Raum 10 – Baugeschichte

Damit in allem Gott verherrlicht werde

Im Kapitel der Regel des heiligen Benedikt über die Handwerker des Klosters (RB 57) steht der Satz: Alles im Kloster möge so geschehen, dass in allem Gott verherrlicht werde, also auch in den weltlichen Belangen.

Am 21. März 1089 begann in Melk das benediktinische Leben in Gebet und Arbeit (ora et labora). Die Babenberger hatten in der Burg, der Grabstätte ihrer Ahnen, ein Kloster errichtet und es mit einer Existenzgrundlage begabt: Grund und Boden, Grundherrschaft.

Hammer und Kelle, die bei der Grundsteinlegung im Jahre 1702 verwendet wurdenIm Auf und Ab der Geschichte gab es Blütezeiten der Wirtschaft, aber auch tiefen Niedergang. Es ist auffällig, dass in Zeiten regen geistlichen Lebens die Wirtschaft florierte, in Zeiten des Verfalls klösterlichen Lebens auch die Wirtschaft stagnierte.

Ursprünglich lebte das Kloster von den Erträgen der Grundherrschaft und nur beschränkt vom eigenen Grund und Boden. Nach der Grundentlastung (1848) musste die Wirtschaft umgestellt werden: Die Zinserträge der Wiener Häuser und die zunehmende Bewirtschaftung des eigenen Grundbesitzes sorgten für die notwendigen Mittel. In den letzten Jahrzehnten nahmen die Erträge des Forstes und der Landwirtschaft immer mehr ab. Das Stift lebt heute hauptsächlich von den Einkünften des Fremdenverkehrs.

Die Erträgnisse der wirtschaftlichen Bemühungen dienen dem Erhalt des Gymnasiums, der baulichen Erhaltung des Stiftes, der Restaurierungsnotwendigkeit in den 23 Pfarren und ermöglichen die Erfüllung sonstiger Aufgaben. Für zahlreiche Mitarbeiter ist in den verschiedenen Bereichen ein Arbeitsplatz gegeben.


Raum 10 – Wirtschaftsgeschichte

Die Stadt auf dem Berg

Benedikt von Nursia erbaute in Monte Cassino 529 ein Kloster – auf einem Berg: die Stadt auf dem Berg, die nicht verborgen bleiben kann. Er legt in seiner Regel fest, dass die klösterliche Gemeinschaft an einem festen Ort, klar umschrieben und abgegrenzt leben soll. Die Benediktiner haben ein ganz eigenes Gelübde, jenes der „stabilitas loci“, der Beständigkeit am Ort.

Diese Klöster mit Kirche, Bibliothek, Gasttrakt, Arbeits- und Wohnräumen der Mönche wurden durch die Arbeit der Mönche bald künstlerisch höchst wertvolle Bauten.

Detail aus der FluchttruheIn Melk gab es anstelle der Burg bald einen romanischen Bau, der durch ein gotisches Kloster abgelöst wurde. Dann begann Abt Berthold Dietmayr (1700-1739) mit dem heutigen Barockbau. Zielstrebig ging der Abt mit großer Klugheit vor. So gelang es ihm, das ganze Kloster in einheitlichem Stil zu errichten. Brutal wurden alle Vorgängerbauten vernichtet, dafür entstand ein neuer einheitlicher Barockbau.

Mit einem Umbauplan zur Barockisierung der Kirche begann es, bald aber ging man an einen völligen Neubau (Neubauplan). Als der Rohbau der Kirche fertig war, begann man nach einem neuen Klosterriss (ab 1711) etappenweise das ganze Kloster neu zu bauen. Als krönender Abschluss erfolgte die Inneneinrichtung der Kirche.

Jakob Prandtauer und, nach seinem Tod, Joseph Munggenast waren leitende Baumeister, für die Innenarchitektur der Kirche war sicher Antonio Beduzzi mitplanend tätig.

Das Gesamtkonzept Kloster – Park als eine künstlerische und natürliche Entsprechung wurde erst nach Fertigstellung des Klosterbaues möglich und bildet heute eine großartige Einheit.