oder überhaupt nichts zu
bekommen ist, sollen Brüder,
die dort wohnen Gott preisen und nicht murren.
9. Dazu mahnen wir vor allem:
Man unterlasse das Murren.
Kapitel 41: Die Mahlzeiten
1. Vom heiligen Osterfest bis
Pfingsten halten die Brüder zur sechsten Stunde die
Hauptmahlzeit und nehmen am
Abend eine Stärkung zu sich.
2. Doch von Pfingsten an
sollen die Mönche während des ganzen Sommers am
Mittwoch und Freitag bis zur
neunten Stunde fasten, wenn sie keine Feldarbeit
haben und die Sommerhitze
nicht zu sehr drückt.
3. An den übrigen Tagen
nehmen sie die Hauptmahlzeit zur sechsten Stunde ein.
4. Die sechste Stunde für
die Hauptmahlzeit wird auch beibehalten, wenn die
Brüder auf dem Feld arbeiten
oder die Sommerhitze unerträglich ist; der Abt
sorge dafür.
5. Überhaupt regle und ordne
er alles so, dass es den Brüdern zum Heil dient und
sie ohne einen berechtigten
Grund zum Murren ihre Arbeit tun können.
6. Vom 13.September bis zum
Beginn der Fastenzeit essen sie nur zur neunten
Stunde.
7. Vom Beginn der Fastenzeit
bis Ostern halten sie die Mahlzeit erst am Abend.
8. Die Vesper aber wird so
angesetzt, dass man bei Tisch kein Lampenlicht
braucht. Vielmehr muss alles
noch bei Tageslicht fertig werden.
9. Auch zu anderen
Jahreszeiten werde die Stunde für das Abendessen oder für
die Hauptmahlzeit so
gewählt, dass alles bei Tageslicht geschehen kann.
Kapitel 42: Das Schweigen
nach der Komplet
1. Immer müssen sich die
Mönche mit Eifer um das Schweigen bemühen, ganz
besonders aber während der
Stunden der Nacht.
2. Daher treffen wir eine
Regelung für das ganze Jahr, sowohl für Fasttage wie für
Tage ohne Fasten.
3. An Tagen mit Mittag und
Abendessen gilt: Sobald man vom Abendessen
aufgestanden ist, setzen sich
alle zusammen. Dann lese einer die
"Unterredungen",
die "Lebensbeschreibungen der Väter" oder sonst etwas vor,
das die Hörer erbaut,
4. nicht aber den Heptateuch
oder die Bücher der Könige, denn für weniger
gefestigte Brüder ist es
nicht gut, wenn sie zur Abendstunde diese Schriften
hören; zu anderer Zeit aber
soll man sie lesen.
5. An Fastagen dagegen gilt:
Nach der Feier der Vesper und einer kurzen Pause
begibt man sich, wie schon
gesagt, zur Lesung der "Unterredungen".
6. Man lese vier oder fünf
Blätter, soviel die Zeit eben erlaubt.
7. So können während dieser
Lesung alle zusammenkommen, auch wenn sie
noch mit den zugewiesenen
Arbeiten beschäftigt waren.
8. sind alle versammelt,
halten sie die Komplet. Wenn sie dann aus der Komplet
kommen, gebe es für keinen
mehr die Erlaubnis, irgend etwas zu reden.
9. Findet sich einer, der
diese Regel des Schweigens übertritt, werde er schwer
bestraft,
10. ausgenommen, das Reden
sei wegen der Gäste nötig, oder der Abt gebe
jemandem einen Auftrag.
11. Aber auch dann geschehe
es mit großem Ernst und vornehmer Zurückhaltung.
Kapitel 43: Die Bußen für
Unpünktlichkeit
1. Hört man das Zeichen zum
Gottesdienst, lege man sofort alles aus der Hand
und komme in größter Eile
herbei,
2. allerdings mit Ernst, um
nicht Anlass zu Albernheiten zu geben.
3. Dem Gottesdienst soll
nichts vorgezogen werden.
4. Kommt einer zu den
Vigilien erst nach dem "Ehre sei dem Vater" des Psalmes
94, der deswegen sehr langsam
und gedehnt zu singen ist, darf er nicht an
seinem Platz im Chor stehen.
5. Vielmehr stehe er als
letzter von allen oder auf dem Platz, den der Abt für so
Nachlässige abseits bestimmt
hat, damit sie von ihm und von allen gesehen
werden.
6. Dort bleibe er, bis er am
Schluss des Gottesdienstes öffentlich Buße getan hat.
7. Wir lassen die
unpünktlichen Brüder bewusst auf dem letzten Platz oder abseits
stehen, damit sie von allen
gesehen werden, sich schämen und deshalb sich
bessern.
8. Bleiben sie nämlich
außerhalb des Oratoriums, könnte sich vielleicht einer
wieder schlafen legen oder
sogar sich draußen hinsetzen und sich Zeit nehmen
für Geschwätz; so gibt er
dem Bösen Gelegenheit zur Versuchung.
9. Sie sollen vielmehr
hereinkommen, damit sie nicht alles versäumen und sich in
Zukunft bessern.
10. Kommt einer zum
Gottesdienst der Gebetszeiten am Tage erst nach dem Vers
und nach dem "Ehre sei
dem Vater" des anschließenden ersten Psalmes, stehe
er nach der obigen Vorschrift
auf dem letzten Platz.
11. Er nehme sich nicht
heraus, sich vor seiner Buße dem Chor der
psalmensingenden Brüder
anzuschließen, außer der Abt ist nachsichtig und
erlaubt es;
12. selbst dann muss der
Schuldige Buße tun.
13. Kommt einer zu Tisch
nicht vor dem Vers denn alle sollen gemeinsam den Vers
singen und beten und sich
zusammen zu Tisch setzen ,
14. werde er dafür bis zu
zweimal gerügt, wenn er aus Nachlässigkeit oder eigener
Schuld nicht pünktlich
kommt.
15. Bessert er sich nicht,
versage man ihm die Teilnahme am gemeinsamen Tisch.
16. Getrennt von der
Gemeinschaft aller Brüder, esse er allein. Auch sein Anteil an
Wein werde ihm genommen, bis
er Buße tut und sich bessert.
17. Ebenso werde auch der
bestraft, der beim Vers nach dem Essen nicht da ist.
18. Keiner darf sich
herausnehmen, vor oder nach der festgesetzten Zeit
eigenmächtig etwas zu essen
oder zu trinken.
19. Weigert sich einer
anzunehmen, was der Obere ihm angeboten hat, dann soll er
überhaupt nichts erhalten,
wenn er zu einer anderen Zeit verlangt, was er
vorher ausgeschlagen hat,
oder wenn er sonst etwas haben will. Das gilt, bis er
sich entsprechend gebessert
hat.
Kapitel 44: Die Bußen der
Ausgeschlossenen
1. Wer für ein schweres
Vergehen vom Oratorium und vom Tisch ausgeschlossen
ist, werfe sich am Ende der
gottesdienstlichen Feier vor der Tür des Oratoriums
zu Boden. Ohne etwas zu
sagen, mit dem Gesicht zur Erde
2. soll er dort zu Füßen
aller liegen, die aus dem Oratorium kommen.
3. Das tue er solange, bis
der Abt entscheidet, dass es genügt.
4. Sobald der Abt ihn rufen
lässt und er hereinkommt, werfe er sich dem Abt und
dann allen zu Füßen, damit
sie für ihn beten.
5. Dann werde er auf Geheiß
des Abtes wieder in den Chor aufgenommen, und
zwar an dem Platz, den der
Abt bestimmt.
6. Doch darf er ohne
Erlaubnis des Abtes noch keinen Psalm, keine Lesung oder
sonst etwas im Oratorium
vortragen.
7. Bei allen Gebetszeiten
werfe er sich am Ende des Gottesdienstes an seinem
Platz zu Boden.
8. So tue er Buße, bis der
Abt ihm befiehlt, dies zu beenden.
9. Wer aber für ein leichtes
Vergehen nur vom Tisch ausgeschlossen ist, soll im
Oratorium Buße tun, solange
der Abt es befiehlt.
10. Das muss er tun, bis der
Abt den Segen gibt und sagt: Genug.
Kapitel 45: Die Buße für
Fehler im Oratorium
1. Wer beim Vortrag eines
Psalms, eines Responsoriums, einer Antiphon oder
einer Lesung einen Fehler
macht und sich nicht gleich vor allen demütigt und so
Buße tut, den treffe eine
schwerere Strafe.
2. Denn er wollte nicht durch
Demut wiedergutmachen, was er durch
Nachlässigkeit verschuldet
hatte.
3. Knaben aber erhalten für
eine solche Verfehlung Rutenschläge.
Kapitel 46: Die Bußen für
andere Verfehlungen
1. Wenn jemand bei
irgendeiner Arbeit, in der Küche, im Vorratsraum, bei einem
Dienst, in der Bäckerei, im
Garten, oder sonst irgendwo einen Fehler macht
2. oder etwas zerbricht oder
verliert oder irgendwo etwas verschuldet
3. und nicht unverzüglich
kommt, um von sich aus vor Abt und Gemeinschaft Buße
zu tun und seinen Fehler zu
bekennen,
4. sondern wenn sein Fehler
durch einen anderen bekannt wird, dann treffe ihn
eine schwerere Strafe.
5. Handelt es sich aber um
eine in der Seele verborgene Sünde, eröffne er sie nur
dem Abt oder einem der
geistlichen Väter,
6. der es versteht, eigene
und fremde Wunden zu heilen, ohne sie aufzudecken
und bekanntzumachen.
Kapitel 47: Das Zeichen zum
Gottesdienst
1. Die Zeit zum Gottesdienst
am Tage und in der Nacht anzukündigen sei Sorge
des Abtes. Er gebe selbst das
Zeichen oder übertrage die Sorge dafür einem
gewissenhaften Bruder, damit
alles zur rechten Zeit geschieht.
2. Psalmen und Antiphonen
sollen nach dem Abt die Brüder, denen es
aufgetragen wird, nach ihrer
Rangordnung vortragen.
3. Keiner aber nehme sich
heraus, zu singen oder zu lesen, wenn er diese
Aufgabe nicht erfüllen kann,
dass die Hörer erbaut werden.
4. Es geschehe mit Demut,
Ernst und Ehrfurcht und im Auftrag des Abtes.
Kapitel 48: Die Ordnung für
Handarbeit und Lesung
1. Müßiggang ist der Seele
Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten
mit Handarbeit, zu bestimmten
Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein.
2. Und so meinen wir, durch
folgende Verfügung die Zeit für beides ordnen zu
können:
3. Von Ostern bis zum
1.Oktober verrichten sie morgens nach der Prim bis
ungefähr zur vierten Stunde
die notwendigen Arbeiten.
4. Von der vierten Stunde
aber bis zur Sext sollen sie frei sein für die Lesung.
5. Nach der Sext und der
Mahlzeit sollen sie unter völligem Schweigen auf ihren
Betten ruhen. Will aber einer
für sich lesen, dann lese er so, dass er keinen
anderen stört.
6. Die Non werde früher
gehalten, zur Mitte der achten Stunde; dann gehen sie bis
zur Vesper wieder an die
Arbeit.
7. Wenn es die
Ortsverhältnisse oder die Armut fordern, dass sie die Ernte selber
einbringen, sollen sie nicht
traurig sein.
8. Sie sind dann wirklich
Mönche, wenn sie wie unsere Väter und die Apostel von
ihrer Hände Arbeit leben.
9. Alles aber geschehe der
Kleinmütigen wegen maßvoll.
10. Vom 1.Oktober bis zum
Beginn der Fastenzeit sollen sie bis zum Ende der
zweiten Stunde für die
Lesung frei sein.
11. Zur zweiten Stunde werde
die Terz gehalten. Bis zur neunten Stunde verrichten
alle die Arbeit, die ihnen
aufgetragen ist.
12. Beim ersten Zeichen zur
Non breche jeder seine Arbeit ab, um bereit zu sein,
wenn das zweite Zeichen
gegeben wird.
13. Nach dem Essen sollen sie
für die Lesung oder für die Psalmen frei sein.
14. In den Tagen der
Fastenzeit aber sollen sie vom Morgen bis zum Ende der
dritten Stunde für die
Lesung frei sein. Dann verrichten sie bis zum Ende der
zehnten Stunde, was ihnen
aufgetragen wird.
15. In diesen Tagen der
Fastenzeit erhält jeder einen Band der Bibel, den er von
Anfang bis Ende lesen soll.
16. Diese Bände werden zu
Beginn der Fastenzeit ausgegeben.
17. Vor allem aber bestimme
man einen oder zwei Ältere, die zu den Stunden, da
die Brüder für die Lesung
frei sind, im Kloster umhergehen.
18. Sie müssen darauf
achten, ob sich etwa ein träger Bruder findet, der mit
Müßiggang oder Geschwätz
seine Zeit verschwendet, anstatt eifrig bei der
Lesung zu sein; damit bringt
einer nicht nur sich selbst um den Nutzen, sondern
lenkt auch andere ab.
19. Wird ein solcher, was
ferne sei, ertappt, werde er einmal und ein zweites Mal
zurechtgewiesen.
20. Bessert er sich nicht,
treffe ihn die von der Regel vorgesehene Strafe so, dass
die anderen sich fürchten.
21. Überhaupt darf ein
Bruder mit einem anderen nur in den vorgesehenen Stunden
zusammensein.
22. Am Sonntag sollen
ebenfalls alle für die Lesung frei sein außer jenen, die für
verschiedene Dienste
eingeteilt sind.
23. Ist aber einer so
nachlässig und träge, dass er nicht willens oder fähig ist, etwas
zu lernen oder zu lesen,
trage man ihm eine Tätigkeit auf, damit er nicht müßig
ist.
24. Kranken oder
empfindlichen Brüdern werde eine passende Beschäftigung oder
ein geeignetes Handwerk
zugewiesen; sie sollen nicht müßig sein, aber auch
nicht durch allzu große Last
der Arbeit erdrückt oder sogar fortgetrieben
werden.
25. Der Abt muss auf ihre
Schwäche Rücksicht nehmen.
Kapitel 49: Die Fastenzeit
1. Der Mönch soll zwar immer
ein Leben führen wie in der Fastenzeit.
2. Dazu aber haben nur wenige
die Kraft. Deshalb raten wir, dass wir wenigstens
in diesen Tagen der
Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten
3. und gemeinsam in diesen
heiligen Tagen die früheren Nachlässigkeiten tilgen.
4. Das geschieht dann in
rechter Weise, wenn wir uns vor allen Fehlern hüten und
uns um das Gebet unter
Tränen, um die Lesung, die Reue des Herzens und um
Verzicht mühen.
5. Gehen wir also in diesen
Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes
hinaus durch besonderes Gebet
und durch Verzicht beim Essen und Trinken.
6. So möge jeder über das
ihm zugewiesene Maß hinaus aus eigenem Willen in
der Freude des Heiligen
Geistes Gott etwas darbringen;
7. er entziehe seinem Leib
etwas an Speise, Trank und Schlaf und verzichte auf
Geschwätz und Albernheiten.
Mit geistlicher Sehnsucht und Freude erwarte er
das heilige Osterfest.
8. Was aber der einzelne als
Opfer bringen will, unterbreite er seinem Abt. Es
geschehe mit seinem Gebet und
seiner Einwilligung;
9. denn was ohne Erlaubnis
des geistlichen Vaters geschieht, wird einmal als
Anmaßung und eitle Ehrsucht
gelten und nicht belohnt.
10. Also werde alles mit
Einwilligung des Abtes getan.
Kapitel 50: Gebetszeiten
außerhalb des Klosters
1. Wenn Brüder sehr weit
entfernt arbeiten, nicht zur rechten Zeit zum Oratorium
kommen können
2. und wenn der Abt
festgestellt hat, dass es wirklich so ist,
3. dann müssen sie den
Gottesdienst an ihrem Arbeitsplatz halten. Mit Ehrfurcht
sollen sie vor Gott die Knie
beugen.
4. Auch die Brüder, die auf
Reisen geschickt werden, übergehen die festgesetzten
Gebetsstunden nicht;
5. sie feiern diese für
sich, so gut sie können. Sie sollen nicht versäumen, die
Pflicht ihres Dienstes zu
erfüllen.
Kapitel 51: Mahlzeiten
außerhalb des Klosters
1. Wird ein Bruder zu einer
Besorgung ausgeschickt und ist zu erwarten, dass er
am gleichen Tag ins Kloster
zurückkehrt, darf er sich nicht herausnehmen,
draußen zu essen, auch wenn
ihn jemand sehr dazu drängt,
2. es sei denn, sein Abt habe
ihm die Erlaubnis gegeben.
3. Handelt er anders, werde
er ausgeschlossen.
Kapitel 52: Das Oratorium des
Klosters
1. Das Oratorium sei, was
sein Name besagt, Haus des Gebetes. Nichts anderes
werde dort getan oder
aufbewahrt.
2. Nach dem Gottesdienst
gehen alle in größter Stille hinaus und bezeugen
Ehrfurcht vor Gott.
3. So wird ein Bruder, der
noch für sich allein beten möchte, nicht durch die
Rücksichtslosigkeit eines
anderen daran gehindert.
4. Auch wenn sonst einer
still für sich beten will, trete er einfach ein und bete, nicht
mit lauter Stimme, sondern
unter Tränen und mit wacher Aufmerksamkeit des
Herzens.
5. Wer sich nicht so
verhalten will, darf nach dem Gottesdienst nicht im Oratorium
zurückbleiben, damit, wie
gesagt, ein anderer nicht gestört wird.
Kapitel 53: Die Aufnahme der
Gäste
1. Alle Fremden, die kommen,
sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er
wird sagen: "Ich war
fremd, und ihr habt mich aufgenommen."
2. Allen erweise man die
angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben
und den Pilgern.
3. Sobald ein Gast gemeldet
wird, sollen ihm daher der Obere und die Brüder voll
dienstbereiter Liebe
entgegeneilen.
4. Zuerst sollen sie
miteinander beten und dann als Zeichen der Gemeinschaft den
Friedenskuss austauschen.
5. Diesen Friedenskuss darf
man wegen der Täuschung des Teufels erst nach
dem Gebet geben.
6. Allen Gästen begegne man
bei der Begrüßung und beim Abschied in tiefer
Demut:
7. man verneige sich, werfe
sich ganz zu Boden und verehre so in ihnen Christus,
der in Wahrheit aufgenommen
wird.
8. Hat man die Gäste
aufgenommen, nehme man sie mit zum Gebet; dann setze
sich der Obere zu ihnen oder
ein Bruder, dem er es aufträgt.
9. Man lese dem Gast die
Weisungen Gottes vor, um ihn im Glauben zu erbauen;
dann nehme man sich mit aller
Aufmerksamkeit gastfreundlich seiner an.
10. Das Fasten breche der
Obere dem Gast zuliebe, nur nicht an einem allgemein
vorgeschriebenen Fasttag, der
eingehalten werden muss.
11. Die Brüder aber fasten
wie gewohnt.
12. Der Abt gieße den
Gästen Wasser über die Hände;
13. Abt und Brüder zusammen
sollen allen Gästen die Füße waschen.
14. Nach der Fußwaschung
beten sie den Psalmvers: "Wir haben, o Gott, deine
Barmherzigkeit aufgenommen
inmitten deines Tempels."
15. Vor allem bei der
Aufnahme von Armen und Fremden zeige man Eifer und
Sorge, denn besonders in
ihnen wird Christus aufgenommen. Das Auftreten der
Reichen verschafft sich ja
von selbst Beachtung.
16. Abt und Gäste sollen
eine eigene Küche haben; so stören Gäste, die
unvorhergesehen kommen und
dem Kloster nie fehlen, die Brüder nicht.
17. Diese Küche übernehmen
für je ein Jahr zwei Brüder, die für diese Arbeit gut
geeignet sind.
18. Sooft sie es brauchen,
gebe man ihnen Hilfen, damit sie ohne Murren dienen;
sind sie jedoch zu wenig
beschäftigt, sollen sie zu der Arbeit gehen, die man
ihnen aufträgt.
19. Doch nicht nur hier,
sondern für alle Aufgabenbereiche im Kloster gelte der
Grundsatz:
20. Wer Hilfe braucht, soll
sie erhalten; wer jedoch frei ist, übernehme gehorsam
jeden Auftrag.
21. Die Unterkunft für die
Gäste vertraue man einem Bruder an, der von
Gottesfurcht ganz
durchdrungen ist.
22. Dort sollen genügend
Betten bereitstehen. Das Haus Gottes soll von Weisen
auch weise verwaltet werden.
23. Mit den Gästen darf
niemand ohne Auftrag zusammensein oder sprechen.
24. Wer ihnen begegnet oder
sie sieht, grüße sie, wie schon gesagt, in Demut, bitte
um den Segen und gehe weiter
mit der Bemerkung, es sei ihm nicht gestattet,
sich mit einem Gast zu
unterhalten.
Kapitel 54: Die Annahme von
Briefen und Geschenken
1. Der Mönch darf
keinesfalls ohne Weisung des Abtes von seinen Eltern oder
irgend jemandem, auch nicht
von einem anderen Mönch Briefe, Eulogien oder
sonst kleine Geschenke
annehmen oder geben.
2. Selbst wenn seine Eltern
ihm etwas geschickt haben, darf er sich nicht
anmaßen, es anzunehmen, ehe
der Abt benachrichtigt wurde.
3. Hat der Abt die Annahme
erlaubt, kann er immer noch verfügen, wem es zu
geben ist.
4. Dann sei der Bruder, dem
es geschickt wurde, nicht traurig, damit dem Teufel
kein Raum gegeben werde.
5. Wer sich etwas anderes
herausnimmt, den treffe die von der Regel vor
gesehene Strafe.
Kapitel 55: Kleidung und
Schuhe der Brüder
1. Die Kleidung, welche die
Brüder erhalten, soll der Lage und dem Klima ihres
Wohnortes entsprechen;
2. denn in kalten Gegenden
braucht man mehr, in warmen weniger.
3. Darauf zu achten ist
Aufgabe des Abtes.
4. Unserer Meinung nach
genügen in Gegenden mit gemäßigtem Klima für jeden
Mönch Kukulle und Tunika,
5. die Kukulle im Winter
wollig, im Sommer leicht oder abgetragen,
6. für die Arbeit ein
Überwurf und als Fußbekleidung Socken und Schuhe.
7. Über Farbe oder groben
Stoff dieser Kleidungsstücke sollen sich die Mönche
nicht beschweren; man nehme
alles so, wie es sich in der Gegend, wo sie
wohnen, findet, oder was man
billiger kaufen kann.
8. Der Abt sorge aber für
das rechte Maß, dass die Kleider nicht zu kurz sind,
sondern denen, die sie
tragen, passen.
9. Bekommen sie etwas Neues,
geben sie das Alte immer gleich ab; es wird in der
Kleiderkammer für die Armen
aufbewahrt.
10. Für einen Mönch
genügen zwei Tuniken und zwei Kukullen; so kann er zur
Nacht und zum Waschen die
Kleider wechseln.
11. Was darüber hinausgeht,
ist überflüssig und muss entfernt werden.
12. Ebenso gibt man die
Socken und alles Abgetragene ab, wenn man Neues
bekommt.
13. Wer auf Reisen geschickt
wird, erhält Hosen aus der Kleiderkammer; nach der
Rückkehr gibt er sie
gewaschen wieder ab.
14. Kukulle und Tunika, die
er für die Reise aus der Kleiderkammer erhält und nach
der Rückkehr zurückzugeben
hat, seien ein wenig besser, als man sie für
gewöhnlich trägt.
15. Als Bettzeug genügen
Matte, Tuch, Decke und Kopfkissen.
16. Der Abt durchsuche
häufig die Betten, ob sich dort nicht Eigenbesitz finde.
17. Wenn sich bei einem etwas
findet, das er nicht vom Abt bekommen hat, treffe
ihn strengste Strafe.
18. Um dieses Laster des
Eigenbesitzes mit der Wurzel auszurotten, muss der Abt
alles Notwendige geben:
19. Kukulle, Tunika, Socken,
Schuhe, Gürtel, Messer, Griffel, Nadel, Tuch,
Schreibtafel; so kann sich
keiner damit entschuldigen, es habe ihm etwas
Notwendiges gefehlt.
20. Der Abt erwäge aber
immer jenen Satz der Apostelgeschichte: "Jedem wurde
so viel zugeteilt, wie er
nötig hatte."
21. So berücksichtige der
Abt die Schwäche der Bedürftigen, nicht die Missgunst
der Neider.
22. Doch bei allen
Entscheidungen denke er an die Vergeltung Gottes.
Kapitel 56: Der Tisch des
Abtes
1. Der Abt habe seinen Tisch
immer mit den Gästen und Pilgern gemeinsam.
2. Sooft jedoch nur wenig
Gäste da sind, steht es ihm frei, von den Brüdern zu
rufen, wen er will.
3. Immer aber lasse er der
Ordnung wegen einen oder zwei Ältere bei den
Brüdern.
Kapitel 57: Mönche als
Handwerker
1. Sind Handwerker im
Kloster, können sie in aller Demut ihre Tätigkeit ausüben,
wenn der Abt es erlaubt.
2. Wird aber einer von ihnen
überheblich, weil er sich auf sein berufliches Können
etwas einbildet und meint, er
bringe dem Kloster etwas ein,
3. werde ihm seine Arbeit
genommen. Er darf sie erst wieder aufnehmen, wenn er
Demut zeigt und der Abt es
ihm von neuem erlaubt.
4. Wenn etwas von den
Erzeugnissen der Handwerker verkauft wird, sollen jene,
durch deren Hand die Waren
veräußert werden, darauf achten, dass sie keinen
Betrug begehen.
5. Sie sollen immer an
Hananias und Saphira denken, damit sie nicht etwa den
Tod an der Seele erleiden,
der jene am Leib traf.
6. Das gilt ebenso für alle
anderen, die mit dem Eigentum des Klosters unredlich
umgehen.
7. Bei der Festlegung der
Preise darf sich das Übel der Habgier nicht
einschleichen.
8. Man verkaufe sogar immer
etwas billiger, als es sonst außerhalb des Klosters
möglich ist,
9. damit in allem Gott
verherrlicht werde.
Kapitel 58: Die Ordnung bei
der Aufnahme von Brüdern
1. Kommt einer neu und will
das klösterliche Leben beginnen, werde ihm der
Eintritt nicht leicht
gewährt,
2. sondern man richte sich
nach dem Wort des Apostels: "Prüft die Geister, ob sie
aus Gott sind."
3. Wenn er also kommt und
beharrlich klopft und es nach vier oder fünf Tagen klar
ist, dass er die ihm
zugefügte harte Behandlung sowie die Schwierigkeiten beim
Eintritt geduldig erträgt,
aber trotzdem auf seiner Bitte besteht, gestatte man ihm
den Eintritt,
4. und er halte sich einige
Tage in der Unterkunft für Gäste auf.
5. Danach wohne er im Raum
für die Novizen, wo sie lernen, essen und schlafen.
6. Ein erfahrener Bruder
werde für sie bestimmt, der geeignet ist, Menschen zu
gewinnen, und der sich mit
aller Sorgfalt ihrer annimmt.
7. Man achte genau darauf, ob
der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für
den Gottesdienst, ob er
bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist,
Widerwärtiges zu ertragen.
8. Offen rede man mit ihm
über alles Harte und Schwere auf dem Weg zu Gott.
9. Wenn er verspricht,
beharrlich bei seiner Beständigkeit zu bleiben, lese man
ihm nach Ablauf von zwei
Monaten diese Regel von Anfang bis Ende vor
10. und sage ihm: Siehe das
Gesetz, unter dem du dienen willst; wenn du es
beobachten kannst, tritt ein,
wenn du es aber nicht kannst, geh in Freiheit fort.
11. Wenn er noch immer
bleiben will, dann führe man ihn in den oben erwähnten
Raum der Novizen und prüfe
ihn wieder in aller Geduld.
12. Nach Ablauf von sechs
Monaten lese man ihm die Regel vor: Er soll wissen,
was der Eintritt für ihn
bedeutet.
13. Wenn er noch bei seinem
Entschluss bleibt, liest man ihm nach vier Monaten
dieselbe Regel wieder vor.
14. Hat er es sich reiflich
überlegt und verspricht er, alles zu beachten und sich an
alles zu halten, was ihm
aufgetragen wird, dann soll er in die Gemeinschaft
aufgenommen werden.
15. Doch muss er wissen, dass
er, auch nach dem Gesetz der Regel, von diesem
Tag an weder das Kloster
verlassen
16. noch das Joch der Regel
von seinem Nacken abschütteln darf; er hatte ja lange
genug Zeit zu überlegen, ob
er es von sich weisen oder auf sich nehmen wolle.
17. Bei der Aufnahme
verspreche er im Oratorium in Gegenwart aller Beständigkeit,
klösterlichen Lebenswandel
und Gehorsam,
18. vor Gott und seinen
Heiligen. Sollte er einmal anders handeln, so muss er
wissen, dass er von dem
verworfen wird, den er nicht ernstnimmt.
19. Über sein Versprechen
verfasse er eine Urkunde auf den Namen der Heiligen,
deren Reliquien dort sind,
und des anwesenden Abtes. Diese Urkunde schreibe
er mit eigener Hand. Kann er
dies jedoch nicht, soll sie auf seine Bitte hin ein
anderer schreiben.
20. Der Novize setze sein
Zeichen darunter und lege die Urkunde mit eigener Hand
auf den Altar.
21. Wenn er sie niedergelegt
hat, stimmt der Novize sofort folgenden Vers an:
"Nimm mich auf, Herr,
nach deinem Wort, und ich werde leben; lass mich in
meiner Hoffnung nicht
scheitern."
22. Diesen Vers wiederholt
die ganze Gemeinschaft dreimal und fügt das "Ehre sei
dem Vater" hinzu.
23. Dann wirft sich der neue
Bruder jedem einzelnen zu Füßen, damit sie für ihn
beten. Von dieser Stunde an
wird er zur Gemeinschaft gerechnet.
24. Wenn er Eigentum hat,
verteile er es vorher an die Armen oder vermache es in
aller Form durch eine
Schenkung dem Kloster. Er darf sich gar nichts vor
behalten;
25. denn er weiß ja: Von
diesem Tag an hat er nicht einmal das Verfügungsrecht
über seinen eigenen Leib.
26. Noch im Oratorium ziehe
man ihm also die eigenen Sachen aus, mit denen er
bekleidet ist, und ziehe ihm
die Sachen des Klosters an.
27. Jene Kleider aber, die
man ihm ausgezogen hat, sollen in die Kleiderkammer
gebracht und dort aufbewahrt
werden.
28. Sollte er nämlich einmal
der Einflüsterung des Teufels nachgeben und das
Kloster verlassen, was ferne
sei, dann ziehe man ihm die Sachen des Klosters
aus und entlasse ihn.
29. Seine Urkunde aber, die
der Abt vom Altar genommen hat, soll er nicht
zurückbekommen, sondern sie
werde im Kloster zurückbehalten.
Kapitel 59: Die Aufnahme von
Kindern
1. Wenn ein Vornehmer seinen
Sohn im Kloster Gott darbringt und dieser noch ein
Kind ist, dann stellen die
Eltern die oben erwähnte Urkunde aus.
2. Zusammen mit einer
Opfergabe wickeln sie diese Urkunde und die Hand des
Knaben in das Altartuch und
bringen ihn so dar.
3. Was ihr Vermögen angeht,
so sollen sie in der vorliegenden Urkunde unter Eid
versprechen, dass sie niemals
selbst, auch nie durch eine vorgeschobene
Person noch auf irgendeine
andere Weise dem Knaben etwas schenken oder
ihm die Möglichkeit bieten,
etwas zu besitzen.
4. Sind sie jedoch damit
nicht zufrieden, sondern möchten etwas Gutes tun,
können sie dem Kloster eine
Spende anbieten.
5. Was sie geben wollen, das
sollen sie dem Kloster als Schenkung vermachen.
Wenn sie es wünschen,
können sie sich die Nutznießung vorbehalten.
6. Auf diese Weise werde
allem vorgebeugt, so dass dem Knaben keine Aussicht
bleibt, die ihn betören und
verderben könnte, was ferne sei. Wir kennen das aus
Erfahrung.
7. Entsprechend sollen es
auch Ärmere halten.
8. Wer aber gar nichts hat,
stellt einfach die Urkunde aus und bringt in Gegenwart
von Zeugen seinen Sohn
zusammen mit der Opfergabe dar.
Kapitel 60: Die Aufnahme von
Priestern
1. Wenn einer aus dem
Priesterstand um Aufnahme in das Kloster bittet, so
stimme man nicht gleich zu.
2. Beharrt er trotzdem fest
auf seiner Bitte, so muss er wissen, dass er die Regel
in ihrer ganzen Strenge zu
halten hat.
3. Nichts wird ihm
erleichtert, es gelte das Wort der Schrift: "Freund, wozu bist du
gekommen?"
4. Man gestatte ihm
allerdings, seinen Platz gleich nach dem Abt zu haben, den
Segen zu sprechen und den
Gottesdienst zu halten, aber nur, wenn der Abt ihn
beauftragt.
5. Sonst nehme er sich nichts
heraus; er weiß ja, dass er der Zucht der Regel
unterworfen ist, und mehr als
andere gebe er allen ein Beispiel der Demut.
6. Wenn es um die Besetzung
eines Amtes oder eine andere Angelegenheit im
Kloster geht,
7. nimmt er den Platz ein,
der seinem Eintritt ins Kloster entspricht, nicht jenen, der
ihm sonst aus Ehrfurcht vor
dem Priestertum eingeräumt wird.
8. Wenn Kleriker das gleiche
Verlangen haben und sich dem Kloster an schließen
möchten, weist man ihnen
einen mittleren Platz zu,
9. aber nur dann, wenn sie
die Beobachtung der Regel und Beständigkeit
versprechen.
Kapitel 61: Die Aufnahme
fremder Mönche
1. Es kann sein, dass ein
fremder Mönch von weither kommt und als Gast im
Kloster bleiben möchte.
2. Wenn er mit der
Lebensweise, die er dort antrifft, zufrieden ist und nicht etwa
durch übertriebene
Ansprüche Verwirrung ins Kloster bringt,
3. sondern sich ohne
Umstände mit dem was er vorfindet, begnügt, nehme man
ihn auf, und er bleibe,
solange er will.
4. Sollte er in Demut und
Liebe eine begründete Kritik äußern oder auf etwas
aufmerksam machen, so erwäge
der Abt klug, ob ihn der Herr nicht vielleicht
gerade deshalb geschickt hat.
5. Will er sich aber zur
Beständigkeit verpflichten, weise man einen solchen
Wunsch nicht zurück; man
konnte ja seine Lebensführung kennenlernen,
solange er Gast war.
6. Erweist er sich aber in
der Zeit seines Aufenthaltes als anspruchsvoll und mit
vielen Fehlern behaftet, muss
man ihm nicht nur die Aufnahme in die
klösterliche Gemeinschaft
verweigern,
7. sondern man sage ihm zudem
höflich, er solle gehen, damit nicht durch seinen
beklagenswerten Zustand auch
noch andere verdorben werden.
8. Verdient er es jedoch
nicht, weggeschickt zu werden, nehme man ihn nicht erst
auf seine eigene Bitte hin
als Glied der Gemeinschaft auf,
9. sondern lege ihm das
Bleiben sogar nahe, damit andere von seinem Beispiel
lernen.
10. Wir dienen doch überall
dem einen Herrn und kämpfen für den einen König.
11. Hat der Abt einen solchen
Mönch als vorbildlich erkannt, darf er ihm einen
etwas höheren Platz
zuweisen.
12. Kommt der Abt bei
Priestern und Klerikern, wie schon gesagt wurde, zu einem
ähnlichen Urteil, darf er
nicht nur einen Mönch, sondern auch sie an einen
höheren Platz stellen, als
es ihrem Eintritt entspricht.
13. Der Abt hüte sich aber,
jemals einen Mönch aus einem anderen bekannten
Kloster ohne Einwilligung
oder Empfehlungsschreiben seines Abtes in sein
Kloster aufzunehmen,
14. steht doch geschrieben:
"Was du selbst nicht erleiden willst, das tu auch keinem
anderen an!"
Kapitel 62: Die Priester des
Klosters
1. Wenn ein Abt die Weihe
eines Priesters oder Diakons erbitten will, so wähle er
aus seinen Mönchen einen
aus, der würdig ist, den priesterlichen Dienst
auszuüben.
2. Der Geweihte aber hüte
sich vor Überheblichkeit und Stolz. 0
3. 3 Er nehme sich nichts
heraus und handle nie ohne Auftrag des Abtes. Er weiß
ja, dass gerade er sich der
Zucht der Regel zu fügen hat.
4. Das Priesteramt sei ihm
kein Anlass, den Gehorsam und die Ordnung der Regel
zu vergessen, sondern er
schreite mehr und mehr auf Gott zu.
5. Er nimmt stets den Platz
ein, der seinem Eintritt ins Kloster entspricht,
6. außer beim Dienst am
Altar oder wenn ihn die Wahl der Gemeinschaft und der
Wille des Abtes an einen
höheren Platz stellen, weil seine Lebensführung es
verdient.
7. Doch wisse er, dass auch
er sich an die Ordnung zu halten hat, die für Dekane
und Prioren gilt.
8. Nimmt er sich heraus,
anders zu handeln, gelte er nicht mehr als Priester,
sondern als Aufrührer.
9. Und ändert er sich trotz
wiederholter Ermahnung nicht, so ziehe man noch den
Bischof als Zeugen hinzu.
10. Wenn er sich auch dann
nicht bessert und seine Schuld klar zutage liegt, werde
er aus dem Kloster gewiesen,
11. doch nur, wenn er so
widerspenstig ist, dass er sich nicht unterordnen und der
Regel nicht gehorchen will.
Kapitel 63: Die Rangordnung
in der Gemeinschaft
1. Die Rangordnung im Kloster
halte man so ein, wie sie sich aus dem Zeitpunkt
des Eintritts oder aufgrund
verdienstvoller Lebensführung ergibt und wie sie der
Abt festlegt.
2. Der Abt bringe jedoch die
ihm anvertraute Herde nicht in Verwirrung. Er treffe
keine ungerechte Verfügung,
als könnte er seine Macht willkürlich gebrauchen,
3. sondern er bedenke immer,
dass er über all seine Entscheidungen und all sein
Tun Gott Rechenschaft geben
muss.
4. Entsprechend der
Rangordnung also, die er festlegt oder die ihnen von selber
zukommt, sollen die Brüder
zum Friedenskuss und zur Kommunion gehen,
einen Psalm vortragen und im
Chor stehen.
5. Nirgendwo darf das
Lebensalter für die Rangordnung den Ausschlag geben
oder sie von vornherein
bestimmen,
6. haben doch Samuel und
Daniel, obgleich noch jung, Gericht über die Ältesten
gehalten.
7. Außer denen also, die der
Abt, wie gesagt, nach reiflicher Überlegung
voranstellt oder aus
bestimmten Gründen zurücksetzt, sollen alle übrigen den
Platz einnehmen, der ihrem
Eintritt entspricht.
8. Wer zum Beispiel zur
zweiten Stunde des Tages gekommen ist, muss wissen,
dass er jünger ist als
jener, der zur ersten Stunde des Tages gekommen ist,
welches Alter oder welche
Stellung er auch haben mag.
9. Die Knaben aber sollen in
allem und von allen zur Ordnung angehalten werden.
10. Die Jüngeren sollen also
die Älteren ehren, die Älteren die Jüngeren lieben.
11. Spricht man einander an,
so darf keiner den anderen mit dem bloßen Namen
anreden,
12. sondern die Älteren
sollen die Jüngeren "Bruder" nennen, die Jüngeren aber die
Älteren "nonnus",
was soviel wie "ehrwürdiger Vater" heißt.
13. Der Abt aber werde mit
"Herr" und "Abt" angeredet, weil man im Glauben
erkennt, dass er Christi
Stelle vertritt. Das maßt er sich nicht selbst an, vielmehr
geschieht dies aus Ehrfurcht
und Liebe zu Christus.
14. Er selbst aber bedenke
das und verhalte sich so, dass er dieser Ehre würdig ist.
15. Wo immer Brüder einander
begegnen, bittet der Jüngere den Älteren um den
Segen.
16. Kommt ein Älterer, steht
der Jüngere auf und bietet ihm den Platz zum Sitzen
an. Und der Jüngere nehme
sich nicht heraus, sich wieder zu setzen, bevor ihn
der Ältere dazu auffordert.
17. So geschieht, was
geschrieben steht: "Kommt einander in gegenseitiger
Achtung zuvor."
18. Knaben und Jugendliche
sollen im Oratorium und bei Tisch ihre Reihenfolge
ordentlich einhalten.
19. Draußen aber und
überall sollen sie beaufsichtigt und zur Ordnung an gehalten
werden, bis sie das
verständige Alter erreichen.
Kapitel 64: Einsetzung und
Dienst des Abtes
1. Bei der Einsetzung eines
Abtes soll man stets so verfahren: Es werde der
bestellt, den die ganze
Gemeinschaft einmütig in Gottesfurcht gewählt hat oder
ein noch so kleiner Teil in
besserer Einsicht.
2. Entscheidend für die Wahl
und Einsetzung seien Bewährung im Leben und
Weisheit in der Lehre, mag
einer in der Rangordnung der Gemeinschaft auch
der Letzte sein.
3. Es kann sogar vorkommen,
was ferne sei, dass die ganze Gemeinschaft
einmütig jemanden wählt,
der mit ihrem sündhaften Leben einverstanden ist.
4. Kommen etwa solche
Missstände dem Bischof der betreffenden Diözese zur
Kenntnis oder erfahren die
Äbte oder Christen der Nachbarschaft davon,
5. so sollen diese
verhindern, dass sich die Absprache der verkommenen Mönche
durchsetzt; vielmehr sollen
sie für das Haus Gottes einen würdigen Verwalter
bestellen.
6. Sie dürfen wissen: Wenn
sie sich von reiner Absicht und vom Eifer für Gott
leiten lassen, werden sie
dafür reich belohnt, andererseits machen sie sich
schuldig, wenn sie es
versäumen.
7. Der eingesetzte Abt
bedenke aber stets, welche Bürde er auf sich genommen
hat und wem er Rechenschaft
über seine Verwaltung ablegen muss.
8. Er wisse, dass er mehr
helfen als herrschen soll.
9. Er muss daher das
göttliche Gesetz genau kennen, damit er Bescheid weiß und
(einen Schatz) hat, aus dem
er Neues und Altes hervorholen kann. Er sei
selbstlos, nüchtern,
barmherzig.
10. Immer gehe ihm
Barmherzigkeit über strenges Gericht, damit er selbst Gleiches
erfahre.
11. Er hasse die Fehler, er
liebe die Brüder.
12. Muss er aber
zurechtweisen, handle er klug und gehe nicht zu weit; sonst
könnte das Gefäß
zerbrechen, wenn er den Rost allzu heftig auskratzen will.
13. Stets rechne er mit
seiner eigenen Gebrechlichkeit. Er denke daran, dass man
das geknickte Rohr nicht
zerbrechen darf.
14. Damit wollen wir nicht
sagen, er dürfe Fehler wuchern lassen, vielmehr
schneide er sie klug und
liebevoll weg, wie es seiner Absicht nach jedem
weiterhilft; wir sprachen
schon davon.
15. Er suche, mehr geliebt
als gefürchtet zu werden.
16. Er sei nicht stürmisch
und nicht ängstlich, nicht maßlos und nicht engstirnig,
nicht eifersüchtig und allzu
argwöhnisch, sonst kommt er nie zur Ruhe.
17. In seinen Befehlen sei er
vorausschauend und besonnen. Bei geistlichen wie
bei weltlichen Aufträgen
unterscheide er genau und halte Maß.
18. Er denke an die maßvolle
Unterscheidung des heiligen Jakob, der sprach:
"Wenn ich meine Herden
unterwegs überanstrenge, werden alle an einem Tag
zugrundegehen."
19. Diese und andere
Zeugnisse maßvoller Unterscheidung, der Mutter aller
Tugenden, beherzige er. So
halte er in allem Maß, damit die Starken finden,
wonach sie verlangen, und die
Schwachen nicht davonlaufen.
20. Besonders wahre er in
allem die vorliegende Regel.
21. Hat er seinen Dienst gut
verrichtet, dann darf er vom Herrn hören, was für den
guten Knecht gilt, der seinen
Mitknechten den Weizen zur rechten Zeit gegeben
hat:
22. "Amen, ich sage
euch, er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens
bestellen."
Kapitel 65: Der Prior des
Klosters
1. Zu oft schon sind durch
die Einsetzung eines Priors schwere Streitigkeiten in
den Klöstern entstanden.
2. Vom bösen Geist des
Stolzes aufgebläht, bilden sich manche ein, zweite Äbte
zu sein;
3. sie reißen die Herrschaft
über andere an sich, sie schüren Ärger und Streit, sie
stiften Zwietracht in ihren
Gemeinschaften.
4. Das geschieht vor allem
dort, wo derselbe Bischof und dieselben Äbte, die den
Abt einsetzen, auch den Prior
einsetzen.
5. Wie verkehrt das ist,
lässt sich leicht einsehen; denn schon vom Tag seiner
Einsetzung an wird dem Prior
Anlass zum Stolz gegeben.
6. Seine Gedanken flüstern
ihm nämlich ein, er sei der Autorität seines Abtes
entzogen, weil er von
denselben eingesetzt sei wie der Abt.
7. Daraus entstehen Neid,
Streit, Verleumdung, Eifersucht, Zwietracht und
Unordnung.
8. Wenn Abt und Prior
gegeneinander stehen, bringt diese Zwietracht ihre Seelen
zwangsläufig in Gefahr,
9. und auch ihre Untergebenen
laufen ins Verderben, wenn sie den Parteien
schmeicheln.
10. Die Hauptverantwortung
für diesen gefährlichen Missstand trifft jene, die eine
solche Unordnung verursacht
haben.
11. Daher halten wir es zur
Wahrung des Friedens und der Liebe für angebracht,
dass der Abt die Ämter in
seinem Kloster nach eigenem Ermessen besetzt.
12. Wenn möglich sollen
Dekane alle Belange des Klosters nach den Anweisungen
des Abtes regeln, wie wir
schon früher bestimmt haben.
13. Sind mehrere beauftragt,
kann ein einzelner nicht stolz werden.
14. Erfordern es aber die
örtlichen Verhältnisse oder äußert die Gemeinschaft
begründet und mit Demut die
Bitte und hält es der Abt für gut,
15. wähle er mit dem Rat
gottesfürchtiger Brüder einen aus und setze ihn selber als
seinen Prior ein.
16. Der Prior führe in
Ehrfurcht aus, was ihm sein Abt aufträgt; er tue nichts gegen
den Willen oder die Anordnung
des Abtes.
17. Denn je höher er über
andere gestellt ist, um so sorgfältiger muss er die
Weisungen der Regel
beobachten.
18. Stellt sich heraus, dass
der Prior voller Fehler ist oder, vom Hochmut betört,
sich stolz überhebt oder
nachweislich die Regel verachtet, werde er bis zu
viermal mit Worten
zurechtgewiesen.
19. Bessert er sich nicht,
treffe ihn die in der Regel vorgesehene Strafe.
20. Ändert er sich auch so
nicht, werde er seines Amtes als Prior enthoben, und ein
anderer, der geeignet ist,
soll an seine Stelle treten.
21. Ist er auch danach in der
Gemeinschaft nicht ruhig und gehorsam, werde er
sogar aus dem Kloster
gestoßen.
22. Doch bedenke der Abt,
dass er über alle seine Entscheidungen vor Gott
Rechenschaft ablegen muss,
damit nicht die Flamme des Neids oder der
Eifersucht seine Seele
verzehrt.
Kapitel 66: Die Pförtner des
Klosters
1. An die Pforte des Klosters
stelle man einen weisen älteren Bruder, der Bescheid
zu empfangen und zu geben
weiß und den seine Reife daran hindert, sich
herumzutreiben.
2. Der Pförtner soll seine
Zelle neben der Pforte haben, damit alle, die ankommen,
dort immer einen antreffen,
von dem sie Bescheid erhalten.
3. Sobald jemand anklopft
oder ein Armer ruft, antworte er: "Dank sei Gott" oder
"Segne mich".
4. Mit der ganzen Sanftmut
eines Gottesfürchtigen und mit dem Eifer der Liebe
gebe er unverzüglich
Bescheid.
5. Braucht der Pförtner eine
Hilfe, erhalte er einen jüngeren Bruder.
6. Das Kloster soll, wenn
möglich, so angelegt werden, dass sich alles
Notwendige, nämlich Wasser,
Mühle und Garten, innerhalb des Klosters
befindet und die
verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden
können.
7. So brauchen die Mönche
nicht draußen herumlaufen, denn das ist für sie
überhaupt nicht gut.
8. Diese Regel soll nach
unserem Willen in der Gemeinschaft oft vorgelesen
werden, damit sich keiner der
Brüder mit Unkenntnis entschuldigen kann.
Kapitel 67: Brüder auf
Reisen
1. Sollen Brüder auf Reisen
geschickt werden, empfehlen sie sich dem Gebet aller
Brüder und des Abtes.
2. Beim letzten Gebet des
Gottesdienstes wird immer aller Abwesender gedacht.
3. Bei der Rückkehr von der
Reise aber sollen sich die Brüder noch am selben
Tag bei allen festgesetzten
Gebetszeiten am Schluss des Gottesdienstes im
Oratorium zu Boden werfen
4. und alle um das Gebet
bitten wegen der Fehler, die vielleicht unterwegs
vorgekommen sind, wenn sie
Böses gesehen und gehört oder Unnützes
geredet haben.
5. Auch nehme sich keiner
heraus, einem anderen alles zu erzählen, was er
außerhalb des Klosters
gesehen und gehört hat, denn das richtet großen
Schaden an.
6. Wenn sich einer das
herausnimmt, verfällt er der von der Regel vorgesehenen
Strafe,
7. ebenso jeder, der den
Bereich des Klosters eigenmächtig verlässt, irgend wohin
geht oder sonst etwas ohne
Erlaubnis des Abtes unternimmt, sei es auch noch
so geringfügig.
Kapitel 68: Überforderung
durch einen Auftrag
1. Wenn einem Bruder etwas
aufgetragen wird, das ihm zu schwer oder unmöglich
ist, nehme er zunächst den
erteilten Befehl an, in aller Gelassenheit und im
Gehorsam.
2. Wenn er aber sieht, dass
die Schwere der Last das Maß seiner Kräfte völlig
übersteigt, lege er dem
Oberen dar, warum er den Auftrag nicht ausführen
kann,
3. und zwar geduldig und
angemessen, ohne Stolz, ohne Widerstand, ohne
Widerrede.
4. Wenn er seine Bedenken
geäußert hat, der Obere aber bei seiner Ansicht bleibt
und auf seinem Befehl
besteht, sei der Bruder überzeugt, dass es so für ihn gut
ist;
5. und im Vertrauen auf
Gottes Hilfe gehorche er aus Liebe.
Kapitel 69: Eigenmächtige
Verteidigung eines Bruders
1. Man achte darauf, dass im
Kloster sich keiner bei irgendeinem Anlass
herausnimmt, als Verteidiger
oder Beschützer eines anderen Mönches
aufzutreten,
2. wären die beiden auch
noch so eng durch Blutsverwandtschaft verbunden.
3. Auf gar keine Weise
dürfen sich die Mönche das herausnehmen, weil dies zum
Anlass für schlimmste
Ärgernisse werden kann.
4. Wer diese Vorschrift
übertritt, werde streng in Schranken gewiesen.
Kapitel 70: Eigenmächtige
Bestrafung eines Bruders
1. Man beuge im Kloster jeder
Gelegenheit zur Anmaßung vor.
2. Darum bestimmen wir:
Keiner darf einen seiner Brüder ausschließen oder
schlagen, es sei denn, der
Abt habe ihm dazu die Vollmacht erteilt.
3. Wer sich dagegen verfehlt,
werde vor allen zurechtgewiesen, damit die anderen
abgeschreckt werden.
4. Alle sollen jedoch Knaben
bis zum Alter von fünfzehn Jahren gewissenhaft zur
Ordnung anhalten und
beaufsichtigen,
5. doch geschehe auch dies
immer maßvoll und überlegt.
6. Wer sich ohne Weisung des
Abtes irgend etwas gegen einen Erwachsenen
herausnimmt oder gar den
Knaben gegenüber sich zu maßlosem Zorn
hinreißen lässt, den treffe
die von der Regel vorgesehene Strafe.
7. Es steht ja geschrieben:
"Was du selbst nicht erleiden willst, das tu auch keinem
anderen an!"
Kapitel 71: Der gegenseitige
Gehorsam
1. Das Gut des Gehorsams
sollen alle nicht nur dem Abt erweisen. Die Brüder
müssen ebenso einander
gehorchen;
2. sie wissen doch, dass sie
auf diesem Weg des Gehorsams zu Gott gelangen.
3. Ein Befehl des Abtes oder
der von ihm eingesetzten Oberen habe jedoch immer
den Vorrang, und wir erlauben
nicht, dass private Befehle vorgezogen werden.
4. Sonst sollen alle
jüngeren ihren älteren Brüdern in aller Liebe und mit Eifer
gehorchen.
5. Ist einer streitsüchtig,
werde er zurechtgewiesen.
6. Wenn aber ein Bruder vom
Abt oder von einem der Oberen aus einem noch so
geringfügigen Grund
irgendwie zurechtgewiesen wird,
7. oder wenn er merkt, dass
ein Älterer innerlich gegen ihn erzürnt oder ein wenig
erregt ist,
8. dann werfe er sich
unverzüglich zu Boden und liege zur Buße so lange zu
seinen Füßen, bis die
Erregung durch den Segen zur Ruhe kommt.
9. Wer sich aus
Geringschätzung weigert, das zu tun, den treffe körperliche
Züchtigung, oder er werde,
wenn er trotzig bleibt, aus dem Kloster gestoßen.
Kapitel 72: Der gute Eifer
der Mönche
1. Wie es einen bitteren und
bösen Eifer gibt, der von Gott trennt und zur Hölle
führt,
2. so gibt es den guten
Eifer, der von den Sünden trennt, zu Gott und zum ewigen
Leben führt.
3. Diesen Eifer sollen also
die Mönche mit glühender Liebe in die Tat umsetzen,
4. das bedeutet: Sie sollen
einander in gegenseitiger Achtung zuvorkommen;
5. ihre körperlichen und
charakterlichen Schwächen sollen sie mit unerschöpflicher
Geduld ertragen;
6. im gegenseitigen Gehorsam
sollen sie miteinander wetteifern;
7. keiner achte auf das
eigene Wohl, sondern mehr auf das des anderen;
8. die Bruderliebe sollen sie
einander selbstlos erweisen;
9. in Liebe sollen sie Gott
fürchten;
10. ihrem Abt seien sie in
aufrichtiger und demütiger Liebe zugetan.
11. Christus sollen sie
überhaupt nichts vorziehen.
12. Er führe uns gemeinsam
zum ewigen Leben.
Kapitel 73: Die Regel als
Anfang unseres Weges zur vollen Gerechtigkeit
1. Diese Regel haben wir
geschrieben, damit wir durch ihre Beobachtung in
unseren Klöstern eine dem
Mönchtum einigermaßen entsprechende
Lebensweise oder doch einen
Anfang im klösterlichen Leben bekunden.
2. Für den aber, der zur
Vollkommenheit des klösterlichen Lebens eilt, gibt es die
Lehren der heiligen Väter,
deren Beobachtung den Menschen zur Höhe der
Vollkommenheit führen kann.
3. Ist denn nicht jede Seite
oder jedes von Gott beglaubigte Wort des Alten und
Neuen Testamentes eine
verlässliche Wegweisung für das menschliche
Leben?
4. Oder welches Buch der
heiligen katholischen Väter redet nicht laut von dem
geraden Weg, auf dem wir zu
unserem Schöpfer gelangen?
5. Aber auch die
Unterredungen der Väter, ihre Einrichtungen und
Lebensbeschreibungen sowie
die Regel unseres heiligen Vater Basilius,
6. sind sie nicht für
Mönche, die recht leben und gehorsam sind, Anleitungen zur
Tugend?
7. Wir aber sind träge,
leben schlecht, sind nachlässig und müssen deshalb vor
Scham erröten.
8. Wenn du also zum
himmlischen Vaterland eilst, wer immer du bist, nimm diese
einfache Regel als Anfang und
erfülle sie mit der Hilfe Christi.
9. Dann wirst du schließlich
unter dem Schutz Gottes zu den oben erwähnten
Höhen der Lehre und der
Tugend gelangen. (Amen.)